Ein Fest, neue Räume – und eine ungewisse Zukunft

Die Kinder sehen die PR-Aktion pragmatisch – es ist heiß und sie langweilen sich. Sozialpädagoge Frank Preußner lockt mit Eis, und so wird die Litfaßsäule schließlich fertig. Seit über zehn Jahren plakatiert der a.a.a. einmal im Jahr die runde Werbefläche am Arnulfsplatz, heuer mit einem ganz besonderen Thema: Der Arbeitskreis für ausländische Arbeitnehmer feiert sein 40. Jubiläum. In der Osterbetreuung haben die Kinder unter Aufsicht ehrenamtlich engagierter Kunstlehrer Bilder gemalt und Plakate gefertigt, die nun für alle sichtbar am Arnulfsplatz prangen. Nicht nur das kreative Talent der Kinder, sondern auch die Eckpunkte der Feierlichkeiten rund um die 40-Jahr-Feier sind dort ausgestellt.

40 Jahre Weltkulturarbeit

Weltkulturarbeit – eine Anspielung auf das Weltkulturerbe soll der von den beiden beim a.a.a. beschäftigten Sozialpädagogen Barbara Schießl und Frank Preußner geprägte Begriff sein: eine Erinnerung daran, dass sich der Arbeitskreis seit fast einem halben Jahrhundert aktiv für die kulturelle Integration arbeitet und kontinuierlich expandiert. Das Kerngebiet der Hausaufgabenbetreuung für Kinder mit Migrationshintergrund ist mittlerweile so erfolgreich, dass die vorhandenen 25 Plätze bei weitem nicht mehr ausreichen, und eine Warteliste eingerichtet werden musste. Es gibt eine Kooperation mit der Pestalozzi-Grundschule, wo Kinder aus allen Kulturen Projekte machen und miteinander spielen. Auch Jugendliche fallen nicht durch das Raster – um sie kümmert sich Barbara Schießl in den Räumen des Zentrums für junge Kultur in der Weingasse, bietet beispielsweise Bewerbertrainings an oder vermittelt Qualifizierungsmaßnahmen. Sogar Deutschkurse für Mütter hat der a.a.a. im Programm.

Spart der Freistaat?

Das Jubiläums-Sommerfest am 27. Mai wird man in den Räumen in der Erhardigasse zelebrieren, die der Arbeitskreis im vergangenen Herbst beziehen konnte und die von der Stadt Regensburg finanziert werden. Auch die Räume in der Weingasse bezahlt die Stadt, ebenso wie einen Zuschuss für die Personalkosten. Offenbar ist die Arbeit des a.a.a. dem Stadtrat „quer durch alle politischen Fraktionen“ einiges wert, so Preußner: „Ich bin der Stadt sehr dankbar für die finanzielle Unterstützung“, die ja auch eine Zustimmung für die wertvolle Arbeit sei, die man leiste. Insgesamt darf der Arbeitskreis mit rund 70.000 Euro pro Jahr von der Stadt Regensburg rechnen. Nicht ganz so großzügig gibt sich derweil das bayerische Sozialministerium. Gab es hier bislang zumindest in den meisten Jahren eine Förderung von etwa 10.000 Euro, vernimmt man für 2012 laut Preußner „Signale aus dem Ministerium, dass Förderschwerpunkte verändert werden sollen und wir dann eventuell leer ausgehen“. Was das bedeutet, ist beim a.a.a jedem klar. Die wegfallenden 10.000 Euro des Sozialministeriums lassen sich nicht durch Bratwurstverkäufe auffangen: „Das ist für uns dann nicht mehr zu stemmen“, resümiert Preußner. Schon alleine deshalb, weil der Eigenbeitrag des Arbeitskreises jährlich ebenfalls 10.000 Euro beträgt, die durch Spenden und Aktionen erbracht werden müssen – eine Verdoppelung des Eigenbeitrages ist wenn überhaupt nur noch mit Spenden schaffbar, denn für die teilnehmenden Kinder und deren Familien sollen die Beiträge niedrig bleiben. Dass eine Institution, die seit 40 Jahren wertvolle Integrationsarbeit leistet und die mittlerweile die dritte Generation an Kindern mit Migrationshintergrund betreut, nach wie vor um finanzielle Förderung des Sozialministeriums kämpfen muss, ist Frank Preußner unverständlich. „Aber immerhin“, sagt er und spielt damit auf die neuen Räume in der Erhardigasse mit funktionierender Heizung, ordentlichen Toiletten und schließenden Fenstern an, „sind wir jetzt schöner verpackt“. Spendenkonto des Arbeitskreises für ausländische Arbeitnehmer: Konto-Nummer: 25866 Sparkasse Regensburg Bankleitzahl: 750 500 00

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