1.000 Zuschauer im Live-Stream

Ein Stadthallen-Beschluss in Richtung Parkhaus

Von großem Interesse begleitet ging die erste Live-Übertragung aus dem Stadtrat am Dienstag über die Bühne. Was etwas unterging: Ein Beschluss zum Stadthallen-Standort macht vor allem Pläne für ein Parkhaus am Alten Eisstadion konkreter.

Stream1Für die Zuschauer war es ein Glücksfall: Dass zur ersten Live-Übertragung aus dem Regensburger Stadtrat just das altehrwürdige Thema Kultur- und Kongresszentrum auf der Tagesordnung stand, bescherte dem geneigten Beobachter eine Diskussion, die einiges bot: epische Ausführungen von Günther Riepl (Freie Wähler) dazu, dass er es schon immer gesagt hat, dass der Ernst-Reuter-Platz der beste Standort sei, wortreiche Erklärungen von Benedikt Suttner (ödp), warum es eine Wirtschaftlichkeitsprüfung brauche und warum der Bau einer Stadthalle kritisch zu sehen sei und ebenso ausführliche und teils scharf formulierte Erklärungen von Oberbürgermeister Joachim Wolbergs, warum Suttner Unrecht habe.

Nicht vergessen werden sollte auch das Gemurmel und Gemosere von SPD-Fraktionschef Norbert Hartl, der – ohne an der Reihe zu sein – ihm nicht behagende Wortmeldungen kommentierte. Ein repräsentative und spannende Sitzung war es also am Dienstag. Stellenweise erinnerte die Diskussion an die legendären Schlachten, die einst im Stadtrat gefochten wurden, als CSU und SPD mit freundlicher Unterstützung der Grünen die Stadthalle am Donaumarkt gegen den mehrfach erklärten Bürgerwillen durchsetzen wollten.

1.000 Zuschauer in der Spitze

Ob nun das Thema der Grund war oder die, wie es Joachim Wolbergs formulierte, „Weltpremiere“ für den Live-Stream aus dem Stadtrat ins Internet – wer weiß. Festzuhalten bleibt allerdings, dass der ersten Übertragung Erfolg beschieden war: Nach Informationen der Stadtverwaltung beobachteten in der Spitze 1.000 Regensburger das Stadtratsgeschehen an ihren Computern. Da sind auch kleinere Pannen verschmerzbar und der Umstand, dass die Aufzeichnung der Sitzung bislang noch nicht abrufbar ist. Das wird in Zukunft hoffentlich etwas flotter gehen.

Täuschend ähnlich: SPD-Fraktionschef Hartl verkleidet als Planungsreferentin Christine Schimpfermann. Zumindest laut Live-Stream-Grafik.

Täuschend ähnlich: SPD-Fraktionschef Hartl verkleidet als Planungsreferentin Christine Schimpfermann. Zumindest laut Live-Stream-Grafik.

Etwas unter ging freilich, dass der gestrige Beschluss zum Kultur- und Kongresszentrum (RKK) zunächst weniger Folgen für den Ernst-Reuter-Platz als für den Unteren Wöhrd – den Standort Altes Eisstadion – haben wird. Neu ist nämlich weder das Raumprogramm für das RKK, noch dass die Verkehrsführung umgestaltet und der Busbahnhof verlegt werden soll. Das ist alles schon lange Beschlusslage. Und auch nicht wirklich neu ist, dass das Kultur- und Kongresszentrum am Ernst-Reuter-Platz ohne direkt angeschlossenes Hotel gebaut werden soll. Erst vor kurzem hat die Stadt das frühere HVB-Gebäude in der Maximilianstraße ohne größere Diskussion erworben, auf Vorrat sozusagen, um dort ein Hotel unterzubringen, wenn das Kultur- und Kongresszentrum denn mal kommt. Der Preis soll zwischen 13 und 14 Millionen Euro liegen.

Wann die Stadthalle kommt, ist noch nicht klar

Wann dies der Fall sein wird, ist auch nach dem gestrigen Beschluss nicht klar. Zwar wurde eine Änderung des Flächennutzungsplans und die Aufstellung eines Bebauungsplans beschlossen, zwar verlieh Norbert Hartl der Hoffnung Ausdruck, dass man zum Ende dieser Stadtratsperiode alles so weit vorbereitet haben könnte, um in der darauffolgenden Periode den Spatenstich auf den Weg zu bringen. Ob das aber gelingen wird, ist längst nicht abgemacht – vorher müssen zunächst einmal die neue Verkehrsführung und die Verlegung des Busbahnhofs unter Dach und Fach sein.

Der frühere Oberbürgermeister Hans Schaidinger hatte gar 2012 – als der Stadtrat sich zum ersten Mal auf den Ernst-Reuter-Platz festgelegt hatte – gar erklärt, dass ein Kultur- und Kongresszentrum nicht vor 2030 gebaut werden würde. „Den Spatenstich wird nicht der übernächste Stadtrat vornehmen. Wahrscheinlich wird es erst der überübernächste sein“, so Schaidinger damals.

Der Weg ist frei für das Parkhaus

Wesentlich kurzfristigere Folgen dürfte allerdings der Beschluss haben, den Unteren Wöhrd, Altes Eisstadion, endgültig als möglichen Alternativstandort zu beerdigen. Der ewige Lieblingsstandort der Grünen für eine Stadthalle wird mutmaßlich für ein Parkhaus benötigt. Ursprünglich hatte die Stadtverwaltung geplant, dieses Parkhaus am Jacobi-Gelände zu errichten und das Alte Eisstadion so lange wie möglich als Alternativstandort freizuhalten, sollte es am Ernst-Reuter-Platz doch noch Probleme geben. Das hatte Oberbürgermeister Wolbergs noch im September erklärt. Weil aber die Klage eines Anwohners das Jacobi-Gelände zu blockieren droht, schwenkte Wolbergs zwei Monate später um und favorisierte den Standort Altes Eisstadion. Mit dem Beschluss vom Dienstag werden nun vor allem diese Parkhaus- weniger die Stadthallen-Pläne konkreter.

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Kommentare (9)

  • Karl Hartz

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    Glasnost und Perestroika

  • Peter Pantera

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    Guten Morgen,

    Vielleicht verstehe ich die Zusammenhänge nicht richtig.
    Ein Parkhaus am Standort „Altes Eisstadion“ wird der Altstadt wenig helfen sie wird weiter veröden.
    Die Innenstadt ist immer schwieriger mit dem Auto zu erreichen
    und an bestimmten Zeiten ist es schon ein unglaubliches Geduldspiel einen Parkplatz zu finden.
    Wenn ich im Eisstadion parke kann ich gleich ins DEZ zum einkaufen gehen ist ja fast kürzer als in die Altstadt..
    Was ist mit den vielen Pendler die momentan dort parken?
    klar sie bekommen ein Angebot dort vergünstigt zu parken , aber das sind eben auch wieder zusätzliche Kosten.
    DIe Altstadtlinie wird nicht mehr so bedient ist es ein Ziel des Stadtrats ein „Altstadtmuseum „zu erichten..

  • Hans Hauser

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    Hallo Peter,

    richtig, die Zusammenhänge verstehlt Du noch nicht ganz, weil Du die Situation ausschließlich durch Deine Brille siehst. „…Innenstadt…mit dem Auto zu erreichen“ ist alles was für Dich wichtig ist. Schön draußen im Grünen ruhig und günstig wohnen, aber bei jeder Gelegenheit ohne Einschränkungen mit dem eigenen, sicher nicht kleinen Auto durch die engen Gassen brettern zu können, das ist Dein Recht als freier Bürger.

    Allein Du vergisst all die Menschen, die in diesem „Altstadtmuseum“ leben, die täglich die Abgase und den Lärm von Dir und Deinesgleichen zu ertragen haben, das sind nämlich genau wie Du freie Bürger. Nur dass die nicht auf die Idee kömmen, Tag und Nacht mit dem SUV rund um Dein Häusl im Grünen rumzufahren.

  • urlaub

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    Die Live-Übertragung finde ich sehr interessant. Aber die Kameraeinstellung ist eine einzige Kathastrophe, denn es werden nur die Gesichter der jeweiligen Redner gezeigt.

    Warum blendet man nicht den ganzen Plenarsaal öfter ein, damit man auch die Verstecker und die nie an der Diskussion sich beteiligen, sehen kann. Glaube das jeder Stadtteil Probleme aufzeigen kann, so wie Herr Gugau dies für Keilberg darstellte. Respekt von der Klasse Leitung der Sitzung von Herr Wollbergs – 1a. Die großen ehemaligen CSU-Macher von denen sieht und hört man fast gar nichts??!!

  • Maria Essen

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    Ich kann das Geplärre der Schickimickiwohner im Altstadtmuseum „die täglich die Abgase und den Lärm von Dir und Deinesgleichen zu ertragen haben“ nicht mehr hören. Die Mehrzahl ist freiwillig eingezogen, nach dem sie zuerst die ursprünglichen Anwohner aus der Stadt durch überteuerte Mieten vertrieben haben.
    Wenn ich mir die Bewohnerparkplätze (Kosten 30,70 Euro pro Jahr) anschaue kann Tag und Nacht Edelschlitten und SUVs mit Ausweis in nicht geringer Anzahl finden.
    Warum wird überhaupt in der Altstadt parken zugelassen? Wäre es nicht ehrlicher neue Anwohnerparkhäuser (z.b. Eisstadion) zu errichten.
    Überlässt die Innenstadt dem Fußgänger und Radfahrer.

  • Rocky

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    Liebe Maria Essen, und nachdem ich mit meinem exorbitanten Gehalt die Bewohner der Altstadt rausgentrifiziert habe, werde ich demnächst Ihr schmuckes Häuschen kaufen und Sie vertreiben. Wissen Sie, in der Altstadt leben AUSSCHLIESSLICH Superreiche! *sarkasmus off*

  • Schmutzige Zugabe bei städtischem Blindkauf » Regensburg Digital

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    […] Ende 2014 hatte der Stadtrat den Grundsatzbeschluss gefasst, das frühere HVB-Gebäude in der Maximilianstraße 26, jahrelang Firmensitz der Kapitalgesellschaft GKM des Kapfelbergers Reinhard Listl, zu erwerben – auf Vorrat sozusagen, um irgendwann, wenn denn mal ein Kultur- und Kongresszentrum gebaut werden sollte, dort ein Hotel unterzubringen. […]

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