Energie und Euro

energieeuroEinem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Für das Gros der rund 115.000 Kunden des halbkommunalen Energieversorgers REWAG trifft dieses Sprichwort sicher zu. Sie bekamen nämlich dieser Tage etwas geschenkt: 100 Energie-Euro wurden ihnen als „Dankeschön für ihre Treue zur REWAG“ via City-Mail zugestellt. Was es mit dem neuen Zahlungsmittel auf sich hat, erfährt der geneigte REWAG-Kunde – und jeder, der es noch werden will – schon seit geraumer Zeit, unter anderem durch Radio-Werbung und Heckreklamen an mehreren RVB-Bussen: In diversen Geschäften und Gaststätten – 22 an der Zahl – kann man mit den Energie-Euros ein bis zwei Euro Vergünstigung ergattern. Das dürfte den einen oder anderen sicher freuen. Laut Unternehmenssprecher Ludwig Bergbauer gab es aber neben der Freude über dieses Geschenk, auch „ein paar vereinzelte“ Beschwerden. Tenor: Wer zahlt diese Aktion eigentlich? Vorneweg: Die eingelösten Energie-Euros übernehmen die beteiligten Firmen. Versand, Druck und Werbung für die Energie-Euro-Hefte gehen aber zu Lasten der REWAG. „Ein paar Firmen, die einen kleinen Rabatt geben, sollen mich darüber hinwegtäuschen, dass auch die REWAG permanent an der Preisschraube beim Strompreis dreht“, schreibt etwa ein erboster Kunde. Seine Frage, was „dieser unsinnige Werbegag uns Stromkunden gekostet hat“, kann Ludwig Bergbauer nicht beantworten, versichert aber: „Die Kosten werden aus unserem üblichen Werbebudget bestritten.“ Bei dem Energieversorger sieht man die Aktion als Kooperation lokaler Unternehmen „zum Vorteil aller Beteiligten“. Ob sich der kritische Energiekunde damit zufrieden gibt, bleibt abzuwarten. Er will eine Anfrage an den Stadtrat stellen. „Weitere Konsequenzen nicht ausgeschlossen.“ Etwas pragmatischer hat ein anderer Kunde auf die Aktion reagiert. Er schreibt: „Ich entnehme Ihrer Aktion, dass Sie zuviel eingeforderte Beträge an Ihre Kunden zurückgeben wollen. Da ich die Gutscheine nicht verwenden werde, erbitte ich eine entsprechende Gutschrift.“ Von seiner nächsten Stromrechnung will er deshalb 50 Euro abziehen. Auch eine Definition von Energie-Euro … „Die Kunst des Schenkens liegt darin, einem Menschen etwas zu geben, was er sich nicht kaufen kann.“ Alan Alexander Milne

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Kommentare (13)

  • Joachim Datko

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    Wichtiger als ein „Gutscheinheft“ ist für mich die Frage, ob die massiven Preiserhöhungen bei Erdgas berechtigt sind.

    Der BGH hat 2008 in zwei Urteilen den Verbrauchern Recht gegeben. Sie hatten die Rechnungen gekürzt.

    – 2008.12.17 Karlsruhe
    BGH VIII. Zivilsenat Urteil AZ: VIII ZR 274/06
    Unwirksame Preisanpassungsklausel in einem Gasversorgungs-Sondervertrag

    – 2008.04.29 Karlsruhe
    BGH-Kartellsenat Urteil Az: KZR 2/07
    Preiserhöhungsklausel in Erdgassondervertrag unwirksam
    ===
    siehe:
    http://www.monopole.de/Erdgas-Gas-BGB-315-BGH-Preis-Urteile.html
    ===

  • Johann

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    Ich bin sehr froh und dankbar, daß regensburg-digital sich dieses Themas annimmt.
    Es kann doch nicht sein, daß der REWAG Kunde mit ein paar -für die REWAG kostenlosen- Energie Euro abgespeist wird und im Gegenzug um echte Euros für überhöhte Strompreise zur Kasse gebeten wird.

    Hier ist der Aufsichtrat der REWAG gefragt, also die vom Bürger gewählten Regensburger Politiker die dort sitzen.
    J.B.

  • Norbert

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    Ich frage mich, was das soll. Will die REWAG den Umsatz best. Firmen ankurbeln.
    Was hat der Druck dieser Gutscheinhefte gekostet, die in nicht gerade geringer Anzahl unters Volk gebracht wurden – zusätzlich auch noch das Porto.
    Als normal denkender Mensch kann ich nur noch den Kopf schütteln. Wieder ein Grund doch noch zum Greenpeace Strom zu wechseln!
    Ich hoffe dass sich der Stadtrat dieses Themas annimmt.

  • Rudolf Schmitzer

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    Gratulation an die Redaktion für diesen Artikel.
    Interessant an diesem „Rabatmarkensystem“ ist, dass diese „Rabatmarken“ nicht für Leistungen des herausgebenden Unternehmens verwendet werden können. So ist nachvollziehbar zur Kundenbindung, dass zum Beispiel bei dem „Miles&More“ Program der Lufthansa AG, Meilengutschriften von bezahlten Flügen für „Upgrading“ von der Economy in die Business Class und/oder Freiflüge verwendet werden von Kunden, nicht so bei der REWAG und den Energie-Euros!
    Ich werde jedenfalls das Wort Energie-Euro wörtlich und diese bei der REWAG einlösen.

  • F-Berger

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    Wird mit diesem Energie-Euro Gutscheinheft in den Wettbewerb eingegriffen?
    Wird hier Werbung, bzw. die Erhöhung eines Marktwertes oder Markenwertes auf Kosten der Konkurrenz betrieben?
    Diese Fragen sollte der Aufsichtsrat, bzw. der Stadtrat im Vorfeld geprüft haben.

  • Sebastian Wild

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    Vor allem wenn man sich anschaut welche Unternehmen da vertreten sind:

    So gilt etwa der Energieeuro bei einer nahmhaften Burgerkette…jedoch nicht in den Regensburger Fililalen sondern nur in Neutraubling und Landshut. Was soll ein Rewag-Kunde bitte damit (wenn er nicht gerade in Neutraubling wohnt)?
    Hat die Rewag Kunden in Landshut?

    Für mich ist das ein typischer Marketing-Gag. Offenbar hat die Rewag zu viel Geld wenn sie solche Sachen damit machen kann.
    Die Strompreise zu senken wäre sinnvoller…

  • Dr. Lutz Tittel

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    Eine irrwitzige Idee,
    der Kunde soll Strom sparen und erhält von der REWAG Gutscheine , sogenannte Energie Euro. Wenn die REWAG schon so großzügig ist, dann hätte sie wert darauf legen sollen, dass die Gutscheine in einergiesparende Artikel investiert werden, beispielsweise in energiesparende Leuchtmittel. Bei der Durchsicht dieses Heftes ist mir dabei kein Unternehmen aufgefallen, die solche einsparenden Leuchtmittel anbietet, oder gibt es vielleicht in Zukunft bei MC – Donalds entsprechende Atikel zu kaufen.
    Marion Puhle

  • Neuregensburger

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    „#

    Eine irrwitzige Idee,
    der Kunde soll Strom sparen und erhält von der REWAG Gutscheine , sogenannte Energie Euro. Wenn die REWAG schon so großzügig ist, dann hätte sie wert darauf legen sollen, dass die Gutscheine in einergiesparende Artikel investiert werden, beispielsweise in energiesparende Leuchtmittel. Bei der Durchsicht dieses Heftes ist mir dabei kein Unternehmen aufgefallen, die solche einsparenden Leuchtmittel anbietet, oder gibt es vielleicht in Zukunft bei MC – Donalds entsprechende Atikel zu kaufen.
    Marion Puhle

    Von Dr. Lutz Tittel am 10. Feb 2009, 11:22 Uhr

    ist mir irgendwas entgangen oder firmiert hier eine Marion Puhle unter dem Pseudo Dr Lutz Tittel ??

    oder etwa ein wirklicher Anonymus, der die beiden mir mit schöner Regelmäßigkeit begegnenden Pseudos „Marion Puhle“ und „Dr Lutz Tittel“ zweckentfremdet ??

  • Marion Puhle

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    An Neuregensburger,
    der Kommentar „irrwitzige Idee“ stammt nicht von Dr. Lutz Tittel, sondern von mir. Versehentlich habe ich, da Dr. Lutz Tittel seine Kommentare über meine Emailadresse schickt, vergessen, meinen Namen einzusetzen. Ich hoffe das damit die Angelegenheit bereinigt ist.
    Marion Puhle

  • Neuregensburger

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    herzlichen Dank Frau Puhle!

  • Riepl Günther

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    Das was die Rewag da macht ist ein Wettbwerbseingriff auf Kosten Dritter.
    Also verboten.
    Der Geschäftsmann der in der Auflistung nicht genannt ist und zwangsläufig Rewag-Energie bezieht, zahlt den Rewag-ausgewählten Wettbewerb gegen sich.
    Also Rewag-Aufsichtsräte: Abfragen was der Spass gekostet hat, wer ihn zu verantwoten hat(wahrscheinlich ihr selbst) und wer den materiellen und immatereiellen Schaden bereinigt. (Amtshaftung?)

  • Thomas Lambert

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    Super Aktion, leider habe ich in meinem Rabatheft den 100 EUR Gutschein der REWAG vermisst. Muss irgendwo abhanden gekommen sein! Löse ihn trotzdem ein und sende den Rabatmarkenblock an die REWAG zurück. Tipp an die Gutscheinempfänger: Schneller lassen sich 100 EUR von der nächsten Gasrechnung nicht einsparen!
    Danke REWAG, super Aktion, das ist erstklassiges Marketing!
    Da macht sparen Spaß, aber ich frage mich, wer zahlt die Zeche?

  • Ingrid

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    Liebe Leser nein besser Regensburger Rewag-Kunden.Diese Rewag-Euro-Gutscheine sind nur für die jeweiligen Firmen von Vorteil-ich muß halt dann beim Getränke Hausler mindestens um 20 € einkaufen, um ja einen Euro zu sparen. So ein Quatsch. Dem Rewag-Kunden sollte es zu Gute kommen und nicht umgekehrt. Liebe Aufsichtsräte und Rewag-Vorsitzende laßt Euch was besseres einfallen – sonst laufen Euch die Kunden nur so davon. Ich schau mich jetzt auch um einen anderen Anbieter um.

    Gruß Ingrid

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