Mehr Interesse als in München

Erfolgsgeschichte „Live aus dem Stadtrat“?

Am heutigen Dienstag können Interessierte die Sitzung des städtischen Planungsausschusses wieder einmal live am heimischen Bildschirm verfolgen. Eine Statistik zeigt: In Regensburg erfährt das Angebot mehr Zuspruch als in München.

 „Von dem Tag, an dem 174 Leute auf der Tribüne im Stadtrat sitzen, während wir Sitzung haben, träumen wir nämlich.“ Piratin Tina Lorenz zieht ein positives Zwischenfazit. Foto: Archiv/ Staudinger

„Von dem Tag, an dem 174 Leute auf der Tribüne im Stadtrat sitzen, während wir Sitzung haben, träumen wir nämlich.“ Piratin Tina Lorenz zieht ein positives Zwischenfazit. Foto: Archiv/ Staudinger

Noch bis Ende Januar läuft die Testphase für Liveübertragungen aus dem Kultur- und dem Planungsausschuss des Regensburger Stadtrats. Dann wird entschieden, ob das Angebot weitergeführt, ja sogar ausgeweitet oder wieder eingestampft werden soll. Oberbürgermeister Joachim Wolbergs hat aus seiner Skepsis gegenüber den Liveübertragungen in der Vergangenheit kaum einen Hehl gemacht. Immer wieder fällt zu Beginn mancher Sitzung eine bissig-ironische Bemerkung zur Sinnhaftigkeit des Internetstreams.

So steht’s nun mal im Vertrag…

Aber: Die derzeit laufende Probephase steht nun mal im Koalitionsvertrag – und insbesondere Piratin Tina Lorenz und die FDP hätten sehr empfindlich reagiert, wäre dieses Vereinbarung – bei beiden ein Kernthema – gebrochen worden. Am Rande: Das ebenfalls im Koalitionsvertrag gegebene Versprechen, auch die Protokolle der Sitzungen im Internet zugänglich zu machen wurde bislang noch nicht eingelöst.

Betrachtet man aber nun die Zuschauerzahlen von Livestream und Mediathek, dann könnte auch der Oberbürgermeister ganz zufrieden sein – zumindest im Vergleich mit anderen Städten. Piratin Tina Lorenz hat auf ihrem Blog kürzlich eine vorläufige Auswertung der Produktionsfirma SnapShot veröffentlicht, die ergibt: Die Mediathek, in der die Videos vergangener Ausschusssitzungen zwei Monate lang angeschaut werden können, verzeichnet mit 500 Besuchern im Monat genau so viel Interesse wie jene der bayrischen Landeshauptstadt München, die immerhin knapp zehn Mal so viele Einwohner hat wie Regensburg.

Durchschnittlich 174 Zuschauer

Auch die durchschnittlich knapp 300 Zugriffe bzw. 174 Zuschauer, die regelmäßig bei den Liveübertragungen verzeichnet werden, können sich im Vergleich durchaus sehen lassen. In München sind es zwischen 600 und 800 Zugriffen pro Stream, in Erfurt, das etwa 65.000 Einwohner mehr hat als Regensburg, etwas mehr als 400.

Freilich – so ist das mit Durchschnittswerten – schlägt vor allem die erste Liveübertragung vom Januar mit über 700 Zuschauern ins Kontor. Das mag auch an der medialen Berichterstattung zu dieser Neuerung gelegen haben. Seitdem hat das Interesse abgenommen. In den Sommermonaten waren es etwas mehr als 100 Zuschauer, die Interesse am Livestream zeigten.

Großes Interesse zu Beginn. Aktuell etwas mehr als 100 Zuschauer: Der Livestream. Grafik: SnapShot

Großes Interesse zu Beginn. Aktuell etwas mehr als 100 Zuschauer: Der Livestream. Grafik: SnapShot

Spannend ist die Frage, ob sich das Einbinden des Streams bei der Mittelbayerischen Zeitung (zuletzt noch hinter einer Paywall) und bei Regensburg Digital (kostenlos) auf das Zuschauerinteresse auswirken werden – bislang liegen dazu noch keine Zahlen vor. Piratin Lorenz sieht das Projekt bereits jetzt als Erfolgsgeschichte: „Von dem Tag, an dem 174 Leute auf der Tribüne im Stadtrat sitzen, während wir Sitzung haben, träumen wir nämlich.“

Hier gibt’s den Livestream

Auch für die heutige Sitzung des Planungsausschusses (Beginn: 17.30 Uhr) binden wir den Stream wieder auf unserer Seite ein.

Zur städtischen Live-Seite mit Mediathek geht es hier.

Den Sitzungskalender mit Tagesordnungen und Beschlussvorlagen zum Nachlesen gibt es hier.

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Kommentare (10)

  • Steuber

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    Vielleicht steigt die Akzeptanz wenn manche (Non-)Pro­pa­gan­disten zu Beginn der Dreharbeiten ‚ein Sektglas öffnen‘ wird. Bei goldenen Hochzeiten oder dgl. wirkt es oft Wunder, sagt man.

  • Fürsterl

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    Interessant wären in diesem Zusammenhang auch die Kosten, die durch/für das von ~100 Personen genutzte Angebot anfallen.

  • Jürgen

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    Die Kosten interessieren mich zu diesem Zeitpunkt herzlich wenig.
    Kommunalpolitik wird durch diese Einrichtung etwas transparenter, direkter und vor allem ungefiltert transportiert. Das Internet wurde vor 40 Jahren auch nur von einigen wenigen genutzt und explodierte 20 Jahre später förmlich.
    Ich kann trotzdem nur jedem empfehlen regelmäßig den Sitzungen direkt beizuwohnen. Es ist oft sehr aufschlussreich wie die einzelnen Gruppen und Personen agieren.

  • Zaungast

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    würde mir wünschen, dass es ( am besten via RSS ) zeitnah kommuniziert wird. Mein bisheriges Verhalten ist so, dass ich sporadisch auf die Seite der Stadt schaue und gugge obs was Neues gibt..( da is es dann eher Zufall, wenn ich mal den Livestream erwische..) hätt gerne noch mehr Sitzungen zum anschauen.. manche sind spannend, andere informativ alle zusammen haben sie gemeinsam, dass man als Normalbürger Einblick kriegt in die Arbeit des Stadtrates und wie sie von Statten geht. Inzw. war ich sogar schon mal bei einer Sitzung auf der Zuschauertribühne / Galerie . Zugegeben: da is mir aber der Stream lieber, denn da kann man mal Kippenpause machen, ohne dass man was verpasst.

  • sophie

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    @ fürsterl: Es geht für weniger sinnvolle PR der Stadt mehr Geld drauf.

    Das Interesse wäre sicher nooch größer, wenn der Zugriff auf die Mediathek aktueller sein könnte. Andere Kommunen leisten sich diesen „luxus“ ebenfalls. Und Teilhabe an Demokratie ist nicht kostenlos.

  • Lothgaßler

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    Der Knaller wären Livestreams aus den Fraktionssitzungen;-)))
    Über Kosten würde ich bei diesem Angebot nicht streiten. Stadtrat und Ausschüsse sind keine Geheimrunden, deren Arbeit muss soweit möglich transparent sein und sollte uns interessieren. Die Live-Präsenz auf der Galerie erfordert nicht nur abgestimmte individuelle Zeitplanung, sie ist auch wegen des begrenzten Platzes nur für relativ wenige Leute möglich und erlaubt nur bedingt Sicht auf das Geschehen. Auch mit Kommentaren muss man sich live vor Ort zurückhalten, was durchaus schwer fallen kann.

  • Hannelore Fuchs

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    An den Kosten kanns nicht liegen.
    Mit dem jährlichen Betriebskostendefizit der ContiArena könnte man das Stadtrat-TV locker mehrfach finanzieren.
    Ganz zu schweigen von den 50 Millonen Baukosten des Jahnstadions, 2000 Jahre wäre die Finanzierung gesichert.

  • Doris Freising

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    Ist Oberbürgermeister Wolbergs überhaupt ein Demokrat?
    In der Art wie sich der mit ironischen Spitznamen „Wolli“ benannte Oberbürgermeister Wolbergs über die Meinung und Ansichten Anderer äußert und hinwegsetzt, könnten zunehmend Zweifel an (s)einer demokratischen Grundeinstellung aufkommen und ihn doch immer mehr als Schaidinger-Klon erscheinen lassen. Seine jüngsten Äußerungen zu dem Interessenverband der Steuerzahler („überflüssig“), seine Meinung zur Diskussion über Fehler im Umgang mit den GBW-Wohnungen („muss endgültig beerdigt werden“) und seine bissig-ironischen Bemerkungen zur Sinnhaftigkeit von Transparenz im politischen Handeln sind für demokratisch Denkende nur schwer verdaulich.

  • Mathilde Vietze

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    Zu Doris Freitag: Ist es denn statthaft, daß der Herr Oberbürgermeister eine andere
    Meinung haben darf als Sie?

  • Piraten Paule

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    Das lustige ist ja das die Piraten nichtmal selber auf ihrer HP einen Link zur Stadtratssitzung haben – fordern – aber dann nicht fördern.
    Es scheint sowieso in Regensburg nurnoch die Frau Lorenz übrig zu sein – oder gibt es noch andere Piraten in der Stadt ? Hören tut man von denen aufjedenfall nix

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