Fairer Handel und besserer Kaffee

Oberbürgermeister Hans Schaidinger trinkt nur grünen Tee. Im Büro von Bürgermeister Gerhard Weber kommt nur ganz selten Kaffee zum Ausschank, er präferiert deutsches Mineralwasser, doch dafür gibt es im Einflussbereich von Bürgermeister Joachim Wolbergs ausschließlich fair gehandelten Kaffee. Damit ist schon mal ein Kriterium erfüllt, damit Regensburg das Siegel „Fairtrade Stadt“ erhalten kann. Bei den Stadträten im Verwaltungs- und Finanzausschuss stieß dieses Ansinnen am Donnerstag auf einhellige Zustimmung und das nicht nur, weil der Kaffee, der bislang im Plenum gereicht wird, „furchtbar greislich“ schmeckt, wie Norbert Hartl (SPD) mehrfach anmerkte. Vor einem Jahr hatte der Stadtrat die Verwaltung beauftragt, zu überprüfen, ob Regensburg reif für den Titel ist. Die Kampagne wird vom Verein Transfair e. V. getragen, der selbst nicht mit Produkten handelt, aber ein entsprechendes Siegel für fair gehandelte Produkte vergibt, die Herstellern – vor allem in der Dritten Welt – Preise garantieren, die ein menschenwürdiges Arbeiten und Leben ermöglichen und z.B. Kinderarbeit ausschließen. Wichtige Hauptprodukte sind Kaffee und Kakao. Rund 40 Städte in ganz Deutschland führen derzeit den Titel, der nach leichten Startschwierigkeiten im Jahr 2009 mittlerweile recht imageträchtig geworden ist. Gerade im Oktober und November machten mehrere Städte mit dem Erhalt dieses Siegels Schlagzeilen. Die Kriterien, um dabei als Stadt mitzumischen, scheinen nicht wirklich schwer zu erreichen und werden in Regensburg bereits zum größten Teil erfüllt. Es braucht entsprechende Beschlüsse des Stadtrats und eine flankierende Berichterstattung in den Medien (vier Artikel pro Jahr). Eine Stadt von der Größe Regensburgs soll mit mindestens 25 Geschäften, die entsprechende Produkte anbieten, aufwarten können; laut Joachim Graf (ödp) sind es hier über 70. Je eine Schule, ein Verein und eine Kirche sollen in Sachen fairer Handel aktiv sein – auch das ist in Regensburg längst der Fall. Jetzt braucht es lediglich noch eine Steuerungsgruppe, an der sich die Stadtverwaltung beteiligt; dann steht der Sache nichts mehr im Weg, abgesehen vom fair gehandelten Kaffee im Stadtratsplenum – aber das dürfte kein Problem sein: Momentan schmeckt der sowieso „greislich“ und vielleicht auch deshalb hat Bürgermeister Gerhard Weber zugesagt, die geringen Kaffeemengen in seinem Einflussbereich künftig aus fairem Handel zu beziehen. P.S.: Unmittelbar nach dem Beschluss hat IHK Regensburg davor gewarnt, dass eine Polarisierung zwischen Fairtrade und normalem Handel „nicht zielführend“ wäre.

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Kommentare (2)

  • NannyOgg07

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    Nicht zielführend? Kommt auf das Ziel an.

    Allerdings finde ich das Einführen eines Siegels, bei dem im Grunde nicht wirklich was geändert werden muss irgendwie eigenartig.

    Wäre es nicht zum Beispiel zielführender, um bei der schönen Formulierung zu bleiben, wenn die Vorraussetzung wäre dass alle öffentlichen städtischen Einrichtungen fair gehandelten Kaffee ausschenken würden? Also auch die Museen, Schwimmbäder und Co? Aber das geht ja nicht weil man das fremd vergeben hat, und das PErsonal in der Verwaltung kauft ja wahrscheinlich seinen Kaffee selbst, da ist eine Verpflichtung zur FAirness natürlich auch nicht drin. Schade eigentlich. So ändert sich dann doch nichts, außer dass Regensburg ein neues Siegel neben dem Welterbe führen darf.

    Gruß mone

  • Elenor Braun

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    Fairtrade ist gut für die, die es verkaufen.
    Man sollte genau schauen von wem man das fairtrade kauft.
    Es gibt ja Geschäfte die versuchen sich mit fairtrade marketing und fahren
    riesige teuere Autos und sind zudem Menschenverächter.(persönliche Erfahrung).

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