Gries: SPD-Chefin will keine Brücke

SPD-Chefin und Landtagskandidatin Margit Wild ist gegen eine Brücke über den Gries. Der Beschluss dafür ist aber bereits gefasst.   Foto: AignerEs ist ein offenes Geheimnis, dass die „provisorische“ Brücke über den Gries ein Punkt war, an dem die Koalitionsverhandlungen zwischen CSU und SPD fast gescheitert wären. Zu sehr fordern CSU und Wirtschaft eine solche Brücke – seit knapp 20 Jahren findet man eine solche auch im Flächennutzungsplan der Stadt Regensburg. Langfristig auch für den Individualverkehr. Der ursprüngliche Plan dafür ist fast schon 100 Jahre alt. Das ist die eine Seite. Auf der anderen hatte sich Joachim Wolbergs im Wahlkampf klar positioniert: „Keine Brücke. Auch kein Provisorium. Man weiß, wie lange solche Provisorien stehen.“ Nachgegeben hat die SPD. Dem „Provisorium“, das ohne Bürgerbeteiligung errichtet werden kann und das im erienausschuss des Stadtrats beschlossen wurde, hat der Koalitionsvertrag schließlich doch noch Tür und Tor geöffnet: „für ein ggf. notwendiges Provisorium wird eine breite Information der Öffentlichkeit sichergestellt.“ Ergebnisse einer Verkehrsuntersuchung, die belegen sollte, ob ein solches Provisorium notwendig ist, hatte Oberbürgermeister Hans Schaidinger vielfach angekündigt („Wenn die ergibt, dass wir kein Provisorium brauchen, mache ich einen Luftsprung.“). Zuletzt für vergangenen Herbst. Es gibt sie bis heute nicht. Dafür fertige Pläne für die Brücke („provisorisch“). Die Trasse über den Gries ist der Top-Favorit. SPD-Chefin und Landtagskandidatin Margit Wild hatte sich in der Vergangenheit mehrfach gegen eine solche Brücke ausgesprochen. Sie hat den Koalitionsvertrag unterschrieben, hält diesen aber für „kein juristisch bindendes Dokument“. Im Rahmen einer Veranstaltung des SPD-Ortsvereins Steinweg hat sie sich nun erneut klar positioniert: „Selbst eine einspurige, nur von Bussen befahrene, Brücke über den Gries“ hält Wild „für eine unwiderbringliche Zerstörung der Landschaft.“ „Persönlich“ ist diese Meinung der SPD-Chefin. SPD-Bürgermeister Joachim Wolbergs hingegen hat sich einerseits darüber beklagt, dass „über Brücken“ (auch beim Ratsbegehren zur Sallerner Regenbrücke ist die SPD eingeknickt) und weniger über den Rest des Koalitionsvertrags geredet werde, der „eindeutig sozialdemokratische Handschrift trägt“. Er hat nun Gegner der Grieser Brücke zum Gespräch gebeten. „Da können wir gerne kontrovers diskutieren.“ Abgestimmt werden muss darüber ja nicht mehr. Die Brücke kann kommen. Das hat der Koalitionsvertrag festgeschrieben.

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Kommentare (5)

  • Norbert Steiner, CSB

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    Ganz einfach, die Grieser Brücke wird benötigt für die Stadthalle am Donaumarkt. Herr Wolbergs fiel 2 oder oder 4x schon um. Und diesmal wieder. Aber: Die BI ist nicht aufgelöst. Und binnen 3 Wochen haben wir (leider nur für ein Jahr) 7000 Stimmen!

  • Franz Schneider

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    Wie enttäuscht wird Herr Steiner wohl sein, wenn die Stadthalle nicht auf den Donaumarkt kommt.
    Enttäuscht, weil er dann dieses Märchen nicht noch weiter aufwärmen kann.
    Vielleicht sollte die BI mal was positive tun und sich für die Förderung von benachteiligten Kindern einsetzen, Vielleicht könnte die BI zusammen mit ihren 7000 Stimmen eine Nachhilfe für Kinder aus benachteiligten Familien auf die Beine stellen, damit diese bessere Chancen für ihre Schullaufbahn haben.
    Aber es ist immer schwieriger etwas aufzubauen als etwas zu verhindern. Das Verhindern des RKK Standorts Donaumakrt war richtig, aber es ist als Lebens-Daueraufgabe zu wenig. Jetzt sollte man vorausschauen udn etwas fpür die Zukunft usnerer Stadt und der hier lebenden benachteiligten Kinder tun. Wer einem einzigen Kind zu einem besseren Bildungsstart ins Leben verhilft schafft dauerhaft etwas – wie wärs Herr Steiner gründen Sie eine „BI Kinderchancen Regensburg“ und schaffen sie bleibendes.

  • Veits M.

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    Wirklich schade, dass Herr Schneider sein eigenes, den von ihm erwähnten Kindern geltendes Engagement damit forcieren will, dass er zum einen Herrn Steiner unnötig mit diversen Unterstellungen begegnet und zum anderen sich fragen lassen muss, ob er nicht mit seinen Forderungen Grenzen überschreitet.

    Ist es nicht ureigene Sache jedes einzelnen Bürgers, sein bürgerschaftliches Engagement im Rahmen der Stadtentwicklung nach seiner freien, autonomen Entscheidung auszusuchen?

    Und wäre es für eine gedeihliche Stimmung auf dieser wichtigen Website nicht wichtiger, wenn
    Kritik begründet und sachlich vorgetragen würde? Auch auf Wortwahl und korrekte Schreibweise kann man achten und so dem GEGENÜBER Respekt zollen – oder?

    Zur Kinderthematik verweise ich auf eine neue Broschüre von Rainer Roth. Mehr dazu unter
    http://www.aktionboss.de/textpattern/index.php?event=article&step=edit&ID=549

    Einen schönen Tag.
    Ihr Veits

  • Norbert Steiner, CSB

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    Sehr geehrter Herr Schneider, es wäre schön, wenn Sie sich mit Ihrem „echten“ Namen outen könnten.
    Ich selbst habe in Namibia zwei Patenkinder über den Augustinerorden. Denen zeige ich mich verbunden!
    Die von mir geäußerte Angst über den Standort Donaumarkt ist natürlich gerechtfertigt. Aber vielleicht wissen Sie ja mehr. Im übrigen haben die Kosten der Stadt für deren Wahlkampf zur Abstimmung Donaumarkt („Jetzt oder nie!“) in etwa 3,4 Mio Euro gekostet. Wievielen von Ihnen beklagten Kindern hätte da geholfen werden können? Oder sind das auch Märchen?

  • Norbert Steiner, CSB

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    Durch unsere öffentliche Thematisierung konnten wir den Stillstand für zunächst einige Monate erreichen! Da war es wert, dass man die Grieser Brücke der Öffentlichkeit näher brachte. Walter Cerull gebürt hohes Lob!

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