Gesetzesänderung verschärft Personalmangel

Mit Flyern gegen Pflegenotstand

Durch die gesetzlich verordnete Akademisierung an Pflegefachschulen weitet sich der Fachkräftemangel im Pflegebereich nun auch auf das Lehrpersonal aus. Doch das Bayerische Kultusministerium hat einen Plan…

Pflegekräfte werden zunehmend gesucht, gleichzeitig werfen immer mehr von ihnen den Job hin. Jetzt weitet sich dieses Problem aus. Foto: Archiv/Bothner

Wer wissen will, wie es um den Fachkräftemangel in der Pflege bestellt ist, der muss nicht zwangsläufig irgendwelche Statistiken bemühen. Für einen ersten Eindruck reicht schon der Blick auf die Stellenausschreibungen der Krankenhäuser in Regensburg. Die Barmherzigen Brüder inklusive der Klinik St. Hedwig listen auf ihrer Homepage aktuell im Pflege- und medizinisch-technischen Bereich über 50 offene Stellen auf, im Krankenhaus St. Josef sind es 20 und auch am Universitätsklinikum gibt es direkt und über Portale jede Menge Jobangebote.

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Agentur für Arbeit: „Keine Entspannung bei Fachkräfteengpass“

Ein Bericht der Agentur für Arbeit vom Mai spricht von einem zunehmenden „Fachkräfteengpass“ im Pflegebereich, bei dem „keine nennenswerte Entspannung“ in Sicht sei. Zum anderen legt die Analyse nahe, dass überdurchschnittlich viele Beschäftigte im Zuge der Corona-Pandemie den Job hingeworfen haben. Sei es wegen der übermäßigen Belastung, der mangelnden Anerkennung, die über Applaus auf Balkonen nicht weit hinaus ging, oder der einrichtungsbezogenen Impfpflicht, die nicht nur von Impfgegnern als Ungleichbehandlung empfunden wird.

In Zahlen ausgedrückt: Zwischen Dezember 2021 und März 2022 haben sich knapp 118.000 Menschen aus dem Bereich Gesundheit und Soziales arbeitsuchend gemeldet, darunter 41.000 Pflegerinnen und Pfleger. Im vergleichbaren Zeitraum vor Ausbruch der Pandemie (Dezember 2019 bis März 2020) waren es 74.000 und unter ihnen 21.000 Pflegekräfte. Fast eine Verdoppelung also. Dieser Trend setzte sich im April fort: Auch hier meldeten sich über 20 Prozent mehr Pflegekräfte arbeitslos als im April 2019 – obwohl die Jobangebote da wären.

Akademisierung der Pflegeschulen verschärft das Problem

Hinzu kommt nun ein weiteres Problem, das die Lage zusätzlich verschärfen dürfte. Es fehlen nicht nur das pflegerische Fachpersonal, sondern auch die Lehrkräfte zu dessen Ausbildung werden knapp. Hintergrund ist die Änderung des Pflegeberufegesetzes durch die schwarz-rote Bundesregierung zum 1. Januar 2020.

War bislang kein akademischer Grad nötig, um an einer Pflege- oder Gesundheitsfachschule zu unterrichten, so ist künftig ein Bachelor- für die praktische und ein Master-Abschluss für die theoretische Lehre oder eine Leitungsfunktion notwendig. Etwa 75 Prozent der Lehrkräfte sind im praktischen Bereich tätig, benötigen also einen Bachelor.

Was einerseits von Verbänden begrüßt wird, weil man sich dadurch eine Aufwertung des Pflegeberufs erhofft und es eine Aktualisierung der Lehrinhalte mit sich bringen soll, bringt andererseits (nicht nur) die 185 bayerischen Pflegeschulen, überwiegend privatwirtschaftlich getragen, in die Bredouille.

Lehrpersonal ist knapp und überaltert

Dort hat man ohnehin schon mit einer Überalterung des Personals zu kämpfen – von den rund 1.000 Lehrkräften an bayerischen Pflegeschulen sind über 50 Prozent älter als 55 Jahre, in der Oberpfalz sind es knapp 41 Prozent der 122 Lehrenden. Das Bayerische Kultusministerium spricht in einer Antwort auf eine Anfrage der SPD-Abgeordneten Inge Aures vom letzten Sommer davon, dass an Pflegeschulen „derzeit ein großer Mangel an qualifizierten Lehrkräften“ herrsche.

Genaue Zahlen über den tatsächlichen und auch den künftigen Bedarf an Lehrpersonal für die Fachschulen liefert das Kultusministerium nicht. Eine solche Einschätzung sei auf Basis der Amtlichen Schuldaten „nicht möglich“. Es gebe aber „keinen Hinweis darauf, dass Unterrichtsstunden in der Vergangenheit nicht abgedeckt werden konnten“, heißt es zunächst.

Allerdings räumt man dann doch ein, dass es im Schuljahr 2021/22 an zwei Schulen erstmals nicht möglich war, neue Einstiegsklassen zu bilden, um das dringend benötigte Pflegepersonal zu qualifizieren. Betroffen unter anderem: die Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe der Peter Hiebl GmbH in Schwandorf. Dieses Problem dürfte sich nun weiter verschärfen.

Drei Jahre für den Bachelor, sechs für den Master

Zwar gibt es noch einen gewissen Puffer – wer vor 2020 begonnen hat, an einer Pflegeschule zu unterrichten, hat noch bis Ende 2029 Zeit, um sich die entsprechende Qualifikation zu erwerben. Bis zum Bachelor-Abschluss dauert es laut einer Pressemitteilung der Döpfer-Hochschule in Regensburg (HSD) allerdings auch sechs, für einen Master zwölf Semester, also drei bzw. sechs Jahre.

Dort, an der HSD, hebt zwar der zuständige Studiendekan für Medizinpädagogik einerseits hervor, dass es „grundsätzlich etwas Positives“ sei, wenn die Qualifikation im Gesundheitswesen angehoben werde. Andererseits spricht Prof. Dr. Fabian Karsch aber auch davon, dass „die gesetzlich verordnete Akademisierung“ kurz- und mittelfristig „zu noch stärkerer Personalknappheit führen“ werde.

Ministerium: Einrichtungen sollen Personal motivieren

Das Bayerische Kultusministerium verweist angesichts der SPD-Nachfrage, was man gegen das Problem zu tun gedenke, darauf, „dass die Personalgewinnung vorrangig die Aufgabe der Schulträger“ sei. Derzeit gehe man davon aus, „dass der Mangel an entsprechend qualifizierten Personen vorrangig für den praktischen Unterricht und die Begleitung der praktischen Ausbildung besteht“, also etwa 75 Prozent der Ausbildung.

Hierfür brauche man wiederum entsprechend Pflegefachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung, also Beschäftigte bei Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und ambulanten Diensten, die sich über einen Bachelor-Abschluss nachqualifizieren. Die entsprechenden Einrichtungen, so das Kultusministerium, müssten ihr Personal eben entsprechend motivieren, „sich für eine Unterrichtstätigkeit an Pflegeschulen weiter zu qualifizieren (…), um die Ausbildung der Fachkräfte von morgen sicherstellen zu können“.

Zur Unterstützung gibt es Werbeflyer

Die Katze beißt sich damit mehr oder weniger in den Schwanz. Das ohnehin knappe und oft überlastete Fachpersonal im Pflegebereich muss ein berufsbegleitendes Studium absolvieren, um sich die Qualifikation zu erwerben, um dann weiteres Pflegepersonal ausbilden zu können. Ein Dilemma, das sich von selbst allenfalls teilweise auflösen lässt, etwa durch Pflegekräfte, die im Zuge der Corona-Pandemie hingeworfen haben und sich nun vielleicht auf den Lehrberuf konzentrieren möchten.

Untätigkeit will sich das Kultusministerium freilich nicht vorwerfen lassen. „Zur Bewerbung der Lehrtätigkeit an Pflegeschulen und der Information geeigneter Personen erstellt das Staatsministerium derzeit auch in Abstimmung mit den einschlägigen Schulträgerverbänden entsprechende Werbeflyer“ lässt man in der Antwort auf die Anfrage wissen. Und damit nicht genug: Es sei sogar eine zweite Version des Flyers vorgesehen, um die entsprechenden Einrichtungen bei der „Gewinnung geeigneter Personen“ zu unterstützen. Denn das sei nunmal deren Aufgabe.

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Kommentare (29)

  • Spartacus

    |

    „Zur Bewerbung der Lehrtätigkeit an Pflegeschulen und der Information geeigneter Personen erstellt das Staatsministerium derzeit auch in Abstimmung mit den einschlägigen Schulträgerverbänden entsprechende Werbeflyer“ lässt man in der Antwort auf die Anfrage wissen. Und damit nicht genug: Es sei sogar eine zweite Version des Flyers vorgesehen, um die entsprechenden Einrichtungen bei der „Gewinnung geeigneter Personen“ zu unterstützen.„

    Reine Häme ist das.
    Der Drops Gesundheitssystem ist gelutscht, Triage wird/ ist Normalität.
    Die größte Gefahr für die Gesundheit des Menschen ist und bleibt die Marktwirtschaft und in dieser wird sich auch kein Pflegenotstand mehr lösen lassen, außer für die Reichen natürlich.

  • Mr. B.

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    Die Politik hat und wird die alten Menschen im Stich lassen!
    Der Staat hat sich größtenteils von der Pflege verabschiedet und diese den privaten Trägern zur Gewinnmaximierung bis hin zu Bildung von Aktiengesellschaften überlassen! Sie handelten bei Menschen wie mit einer Ware! Unmenschlich!
    Den alten Menschen wird das Geld aus der Tasche gezogen und einige werden Multimillionäre!
    Das ist christliche Politik in Bayern!

  • SPD4ever

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    Bei den paar Euro Sondergelder wurden sie verarscht. Während der Coronakrise wurden sie auch mehrmals verarscht bzgl. Überstunden/Urlaub/Einspringen. Dann kam noch die Impfpflicht gegen die viele waren, die meisten haben es dann doch über sich ergehen lassen, gab ja noch Hoffnung, dass es wenigstens irgendwie bei Übertragungen helfen könnte, vielleicht. Jetzt besteht diese immer noch. Manche Arbeitgeber haben “Impfverweigerer” schikaniert, bedroht. Wer die Möglichkeit hat aufzuhören wird natürlich unter diesen Bedinungen aufhören. Belastungen sind enorm, Entlastung nicht in Sicht.

  • namenlose Pflegekraft

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    vorweg gesagt: der Pflegeberuf ist ein wunderbarer Beruf, aber die derzeitigen Bedingungen sind es nicht – und wo ich mir gerade die Schilder der Demonstrantinnen durchlese, denk ich mir: ich würd auch nicht gegen bessere Bezahlung zurückkehren. bin froh, dass ich ein halbes Jahr nach meiner Ausbildung diesen menschenverachtenden, patienten-wie pflegegefährdenden Zuständen den Rücken gekehrt habe und nun zwar weniger verdiene, dafür aber eine weitaus bessere Life-Work-Balance habe, die sich so auch auf meine eigene Gesundheit auswirkt. Ich muss mich nicht mehr vor lauter Angst, dass im Frei das Telefon klingelt, irgendwohin auf dem Weg machen, nur um einen guten Grund zu haben, nicht einspringen zu können. ich muss auch nicht mehr meinen Puls schlagartig von gefühlt 110 auf 80 drosseln, sobald ich gehetzt vom Gang in ein Patientenzimmer eintrete, ich muss auch nicht mehr abends daheim im Bett überlegen, ob ich nicht etwas oder jemanden vergessen habe und in solchem Fall beim Pflegestützpunkt anrufen und sicherheitshalber nachfragen. ich muss auch nicht mehr erstmal nach einer typischen Frühschicht mit druchschnittlich 10km Fersengeld daheim ankommen, erstmal umfallen, zw. 2-3 Stunden wegratzen, aufstehen, kurz einkaufen gehen, anschließend kochen, nur um daraufhin ins Bett zu gehen, auf dass man die nächste Schicht halbwegs so übersteht, wie die vorherige. ich muss auch nicht mehr nach einer Nachtschicht meinen freien Tag zum Ausschlafen opfern. ich muss.. bitte gerne weiterführen, wenn euch noch was einfällt, werte Kollegen und Kolleginnen.

  • Spartacus

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    @namenlose Pflegekraft

    Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
    Sehr treffend beschrieben, vielen Dank für diesen Beitrag!

  • Hthik

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    @namenlose Pflegekraft 5. August 2022 um 15:19

    Sehr verständlich und genau die richtige Reaktion.,

  • Pflegefachkraft

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    Mal bitte genauer hinschauen. Seit 2012 bis zum Ende der traditionellen Ausbildung, gab es eine duale Pflegeausbildung, bei der einen Bachelor in der Pflege neben der Ausbildung erworben werden konnte. Hier konnte man sich auch auf Pflegepädagogik spezialisieren. Es wurde damals, argumentiert, es gäbe keine Stellen dafür, nun offensichtlich doch. Des weiteren ist es tatsächlich begrüßenswert, wenn sich die Pflege akademisiert, da dadurch der Beruf Pflege einen anderes Standing, abseits von “Patientenpopoauswischenundarzthelfer” kriegt und attraktiver wird. Da ist es richtig und wichtig, dass es in der Ausbildung mit studierten Lehrer:innen beginnt. Personal dürfte dafür mehr als gedacht und in diesem Artikel vermutet vorhanden sein. Zumal auch das Studium der Pflegepädagogik es schon länger gibt und zumindest bei den Krankenhäusern die meisten Lehrer schon einen Bachelor Abschluss haben.
    Was das leidige Thema impfen betrifft. Ich stelle fest, an meinen Arbeitsplatz bei den Kollegen herrschte großer Konsens, der von vielen befürchtete Pflegekräfte Schwund, durch die Impfpflicht blieb aus, zudem ja eh ein Großer Teil der Pflege schon vor der Pflicht geimpft waren.

  • lenariess

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    Flyer ist super! – Der Mensch: komplett egal.
    Der Markt richtet.

  • Gscheidhaferl

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    Ergänzend/anschließend an @Pflegefachkraft:
    Die Frage ist eben wie die theoretisch nachvollziehbaren Absichen praktisch nicht kontraproduktiv wirken werden.

    Ja, um z.B. neue wissenschaftliche Erkenntnisse in der Pflege berücksichtigen zu können, muss Pflegekraft auch Wissenschaft rezipieren können (das ist eine der Begründungen für die Akademisierung; übeigens eine europäische Initiative, der D ziemlich hinterherhinkt). Ziel sind dabei qualitative Verbesserungen in der Pflege.

    Praktisch ist aber noch nicht abzusehen, ob es nicht eher zu einer Absenkung des Niveaus kommen wird. ‘Studierte’ müssten ja auch besser bezahlt werden. Der Wille, an dieser Stelle mehr Geld ins System zu pumpen, ist aber begrenzt. Insofern würde es nicht überraschen, wenn pro Einrichtung zwar einige wenige (bald überlastete) ‘Feigenblatt-Studierte’ eingestellt werden, während das Gross der Arbeit von ‘normalen’ (günstigeren, nicht-studierten) Pflegekräften erbracht wird.

    Zudem gilt es wenigstens zwischen (Kinder-)Kranken- und Altenpflege zu unterscheiden. In der generalisierten Fachkräfte-Ausbildung wird vordergründig kaum mehr nach diesen tradierten Bereichen unterschieden. Es ist aber schon absehbar, dass sich zumindest die Situation in der (schon immer geringer geschätzten) Altenpflege nicht verbessern wird und sich speziell dort durch die höheren Zugangsvoraussetzungen die Nachwuchssorgen noch weiter vergrößern werden. Die allgemeine Personalmangel führt jetzt schon dazu, dass die Krankenpflege mitunter der Altenpflege die besten Kräfte abwirbt.

    Hinzu kommt, dass die Veränderungen, die Pflegeeinrichtungen weiterhin einem Zwang zu Wachsen aussetzen und Gift für eine kleinteilige, regionale (humanere) Versorgung sein wird. Es ist schließlich nicht zu erwarten, dass die Erstattungen von Seiten der Kassen für Pflege im selben Mas wachsen werden, wie die Personalkosten. D.h. pro Patient wird eher weniger hängenbleiben. Es müssen also in größeren Einheiten nach Vorbild der Lebensmitteldiscounter mehr Patienten bewältigt werden, um auf dasselbe Geld zu kommen. Das wird die Geschäftsführungen zu weiteren Standardisierungsmaßnahmen zwingen. Niemand wird sich noch die kleinste Ineffizienz leisten können/wollen.

    Preisfrage: Auf wessen Kosten wird das gehen? Richtig, auf Kosten der Patienten und Pflegekräfte.

  • Günther Herzig

    |

    SPD4ever
    5. August 2022 um 15:08 | #

    SPD4ever, das ist zu optimistisch. Ich glaube das erledigt sich in absehbarer Zeit. Macht nix, es gibt ja auch noch andere Splitterparteien.

  • Pflegefachkraft

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    Zitat von gscheidhaferl
    “wenige (bald überlastete) ‘Feigenblatt-Studierte’ eingestellt werden, während das Gross der Arbeit von ‘normalen’ (günstigeren, nicht-studierten) Pflegekräften erbracht wird.”
    Dafür gibt es zu wenig. Und auch Feigenblatt-Studierte als abwertende Begriff würde ich auch nicht stehen lassen. Eher als intelligente Patientenorientierte Fachkräfte. Die mit arbeiten und bestehende Pflegesysteme in Einrichtungen/Stationen hinterfragen und Verbesserungen vorschlagen. So die Erfahrungswerte. Und so funktioniert eben die wissenschaftliche Adaption. Aufgabenstellung/Fragestellung/Recherche/Beurteilung/Adaption/Evaluation

    ” In der generalisierten Fachkräfte-Ausbildung wird vordergründig kaum mehr nach diesen tradierten Bereichen unterschieden. Es ist aber schon absehbar, dass sich zumindest die Situation in der (schon immer geringer geschätzten) Altenpflege nicht verbessern wird und sich speziell dort durch die höheren Zugangsvoraussetzungen die Nachwuchssorgen noch weiter vergrößern werden. Die allgemeine Personalmangel führt jetzt schon dazu, dass die Krankenpflege mitunter der Altenpflege die besten Kräfte abwirbt. ”

    In der neuen generalisierten Ausbildung wird schon zwischen den einzelnen Zweigen unterschieden, jeder Schüler:in darf ab einen bestimmten Ausbildungsdrittel seinen Schwerpunkt in einem Bereich setzen, bzw sich auch für den generalisierten Weg entscheiden. Und auch vor der generalisierten Ausbildung konnten Altenpflegekräfte von Krankenhäusern abgeworben werden. Dies waren und sind und werden auch individuelle Entscheidungen bleiben. Manche wollen lieber ins Krankenhaus andere lieber ins Altenheim.

    Und ja es müssen immer mehr Patienten versorgt werden, aber durch das Pflege-Stärke Gesetz ist auch tatsächlich eine Pflege/Patienten Verhältnis eingeführt worden, auf einzelne Fachbereiche bezogen, die bei Nichtbeachtung geahndet werden.
    Es ist eben alles etwas komplizierter und vielschichtiger und für meinen Geschmack ist eben dieser RD Artikel zu oberflächlich. Ohne jemanden auf diese Füße treten zu wollen.

  • Daniela

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    Von einer Reform in die nächste, mit der Folge, dass der Pflegejob immer unattraktiver wird.
    Selbst die, die davon profitieren sollten, leiden darunter, die Pflegebedürftigen.

    Wenn Politik glaubt, dass man mit einer Flut an Dokumentation und Weiterqualifizierung über 3 – 6 Jahre die Pflege verbessert, hat bis dato nicht kapiert, dass die Menschen fehlen, die es ausführen sollen. Es ist, wie bei allen “Handwerks”-berufen, sie sind runtergemacht worden in den letzten 30 Jahren. Da galten immer nur die Studierten etwas. Nur das die halt selten Brötchen backen, Auto reparieren, Heizung installieren…
    Armes ‘wahnhaftes’ Deutschland… Vor lauter nach oben, die Basis des Lebens vergessen….

  • Gscheidhaferl

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    @Pflegefachkraft
    Sie beschreiben sehr gut, worauf die Veränderungen hinauslaufen sollten. Und das wäre auch begrüßenswert. Aber – Sie merken es schon an der Firmulierung – ich hab da so meine Zweifel. ‘Feigenblatt-Studierte’ war bezogen auf die Personen übrigens natürlich nicht abwertend gemeint. Es bezog sich darauf, dass die Einrichtungen es aus Kostengründen vermeiden werden, mehr als unbedingt nötig einzustellen. Sie werden von den Einrichtungen als Feigenblatt benutzt werden, um formale Anforderungen zu erfüllen. Tatsächlich – Sie deuten es ja auch srlbst an – werden sie sehr stark vom ‘normalen’ Pflegebetrieb in Anspruch genommen sein, weil ja jetzt schon vielerorts eklatenter Personalmangel herrscht. Die studierten Kräfte werden also Mühe haben, die ihnen zugedachten Aufgaben auch wirklich wahrzunehmen. Ja, es gibt in der generalisierten Ausbildung die Spezialisierungsmöglichkeiten. Aber der Effekt, dass die attraktiveren Pflegebereiche, den weniger attraktiven hinsichtlich des Personals zunehmend das Wasser abgraben, ist jetzt schon zu beobachten. Es müssen ja in allen Bereichen Praktika absolviert werden. Und dort gibt es eben dann sie Übernahmeangebote. Wohl dem, der da dagen- oder mithalten kann. Bei den Konditionen aber z.B. mit dem BKH oder dem Uniklinikum mithalten zu können, ist für viele einfach nicht drin. Für mich ist es vor diesem Hintergrund eben sehr fraglich, ob es zu den in Aussicht gestellten Verbesserungen überhaupt kommen kann. Realistischer scheint mir, von weiteren Verschlechterungen auszugehen. Die Probleme wurden bei Zeiten nicht angegangen und sind durch den weiter zunehmenden Personalmangel nicht lösbarer geworden.

  • Hutzelwutzel

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    Vor dreißig Jahren war das Problem mit dem Pflegekräftemangel und der miserablen Bezahlung schon bekannt; auch das Problem mit den leeren Kassen. Dass man die Probleme nun mit einem “schnelleren Versterben” lösen will ist …

  • Max L.

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    Was kann man erwarten, wenn ein “Journalist” ohne Fachkenntnisse über ein Thema schreibt, von dem er keine Ahnung hat und die meisten Kommentare von Leuten verfasst werden, welche ebenfalls keine Ahnung haben ?

  • Daniela

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    @Max L.
    7. August 2022 um 12:12 | #

    “Was kann man erwarten, wenn ein “Journalist” ohne Fachkenntnisse über ein Thema schreibt, von dem er keine Ahnung hat und die meisten Kommentare von Leuten verfasst werden, welche ebenfalls keine Ahnung haben ?”

    Meinte der Blinde unter den Sehenden?
    Na denn mal los mit Ihrem unerschöpflichen Wissen, welches den meisten von uns hier verborgen blieb.

  • Gscheidhaferl

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    @Max L.
    Der Journalist, den Sie mit Anführungszeichen zu diskreditieren versuchen, hat mehr journalistisches Ethos als die meisten etabliereteren Medien zusammenhenommen. Das zeigt sich unter anderem daran, dass er Kommentare, wie den Ihren, nicht unter den Tisch fallen lässt. Und wenn Sie z.B. bei anderen lokalen Presseerzeugnissen eine Pressemeldung einreichen, müssen Sie oft schon froh sein, wenn keine zusätzlichen Rechtschreibfehler im abgedruckten Text auftauchen. Vom redlichen Bemühen um eine sachlich angemessene Betichterstattung will ich gar nicht erst anfangen…

  • Luck

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    Die Gretchenfrage lautet:
    Will man de facto eine gute Pflege oder eine auf der de jure-Ebene?
    Wenn man ersteres will, dann garantiere man den Pflegenden ein sozialverträgliches Auskommen und die Hauptsache ist gemacht.
    Flankierend müssen dann aber manche Pseudo-Erkenntnisse relativiert und neu nachgedacht werden.
    Ist man bereit dazu oder juckt es einen nicht?

  • Jürgen

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    Da wurde viel Wahres kommentiert.
    Als “schwarzes Schaf” unserer Familie, der nicht im medizinischen Bereich tätig ist, möchte ich kurz die Geschichte meiner Schwester, einer hoch qualifizierten Krankenschwester (damals Oberschwester) erzählen.
    Sie ging Mitte der 80er in Elternzeit und begann Mitte der 2000er wieder zu arbeiten. Sie war entsetzt von der digitalen Dokumentationswut. Sie erzählte, dass Dreiviertel der Zeit dafür verloren ginge und das zu Lasten der Patienten.
    Sie hat dann sehr schnell zu einer Hospiz gewechselt.
    Ich kann jeden (außer Herzig) hier verstehen.

  • Daniela

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    @Luck 7. August 2022 um 21:11

    Ich habe diesen Job seit Einführung der Pflegeversicherung gemacht.

    Mal abgesehen von der Tatsache, dass man bei Vollzeit noch nicht einmal einen Rentenpunkt pro Jahr erwirtschaftet und das als Pflegefachkraft, von einer gesunden Work Life Balance kann man gleich gar nicht sprechen. 12 Tage Schicht ohne freien Tag dazwischen sind keine Seltenheit. Zudem kann man selbst im frei damit rechnen, dass das Telefon klingelt und man wieder einspringen soll. Familienleben muss bei diesem Job hinten anstehen. Die Zeit für Pflege wurde immer weniger, weil die Reformwut der Politik auf Grund öffentlichen Druck Ausmaße Annahme. Mittlerweile gibt es mehr Arbeit bei der Dokumentation, die es eigentlich nur den Kontrolleuren leichter macht. Ansonsten frisst die Dokumentationswut wertvolle Zeit. Vor dreißig Jahren konnten wir älteren Menschen noch 1 Vollbad pro Woche vergönnen mit allem Schnickschnack bis hin zum Haare eindrehen. Während dieser Zeit konnte man mit dem Pflegebedürftigen über Gott und die Welt reden, dadurch in Erfahrung bringen, wo es Verschlechterung gab, seelische, wie körperliche. Man war einfach mehr Mensch. Man hatte auch als Fachkraft die Möglichkeit einmal nachmittags mit den Senioren in Ruhe einen Singnachmittag, Spielenachmittag oder irgendwas anderes zu tun. Es war menschlicher. Das alles ist verloren gegangen. Irgendwann kam der Punkt, wo man früh auf Arbeit ist und feststellen musste, von drei geplanten Kräften ist man die einzige, die da ist. Unverantwortlich wurde von einem zum anderen gesprungen, Gesicht, Hände Intimbereich muss reichen, mehr ist nicht zu schaffen.
    Trotz aller Bestrebungen der Politik die Qualität in der Pflege zu steigern, wurde es schlechter. Nicht nur für das Personal eben auch für die Pflegebedürftigen. Das ist nicht mehr das, was uns vor 30 Jahren als Pflegeethos mitgegeben würde.
    Vielleicht würden von uns, die gegangen sind, einige zurück kommen, wenn sich endlich etwas in die richtige Richtung entwickeln würde. Aber statt dessen kommen Reformen, die die bereits angespannte Lage eher noch mehr verschlechtern, als verbessern….
    Wir brauchen Menschen mit menschlicher Integrität in der Pflege und keine Hochstudierten. Unsere Pflege-, Soziologie-, Pharmazie-, Krankheitskunde -, Rechtskunde -, Ethik – usw. Lehrer/innen waren Spitze. Es waren Ärzte, Anwälte, studierte Soziologen und Pflegekräfte mit viel Erfahrung und Zusatzausbildung. ….
    Statt dessen bekamen wir in den letzten Jahren Pflegeökonomen, die uns fleißig zu effizientes Arbeiten ermahnten, da und dort Einsparungsmaßnahmen trafen…, aber nicht das man meinen könnte, es wäre den Pflegebedürftigen oder dem Personal zu gute gekommen. Also Pflegesätze weniger, oder Gehälter besser geworden wären. Nein allerhöchstens steigerten sich die Renditen der Investoren…

  • Gscheidhaferl

    |

    @Daniela
    Sie haben ja mit Vielem nicht unrecht. Aber ganz so möchte ich es auch nicht stehen lassen. Beispielsweise Ihre Abneigung gegenüber Akademikern hilft hier nicht weiter. Der Ansatz, mehr entsprechende Expertise in die Pflege einzubinden, ist an sich nicht verkehrt. Ganz im Gegenteil. Es ist halt immer die Frage, wie bzw. unter welchen Bedingungen es gemacht wird. Und so bequem es auch sein mag, auf Politik und Ökonomie einzuschimpfen: Beide können sich darauf berufen, vom Souverän entsprechend beauftragt zu sein. Der Mehrheit der Wähler*innen ist die Pflege nicht mehr wert. Die Mehrheit der Wähler*innen befürwortet ein wettbewerbsorientiertes Gesundheitssystem. Sie glauben mir hoffentlich, dass ich das auch nicht gut finde. Aber das aus meiner Sicht arg überstrapazierte und unterkomplexe ‘die da oben’ hilft auch nicht weiter. Da finde ich es wesentlich zielführender, dem System den Rücken zu kehren. So wie Sie es getan haben und wieviele andere es gerade tun. (Ich glaube z.B. angesichts der Flucht aus der Pflege, dass es nicht so furchtbar schwer sein wird, die Lehrkräfte-Jobs zu besetzen, weil sich viele sagen, lieber ausbilden, als selbst pflegen.) Anders scheinen ‘Wir’ ja nicht zur Besinnung zu bringen zu sein.

  • Daniela

    |

    @Gscheidhaferl
    8. August 2022 um 17:04 |#

    Ich schimpfe nicht einmal so sehr auf die Akademiker, habe neben allerlei Zusatzausbildung mehr als 6 Jahre Aus – und Weiterbildung absolviert bis hin zur Vermeidung unterbringungsähnlicher Maßnahmen bei Demenzerkrankung, und Ethikberatung im Gesundheitswesen. Genau dies aber lässt mich an der Reformwut der Politik zweifeln. Immer wenn Politik öffentlichen Druck bekommt, wird reformiert. Das Ergebnis zumeist vorbei am eigentlichen Zweck.
    Das ist, wie ein Pferd von hinten aufzäumen, oder Schritt C vor A und B machen. Man kann junge Menschen nicht dafür begeistern in Berufe zu gehen, wo die Work Life Balance absolut gestört ist, der Job zur Belastungsprobe für jegliche Familienplanung wird. Wem will ich denn einen Job schmackhaft machen, bei dem von vorne herein fest steht, dass er doch eigentlich in der Wertschätzung der Bevölkerung so weit unten steht, dass das Einkommen bei Vollzeit nicht ausreichend ist, um einen Rentenpunkt pro Anno zu erwirtschaften. Und es ist dabei vollkommen unerheblich, ob es einen Bäcker, Metzger oder eben Pflegekräfte betrifft. Diese Gesellschaft muss sich entscheiden, was ihr Fachkräfte aller Richtungen wert sind. Es muss ein soziales Gleichgewicht her, das fehlt!
    Während Corona standen Menschen und klatschten Beifall für die, die alles am laufen hielten…., Was ist davon übrig? Es gibt Menschen, die rackern sich in der Pflege den Rücken wund für Mindestlohn. Und müssen dann Wohngeld oder ergänzend Grundsicherung zum Unterhalt ihrer Familie beantragen. Monat für Monat auf der zuständigen Stelle finanziell die Hosen runterlassen…
    Vor ca. 4 Jahren habe ich noch eine Vorgesetzte erleben dürfen, die eben diesen Mindestlöhnern anbot, wem es nicht passt, der könnte ja gehen. Statt diesen Quereinsteigern an zu bieten, eine Ausbildung zu machen….
    Sorry, in der überwiegenden Mehrheit der Einrichtungen geht es um Profit. Warum? Es wurde zu viel privatisiert, und da, wo private Investoren wirtschaften, da geht es um Rendite…. Es geht ums Geld, nicht um Menschen….

  • R.G.

    |

    @Gscheidhaferl
    Ich bin Ihnen sehr dankbar, dass sie einer durchaus in Führungsverantwortug gestanden habenden Fachfrau aus der Pflege erklären, dass akademische Expertise nicht schaden könne.
    Das Problem von Userin @Daniela, wo man zu einem nicht mehr fürs Leben in Regensburg reichenden Gehalt Personal für die Pflege selbst herbekäme, löst die Akademisierung des Berufs leider nicht.

  • Luck

    |

    @ Daniela:
    Wem nützt die Dokumentationswut?
    Werden dafür die technischen Möglichkeiten hinreichend verwendet?
    Die beste Kontrolle ist ein zufriedener “Kunde”.
    Oder dient die Kontrolle nur als Bestätigung für die “Qualität” der Pflege? Wenn etwas nicht gut genug ist, dann muss man es eben besser verkaufen – Potemkinsche Dörfer?
    Leisten die Hilfskräfte in der Pflege so wenig, dass sie in ihrem Knochenjob so wenig verdienen und darum noch aufstocken müssen?

    Soll eine Gesellschaft nach Bedürfnissen organisiert werden oder nach Renditeerfordernissen?

  • Luck

    |

    @ Gscheidhaferl:
    Warum ist einer Mehrheit die Pflege nicht mehr wert?
    Wer versteht konkret schon etwas von Markttransparenz?
    Wie soll man Pflege gesellschaftlich implementieren, wenn es die Definitionen gesellschaftlicher Logik nicht oder nur sehr bedingt zulassen?
    Warum versagt gerade der akademische Bereich, obwohl von hier Interpretationen für Lösungen kommen sollten?
    Weil die Logik auch nicht weiter reicht als beim Höhlengleichnis von Platon und Grundsätzliches nicht angefasst wird?

  • Gscheidhaferl

    |

    @R.G
    Es steht Ihnen selbstverständlich frei, jeden Text so misszuverstehen, wie Sie möchten. Dennoch möchte ich Sie darauf hinweisen, dass sie mit Ihrer Einschätzung meines Erachtens nicht ganz richtig liegen. Aber ich will das auch nicht weiter vertiefen. Ihre Auffassung sei Ihnen unbenommen.

  • Ed Tom Bell

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    Kommentar gelöscht. Könnten wir bitte beim Thema bleiben.

  • Daniela

    |

    @Luck
    9. August 2022 um 05:16 | #

    Ich will Ihre Fragen beantworten.

    “Wem nützt die Dokumentationswut?
    Werden dafür die technischen Möglichkeiten hinreichend verwendet?”

    Die Dokumentation wird von aufsichtsführenden Behörden verlangt. Allerdings sind die Auslegung dessen, wie etwas zu dokumentieren ist, auch einmal von Kontrolleur zu Kontrolleur hoch unterschiedlich. Früher wurde die Dokumentation händisch geführt. Sowohl bei Planung der Pflege, Umsetzung und Auswertung. Viele Unternehmen nutzen mittlerweile PC – gestützte Dokumentation. Das was man früher mit dem Kopf machen musste, durchdenken musste, i.a.R. auch individuell an den Bedarf der Kunden anpassen und formulieren müsste, wird heute durch Textbausteine eingefügt. Ich möchte mich jetzt nicht darüber auslassen, welche Stilblüten dabei raus kommen können, es war zeitweise auch amüsant… Dienen soll es der Qualitätssicherung. Ich will es einmal so formulieren, es kontrollieren nicht nur die Aufsicht führenden Behörden, sondern auch hausinterne Qualitätsbeauftragte. Da gibt es mittlerweile, je nach Konzern, Unternehmen…, ganze Heerscharen, die tagtäglich Nichts anderes tun, als zu prüfen, ob das, was die Pflege einträgt korrekt ist. Da wurden Stellen ohne Ende geschaffen, die aus dem Topf der Einnahmen ebenfalls bezahlt werden müssen, ohne das dies im Ergebnis den Pflegebedürftigen an Qualität mehr gebracht hatte. Ich sage Ihnen den Spruch, der bei uns galt: Papier ist geduldig, der PC auch. Das einzige, was nicht mehr wurde, war die Zeit in der das Personal Pflege leisten muss, aber dafür den PC mit Informationen füttern.
    Die Qualität wurde noch nie durch Papier gesteigert oder durch Computerprogramme in der Pflege, sondern ausschließlich durch die Mitarbeiteranzahl und den Fachverstand sowie der pflegerische Integrität der Pflegenden. Das ist ein Beruf, wo Menschen andere Menschen in teils schwierigen Lebenssituationen begleiten, ihnen beistehen, sie pflegen und unterstützen, Aufmerksamkeit schenken, teils bis zu deren letzten Atemzug.

    “Leisten die Hilfskräfte in der Pflege so wenig, dass sie in ihrem Knochenjob so wenig verdienen und darum noch aufstocken müssen?”

    Ich hatte Mitarbeiter (Pflegehilfskraft) die 9.56€ Stundenlohn hatten, bei Vollzeit ca. 1780 € Brutto. Dazu kamen je nach Einsatz noch ein paar Zulagen. Je nach Art der Zulage und Lohnsteuerklasse zwischen 1200 und 1400 Netto. Ich denke, sie kennen die Mieten in Regensburg oder Umland. Eigentlich hielt ich diese Jobs immer als vom Steuerzahler quer subventioniert. Das Jobcenter schickte die Leute, hätten diese die Bedingungen nicht akzeptiert, wären sie gesperrt worden.

    Ein Beispiel gebe ich Ihnen noch. Es gab Zeiten, da fehlte Putz – oder Küchenpersonal, die Folge, Pflegefachkräfte wuschen Geschirr und putzten Böden noch während der eigentlichen Pflegezeit. Ich sagte einmal zu einem Regionalleiter bei einem Krisengespräch, weil 5 Fachkräfte gleichzeitig kündigten: “Ich weiß ja nicht, wie BMW das macht, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die ihre hochbezahlten Ingenieure zum Schrauben zählen ins Lager schicken.”

    Was Ihre letzte Frage beantwortet. Hauptsache Rendite….

  • Gscheidhaferl

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    @Luck
    Weiß nicht so recht, was ich von Ihren Fragen halten soll. Es stecken meinem Eindruck nach sehr viele Vorannahmen dahinter, denen ich nicht unbedingt zustimmen würde. Aber gut, ein Interessantes Experiment. Versuchen wir’s.

    a) “Warum ist der Mehrheit die Pflege nicht mehr wert?” Letztlich eine Einladung zum Spekulieren. Ich könnte mir vorstellen, dass es viel mit der ‘indirekten’ Art der Bezahlung zu tun hat: Pflege wird vorab über Versicherungsbeiträge bezahlt, für den von niemandem gewünschten Fall, dass sie mal gebraucht wird. Die Leute verdrängen das Risiko, pflegebedürftig zu werden. Viele würden ja auch freiwillig nicht für später in die Rentenversicherung einzahlen, um jetzt im Augenblick mehr Geld für die akute Bedürfnisbefriedigung zur Verfügung zu haben.

    b) “Wer versteht schon was von Markttransparenz?” Die Frage setzt voraus, dass die Pflege ein Markt ist und das Intransparenz ein zentrales Problem ist. Unser Gesundheitswesen funktioniert aber nur sehr bedingt wie ein (freier) Markt. Die Preise für die Leistungen in der Pflege werden – wie gesagt – indirekt entrichtet und sind zudem fix gedeckelt. Auch die Produkte (einschließlich der formalen Kriterien für Prozess- und Produktqualität) sind weitegehend einheitlich vorab definiert. Jetzt werden auch hinsichtlich der Bezahlung die Spielräume systematisch verringert (Stichwort: Tariftreue). Im Schnitt soll das zu höheren Einkommen führen. Bizarrerweise werden aber die von den Kassen zu zahlenden Preise für Pflege nicht in gleicher Weise erhöht. D.h. aus einem System, in das nicht mehr eingezahlt wird, soll mehr als bisher herauskommen. Pflege wandelt sich mehr und mehr zu einer Art mechanistisch gedachten Gesundheitsexekutive ohne nenneswerte Selbstbestimmungsmerkmale. Es ist aber – nicht zuletzt durch diese Überreglementierung – tatsächlich ein zwar recht komplexer, aber letztlich auch sehr transparenter Bereich. Wenn Sie sich erntshaft dafür interessierten, hätten sie zu fast allen relavanten Informationen mit etwas Ausdauer recht schnell und gut Zugriff. Nenneswerte Rendite lässt sich unter diesen Bedingungen jedenfalls nur sehr bedingt bzw. nur in sehr großen, auf größtmögliche Effizienz getrimmten Trägerstrukturen erzielen (was u.a. erklärt, warum die Wohlfahrtsverbände und kommunale Träger hier letztlich schon froh sein müssen, kostendeckend zu arbeiten und dabei leider auch nicht unbedingt bessere Qualität abliefern). Gelingt es solche Strukturen zu etablieren, ist es aber ein sehr zuverlässiges und sicheres Geschäftsmodell, was erklärt, warum der Bereich zunehmend ins Visier großer Investment-Firmen geraten ist.

    c) “Wie soll man Pflege gesellschaftlich implementieren, wenn es die Definitionen gesellschaftlicher Logik nicht oder nur sehr bedingt zulassen?” Tut mir leid, diese Frage versteh ich nicht. Wie lautet bitte “die Definition gesellschaftlicher Logik”? Gibt es da etwa nur eine bestimmte? Und warum sollte sie nicht mit Pflege vereinbar sein? Wissen Sie so genau, was Pflege ist?

    d) “Warum versagt gerade der akademische Bereich, obwohl von hier Interpretationen für Lösungen kommen sollten?” Auch diese Frage fürchte ich, nicht zu verstehen. Zudem handelt es sich offenbar nur um eine rhetorische, die wohl möglichst bedeutsam klingen soll, um Ihnen eine eindrucksvolle Gelegenheit zu geben, sie in Form der nächsten von Ihnen gestellten Frage e) gleich selbst zu beantworten:

    “Weil die Logik auch nicht weiter reicht als beim Höhlengleichnis von Platon und Grundsätzliches nicht angefasst wird?”

    Ich fürchte, wenn Sie noch einen Schritt weiter gehen, landen Sie in irgendeiner kruden überintellektualisierten (und selbstverständlich kultutpessimistischen) ‘Kapitalismuskritik’ und verfehlen damit – so wie sie es anderen unterstellen – das, worum es eigentlich geht bzw. gehen sollte.

    Aber da wären sie letztlich in namhafter Gesellschaft. Jens Spahn zum Beispiel hat sich auch nicht wirklich für die Pflege interessiert, sie aber versucht zur Selbstprofilierung zu nutzen. Wie übrigens auch Herr Söder oder Herr Heil. Bei Herrn Lauterbach trau ich mir da noch kein Urteil zu. Aber besonders überzeugend ist der aktuell auch nicht unterwegs.

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drin