Nazis sollen draußen bleiben

Seit Mittwoch ist es amtlich. „Keine Bedienung für Nazis“ heißt das Bündnis, das nun an die Öffentlichkeit gegangen ist und dessen Aufruf (hier als PDF) sich bislang 89 Regensburger Wirte angeschlossen haben. „Nazis und andere Rassisten haben in unseren Räumen nichts zu suchen. Wir dulden keine rassistischen, diskriminierenden Äußerungen in unserem Lokal. Wir werden diese Leute nicht bedienen“, heißt es darin.

Wie am Montag berichtet reagieren die Gastronomen mit dieser Aktion auf den Angriff einer Gruppe von Neonazis Ende Juni auf das Café Picasso, bei dem ein Barkeeper krankenhausreif geprügelt wurde. Picasso-Inhaber Sion Israel spricht von einer breiten Solidarität unter den Wirten. Keine drei Wochen habe es gedauert, bis die Unterschriften beieinander waren. Freilich habe es auch Absagen gegeben, so Mitinitiatorin Helga Hanusa-Friedl von der Landeskoordinierungsstelle gegen Rechtsextremismus. Mal aus Angst, mal mit Begründungen a la „Ich kümmere mich nicht um Politik“. Ungeachtet dessen hoffen die Initiatoren, dass sich weitere Gaststätten dem Aufruf anschließen.Auch Geschäftsleute wolle man ansprechen. Klar erkennbar sind die Gaststätten, die sich dem Aufruf angeschlossen haben bislang nicht. Ein Aufkleber oder Plakat nach dem Vorbild anderer Städte soll in Planung sein. Beim Unterschriften-Sammeln sei mehrfach zum Ausdruck gekommen, dass viele Wirte ein vermehrtes Auftreten der Neonazis registrieren, so Hanusa-Friedl. Sie berichtet auch von Betroffenen, die in der Innenstadt „regelrecht gejagt“ worden seien. „Sie trauen sich aber nicht, Anzeige zu erstatten.“ Tatsächlich kann man bei der Regensburger Polizei keine signifikante Zunahme rechtsextremer Straftaten verzeichnen. Von 34 (davon drei Gewalttaten) im Jahr 2008 im Stadtgebiet stieg die Zahl im vergangenen Jahr auf 41 und im ersten Halbjahr 2010 wurden 18 Straftaten angezeigt; der Überfall aufs Picasso war bislang die einzige registrierte Gewalttat. Die Attacke auf den Picasso-Barkeeper war ein Racheakt. Einige Tage zuvor war der 22jährige eingeschritten, als einer der Neonazis vor dem Lokal eine dunkelhäutige Frau angepöbelt hatte. Die Flucht in einen nahegelegenen Imbiss verhinderte vermutlich Schlimmeres. Voraussichtlich innerhalb der nächsten zwei Monate werden sich die Männer vor Gericht verantworten müssen.

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Kommentare (9)

  • Luke

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    Ich hoffe, dass die BürgerInnen bei einer eventuellen Kennzeichnung auch mitmachen, indem sie diese „Ich kümmere mich nicht um Politik“-Kneipen boykottieren.

  • Theo Geißler

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    …inzwischen hat sich ja auch die „Mittelbayerische Zeitung“ und der Bayerische Rundfunk der Informations-Initiative von Regensburg-Digital angeschlossen: Ich gratuliere zu einer verantwortungsbewussten und wirksamen Öffentlichkeitsarbeit im besten Sinn des Wortes.

  • Amberger

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    Die Unterzeichener bislang laut MZ:
    http://www.mittelbayerische.de/nachrichten/artikel/die_unterzeichner_von_a_bis_z/579473/die_unterzeichner_von_a_bis_z.html

    Darunter „Billard & Bar central“:

    Soll das jetzt ein Witz sein?

    Oder versucht da wer sein Geschäftsmodell zu retten?

    Gerne würde ich es glauben, die Erfahrung hat aber gerade hier das Gegenteil in den letzten Jahren bewiesen. Leider. Hier hat ja der Wirt sogar wissentlich auch mal hübsch überregionale und bekannte Nazis wie aus München und Nürnberg immer mal wieder in Strömen mit Alk versorgt. Die Folgen sind ja mehrmals in der Presse gelandet (Massenschlägereien auf der Roten Hahnengasse, Denkmalschändung die auch geahndet wurde und Regensburg den berühmten Wiener-Demo-Marathon eingebracht hat, etc.

    Sollte ich da falsch liegen und dem Gastonomiebetrieb Unrecht tun und eine Verwechselung hier stattfinden, so kann dieser Thread umgehend gelöscht werden.

    Aber falls nicht, sollte man die Probleme schon beim Namen nennen. Ganz so einfach sich auf eine Liste setzen zu lassen ist es ja auch nicht um seine Weste rein zu waschen!

  • XY

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    Ich finds mittlerweile lächerlich, wie aufs Central geschossen wird, habt ihr eigentlich überhaupt von irgendetwas eine ahnung? Das sind doch alles nur ‚Infos‘, die von Dritten, sogenannten ’sicheren Quellen‘ weiterverbreitet wurden!
    Abgesehen davon, dass ich keinerlei Akzeptanz für Faschismus & Rassismus aufbringen kann, muss ich ehrlich sagen, dass ich von dieser, von Wirten auf den Weg gebrachten Aktion, rein garnichts halte. Das ist Populismus in Reinstform, Heuchlerei und was weiss ich noch was! Selbstverständliches wird hier als außergewöhnlicher Aktionismus hochgepriesen, dazu müssen Skinheads um ihr wohlverdientes Bier fürchten, traurige Welt in Zwanzigzehn…

  • toni

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    also ich finde des von dem herren dem das Billard & Bar central gehört auch etwas lächerlich und jeder der sagt das da keine nazis des öfteren ihr bierchen trinken dürfen ist entweder blind oder einfach nur doof sorry aber des ist schon manchmal mehr wie offensichtlich wie auch an dem abend wo des im picasso war da waren die auch drin nur mal so am rande

  • Iris soumer

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    Allein die Schilder sind eine Traurigkeit für sich selber, da sieht jeder wie es den in Regensburg zugeht.

  • Helga Seidemann

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    Die Nazis sollen auch nicht am Aussehen ausgemacht werden, sondern an ihren Äußerungen, Pöbeleien, Gewaltbereitschaft.
    Das mit der Judenverfolgung zu vergleichen, halte ich für geschmacklos!
    Es kann nicht angehen, dass ein Barkeeper, weil er einer Frau hilft, die Migrationshintergrund hat, übel zugerichtet wird von Rechtsextremen.
    Die erlauben sich, auch anderswo, nicht nur in Regensburg schon viel zu viel.

  • Links ist geil

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    Ausspreche Anerkennung für diese endlich überfällige Hau-Ruck-Aktion. Oder ist’s eine Hau-drauf-Aktion? Es ist einfach wieder höchste Zeit im Mörder- und Täterland Menschen jagen zu können. Jetzt sind die „Nazis“ dran. Deshalb muß hier auch sinnig weitergemacht werden. Keine Parkbank für Nazis. Kein ÖPV für Nazis. Keine Haustiere für Nazis. Raus aus den freien Berufen mit den Nazis. Keine weiterführenden Schulen für Nazis. Augenfälliger Kennzeichnungszwang für Nazis (Braune Irgendwie-Rune ist deutlich zu tragen). An die Ortsschilder ein Zusatzschild: Nazis unerwünscht. Und dergleichen mehr; weitere Anregungen sind aus sattsam bekannten zeitgeschichtlichen Vorgängen abzuleiten. Es wird doch möglich sein, das freieste Deutschland, das es je gab, durch- und umzusetzen; denn es gilt, an allem Widrigen sind die Nazis schuld!

  • Bert

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    @links ist geil

    gääähn!

    Hier jagt niemand Menschen und wenn sich Totschläger, Rassisten und Antisemiten darüber aufregen, dass ihnen in Kneipen die Tür gewiesen wird und dann mit solchen Vergleichen ankommen, dann zeigt das, was für ein erbärmliches Pack Nazis doch sind.

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