SOZIALES SCHAUFENSTER

Archiv für 23. August 2010

Auf die Titelseite der größten türkischen Tageszeitung in Deutschland hat es Regensburg am vergangenen Sonntag geschafft. „Mit beschränktem Budget am Boden zerstört“, titelt Hürriyet Europa. 24 Berufsschüler aus der türkischen Stadt Adana sollten demnach im Rahmen des EU-Förderprogramms „Leonardo da Vinci“ ein Zertifikat als Schweißer bei den Eckert Schulen in Regenstauf erwerben. Drei Monate soll das Projekt laufen. Das Problem: Bei den Eckert Schulen, wo schon mehrfach Schulklassen aus der Türkei im Rahmen des Da Vinci-Projekts gewohnt und gelernt haben, weiß man von der Klasse aus Adana nichts. „Bei uns hat deshalb niemand nachgefragt“, so eine Sprecherin. Ohnehin wäre der Termin für den Kurs schlecht gewählt: Es sind Ferien. 76.000 Euro flossen laut Hürriyet für das Da Vinci-Projekt von der EU an die Schule in Adana, die Eltern der beteiligten Schüler legten jeweils noch einmal 1.000 Euro drauf, um ihre Sprösslinge bei der Fortbildung zu unterstützen. Die sitzen jetzt seit mittlerweile sechs Wochen zusammengepfercht in einem Regensburger Hostel, das von den Lehrern rationierte Geld reiche kaum, um sich mit Essen zu versorgen und eine Ausbildung findet nicht statt. Einige türkischstämmige Regensburger Geschäftsleute versorgen Schüler – die sich über Hunger beklagt haben – mittlerweile kostenlos mit Lebensmitteln. Die Umstände, unter denen die Fahrt nach Regensburg zustande gekommen ist, sind dubios. Zunächst sollte es nach Slowenien gehen, erzählen uns Schüler. Doch plötzlich habe es geheißen: „Das ist zu teuer.“ So ging es schließlich – am 9. Juli – nach Regensburg. Und hier sitzen die Schüler – Durchschnittsalter 16 Jahre – nun weitgehend untätig und häufig ohne Betreuung. Zwei Ausflüge, nach München und Salzburg, hat es gegeben. Das war’s. Wer nichts zu tun hat, kommt auf dumme Gedanken. Zwei Schüler gerieten mit der Polizei in Konflikt, weil sie Schokolade aus einem Kaufhaus geklaut hatten. Vergangenes Wochenende landete ein weiterer Schüler mit schwerer Alkoholvergiftung im Krankenhaus. Gegenüber Journalisten verweigern die drei mitreisenden Lehrer und der Projektleiter eine Stellungnahme. Wie sie auf Kritik von Schülern reagieren, ist aber dokumentiert. Ein 20jähriger, der sich über den fehlenden Kurs, Unterbringung und Verpflegung beschwert hatte, wurde Hürriyet zufolge in einer Nacht-und-Nebel-Aktion in München ins Flugzeug gesetzt und zurück in die Türkei geschickt. Die übrigen Schüler blieben derweil drei Tage ohne Betreuer in Regensburg zurück. Der Organisator des Regensburg-Trips, Aykut Alkan, spricht gegenüber Hürriyet von einem „Low-Budget-Projekt“. Bleibt nur die Frage, wem dieses Projekt etwas bringen soll. Am 7. September fahren die Schüler zurück in die Türkei. Dann sind in Deutschland immer noch Ferien – sprich: Den versprochenen Kurs samt Zertifikat wird es mit Sicherheit nicht geben.

Flashmob gegen Atomkraft

Am Atomausstieg festhalten – das ist, diversen Umfragen zufolge, Mehrheitsmeinung in Deutschland. Am Wochenende hat das Kampagnennetzwerk Campact dieser Forderung in rund 40 Städten Nachdruck verliehen und die lokalen Bundestagsabgeordneten von CSU und FDP aufgefordert, sich gegen die geplante Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke zu stellen. So auch am Neupfarrplatz in Regensburg, wo Peter Aumer (CSU) und […]

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