SOZIALES SCHAUFENSTER

Archiv für 20. August 2010

Auch im August, wenn die Straßen Regensburgs vergleichsweise verwaist sind, sich eine gewisse Trägheit, ja Langeweile bei Bewohnern wie Besuchern breit macht und Taxi-Fahrer ebenso über weniger Geschäft klagen wie viele Gastronomen, geht er weiter – der mühselige Kampf gegen Lärm und Schmutz in der Altstadt. Kurz vor seinem Urlaub hat sich Sozialbürgermeister Joachim Wolbergs aufgemacht, um die Kampagne „Fair feiern“ („Leise ist sch…“, „Sauber bleiben“ etc.) in Kneipen, Wirtshäuser und Cafés zu tragen. Buchstäblich. Bewaffnet mit Plakaten, Postkarten und Tesa-Film, im Schlepptau Rechtsreferent Dr. Wolfgang Schörnig, Pressechefin Elisabeth Knott und ein Grüppchen von Medienvertretern besucht Wolbergs am frühen Donnerstagabend einige der 217 Lokale in der Regensburger Altstadt, um sie für die gute Sache zu gewinnen. „Mehr Rücksicht“, lautet das Credo. Wie weit die Vorstellungen auseinander gehen, ist im „Aktionsbündnis Altstadt“ auszumachen, wo gepeinigte Bewohner nach Sanktionen und verschärften Sperrzeitregelungen rufen und jüngere Teilnehmer den Bewohnern im Gegenzug raten, doch aufs Land zu ziehen, wenn es ihnen in der Altstadt zu laut sei. Das Konfliktpotential in Zahlen: In der Altstadt wohnen 13.000 Menschen. Auf der anderen Seite stehen rund 25.000 Studis, die dort gern mal einen trinken, dazu kommen haufenweise Auswärtige, die Regensburg für JunggesellInnen-Abschiede heimsuchen (was nicht nur die Bewohner nervt). Bevor man zu Sanktionen greift, soll es erst einmal „miteinander“ probiert werden, sagt Wolbergs. Dass die „Leise ist sch…“-Kampagne immer mal auf Hohn, Spott und Kritik trifft, ficht das Trio Wolbergs, Schörnig, Knott nicht an – im Gegenteil. „Das ‚leise‘ soll in die Köpfe“, sagt Schörnig. Und das funktioniere selbst bei den Spöttern. Erste Anlaufstation ist die „Galerie“ am Kohlenmarkt, wo der Tross freudig begrüßt wird. „Laut ist sch… – das kenn ich schon“, sagt der Geschäftsführer, während er zusammen mit dem Sozialbürgermeister das Plakat mit Baby-Motiv an der Eingangstüre befestigt. Die Postkarten werden pflichtschuldig an den Tischen verteilt. Ein weitgehend positiver Start, der in den folgenden Lokalen seine Fortsetzung findet. Ob in der Oberen Bachgasse, Hinter der Grieb oder in der Roten-Hahnen-Gasse – binnen kürzester Zeit hängt das schlafende Baby an diversen Eingangstüren. Die meisten Gastronomen kennen „den Wolli“ und der eine oder andere plaudert auch aus dem Nähkästchen; etwa davon, dass die Pflanzen am Freisitz zwei Mal jährlich „an Urinvergiftung eingehen“. Dem Manne kann übrigens geholfen werden: Im kommenden Jahr soll die „Fair feiern“-Kampagne auf die Wildbiesler ausgedehnt werden – Slogan und Plakatmotiv sind allerdings noch in der Mache. Nach seinem Urlaub will Wolbergs erneut durch die Kneipen gehen und nachschauen, ob die Plakate noch hängen. „Wenn nicht, dann mach ich das Ganze eben noch einmal“, sagt er. Mit Pressechefin Knott hat der Bürgermeister schon einen Deal vereinbart: Das nächste Mal will er nicht um 18, sondern erst um 23 Uhr starten. „Dann winkt noch ein Disco-Besuch“, freut sich Frau Knott, als sie dem Bürgermeister den Tesa-Film reicht.

Schluss mit den Phrasen!

Phrasendrescher, Sprücheklopfer und sonstige Schlaumeier – sie gehen Thomas Pfeiffer gehörig auf die Nerven. Das Fass zum Überlaufen brachte aber Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin, der schon des öfteren mit seinen rassistischen Ausfällen von sich reden machte. Zuletzt hat er Anfang Juni erklärt: „Wir werden auf natürlichem Wege durchschnittlich dümmer.“ Die Schuld dafür gibt der 65jährige Einwanderern […]

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