SOZIALES SCHAUFENSTER

Acht Monate statt vier Wochen

Oberpfalzbrücke: Komplettsperrung wegen 90 Zentimetern?

Die Oberpfalzbrücke wird saniert und bleibt für Autos mindestens acht Monate gesperrt. Das ist schon länger bekannt. Die Vollsperrung für Radler und Fußgänger, auch während der Dult, wurde erst vor kurzem verkündet. Es geht um eine gesetzliche Neuregelung und wohl auch um Behörden-Hickhack.

Muss saniert werden: die Oberpfalzbrücke. Foto: Herbert Stolz

Es war eine Mitteilung, die angesichts ihrer Auswirkungen für Radfahrer und Fußgänger, aber auch für die anstehende Maidult denkbar knapp war. Am 18. März teilte die Stadt Regensburg mit:

„Entgegen anderslautender Meldungen muss die Oberpfalzbrücke aus Verkehrssicherheitsgründen während der gesamten Renovierungszeit, also bis mindestens November 2022, für sämtliche Verkehrsarten gesperrt werden.“

Kein Wort zu den Hintergründen und auch nicht dazu, dass zumindest eine dieser „anderslautenden Meldungen“ ebenfalls von der Stadt Regensburg stammt. Demnach sollte die Brücke über die Frankenstraße beim Dultplatz für Autos und Busse zwar tatsächlich bis November gesperrt bleiben, ab Anfang April aber „für den Geh- und Radverkehr wieder halbseitig befahrbar“ sein. „Wenn Dulten stattfinden, soll der Zugang zur Dult über die Oberpfalzbrücke für Fußgänger und Radfahrer ermöglicht werden“, hieß es

Sanierungsbedarf seit 2017 bekannt

Das ist nun vom Tisch. Und zu den genauen Gründen schwieg die Stadt Regensburg sich auch auf Nachfrage aus und verwies stattdessen auf das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA). Die Bundesbehörde ist zuständig für die Instandhaltung der knapp 50 Jahre alten Oberpfalzbrücke, an der bei einer turnusgemäßen Prüfung 2017 erhebliche Schäden festgestellt wurden. Bereits 2019 wurde sie deshalb für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen komplett gesperrt, mit Ausnahme der Linienbusse. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit wurde auf 30 km/h reduziert.

Seit dem 7. März läuft nun die notwendige Grundinstandsetzung. Klar war dabei von Anfang an, dass diese bis mindestens November dauern wird und der Auto- und Busverkehr während dieser Zeit nur noch über die Protzenweiherbrücke nach Stadtamhof und zum Parkplatz am Dultplatz kommt. Allerdings versprachen sowohl die Stadt wie auch das WSA, dass die Sperrung für Fußgänger und Radler lediglich vier Wochen dauern wird und der Zugang zu den Dulten über die Oberpfalzbrücke gewährleistet ist. Am 18. März beerdigte die Stadt diese Prognose mit der oben zitierten Pressemitteilung.

Geänderte Vorschriften

Folgt man der Antwort des WSA dann liegt das an gerade einmal 90 Zentimetern. Demnach wurde unmittelbar nach Vergabe der Sanierungsarbeiten eine gesetzliche Richtlinie zur Sicherung von Arbeitsstellen an Straßen geändert. „Mit der Überarbeitung der Vorschrift haben sich die Breiten, welche den einzelnen Verkehrsströmen zugeordnet werden vergrößert“, heißt es vom WSA. „Musste beispielsweise ein gemeinsamer Geh- und Radweg nach alter Vorschrift 1,6 Meter breit sein, sind es nach neuer Vorschrift jetzt 2,5 Meter.“

Diese Breite scheint nun nicht mehr gegeben – deshalb die verfügte Komplettsperrung. Das WSA macht allerdings sehr deutlich, dass man sich dafür nicht in der Verantwortung sieht: Zuständig sei die Straßenverkehrsbehörde – und damit die Stadt Regensburg.

WSA machte offenbar einen Vorschlag zur Verkehrsführung

Dort müsse von der ausführenden Firma ein Antrag gestellt werden, „in dem erläutert wird, welcher Streckenabschnitt in welchem Zeitraum für welche Verkehrsarten zur Verfügung stehen soll“. In diesem Antrag könne auch ein Vorschlag zur Umleitung der einzelnen Verkehrsströme gemacht werden. „Ob dieser Vorschlag genehmigungsfähig ist liegt in dem Entscheidungsbereich der Straßenverkehrsbehörde. Weder die Entscheidung noch eine Zustimmung liegt also beim WSA Donau MDK.“ Und nach all diesen Ausführungen folgt schließlich der entscheidende Satz: „Es wird voraussichtlich nicht mehr möglich sein die Sperrung auf den prognostizierten Zeitraum von vier Wochen nach Beginn der Arbeiten zu beschränken.“

Ob es nun an einem schlechten Vorschlag der Baufirma lag oder an einer strengen Auslegung durch die Stadt Regensburg bleibt dabei offen.

Konzept für Dult ist in Arbeit

Die Dulten sieht die Stadt Regensburg dadurch nicht gefährdet. Hier arbeite man an einem „Konzept für die Lenkung der Besucherströme“, heißt es auf Nachfrage. Rettungsfahrzeuge und Feuerwehr könnten im Notfall auch über die Steinerne Brücke anfahren. „Die Hilfsfrist für diese Gebiete, inkl. des Dultplatzes, wird also in jedem Fall eingehalten.“ Die Verkehrslenkung und Einsatzkonzepte für die Dult müssten aber im Vorfeld mit Polizei und Ordnungsamt „gesondert geklärt“ werden. Erstaunlich: Noch vergangenen August hatte die Stadt Regensburg eine Demonstration auf der Oberpfalzbrücke (gegen eine Veranstaltung der AfD) untersagt, „weil diese ein wichtiger Zufahrts- und Rettungsweg für Polizei und Rettungsfahrzeuge ist.“

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Kommentare (15)

  • joey

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    Ja, es muß geprüft werden, welche Vorschriften man machen kann, wen man aller regeln und was man alles verbieten kann. Das Thema Freiheit. Jetzt wißt Ihr, wozu man diese braucht, auch wenn es gewichtige Gründe gibt: nicht das Klima und die ganze Welt, sondern nur Leib und Leben der Fahrradfahrer – die sich ja sonst immer gern beklagen, wenn die Fahrradstraße nicht rot gemalt ist.

  • Platz da

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    Ja wenn ‚ein gemeinsamer Geh- und Radweg nach alter Vorschrift 1,6 Meter breit sein, sind es nach neuer Vorschrift jetzt 2,5 Meter….
    Dann darf das Kuhgässel wohl nimmer betreten werden? Oder gibt es künftig eine Fußgängerampeln?

  • Superstructure

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    Was kann man von dieser Stadtverwaltung anderes erwarten. Avanti dilettanti!!

  • Horst

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    Ich habe es vor kurzem hier schon an anderer Stelle geschrieben. Einzeln betrachtet mag jede, oder wenigstens die meisten, Regeln, Vorgaben, Vorschriften und Verbote Sinn machen. Wen Politiker und Bürokraten aber nur die einzelne Regel, nicht das große Ganze anschauen, dann verwandeln sie unser Land langsam in eine Hölle auf Erden.
    Ich würde mich sehr freuen, wenn man einfach mal 10 Jahre kein einziges neues Verbot, Regel etc. erlauben würde und die einzige Art die Politiker und Burokraten hätten, sich zu profilieren, wären nicht neue Regeln und Verbote, sondern die Abschaffung von Regeln und Verboten und mehr Freiheit.

  • Tobias

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    Ich… bin gerade baff oder sehe vermutlich den großen Elefanten im Raum nicht. Aber sind es nicht gerade die Radfahrer, die wirklich sehr laut tönen, wenn die Autos zu nahe an ihnen vorbeifahren? War es nicht sogar hier auf RD sehr häufig zu lesen, wie kacke es doch ist, in Regensburg zu radeln, weil alles immer so eng ist, man so viel Angst hat?

    Jetzt soll ein gemeinsamer Fuß- und Radweg per Vorschrift breiter sein als vorher – genau das, was doch die Radfahrer daherjammern – und jetzt ist das plötzlich gaaaanz dooof?! Haben Fußgänger kein Recht darauf, nicht von Radlern an- oder “überfahren” zu werden, genauso wie Radlfahrer immer dasselbe auf die Autofahrer projizieren?

    PS: Bin Fußgänger, habe kein Auto.

  • Klaus Wörle

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    Das ist schon korrekt so. Nach über 25 Jahren sind die “Richtlinien zur verkehrsrechtlichen Sicherung von Arbeitsstellen an Straßen” aktualisiert und neuen Erfordernissen angepasst worden. Das geschieht regelmäßig mit allen möglichen derartiger Vorschriften. Hier kann man die Änderungen nachlesen, u.a. Punkt 2.4.2, wo es um die Mindestbreite von Geh- und Radwegen an Baustellen geht: https://www.bgbau.de/fileadmin/bgbau/Uebersicht_wesentliche_Aenderungen_RSA_21.pdf

  • Hobbyrichter

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    Und warum macht man dann nicht nur einen Gehweg? Da reicht 1,3m.

  • Martin Weiß

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    Stimmt, bei der Steinernen Brücke ging’s ja auch ewig lang nur mit einem Fußweg.

  • Ulrich Mors

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    Die Begünstigung des Radverkehrs gegenüber dem Kraftfahrzeug hat hier die natürlichste Art der Fortbewegung behindernd erreicht. Eine wohl ideologische Fixierung auf das Rad lässt die vernünftige, pragmatische und auch zumutbare Lösung nicht finden. Hinzu scheint auch bürokratische Unbeweglichkeit und Scheu vor kreativen Vorschlägen für gesetzliche Auslegungsmöglichkeiten zu kommen. Vielleicht auch Frustration und Resignation, was ganz schlimm wäre. Besser alle leiden als nur einer und das Gesetz ist erfüllt, scheint die Maxime. So will aber keiner die Gesetzgebung, die Verwaltung und die Entscheidungsträger. Also ganz einfach: Radfahrer steigen ab, sind für 100 m Füssgänger und radeln danach weiter. Warum sollte dies einvernehmlich nicht möglich sein angesichtsichts des weiten, für Fußgänger zu weiten Umwegs bei Totalsperrung. Die Fußgänger werden es den Radfahrern in der Altstadt vielleicht anrechnen. Ich fühle mich an einen Schildbürgerstreich erinnert und an den Ulmer Spatzen. Wäre es nicht in Regensburg, könnte ich mich köstlich amüsieren.

  • Robert Fischer ÖDP

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    Ich sehe hier keine Radfahrer jammern, sondern nur Autofahrer, die ihren Hass gegen Radfahrende rausposaunen.

    Radelt man halt weiter bis zum Wehr, kein Problem (die Brücke wollten sie uns aber auch monatelang sperren, obwohl es auch ohne ging).

    Für Fußgänger ist die Sperrung allerdings wirklich dumm.

  • Clemens

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    Kommentar gelöscht. Bitte inhaltlich, nicht persönlich.

  • KW

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    Das ist doch einfach nur Dummheit oder Ignoranz der sog. “Verwaltung”, welche Personen letztendlich auch immer hinter der Meldung stecken sollten. Und diese Dummheit bzw. Ignoranz resultiert mMn eben auch wieder aus der Autofahrerdenke sprich, aus der Sicht von Leuten, deren Vorstellungskraft es sich komplett entzieht, dass es Menschen gibt, die diese Brücke womöglich regelmäßig zu Fuß überqueren könnten (außer vielleicht während der Dult, wenn es besoffen zurück zum geparkten Auto geht). Ich bin mir recht sicher, es wird in Kürze gemeldet, dass die Brücke während der Sanierung selbstverständlich einen Fußgängerstreifen bekommt.

  • Markus Sander

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    @Ulrich Mörs
    Sie kommen zu dem Schluß, die Brücke wäre wegen einer ‘ideologischen Fixierung aufs Rad’ jetzt für alle unpassierbar und dichten dem Radverkehr eine Mitschuld an der Totalsperrung an?

    Sorry, aber um auf so eine fantasiereiche Schlussfolgerung zu kommen, muss man schon heftige Emotionen gegen Radverkehr hegen. Wurden Sie vllt. als Kind von einem Fahrrad gebissen?

    Eine “ideologische Fixierung aufs Rad” – und das in Regensburg – zu unterstellen, da gehört schon einiges an Wahrnehmungsverfärbung dazu.

    Ich würde mir wünschen, die Stadt wäre mit der Befolgung von Regeln (rückwirkend) auch bei Radwegen so konsequent: So manche gefährliche Holperstrecke bliebe mir beim Radfahren erspart.

    Die Frage, warum es jetzt nicht wenigstens einen Fußweg gibt, ist natürlich berechtigt.

  • Gonzo

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    @Markus Sander
    Volle Zustimmung

  • Peter Lorenz

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    Dann hat man als Anwohner in der Alten Nürnberger mal seine Ruhe von dem Durchgangsverkehr derjeniger, die am liebsten direkt ins Bierzelt fahren wollen, und vorallem vor den Falschparkern, die auch gerne mal die eigenen Zufahrt blockieren, bzw. dreist auf Anwohnerparkplätze stellen.

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drin