Technik wird komplett erneuert

Planer der Komplettsanierung erklärt: „Krematorium ist vorschriftsmäßig“

Die Technik des Regensburger Krematoriums muss für 2,2 Millionen komplett erneuert werden. Die Verwaltungsvorlage, die am Donnerstag beschlossen wurde, benennt die bestehenden Mängel deutlich. Dennoch funktioniere das Krematorium auch jetzt „vorschriftsmäßig“, sagt der mit den Planungen beauftragte Unternehmer.

Außen hui, innen pfui, aber „vorschriftsmäßig“: das Regensburger Krematorium. Foto: rw

„Ich verstehe sehr gut, dass Sie mich angreifen“, sagt Rechtsreferent Wolfgang Schörnig irgendwann und wendet sich damit an CSU-Fraktionschef Josef Zimmermann. Bei der Debatte um die neuerliche Kostensteigerung für die Sanierung des Regensburger Krematoriums hatten zwar auch Zimmermann und seine Fraktionskollegen die Maßnahme an sich befürwortet. Allerdings mische sich unter diese Zustimmung auch ein „gewaltiges Bauchgrimmen“. „Das, was wir hier beschließen, ist eine Totalsanierung und das deckt sich nicht ganz mit den Vorträgen der Verwaltung, die wir dazu in der Vergangenheit gehört haben“, so der CSU-Fraktionsvorsitzende.

Schörnig: Totalsanierung ja, Fehler nein

War bis 2010 Leiter des Umweltamts und ist auch jetzt der zuständige Foto: Archiv

Wie berichtet, haben sich die Kosten für die Instandsetzung des Krematoriums von 1,1 auf 2,2 Millionen verdoppelt. Während zunächst nur davon die Rede war, dass die Filteranlagen erneuert werden müssten – eine Maßnahme, die eigentlich erst für 2019 geplant war, aber kurzfristig um ein Jahr vorgezogen wurde – steht nun eine komplette Sanierung der technischen Anlagen an, zu der in spätestens fünf Jahren auch neue Öfen kommen werden, was die Kosten auf etwas mehr als drei Millionen Euro erhöht. Kurz zusammengefasst: Erst war alles in Ordnung und nun muss die komplette Technik des Krematoriums ersetzt werden.

Doch falsch gemacht habe man nichts, beteuert Schörnig, auch wenn er den Umstand der Totalsanierung ohne Abstriche einräumt. Die Geschichte sei nämlich so: Bereits 2013 habe man zum ersten Mal über eine Erneuerung der Anlagen im Krematorium nachgedacht, so der Rechtsreferent. „Es war klar, dass die Rauchgasanlagen erneuert werden müssen.“ Man habe Firmen da gehabt und schließlich Mittel im Investitionsprogramm eingeplant. Ursprünglich sollten die Filteranlagen 2019 in Angriff genommen werden. „Aber aufgrund der Ereignisse haben wir das um ein Jahr vorgezogen, damit etwas Ruhe einkehrt.“

„Je länger man sich mit einer Anlage beschäftigt, desto bessere Vorschläge bekommt man.“

Wenn Schörnig von „Ereignissen“ spricht, ohne darauf näher einzugehen, dann meint er die Ermittlungen wegen der Verbrennung von Körperteilen und Pathologieabfällen, Verdachtsmomente wegen Betrug, Diebstahl und Urkundenfälschung, aber wohl auch die Strafanzeige des inzwischen gekündigten Mitarbeiters Georg B. wegen Körperverletzung gegen die Verantwortlichen bei der Stadt, inklusive Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer. Durch austretende Rauchgase sei die Gesundheit der Mitarbeiter, aber auch die Umwelt gefährdet worden, so B..

Und das nun nicht nur die Filteranlagen gewechselt, sondern auch eine komplett neue Kühlanlage eingebaut werden muss, um die Störfälle „signifikant zu senken“, wie es in der Sitzungsvorlage für den Stadtrat heißt, scheint dessen Kritik am Zustand der Anlage auch zu bestätigen. Ein Zustand, der zuvor nicht offen eingeräumt und auch in dem ersten Beschluss für die 1,1 Millionen Euro etwas anders dargestellt wurde.

Die Sichtweise von Schörnig ist allerdings eine etwas andere: Erst nachdem man das Münchner Ingenieurbüro IFE GmbH mit der Erneuerung der Filteranlagen beauftragt hatte, habe sich auch herausgestellt, dass man dann auch andere Leitungen und Kühlanlagen brauche, so Schörnig. Da habe es keine Hintergedanken und auch kein Verschweigen gegeben. „Je länger man sich mit einer Anlage beschäftigt, desto bessere Vorschläge bekommt man“, sagt Schörnig, der von 1991 bis 2010 Leiter des Umweltamts und damit für das Krematorium zuständig war. 

Fehlender Platz für Abgaskühlung seit 2004 bekannt

Das stimmt allerdings nur zum Teil. Bereits bei der letzten Modernisierung der Filteranlagen im Jahr 2004 ließ sich ein Abgaskühler mit der eigentlich notwendigen Größe nicht einbauen. Bereits damals gab es entsprechende Vorschläge, um mehr Raum für diese Anlagen zu schaffen. Ohne Erfolg. Dieses Problem war also bekannt und kam – entgegen Schörnigs Darstellung – nicht überraschend. Wie aus der aktuellen Beschlussvorlage hervorgeht, werden dazu nun auch die notwendigen baulichen Maßnahmen ergriffen. Eine Unterkellerung wird ausgeschachtet, um dieses lange bekannte Platzproblem zu lösen.

Auch Kohlenmonoxid-Überschreitungen sind seit mindestens 2014 dokumentiert, ebenso Störfälle, bei denen Rauchgase ungefiltert an die Umwelt abgegeben werden – allein 2017 wurde nahezu ein Störfall pro Woche verzeichnet. Bezeichnend ist auch das Protokoll einer betriebsärztlichen Untersuchung vom November 2015, aus dem hervorgeht, dass der zuständige Verantwortliche für Arbeitssicherheit im Krematorium zunehmend frustriert sei.

Wörtlich heißt es:

„(…) es werden ihm (…) wichtige Informationen und auch Fortbildungsmöglichkeiten, die zur er zur Erfüllung seiner Pflichten benötigt vom Arbeitgeber nicht zur Verfügung gestellt bzw. genehmigt; Herr R. (Abkürzung durch die Red.) hat dies wohl schon mehrfach beim Arbeitgeber vorgebracht, findet aber kein Gehör; Frustration mittlerweile sehr hoch, da die Situation wohl seit 14 Jahren für Herrn R. sehr unbefriedigend ist.“

Beschlussvorlage benennt die Defizite

Es lag also schon seit Längerem einiges im Argen im Krematorium, dessen Geflecht an Zuständigkeiten relativ weit verzweigt ist. Entsprechend lange scheint es auch gedauert zu haben, bis gehandelt wurde, und allen Beteuerungen zum Trotz haben sowohl die Ermittlungen als auch die Strafanzeigen Bewegung in die Sache gebracht und notwendige Maßnahmen beschleunigt. Und die Beschlussvorlage benennt einige Defizite klar und deutlich:

  • Ein zusätzlicher Kellerraum für leistungsfähigere Abgaskühler ist nötig. Ansonsten könne die Zahl der Störfälle „nicht signifikant verringert werden“.
  • Eine neue Druckluftabreinigung sei nötig, um „die Vielzahl der arbeitssicherheitstechnisch gesehen kritischen händischen Reinigungen der derzeitigen Abgaskühler“ zu erübrigen.
  • Eine neue Lüftungsanlage ist nötig, „um die berufsgenossenschaftliche Forderung eines 5-fachen Luftwechsels zu gewährleisten und damit die Staubbelastung allgemein zu senken“.

„Sie haben ein Krematorium, das vorschriftsmäßig funktioniert.“

Ingenieur Dr. Martin Berz, geschäftsführender Gesellschafter der IFE GmbH, die nun den Planungsauftrag für die Totalsanierung des Krematoriums erhalten hat, hegt gegenüber den Stadträten dennoch keinerlei Zweifel, dass das Krematorium „vorschriftsgemäß funktioniert“. Ihm sei kein Gutachten bekannt, das etwas anderes aussage, so Berz. Und auch von den Mitarbeitern habe er ausschließlich positives Feedback bekommen. Die bekannte Überschreitungen und Defizite im zurückliegenden Betrieb erwähnt Berz nicht.

„Wir machen das eben rechtzeitig, genauso wie man bei einem Haus das Dach neu deckt, bevor etwas passiert“, so das rundum positive Fazit von Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer.

Ein Kritiker, über den man nicht reden sollte…

Ein Seitenhieb zum Schluss: Günther Riepl. Foto: Stadt Regensburg

Stadtrat Günther Riepl (Freie Wähler) bemerkt zum Ende der knapp halbstündigen Debatte „Wir können ja das Krematorium stilllegen und nach Hemau rausfahren. Die haben nämlich ein neues Krematorium und haben zu wenig Tote.“ Ein deutlicher Seitenhieb auf den Betreiber des Hemauer Krematoriums, der in der Vergangenheit gegenüber dem Bayerischen Rundfunk Kritik an den Zuständen in Regensburg geübt und Stadträte mit technischen Informationen versorgt hatte. Auch bei entsprechenden Sitzungen des Stadtrats hatte er als Zuhörer teilgenommen. Gegenüber unserer Redaktion hatte der Betreiber bereits anlässlich des Beschlusses für die 1,1 Millionen Euro im November 2017 prophezeit, dass die Stadt am Ende „über drei Millionen“ wurde ausgeben müssen und recht behalten.

In internen Gesprächen mit den Stadträten – etwa im Ältestenrat – hatten Vertreter der Stadtverwaltung dessen Kritik stets als unberechtigt und von Konkurrenzdenken geprägt abgetan. Dass die private Konkurrenz aber dem Regensburger Krematorium bereits vor den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen und Presseberichten zugesetzt hatte, belegen zunehmend sinkende Kremierungszahlen in den letzten fünf Jahren. Offen debattiert und dagegen argumentiert wurden diese Einwände allerdings nicht, und so ist es auch in der Sitzung am Donnerstag. „Darüber sollten wir jetzt nicht reden“, erwidert die Bürgermeisterin auf Stadtrat Riepl und schließt die Sitzung.

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Kommentare (5)

  • Rosalia Genoveva

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    Bei die Indianerfilme hat ein Chef °Häuptling doppelte Zunge° gheißen, wenn er sich mit seine Aussagen dauernd selba widersprochen hat.

    Aber das war nur ein Film, sowas gibts in Wirklichkeit net!

  • mkv

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    An wen wendet man sich, wenn man Geschädigter eines Raubüberfalls ist? An den Räuber?

    MannOMann!

    Am Tag, als Dr. Thomas Goppel seinen 40. Geburtstag beging, erteilte im Landtag der Vizepräsident dem Abgeordneten Hiersemann (SPD), einem Kerl von einem Mann, das Wort.

    Der SPD-Oppositionsführer sagte u.a.:

    „Die Informationpolitik …. bestand aus Verschweigen, Vertuschen und Beruhigen. …. Messergebnisse und Warnungen blieben auf Behördentischen einfach liegen. Einfachste Schutzmaßnahmen wurden unterlassen. Verharmlosung ersetzt Empfehlungen und Vorschriften … Empfehlungen … wurden nur unwillig oder verspätet und oft nur auf Druck von außen weitergegeben. Diese Informationspolitik … war zutiefst menschenverachtend.“

    Quelle:
    22. Sitzung des Landtags, 30. April 1987

    Es lohnt, sich auch die Rede des Staatsministers Dr. Wild durchzulesen („perverse Lust“ … „Vertrauensast absägen“ …)
    Seite 1297, linke Spalte)

    http://www.bayern.landtag.de/
    https://tinyurl.com/yabrym2q

    Man kann der städtischen Verwaltung zugute halten, dass sie

    [anders als die Staatsregierung keine etwa 25 Jahre benötigte; die Staatsregierung handelte erst im Kielwasser der Kanzlerin (Fukushima) ]

    doch wirklich „zügig“ agierte … und u.a. den „Whistleblower“ erst mal auf die Straße setzte.

    Man beachte auch die Ausdrucksweise des Ing. Dr. Berz:
    „Ihm sei kein Gutachten bekannt, das etwas anderes aussage, so Berz. Und auch von den Mitarbeitern habe er ausschließlich positives Feedback bekommen.“

    Das ist nackter Euphemismus. Es zählen die nachgewiesenen Fakten.

  • Rosalia Genoveva

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    Der Bonifaz hat gmeint, denen in Regensburg graust halt vor gar nix.

    Nicht, wenn Tote, ohne dass man sie nach dem Tod unterschreiben lasst ob sies so wolln täten, dreibeinig verbrannt werden.

    Nicht, wenn die Abgase von einem toten Großvater schnurstracks in die Lunge von einem Techniker verblasen werden dürfen, weil ganz vorschriftsmäßig die Verbrennungs-Notklappe aufgangen ist.

    Nicht, wenn ein Neues Kreamatorium ganz nach Vorschrift baut wird, so wie das alte ganz nach Vorschrift ist.

    Gibts gar kein Grausoleptikum nicht, was Politikern das Grausen beibringen könnt?

  • Piedro

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    Bei dem was da in diesem Stadtrat so geredet wird stellt sich mir die Frage ob da nicht auch ein Emissionsschutz nötig wäre. Die Wahrheit verbrennen sie da ja ohne mit der Wimper zu zucken schon beim Einatmen.

  • Lothgaßler

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    Günther Riepl. seines Zeichens Bau-Ingenieur, wenn ich nicht irre, weiß natürlich auch, dass diese Sanierung einiges kosten wird. Sein Seitenhieb ist ein Ablenkungsmanöver. Schade, das sollte er sein lassen und mehr ins Detail gehen, auch wenn seine Partei gerade mitregiert.
    Wenn ein von der Stadt beauftragter Planer sagt, dass die Anlage vorschriftsmäßig funktioniert, dann hat das schon seinen Grund. Pikant, wenn er seine Aussage ausgerechnet damit begründet, dass ihm kein Gutachten bekannt sei, welches zu anderen Ergebnissen komme.
    Nun denn, er verlässt sich halt auf andere und widerspricht dem Auftraggeber nicht. Das ist eine gute Basis für eine weitere vertrauensvolle Zusammenarbeit.
    Die Sätze zur Situation des Mitarbeiters, welcher mit Beurteilung/ Sicherstellung der Arbeitssicherheit beauftragt war/ist, weisen allerdings auf einen kritischen Sachverhalt:
    „(…) es werden ihm (…) wichtige Informationen und auch Fortbildungsmöglichkeiten, die zur er zur Erfüllung seiner Pflichten benötigt vom Arbeitgeber nicht zur Verfügung gestellt bzw. genehmigt;…“
    Wenn das wirklich so war, dann sollte/muss die kommunale Unfallversicherung/Berufsgenossenschaft mal nach dem Rechten sehen. Der Arbeitgeber scheint hier Pflichtverstöße begangen zu haben bzw. weiterhin zu begehen!

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