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Gastronomie

„Prüfeninger Wintergarten“: Corona-Testlauf für ein langfristiges Konzept

Mit einem „Wintergarten“ will Gastronom Werner Zapf ein dauerhaft tragfähiges Konzept für den Prüfeninger Schlossgarten etablieren. Wie das funktionieren soll und warum er trotz Corona und Christkindlmarkt-Verbot öffnet, haben Zapf und sein Kompagnon Johannes Damjantschitsch uns jetzt erzählt.

Haben lange am Konzept gefeilt: Werner Zapf und Johannes Damjantschitsch. Foto: Bothner

Schlittschuhlaufen, Eisstockbahnen, dazu Glühwein, Bratwurstsemmeln oder gleich ein ganzes Käsefondue, leuchtende Iglus zum Aufwärmen – am Mittwoch hat der Prüfeninger Schlossgarten sein Winterprogramm gestartet. Im Vorfeld hatte das neue Angebot für Diskussionen gesorgt – insbesondere vor dem Hintergrund, dass Christkindlmärkte untersagt sind, aber „die“ schon öffnen dürfen. Da fühle man sich wie in Absurdistan sei das, hieß es kürzlich in einem Zeitungskommentar.

Reservierung, Besucherbegrenzung und 2G

Gastronom Werner Zapf will sich auf eine Diskussion über Sinn und Unsinn mancher Corona-Regeln nicht einlassen. Fest steht – der „Wintergarten“ ist als Außengastronomie einer bestehenden Gastwirtschaft „ohne Marktgeschehen“ erlaubt, analog etwa zum „Winterrosengarten“ im Rosarium. „Wir haben natürlich überlegt, ob wir es aus gesamtgesellschaftlicher Sicht sinnvoll ist, aufzusperren“, sagt Zapf. „Aber wir haben das Konzept mittlerweile so abgespeckt, dass wir das guten Gewissens verantworten können.“ Am Ende aber hätten vor allem zwei Dinge den Ausschlag gegeben.

Die Eisstockbahnen für Gruppen müssen vorab reserviert werden, ebenso wie Tische und Leih-Schlittschuhe. Foto: Bothner

Zum einen sei das Infektionsrisiko im Freien geringer als in Innenräumen – zumal mit Vorab-Reservierung für Tische und Eisstockbahnen über die Homepage, Maskenpflicht abseits der Tische und 2G-Regelung (geimpft oder genesen). Zudem haben Zapf und sein Kompagnon Johannes Damjantschitsch die Besucherzahl auf der 5.000 Quadratmeter großen Fläche bei 300 gedeckelt. „Da müsste ich eher das Degginger zusperren, als hier nicht zu eröffnen“, sagt Zapf. Zum anderen habe er eine Verantwortung für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, „aber auch mir selbst gegenüber“.

CO2-neutrales Plastik-Eis und Pelletöfen

Natürlich habe er überlegt, ob er es unter Corona-Gesichtspunkten, aus gesellschaftspolitischer Sicht, verantworten könne, den Prüfeninger Schlossgarten zu öffnen, sagt Werner Zapf. „Aber da müsste ich eher das Degginger zusperren. Da sind die Leute nicht an der frischen Luft.“ Außerdem, so der Gastronom, habe er auch eine Verantwortung für seine Beschäftigten – und auch sich selbst gegenüber. Das Konzept für den Wintergarten sei ja nicht aufgrund von Corona entstanden oder weil die Christkindlmärkte untersagt wurden. „Der Prüfeninger Schlossgarten lässt sich auf Dauer nur vernünftig betreiben, wenn man auch im Winter die Außenfläche bespielen kann.“ In den letzten Jahren haben hier schon verschiedene Pächter aufgeben müssen.

An den Tischen sorgen halten Pelletöfen Besucher und Essen warm. Foto: Bothner

An dem Konzept habe man lange gearbeitet. Unter anderem setzt man bei den Schlittschuh- und Eisstockbahnen auf selbstschmierendes Plastikeis eines Herstellers aus Schierling – CO2-neutral und ohne weitere Betriebskosten. Seit Oktober habe man den Garten auf Vordermann gebracht. In Abstimmung mit dem Umweltamt habe man für fledermauskonformes Licht gesorgt. Und anstelle von Gasbrennern setzen Zapf und Damjantschitsch auf kleine Pelletöfen, um für etwas Wärme im Außenbereich zu sorgen.

Aufsperren – allein schon wegen des wirtschaftlichen Überlebens

Das sei ein langfristig angelegtes Konzept, sagt Zapf. Aktuell stecke da das Geld drin aus dem erfolgreichen Betrieb des Schlossgartens im Sommer – mit Konzerten, Kabarett und weiteren Veranstaltungen. Aber irgendwann müssten sich Aufwand und Investitionen auch rechnen – und deshalb starte man jetzt mit dem ersten Testlauf.

„Wenn ich zusperren bzw. nicht öffnen würde, bekomme ich keine Entschädigung und es gibt für meine Beschäftigten auch kein zusätzliches Kurzarbeitergeld.“ Man müsse schon allein des wirtschaftlichen Überlebens wegen weitermachen. „Ganz abgesehen davon, dass es keine Lösung sein kann, dauerhaft auf Zuschüsse oder Entschädigungszahlungen angewiesen zu sein – das muss ja auch jemand zahlen.“ Angesichts der momentanen Sperrstunde ab 22 Uhr sei es für diese ohnehin schwierig genug. „Gastro-Kollegen von mir sperren jeden Tag ihren Laden auf, in dem Wissen, dass sie draufzahlen – aber, wenn sie freiwillig schließen würden, wäre es noch schlimmer. Und sie würden auf Dauer ihr Personal verlieren.“

Der erste Abend am Mittwoch ist laut Zapf gut gelaufen. Etwa 150 Besucher seien zum Auftakt gekommen. Es gebe bereits 450 Tischreservierungen für die kommenden Tage. „Wirklich rechnen wird sich das Ganze sowieso erst, wenn wir das dauerhaft etablieren können.“

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Kommentare (6)

  • Privatfrau

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    Mutet durchdacht und lagegerecht an. Ein Silberstreif am Horizont? Wünsche den Betreibern und damit auch ihren Kunden/Gästen auf jeden Fall viel Erfolg mit ihrem Konzept.

  • Daniela Camin-Heckl

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    Das macht so einen guten und durchdachten Eindruck. Das Areal groß genug, die Abstände zwischen den Tischen respektabel, Reservierung, Einhaltung der 2G- Regel, Außengastronomie…
    Da kann für die Regensburger doch noch so ein wenig Weihnachts- Winterstimmung aufkommen. Ich denke der Spaß- und Außenbetätigungsfaktor für Familien und andere Besucher ist gelungen. Den Betreibern viel Erfolg mit ihrem Konzept, Daumen hoch für durchdachte Konzepte in Zeiten der Pandemie.

  • Harald Klimenta

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    Danke für die Aufklärung. Ich komme da immer joggenderweise vorbei und von außen schaut das echt sehr nett aus! Jetzt müsste ich nur noch schlittschulaufen können…

  • Martin Seitel

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    Klasse Idee. Wünschen den Kolleginnen und Kollegen viel Erfolg.

  • Madame

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    Der Wintergarten ist eine gute Idee.. In straubing gab oder gibt es mitten im zentrum so was ähnliches. So bleibt der platz auch im winter in betrieb. Man kann schon einige plätze in den Jahreszeiten innerhalb für die bürger interessant gestalten. Da ist natürlich auch die fantasie gefragt. Vielleicht gibt es vorschläge von den regensburgern?

  • Katinka M.

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    So, wie man sich während der Sommermonate zur Brotzeit im Biergarten trifft, ist diese Einrichtung eine Alternative für den Winter, wo sich Jung und Alt treffen und eine unterhaltsame Zeit haben können.
    Ich wünsche den Betreibern viel Glück und viele Gäste, die sich nach einem Winterspaziergang bei Euch aufwärmen.

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