Religiöse Konflikte in der vormodernen Stadt

Internationale Jahrestagung des Forums Mittelalter

Drastisch und herabwürdigend: Die sogenannte„Judensau“ am Dom St. Peter zu Regensburg, Südseite außen, Strebepfeiler zwischen dem 2. und 3. Joch, um 1330. Foto: Hans-Christoph Dittscheid

Zum neunten Mal in Folge lädt das Forum Mittelalter der Universität Regensburg Städteforscherinnen und -forscher aus dem In- und Ausland zu seiner Jahrestagung in die Donaustadt ein. Vom 22. bis zum 24. November 2012 heißt das Thema diesmal „Pluralität – Konkurrenz – Konflikt. Religiöse Spannungen im städtischen Raum der Vormoderne“. In interdisziplinärer Breite wird das Thema aus den Blickwinkeln von Geschichte, Judaistik, Kirchengeschichte, Kunstgeschichte und Philosophie beleuchtet. Der Auftakt der Jahrestagung sowie ein öffentlicher Abendvortrag finden am 22. November ab 19.00 Uhr im Runtingersaal der Stadt Regensburg (Keplerstraße 1, 93047 Regensburg) statt. Am 23. und 24. November schließen sich Vorträge im Großen Sitzungssaal des Alten Finanzamts in Regensburg (Landshuter Straße 4, 93047 Regensburg) an. Größere Städte bieten nicht nur ein hohes Maß an Freiheit und Pluralität; sie verlangen auch striktere Mechanismen sozialer Disziplinierung. Dies trifft auf die Akteure, Felder und Formen religiöser Kommunikation in besonderem Maße zu. So waren Städte seit der Antike Zentren religiösen Geschehens, Schauplätze blutiger Religionskonflikte und „Laboratorien“ der Konfliktbewältigung. Mit einem umfassenden Blick auf die Stadt von der Antike bis in die Frühe Neuzeit ist die Regensburger Tagung dabei ein wichtiges Diskussionsforum für den im März 2012 an der Universität Regensburg eingerichteten Themenverbund „Urbane Zentren und europäische Kultur in der Vormoderne“ (http://forum-mittelalter.de/cms/front_content.php?idcat=30). Die Mitglieder des Themenverbundes präsentieren während der Jahrestagung ihre Forschungsarbeit vor einem internationalen Publikum. Ein weiterer Schwerpunkt der Tagung liegt auf der Geschichte christlich-jüdischer Konflikte. Im Rahmen ihres öffentlichen Abendvortrags wird Prof. Dr. Ursula Ragacs vom Institut für Judaistik der Universität Wien dieses Thema anhand der Disputation von Barcelona im Jahre 1263 darstellen. Weitere Beiträge nehmen das Thema in den beiden folgenden Veranstaltungstagen aus dem Blick von Geschichte und Kunstgeschichte auf. So stellt die Historikern Dr. Anna Sapir Abulafia vom Lucy Cavendish College der renommierten University of Cambridge ihre Forschungen zur Relevanz jüdischer-christlicher Beziehungen für die mittelalterliche Stadtgeschichte vor. Prof. Dr. Hans-Christoph Dittscheid vom Institut für Kunstgeschichte der Universität Regensburg setzt sich mit den Regensburger Sakralbauten und ihrer Polemik gegen Juden auseinander, die am Regensburger Dom im Relief der sogenannten „Judensau“ auf besonders drastische und herabwürdigende Weise zu Tage tritt. Die Jahrestagung wird von der Regensburger Universitätsstiftung Hans Vielberth und dem Historischen Verein für Oberpfalz und Regensburg unterstützt. Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich eingeladen; der Eintritt ist an allen Veranstaltungstagen frei. Weiterführende Informationen und das Programm zur Tagung unter: www.forum-mittelalter.de

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Kommentare (1)

  • Joachim Datko

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    Zitat: „Ein weiterer Schwerpunkt der Tagung liegt auf der Geschichte christlich-jüdischer Konflikte.“

    Ich würde es nicht als christlich-jüdische Konflikte bezeichnen, sondern als eine jahrhundertelange Verfolgung von Juden durch Christen. Das Christentum ist meiner Ansicht nach eine ganz üble Religion.

    Selbst der Judenhass des gebürtigen Österreichers Hitler hat diese historischen Wurzeln.

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