Bekenntnis statt Anmaßung

„Satire darf alles – außer sterben“

„Wir lieben Frankreich, das Essen und den Wein, Gott und die Welt & die Welt ohne Gott, Zeitungen, Provokation und Gedankenfreiheit, mutige Autoren, mutige Zeichner, mutige Chefs...“ Foto: Danzl

„Wir lieben Frankreich, das Essen und den Wein, Gott und die Welt & die Welt ohne Gott, Zeitungen, Provokation und Gedankenfreiheit, mutige Autoren, mutige Zeichner, mutige Chefs. liberté egalité fraternité. Satire darf alles – außer sterben.“ Foto: Danzl

„Was darf Satire?“ Irgendwie logisch, wie viele Medien, die bis vor kurzem noch alle bekundeten, „Tscharlie“ oder „Scharlie“ zu sein, jetzt auf eine solche Diskussion einsteigen. Schließlich wird ja auch nach jeder Vergewaltigung darüber diskutiert, wie gefährlich Miniröcke oder tiefe Ausschnitte sind. Eine passende Antwort auf diese Frage, die man zu keinem dümmerem Zeitpunkt stellen könnte, als jetzt, gab in Regensburg schon kurz nach den Terroranschlägen von Paris das Restaurant Orphée.

„Satire darf alles – außer sterben“, steht dort am Schaufenster und verbunden mit dem darüberstehendem Bekenntnis und den Karikaturen und Zeichnungen, die schon seit Jahren den Innenhof des Orphée zieren, ist das flankierende „Je suis Charlie“ gerade nicht jene bloße Anmaßung, die sich in den letzten Tagen die oben erwähnten vermeintlichen Freunde von Meinungsfreiheit und Satire auf die Fahnen geschrieben haben.

"Alles ist vergeben." Cover der aktuellen Ausgabe von Charlie Hebdo.

„Alles ist vergeben.“ Cover der aktuellen Ausgabe von Charlie Hebdo.

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Kommentare (5)

  • Dolittle

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    Ganz klar. Satire darf alles. Eine Diskussion um ihre Grenzen ist müßig. Erst recht, wenn dafür Ethik oder Moral bemüht werden. Eine offene Gesellschaft muss Satire aushalten. Auch wenn man selbst aufs Korn genommen wird.

    Es ließe sich nur darüber diskutieren, ab wann Satire keine Satire mehr ist. Das ist beispielsweise der Fall, wenn Diffamierung und Diskriminierung, Rassenhass und Antisemitismus im Schafspelz der Satire daherkommen. Keine der Mohammed-Karikaturen diffamiert den Islam, kein Kruzifix mit Klo-Rolle die Christenheit. Beide Religionen müssen in unseren Breiten überzeichnete und karikaturenhafte Kritik ertragen. Genauso, wie diese Gesellschaft Kirchenglocken und Fronleichnamsprozessionen dulden muss.

    § 166 Strafgesetzbuch (vulgo „Gottelästerung“) gehört abgeschafft!

  • Mr. T

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    @ Dolittle: Full Ack!!!

  • Veronika

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    Auch meine Zustimmung, aber diesen Paragrafen/ dessen Fortgeltung haben wir auch ein klein wenig den unsäglichen Dingen der deutschen Vergangenheit zu verdanken!
    „Gotteslästerung“ ist es ja nicht, was der Paragraf verbietet, sondern nur „der öffentliche Friede“.
    Könnte zugunsten der Pastafari’s bald soweit sein, die sich in Templin gegen eine Beschandelung deren Hinweisschildes auf die freitägliche Nudelmesse echauffieren.
    Info: pastafari.eu
    http://hpd.de/artikel/11011

  • lilo

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    so, und wer entscheidet, ab wann satire keine satire mehr ist? grundsätzlich diejenigen, die der diskriminierenden mehrheit in der gesellschaft angehören. alle anderen sind halt zu sensibel. danke auch. ich musste mir schon so viel diskriminierenden scheißdreck anhören, nur weil die redner danach behaupten konnten, es sei ja nur ironie gewesen. ich war halt zu sensibel. demnach: nein, satire darf nicht alles!
    den vergleich mit einer vergewaltigung finde ich in dem zusammenhang übrigens ganz schön hart, immerhin gehören dort die täter (in der regel) nicht zu einer von den opfern diskriminierten gruppe. dass wir die rolle von diskriminierung in dieser geschichte nicht völlig ausklammern können, halte ich für ziemlich klar. die islamophobe mehrheit in europa natürlich nicht.
    aber ich stimme zu, dass das ganze zu diesem zeitpunkt sehr einem „victim-blaming“ gleichkommt und dies eigentlich ein denkbar ungeeigneter zeitpunkt ist für diese (eigentlich wichtige) diskussion. (hoppla, nun haben wir uns doch dran beteiligt!)

  • Jeanette Kamrowski

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    Satire ist Kunst und seiner Zeit voraus. Da nicht jeder Mensch in der gleichen Zeitachse lebt, gibt es hier unterschiedliche Empfindungen. Die von absoluter Zustimmung bis zur tiefen Ablehnung reichen. Das spiegelt sich in den Ereignissen/Demonstrationen in Frankreich oder die Versuche strafrechtlich gegen Satire vorzugehen. Unserer Gesellschaft kommt die Aufgabe zu, mit dem Spektrum an Empfindungen umzugehen.

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