Landesgartenschau

Stadtrat an Fürstenhaus: „Das Schloss nehmen wir nicht mal geschenkt“

Das marode Schloss Pürkelgut will man dem Haus Thurn und Taxis nicht vergolden – darin sind sich die Stadträte einig. Das Areal drumherum will man aber für die Landesgartenschau haben und arbeitet weiter an der Bewerbung. Das stärke die Verhandlungsposition der Stadt, glauben manche.

Ob sie sich unter Druck gesetzt fühlt? Im Regensburger Stadtrat glaubt man das. Foto: Archiv/ Staudinger

Gloria von Thurn und Taxis: Ob sie sich unter Druck gesetzt fühlt? Im Regensburger Stadtrat glaubt man das. Foto: Archiv/ Staudinger

Horst Meierhofer (FDP) spricht am Donnerstag aus, was sich alle denken: „Das Schloss Pürkelgut darf niemals Teil des Deals sein. Das darf die Stadt nicht einmal geschenkt nehmen.“ Zustimmung kommt quer durch alle Fraktionen.

Wie berichtet, will sich Regensburg für die Landesgartenschau (LaGa) 2024 bewerben. Bis spätestens April muss das Konzept eingereicht werden. Das Areal ums Pürkelgut, das ebenso wie das Schloss dem Haus Thurn und Taxis gehört, ist als einziger Standort gesetzt. Das Schloss brauche man für eine LaGa nicht zwingend, heißt es. Die Sanierungskosten für den maroden Bau werden auf bis zu 40 Millionen Euro geschätzt. Das solle bestenfalls das Fürstenhaus selbst oder „ein Partner“ übernehmen. Am Donnerstag sollte nun der Umweltausschuss die weiteren Arbeiten am LaGa-Konzept – ohne Schlosskauf – durch das Stadtgartenamt bewilligen – geschätzte Kosten: rund 40.000 Euro.

Huber: „Stadt ist nicht erpressbar.“

"Nich mal geschenkt." Klare Ansage von Horst Meierhofer. Foto: Archiv

„Nich mal geschenkt.“ Klare Ansage von Horst Meierhofer. Foto: Archiv

Hier hat Astrid Lamby (ÖDP) Bedenken. Zwar begrüßt auch sie grundsätzlich eine Bewerbung, ebenso den Standort. Sie befürchtet aber, „dass die Stadt dafür ganz schön bluten muss“. „Wenn wir jetzt beschließen, weiter an den Bewerbungsunterlagen zu arbeiten, dann sitzt Thurn und Taxis am längeren Hebel.“ Man könne doch warten, bis die Verhandlungen mit dem Fürstenhaus abgeschlossen seien und sich notfalls auch zwei Jahre später um eine LaGa. Ähnlich sieht das auch Irmgard Freihoffer (Linke).

Bürgermeister Jürgen Huber, von dem die Idee einer LaGa auf dem Pürkelgut stammt, lehnt weitere Verzögerungen ab und versucht, Bedenken zu zerstreuen. „Wir haben eine klare Verhandlungslinie und wir können diese Verhandlungen auch scheitern lassen, wenn es vom fürstlichen Haus keinen fairen Vorschlag gibt.“ Die Stadt sei hier „nicht erpressbar“.

Appelierte an die fürstliche Größe vergangener Tage: Bürgermeister Jürgen Huber. Foto: Archiv

Appelierte an die fürstliche Größe vergangener Tage: Bürgermeister Jürgen Huber. Foto: Archiv

Huber beschwor in diesem Zusammenhang die Geschichte des Hauses Thurn und Taxis, das „zumindest in früheren Generationen“ auch „Größe gezeigt“ habe. Als Beispiel nannte Huber den fürstlichen Alleengürtel, den Fürst Carl Anselm von Thurn und Taxis anlegen ließ – „zum Nutzen und Vergnügen der hiesigen Inwohnerschaft“, wie er damals verlauten ließ. Damals – das war 1779. Und gerade in jüngerer Vergangenheit hat das milliardenschwere Haus Thurn und Taxis diese Größe nicht gezeigt.

Die jüngere Vergangenheit sieht anders aus

Wie wenig man von der Allgemeinwohlverpflichtung des Eigentums hält, zeigte sich Anfang der 2000er Jahre. Fürst Albert wollte seinerzeit Hofbibliothek und fürstliches Zentralarchiv versilbern bzw., sich die Schutz- und Sicherungsmaßnahmen dafür sparen. Das Haus Thurn und Taxis klagte bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, wo es 2013 scheiterte. Nach wie vor gibt es Planungen für eine Tiefgarage in der fürstliche Allee, die Urahn Carl Anselm stiftete. Nach den bisher vorliegenden Plänen müssten dafür über 20 Bäume gefällt werden. Das nun zur Debatte stehende Schloss Pürkelgut war auch nicht das einzige historische Gebäude, das das Fürstenhaus verkommen ließ. Ähnliches galt lange Jahre auch für die Orangerie und den astronomischen Turm beim Schloss in Prüfening.

So billig war das Grundstück zuletzt nicht

Das Areal rund ums Schloss Pürkelgut hätte das fürstliche Haus in Zusammenhang mit dem geplanten Deal zur letztlich gescheiterten BMW-Ansiedlung der Stadt – inklusive des maroden Schlosses – für 8,6 Millionen Euro angeboten – ein durchaus beachtlicher Preis (21,50 Euro pro Quadratmeter) für 40 Hektar die zunächst einmal nichts anderes sind als weitgehend sumpfiges Grünland. Zum Vergleich: In Bayern wurden im vergangenen Jahr durchschnittlich knapp vier Euro pro Quadratmeter Grün- oder Ackerland bezahlt.

Das Areal ums Pürkelgut will die Stadt kaufen, das marode Schloss nicht. Foto: Wikipedia/  Johanning

Das Areal ums Pürkelgut will die Stadt kaufen, das marode Schloss nicht. Foto: Wikipedia/ Johanning

 

„Einen grünen Fuß in die Tür stellen…“

Gartenamtsleiter Dietrich Krätschell plädierte am Donnerstag leidenschaftlich dafür, die Mittel zu bewilligen, um ein Konzept für das Areal zu entwickeln. „Bereits jetzt ist das ein Naturraum mit herausragenden Erfahrungsqualitäten.“ Die Landesgartenschau könne ein Vehikel sein, um dort Planungen für einen Bürgerpark umzusetzen und die „Lebensqualität im Südosten der Stadt vorausschauend zu sichern“. Und selbst wenn eine Bewerbung woran auch immer scheitere, sei ein Großteil der Planungen nicht für den Papierkorb. Man müsse sich angesichts zukünftiger Bebauungen auf den Kasernen ohnehin Gedanken darüber machen, wie man die Grünflächen an zukünftige und bestehende Stadtviertel anbinden könne, so Krätschell weiter. Und generell gelte es „rechtzeitig einen grünen Fuß in die Tür zu stellen“, ehe es wieder so weit komme, dass dort irgendwelche Bebauungen geplant würden, die am Ende niemand wolle.

„Das, was wir jetzt tun, ist goldrichtig.“

Thomas Burger glaubt: "Damit setzen wir die Eigentümerin unter Druck." Foto: Archiv

Thomas Burger glaubt: „Damit setzen wir die Eigentümerin unter Druck.“ Foto: Archiv

Eine äußerst optimistische Sicht auf die Verhandlungsposition der Stadt hat Dr. Thomas Burger (SPD). „Wir bauen Druck auf, wenn wir diese Planungen jetzt vorantreiben. Damit nehmen wir die Eigentümerin in die Pflicht. Das, was wir jetzt tun, ist goldrichtig.“

Gegen die Stimme von Astrid Lamby sprach sich der Umweltausschuss schließlich für die weitere Arbeit an einer Bewerbung zur LaGa 2024 aus. Die weitere Verhandlungen mit dem Fürstenhaus laufen unter Regie von Oberbürgermeister Joachim Wolbergs. Das Schloss soll entweder durch das Fürstenhaus oder, so hieß es am Donnerstag, „einen Partner“, saniert werden. Durchführen könne man eine LaGa aber auch ohne das Schloss.

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Kommentare (12)

  • Woexit

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    Wenn noch mehr solche hanebüchene Verhandlungspositonen beschlossen werden, gibt es dann die Möglichkeit eine Woexit?

  • joey

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    Will jemand eine Laga um die Glasscherben herum bauen? Oder dem Fürstenhaus eine Außensanierung schenken? Oder gar die Bäume im Alleengürtel opfern, um im Industriegebiet eine Laga…? Es scheint, daß der grüne Bürgermeister ein Denkmal braucht. Behutsame Verbesserungen an vielen Stellen sind ja nicht spektakulär, da kann man keine Reden halten und Hände schütteln.

    Mal ein anderer Vorschlag: der SV Jahn kommt nicht in die 1. Liga, da könnte man am Stadion eine Laga draus machen, Zeitungsmeldung: „SV Jahn in der 1. Laga“, ein Erfolg für Regensburg, dank BGM Huber!

  • dünnhäutig

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    Selten habe ich so wenig Realitätssinn bei Politiker bemerken müssen, wie in dieser Angelegenheit. Wer glaubt, dass die T&T je in irgendeinerweise einen Gedanken an das Wohl der Natur oder der Bürger verschwendet haben, glaubt auch an den Weihnachtsmann.

  • Shady LaGa

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    So manches Traumschiff in der Ferne entpuppt sich bei näherer Betrachtung
    oft genug doch nur als MS Gloria….

    Würde der Stadtratsbesatzung als G. mit einem Kasten „Fürstengold“ pro Quadratmeter
    entgegenkommen; der Fairness halber……
    Wie soll man auch sonst den Sumpf trockenlegen?

  • olividar

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    Das Erinnerungsvermögen vom grünen Bürgermeister ist von Vergessen geprägt, den fürstliche Alleengürtel wollte er doch im Deal um die Landesgartenschau wegen einem Parkhaus opfern.

  • Rengschbuarga

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    Hanebüchen, was für Kommentare sich hier ansammeln, die total an der Realität vorbeigehen. Ich hab mir die Sitzung live angetan und hatte nicht den Eindruck, dass da irgendwer den Deal wollte. Ebensolches geht auch aus dem Artikel nicht hervor.

  • Irgendeiner, sonst keiner

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    I.D. Fürstin Mariae Gloria von T & T, Prinzessin von Schönburg-Glauchau wird sich aber ärgern! Wie kann man nur!!!!!
    Wer muß sich denn hier so plötzlich von wem und weshalb distanzieren?
    Hat das vielleicht politisch mit einigen bilaterialen Dingen im Böhmerland zu tun? ;-)

  • Die Kunst des Feilschens » Regensburg Digital

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    […] Diese Koalition wird bei der morgigen Stadtratssitzung – der letzten vor der Sommerpause – nun endgültig die Bewerbung für die Landesgartenschau auf den Weg bringen und in was für einer Verhandlungsposition mit dem fürstlichen Haus man sich wähnt, brachte jüngst der stellvertretende SPD-Fraktionschef Thomas Burger auf den Punkt, als er sagte: „Wir bauen Druck auf. Wir nehmen die Eigentümerin in die Pflicht. Das, was wir jetzt tun, ist gol… […]

  • Edith Schild

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    Es gibt Erwerbsvorgänge von Immobilien in Regensburg, da waren die ursprünglichen Eigentümer schon im KZ ermordert worden oder in Zwangsarbeit. Heute sind die Bewohner-Enkel und -Urenkel der festen Ansicht, dass es seinerzeit zwar nicht ganz fair ablief aber doch irgendwie alles rechtmäßig war. Auch andere Schweigen heute noch über die Umstände, wie sie und ihre Familien zu dem Reichtum gekommen sind: https://www.youtube.com/watch?v=l9hNjmJxc0U

  • Landesgartenschau auf dem Pürkelgut ist passé » Regensburg Digital

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    […] Das Schloss nehme man allerdings „nicht einmal geschenkt“, hieß es nun. Generell solle sich Thurn und Taxis mal auf seine Verantwortung besinnen, der Stadt entgegen kommen und ihr das Areal – auf das sich die Koalition alternativlos festgelegt hatte – zu einem anständigen Preis überantworten. Das Fürstenhaus habe schließlich auch in der Vergangenheit „Größe gezeigt“, appellierte und hoffte Bürgermeister Jürgen Huber. […]

  • CSU attackiert Jürgen Huber » Regensburg Digital

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    […] Das besagte Konzept hatte, wie berichtet 40.000 Euro gekostet, und war vom Stadtgartenamt – damals noch mit Blick auf eine mögliche Landesgartenschau – erstellt worden. Schon damals hatte Amtsleiter Hans Dietrich Krätschell ähnlich argumentiert: Selbst wenn eine Bewerbung woran auch immer scheitere, sei ein Großteil der Planungen nicht für den Papierkorb. Man müsse sich angesichts zukünftiger Bebauungen auf den Kasernen ohnehin Gedanken darüber machen, wie man die Grünflächen an zukünftige und bestehende Stadtviertel anbinden könne. Und generell, so Krätschell, gelte es „rechtzeitig einen grünen Fuß in die Tür zu stellen“, ehe es wieder so weit komme, dass dort irgendwelche Bebauungen geplant würden, die am Ende niemand wolle. […]

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