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Pressekonferenz

Stellenstreichungen am Universitätsklinikum Regensburg: „Die Lage ist ernst“ – und bleibt undurchsichtig

Auf Druck von Wissenschaftsminister Markus Blume lud der UKR-Vorstand am Donnerstag zur Pressekonferenz. Thema: die geplanten Stellenstreichungen. Vieles bleibt vage. Ein Sanierungsplan scheint noch ganz am Anfang zu stehen.

Äußerten sich auf Druck des Wissenschaftsministers: UKR-Vorstandschef Oliver Kölbl und Kaufmännische Direktorin Sabine Lange. Foto: as

40 Arztstellen am Universitätsklinikum Regensburg (UKR) sollen wegfallen. Diese Zahl nannte UKR-Vorstandschef Oliver Kölbl am Donnerstag bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. Damit bestätigt er Recherchen von regensburg-digital aus dem November 2025.

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Damals hielten sich Wissenschaftsministerium und Vorstand bedeckt, während es in der Ärzteschaft rumorte. Anwälte wurden vorgeschickt. Es wurde dementiert und geschwiegen. Diesmal ist es anders.

Druck durch Anfragen, Berichte und die Freien Wähler: Blume macht Ansage an den UKR-Vorstand

Nachdem Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) durch mehrere SPD-Anfragen, kritische Berichte und Kritik des Koalitionspartners Freie Wähler am Kommunikationsverhalten des UKR unter Druck geraten war, gab es in der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch eine klare Ansage an den Vorstand: Ein Sanierungskonzept muss her, um das Defizit – laut UKR 13,7 Millionen Euro im letzten Jahr – zu senken.

„Meine Erwartung an den Vorstand ist, dass er erstens selbst gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für Transparenz sorgt und erklärt, wie die Lage ist und was jetzt notwendig und für die Zukunft angedacht ist“, so Blume später vor der Presse. Zweitens müsse er die Öffentlichkeit informieren. „Das ist ureigenste Aufgabe des Vorstands.“

Vorstandschef des Unikliunikums: „In der Industrie wäre das kein Thema.“

Also luden Kölbl und die Kaufmännische Direktorin Sabine Lange am Donnerstag um elf zur Pressekonferenz, um über „die aktuelle Lage“ zu informieren – 16 Tage nach unserer ersten Veröffentlichung über die geplanten Streichungen am 9. Juni, dem eine breite überregionale Berichterstattung folgte.

Das habe er zunächst nicht ernst genommen, sagt Kölbl. Schließlich gebe es in der Industrie weitaus größeren Stellenabbau. Deshalb habe sich der Vorstand auch nicht geäußert. „Wir sind ein Wirtschaftsunternehmen. Da ist es ganz normal, zu schauen, ob die Personalkosten refinanziert sind.“

„Die Lage ist sehr ernst.“

Zwischen 2019 und 2024 sei die Zahl der Beschäftigten am UKR um 430 gestiegen (von 3.600 auf 4.030). Die erwarteten Leistungssteigerungen und die daraus resultierenden Erlöse seien aber nicht im vorgesehenen Umfang erreicht worden. Jetzt müsse man „konsolidieren“, sagt Kölbl. Und: „Die Lage ist sehr ernst.“

Seit letztem Herbst gebe es Leistungsbemessungen in den einzelnen Abteilungen – daraus ergebe sich die Zahl von ungefähr 40 Vollzeitstellen im ärztlichen Bereich, die gestrichen werden müssten. Genau könne man das noch nicht sagen. Im Juli stehe die nächste Überprüfung der Abteilungen an.

Die Zahl 64, die Minister Blume ins Spiel gebracht hatte und die auch in einem internen Protokoll von 2023 auftaucht, bestätigt Kölbl ausdrücklich nicht. „Das ist ein Missverständnis, das sich verselbständigt hat.“

Defizit reduzieren mit Schlagworten

Im Verhältnis zur Gesamtzahl der Ärzte (680) sei die 40 auch nichts, „wo die Industrie ein großes Problem hätte“, so Kölbl. Überhaupt sei Stellenabbau „so ein unschönes Wort“. Selbstverständlich müsse man personell sparen, aber es gehe ebenso um „Effizienzsteigerungen“, „Prozessoptimierung“ und „digitale Unterstützungsangebote“. Mit Inhalt gefüllt werden diese Schlagworte weder von Kölbl noch von Lange.

Klar widerspricht Kölbl der Aussage von Wissenschaftsminister Blume, es gebe im Kürzungskonzept keinen Plan, in welchen Abteilungen Personal abgebaut werde. Jeder Klinikdirektor habe im Herbst vergangenen Jahres Vorgaben erhalten.

Er selbst müsse als Direktor der Klinik für Strahlentherapie eine Vollzeitstelle streichen, so Kölbl. „Das schaffe ich auch mit einem Arzt weniger. Das wird bei anderen auch so sein.“ Die Medizin wandle sich, sekundiert Sabine Lange und nennt die zunehmende Ambulantisierung als Beispiel.

Ein Konzept, das der Minister nicht hatte?

Warum Blume in einer Antwort an die SPD-Abgeordnete Ruth Waldmann etwas anderes gesagt habe, wisse er nicht. Der Minister „würde sich ja melden, wenn er etwas Detaillierteres haben wolle“. Nur weil Blume dieses Konzept nicht habe, bedeute das nicht, dass es das nicht gebe.

Kritik aus der Ärzteschaft am Kommunikationsverhalten des Vorstands weist Kölbl zurück. Es habe Gesprächsrunden und Klausuren gegeben. „Wenn jemand sagt, es würde nicht kommuniziert, dann war der entweder nicht dabei oder hat nicht zugehört.“

Beschäftigte werden am selben Tag per Rundschreiben informiert

Am Tag der Pressekonferenz verschickt der Vorstand auch ein Rundschreiben an die Beschäftigten. Man stehe vor der „Herausforderung, die Personalausstattung an die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen anzupassen“, heißt es darin. Es sei „eine kritische Überprüfung der bestehenden Strukturen und Ressourcen erforderlich“.

Personalreduzierungen sollten „weiterhin über natürliche Fluktuation erfolgen, insbesondere durch das Auslaufen befristeter Arbeitsverträge sowie eine konsequente Prüfung jeder Nachbesetzung“.

Die qualitativ hochwertige Patientenversorgung bleibe „oberstes Ziel“ am UKR. „Gleichzeitig wird es notwendig sein, vorhandene Ressourcen noch effizienter einzusetzen und Prioritäten klar zu definieren. “

Das liest sich nach einem Konzept, das noch am Anfang steht.

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Kommentare (4)

  • Evi

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    Ein Universitätsklinikum mit einer z.B. Schraubenfabrik zu vergleichen, enttarnt das Grundproblem für welches es nur eine Lösung gibt.

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  • Shorty

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    Zitat Vorstands-Chef Kölbl: “Wir sind ein Wirtschaftsunternehmen. Da ist es ganz normal, zu schauen, ob die Personalkosten refinanziert sind”.
    Das sehe ich nicht so.
    Bei allem Verständnis für die Prüfung von Einsparmöglichkeiten:
    Das UKR dient primär der Patientenversorgung. Dies muss oberste Priorität haben!
    Und wenn durch zu starken Personalabbau das Patientenwohl leidet oder gar gefährdet ist (Überbelastung des Personals, höhere Fehlerquoten etc.), dann sind die Grenzen überschritten.
    By the way: Was kommt als Nächstes?
    Schliessen wir die Feuerwehr, weil sie defizitär arbeitet? Sperren wir THW, Wasserwacht, … zu, weil die keinen Überschuss erwirtschaften?
    Gute und ausreichende ärztliche Versorgung ist ein Grundrecht!
    Und was passiert, wenn der Staat im Übermass marktwirtschaftlich agiert, zeigt sich an der maroden Bahn!

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  • tom lehner

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    KI: Kommentar Ironiegestützt

    @ Evi: “Mutter!”

    @ Shorty: Schliessen wir die Politik und überlassen das Land der AfD. Bernd und seine Verwandten werden es richten.

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  • xy

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    Nach Adam Riese handelt es sich um eine ganz einfache Rechnung: von 2020 bis 2025 sind die Löhne und Gehälter im öffentlichen Dienst trotz aller Warnungen der Länder und Kommunen um 15 % gestiegen (https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Verdienste/Tarifverdienste-Tarifbindung/Tabellen/entwicklung-tarifverdienste-im-oeffentlichen-dienst-ab-2005.html). Das führt dann ziemlich logisch zu Einsparungen an anderer Stelle, z. B. eben hier bei den Arztstellen um moderate 6 %; der Rest muss anders ausgeglichen werden, z. B. durch höhere Krankenkassenbeiträge oder Steuern, was auch nicht viel besser ist. Man kann dagegen protestieren, wie gegen die aktuelle Sommerhitze; gegen die betriebswirtschaftlich-mathematischen oder die meteorologischen Grundbedingungen kann das aber nichts ausrichten.

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