Das Jammern der Bauträger

Saugutes Geschäft ohne sozialen Wohnungsbau für die Investoren am Schlachthof. Das hätten andere Bauträger auch ganz gern… Foto: Archiv/ Tilmann Riechers
„Sanierung vernichtet bezahlbaren Wohnraum“
„Einen Quadratmeter zu bauen, kostet zwischen 2.100 bis 2.600 Euro“, beklagt sich Immobilienmakler Thomas Neuhoff (Immo Finanz GmbH). „Und da ist noch nicht einmal das Grundstück dabei.“ Bauträger Rainer Hummel (7 Haus GmbH) pflichtet ihm bei: „Jede Kaltmiete unter neun Euro pro Quadratmeter ist bei den Baupreisen und Auflagen schlechterdings illusorisch.“ Und auch Joachim Becker, Geschäftsführer der Stadtbau GmbH („Das soziale Gewissen auf dem Wohnungsmarkt“), klagt über die hohen Bau- und Sanierungskosten. Die müsse man dann auch entsprechend auf die Mieten umlegen. „Mit jeder Sanierung vernichten wir bezahlbaren Wohnraum.“
Baugebiet mit Sozialwohnungsquote: Zuckerfabrik. Foto: Archiv/ Mirwald
Die großen Investoren fehlen
Es sind nicht die großen Bauträger, die am Mittwochabend ins Bischofshof am Dom gekommen sind, um mitzudiskutieren. Die Schmack Immobilien GmbH, die das Areal der ehemaligen Zuckerfabrik vermarktet, hat keinen Vertreter entsandt, ebensowenig die milliardenschwere und in Regensburg recht aktive Immobilienzentrum AG, die sich 60 Prozent des Schlachthof-Areals gesichert hat und dort nicht mit der Verpflichtung, irgendwelch günstigen Wohnraum zu bauen, behelligt wurde. Da backen diejenigen, die sich heute unter die recht zahlreich versammelten Mitglieder der SPD gemischt haben, vergleichsweise kleine Brötchen. Neben Neuhoff und Hummel meldet sich etwa noch Thomas Winter zu Wort, der mit seiner NaBau eG genossenschaftliche Bauprojekte nach Regensburg bringen will. Bislang nur auf dem Papier. Einig sind sich alle Anwesenden zumindest in einem Punkt: Es müssen mehr Wohnungen gebaut werden. Und das möglichst schnell. Wie das allerdings vonstatten gehen soll, darüber gehen die Meinungen dann doch auseinander. Viele Themen kommen auf den Tisch, vor allem geht es aber immer wieder um die 15 Prozent öffentlich geförderten Wohnraums, die bei neuen Baugebieten zur Auflage gemacht wird.Makler-Logik: Sozialwohnungsbau steigert den Mietpreis
Neuhoff etwa beklagt sich mehrfach darüber. Ein Bauherr sei durch diese Quote geradezu dazu gezwungen, bei den restlichen 85 Prozent höhere Mieten zu verlangen, um noch auf einen ordentlichen Schnitt zu kommen. Damit, so seine Logik, würde der kommunal verordnete Bau von öffentlich gefördertem, bezahlbarem Wohnraum dazu führen, dass die Mieten in Regensburg ansteigen. Man müssen auch endlich aufhören, immer nur über die Kaltmieten zu reden, so Neuhoff. Durch energieeffiziente Bauweise würden schließlich die Heizkosten sinken und im Endeffekt komme der Mieter dann bei der Warmmiete trotz höherer Quadratmeterpreise ja auf das Gleiche.Zuckerfabrik: „Saure-Gurken-Grundstück“
Stadtbau-Geschäftsführer Becker rät der SPD, doch mal „ganz wertfrei“ über diese Quote, die bislang in Regensburg noch kein einziges Mal zur Umsetzung gekommen ist, nachzudenken. Die Stadtbau soll am Zuckerfabrik-Areal erstmals für diese Quote sorgen. Doch Becker sträubt sich. Das sei ohnehin ein „Saure-Gurken-Grundstück“, das man nur genommen habe, damit dort „endlich etwas vorwärts geht“. Wenn man da auch noch öffentlich geförderten Wohnraum bauen solle, befürchte er, dass die Wohnungen nur schwer zu vermieten seien.
Positioniert sich weiter gegen die 15-Prozent-Quote: Stadtbau-Chef Joachim Becker. Foto: Archiv/ Mirwald