Christsoziale Trunkenheit – eine kleine Hall of Fame

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Ein kleiner Rausch muss doch kein Beinbruch sein…

Peinlich, peinlich! Da lässt sich CSB-Stadtrat Gero Kollmer erwischen, als er angetrunken mit dem Auto durch die Gegend saust – und dann landet das Ganze auch noch in den Medien. Schlimm, schlimm. Allerdings sollte er die Sache gelassen nehmen – Kollmer befindet sich in bester christsozialer Gesellschaft. Und: Schlecht für die Karriere muss ein solcher Ausrutscher gar nicht sein.

_Der Büßer: Graf Lerchenfeld – 1,2 Promille. Ein fernsehfreier Abend für Köfering. Bedauerte aufrichtig. Im Landtag.


„Der Herr Graf rauscht in den Gartenzaun” – unter anderem diese nette Schlagzeile wurde Philipp Graf Lerchenfeld zuteil, als er fast auf den Tag genau vor einem Jahr – mit 1,2 Promille im Blut – in einen Verteilerkasten rauschte, etlichen Köferingern einen fernsehfreien Abend bescherte und türmte. Verständlich – er musste schließlich noch zu einem Vortrag. Als die Polizei den Grafen schnappte, bedauerte er, entschuldigte sich und engagiert sich heute im Landtag für ein Alkoholverbot für Jugendliche. Lobenswert!

drei.jpgDer Extravagante: Peter Welnhofer – Diazepam. Ein demolierter Seitenspiegel. Noch im Landtag, weiter im Stadtrat.


Nicht Alkohol, der Valium-Wirkstoff Diazepam war es, den man im Februar 2005 bei Peter Welnhofer im Blut feststellte, nachdem er den Außenspiegel eines „gegnerischen” Fahrzeugs rasiert hatte – und weiter fuhr. Auch er wurde geschnappt und durfte sich über ein dreimonatiges Fahrverbot freuen, nebst 4.800 Euro Geldstrafe. Ein gefundenes Fressen für die Medien freilich. Soll er doch die Unfallgegner noch darauf hingewiesen haben, „mit wem sie sich da anlegen”. Der Gescholtene grinst und schweigt. In Landtag und Stadtrat.

___Der Heimliche: Herbert Schlegl – 1,7 Promille. Keine Schäden. Später für drei Jahre CSU-Fraktionschef in Regensburg.

Schweigend bleibt auch Herbert Schlegl, der – noch vor seinem Aufstieg zum CSU-Fraktionschef – mit 1,7 Promille im Blut ertappt wurde. Von den Medien wurde er damals geschont.

__Der Pionier: Otto Wiesheu – 1,75 Promille, ein Toter, ein Schwerverletzter. Später Verkehrsminister. Steuert heute die Bahn.

Zum Bayerischen Verkehrsminister hat es Otto Wiesheu noch gebracht, nachdem er 1983 mit 1,75 Promille im Blut einen Verkehrsunfall verursachte, bei dem es einen Toten gab – zwölf Monate auf Bewährung, 20.000 Mark Geldstrafe. Heute im Vorstand der Deutschen Bahn. Irgendwie logisch.

vDer Verstoßene: Gero Kollmer – 1,1 Promille. Keine Schäden. Im Stadtrat. Karriereaussichten in Bayern dennoch mäßig (CSB).

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Kommentare (14)

  • matthias Beth

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    Sehr gute Darstellung der Hall of Fame der Trunkenheitsfahrer aus der Christlich-Sozialen Parteienlandschaft. Nach meiner Meinung und der eines Großteiles der Bevölkerung, sollten sich vor allem Berufspolitiker an den Rahmen messen lassen, den sie durch ihren Auftrag Gesetze zu verabschieden, für die Bürger festlegen. Das heißt, vorbestrafte Berufspolitiker, sei es der Herr MdL Welnhofer, CSU, Herr ex Landrat Nentwig, SPD, von Amberg-Sulzbach , Herr ex OB Schröpf, CSU, von Weiden, und alle weiteren, haben aus ihrem Handeln die Konsequenzen zu ziehen und wenn Sie es nicht tun, sind Sie von den jeweiligen Parteigremien und/oder Bürgern durch Wahlen von ihren Aufgaben zu entbinden.

  • Reiner Gottl

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    Warum wurde von der regionalen Presse die Trunkenheitsfahrt von Herbert Schlegl nichts berichtet? Hat da jemand die Presse in Griff? Es kommen von der CSU doch nur die positiven Meldungen durch.
    Auch bei der Bayern LB ist von den Verantwortlichen in der Geschäftsführung und im Verwaltungsrat Schweigen im Walde. 4 Mrd. € Verlust und keiner will im Verwaltungsrat etwas gemerkt haben. Wer sitzt da von der CSU drin und für was erhalten die ihr Gehalt?

  • Rudolf Schmitzer

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    Sehr geehrter H. Gottl und andere interessierte Damen und Herren, folgende CSU-Politiker sind im Verwaltungsrat der LB Bayern:

    Erwin Huber
    Staatsminister
    Bayerisches Staatsministerium der Finanzen
    München
    1. stellvertretender Vorsitzender

    Joachim Herrmann
    Staatsminister
    Bayerisches Staatsministerium des Innern
    München

    3. stellvertretender Vorsitzender
    Jürgen W. Heike
    Staatssekretär
    Bayerisches Staatsministerium des Innern
    München

    Emilia Müller
    Staatsministerin
    Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Verkehr und Technologie
    München

    Hans Schaidinger
    Oberbürgermeister
    Regensburg

    Diese Damen und Herren sind offenbar ihrer Aufgabe im Verwaltungsrat der LB Bayern, die Geschäftstätigkeiten und Handlungen des Vorstand zu kontrollieren bzw. überwachen, neben den anderen Aufgaben sei es als Minister oder Oberbürgermeister, nicht nachgekommen.

    Anders sind die immer größer werdenen Zahlen über die Milliardenverluste durch das Engagement am US-Immobilienmarkt nicht zu erklären. Für die Verluste wird am Ende der Steuerzahler in Bayern aufkommen müssen, den die Anteilseigner der LB Bayern sind zu 50% der Freistaat Bayern und die andern 50% hält der Sparkassenverband Bayern.

  • Ulrich Perchermeier

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    @ Herrn Schmitzer:
    Sind Sie der Herr gleichen Namens, der dem Kreisvorstand der Regensburger CSU angehört?

  • Norbert Steiner

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    Trunkenheit hin oder her. DR. Kollmer hat sich zu der Verfehlung bekannt; im Gegensatz zu Herrn Wellnhofer und zu Herrn Schlegl. Und der Herr Graf von und zu hat wohl seinen Strafbefehl geschluckt oder wie? Die beteiligte Teil-Presse jedoch verfolgt jeden nach eigenem Gusto. Sonst würde sie doch den Namen der Stadtbaumitarbeiterin veröffentlichen. Straftatbestände (Betrug-Trunkenheit)sollten nicht unterschiedlich behandelt werden!!!

  • Martin Sider

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    Das ist ja interessant. Unser OB, der Mann der Wirtschaft sitzt auch im Verwaltungsrat. Warum lest man da nichts in der Presse? Ist wohl negativ und somit für den Bürger nichts. Die gehen wohl auch noch zur Verwaltungsratssitz wen die Bayern LB längst liqudiert ist. Die mekren nichts.
    Unser OB war da wirklich erfolgreich. 4 Mrd. das muss man erst einmals schaffen. Hat er uns das versprochen? Vor 12 Jahren hat er den Bürger im Wahlkampf versprochen: Die 3 großen S.
    Stadion
    Stadthalle
    Stadtbahn
    Wieder nichts, aber 4 Mrd. Verlust bei der Bayern LB, das ist doch was.

  • Rudolf Schmitzer

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    Sehr geehrter H. Perchermeier,
    Ihre Frage beantworte ich wie folgt:
    1. Ich bin seit 1987 CSU-Mitglied
    2. Ich bin seit dem 31. März 2007 Beisitzer im
    Vorstand des CSU-Kreisverbandes Regensburg.

    Gruß

    Rudolf Schmitzer

  • Winfried Huber

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    @schmitzer
    Ohne öffentliche Kritik merkt keiner seine öffentliche Verantwortung. Und blosses Besitzen eines Aufsichtsratssessels ist in jedem Wortsinn UNVERANTWORTLICH.

    Könnte die CSU vielleicht für die Arbeit im Aufsichtsrat neben einem Bankpraktiker OHNE anderem Aufsichtsratsposten auch einen Hochschullehrer für Bankwirtschaft oder Bankinformatik gewinnen? Da denke ich nicht an Prof. Wenger, eher an Asse aus München, St. Gallen oder Regensburg.
    Spezifische Städteinteressen berühren die Entscheidungen des Aufsichtsrates wohl selten: Und dann hilft informale Beratung mit dem Experten.

  • erik

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    der Typ von Politiker, der sich besoffen in sein Auto setzt, am Straßenverkehr fahruntüchtig teilnimmt, das Leben von Kindern, Frauen, Männer und Alten fahrlässig gefährdet, scheint in Regensburg keine Seltenheit zu sein!

  • erich

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    Im Juli 2013 starb bei einem Unfall auf der B85 bei Roding ein
    15-jähriges Mädchen drei weitere Menschen wurden schwer verletzt. Der Unfallfahrer, ein Politiker, wurde verurteilt: Er erhielt eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und 10 Monaten sowie eine Geldstrafe. Dieser war in der Unfallnacht mit 0,53 Promille Alkohol im Blut Auto gefahren und dabei wegen seines rücksichtslosen Fahrstils aufgefallen. Politikerbonus?

  • Rentnerin

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    In jedem Anfang liegt ein neuer Zauber inne.

    Wieso wird hier so lange rumdiskutiert ?

    Warum nicht mal ein Protestwähler werden und die Herrschaften aus dem Nest werfen ?

  • menschenskind

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    Rentnerin schreibt: „Warum nicht mal ein Protestwähler werden und die Herrschaften aus dem Nest werfen ?“

    Seinen Protest kann man dadurch ausdrücken, dass man nicht wählen geht, meinten bei den letzten Bayernwahlen, rund ein Drittel der Wähler.
    Und, wem hat’s genützt?
    Der regierenden CSU, die von einem weiteren Drittel der Bayern gewählt wurde.
    Das restliche Drittel entfiel auf die zersplitterte und zerstrittene Opposition.

    Das Drittel, das CSU wählt, wird diese auch weiterhin wählen.
    Ebenso das Drittel, das auf die Opposition setzt, es wird weiterhin Opposition wählen.

    Die einzige Hoffnung auf Änderung des unhaltbaren Zustandes (einer CSU-Alleinregierung) liegt in der Mobilisierung des wahlmüden oder protestnichtwählenden Drittels.
    Wenn diese Mitbürger, zu einem großen Teil Unterprivilegierte bzw. Angehörige der unteren Schichten, dazu veranlasst werden könnten Sozis, GRÜNE oder LINKE zu wählen (nur bitte nicht die AfD!), dann könnten sich tatsächlich Änderungen im bayerischen Parlament und in der bayerischen Politik einstellen.

    Es liegt somit an uns, diejenigen, die sich aufgegeben haben, und denen fast alles wurscht ist, zu überreden bei der nächsten Wahl wieder ihre Stimme abzugeben und zwar, indem sie gegen die CSU abstimmen.

  • Rentnerin

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    an Menschenskind

    Sie haben natürlich recht. Voraussetzung ist , dass die Menschen wählen gehen.
    Das Geschimpfe und Gejammere auf den Strassen hilft gar nichts.
    Das Volk muss handeln.
    Ich versuche seit 40 Jahren immer wieder klar zu machen, wie wichtig es ist zu wählen, um die Stimmenanteile und die Macht derjenigen zu mindern, die sich seit Jahrzehnten die Rosinen aus dem Kuchen picken.
    Also die beiden grossen Parteien haben dem kleinen Mann nichts gebracht.
    Die Gesellschaft ist gespalten und die Armen wurden im Verhältnis zu den Reichen immer ärmer.
    Es gab vor 20 Jahren keine Tafel, , und ein Pärchen oder Ehepaar brauchte keine 4 Arbeitsplätze um die Mieten zu bezahlen.
    Also, was haben uns diese grossen Parteien gebracht, die gebetsmühlenhaft versuchen, uns zu erklären, wie gut es dem Volk geht.
    Aber: Das Volk hat die Politiker, die es verdient.

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