Das war das Hard:Line-Festival

„Fear the Vier“

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Das Hard:Line-Festival ist dieses Jahr vom Andreasstadl in das Ostentorkino umgezogen. Erstmals wurde an das Wochenende auch noch der Donnerstag davorgehängt. Vier Tage, 13 Filme – ist das schon zu viel des Guten, oder gar immer noch zu wenig? Dieter Ehneß glotzte sich für die geschätzte Leserschaft und nicht zuletzt zu seinem Privatvergnügen die Augen viereckig.

Vier Tage Filmfestival? Ächz. Horrorfilme? Okay, bin dabei. Im Gegensatz zu den Kurzfilmwochen, zu denen ich mich nur selten durchringen kann, erscheinen mir 13 Filme auf den Zeitrahmen von vier Tagen durchaus zu schaffen. Eine Dauerkarte für äußerst faire 60 Euro ermöglicht es mir, die Herausforderung ohne unnötiges Abwägen anzunehmen. Lediglich die Verteilung erscheint auf ersten Blick etwas merkwürdig: Am Sonntag läuft nur noch ein Film, dafür je fünf am Freitag und Samstag. Aber immer schön der Reihe nach.

Das diesjährige Motto „Fear the Vier“ wurde im Umfeld des Veranstalters Florian Scheuerer, der das Festival wie auch die Reihe ins Leben gerufen hat, zuerst aus einem Scherz heraus geboren, ergab dann aber nicht nur Sinn dadurch, dass das Festival dieses Jahr in die vierte Runde geht, sondern eben auch durch die Verlängerung um einen weiteren Tag.

Tag 1: First Blood

Bereits am Mittwochabend treffe ich eher durch Zufall in der Alten Filmbühne auf die beiden aus Los Angeles angereisten Jungs, die hinter dem ersten der gezeigten Filme stecken, und diesen am Donnerstagabend als Gaststars mit anschließender Frage-Antwort-Runde präsentieren werden. Regisseur Vincent Masciale und Drehbuchautor Luke Barnett erweisen sich nicht nur als freundliche wie auch trinkfeste Gesprächspartner, ihr Erstlingswerk „Fear Inc.“ ist ganz und gar nicht das, womit man jemanden als Anfänger schelten würde.

Kurz nach 20 Uhr und ein paar einleitenden Worten von Florian startet am Donnerstagabend das nicht zum Bersten, aber doch anständig gefüllte Ostentorkino in die erste Vorstellung. Der Plot von „Fear Inc.“: Reicher Großstadt-Yuppie auf der Suche nach dem ultimativen Horror-Kick bereut es nach nur wenigen Stunden schon, im Suff bei dem Unternehmen „Fear Inc.“ angerufen zu haben, um seinen persönlichen Horror zu bestellen und zu erleben; ungeahnte Twists eingeschlossen. Einbettet in eine Vielzahl von damit verbundenen Hommagen an diverse Klassiker des Genres, eine gute Ladung schwarzen Humor und den einen oder anderen Liter Kunstblut kann man sich davon schon mal anderthalb Stunden unterhalten lassen, ohne auch nur einmal auf die Uhr zu sehen. Ein perfekter Auftakt.

Jedes Mal vor dem jeweiligen Film werden übrigens der kreative Spot der Sponsoren und Blutwurz-Hersteller Penninger sowie ein eigens für das Festival produzierter Trailer (mit drei verschiedenen Enden!) gezeigt; von lästigem Werbe-Müll bleibt man dagegen verschont.

Zweiter Film an diesem Abend: „Carnage Park“, der fünfte und gerade noch aktuellste Film des gerade mal 29jährigen Wunderknaben Mickey Keating, von dem am Freitag zwei weitere, noch ziemlich neue Streifen laufen werden. „Carnage Park“ kann mich, um es vorwegzunehmen, von jenen dreien am meisten überzeugen; leider fehlt mir der Vergleich zu seiner früheren beiden Werken, aber der Mann kann offensichtlich etwas, das bei vielen anderen gerne mal ganz schön in die Hose geht, nämlich Filme beinahe ohne Handlung durch Farben, Musik und Effekte auf ein doch recht hohes Niveau zu heben.

Die Naturaufnahmen in dem Park, der das weitläufige, aber beinahe menschenleere Setting des Films darstellt, versprüht den Charme eines fast schon zu stilvollen Westerns, gepaart mit der Auswegslosigkeit, wie man sie eigentlich schon zur Genüge aus etlichen Kettensägenmassakern und anderen Horror-Streifen kennt, in denen Person X weit davon entfernt ist, wieder in einem Stück in die Zivilisation zurückzufinden.

Die vergilbt-bräunliche Optik ist dabei eigentlich auch nichts neues, und plötzlich ist mir die ähnlich wenig heitere Stimmung des Klassikers „Punishment Park“ von 1971 im Hinterkopf. Die Musik deutet zu Beginn des Films noch einen Gangster-Spaß im Tarantino-Style an – dann weicht sie dröhnendem, heruntergepitchen Lärm aus einem zweckentfremdeten Lautsprechersystem, das mitten im Park steht.

Aus der Unterhaltsamkeit eines Road-Movies, in der sich der Zuschauer zu Anfangs wähnt, wird man schnell und unsanft herausgerissen; ab dann muss man sich aber auch damit abfinden, dass die Handlungsspirale eher nach unten geht. Der Schluss ist dann auch nicht vollends befriedigend, das Viel-dunkel-wenig-hell-Spiel in der verlassenen Mine ist ein Stück weit übertrieben worden. Ästhetisch ist der Film aber dennoch, und ich verlasse das Kino mit dem erleichternden Gefühl, die Kohle in die Dauerkarte jetzt schon sinnvoll investiert zuhaben. Prompt fragt mich jemand draußen vor der Tür, ob ich denn „Punishment Park“ gesehen habe.

Tag 2: Vier Horrorfilme und ein Zwischenfall

Shit. Ich muss den Dunstkreis meiner Bude, die weniger als fünf Gehminuten vom Ostentorkino entfernt liegt, verlassen. Die ersten zwei Filme des Tages laufen nämlich nicht eben dort, sondern im Schimmerlos, einer unterirdisch angelegten Diskothek, wo der reale Horror Wochenende für Wochenende in Form von Techno-/ House-/ Elektro-Dauerbestrahlung stattfindet. Normalerweise bringen mich da keine zehn Pferde hin.

Dabei könnte man aus dem Schimmerlos eigentlich viel mehr machen, nämlich wie heute ein Kino. Ein paar Visuals von Blink & Remove, dazu eine leicht verstörende Geräuschkulisse, schon stimmt mich das Foyer, in dem ich auf den Einlass warte, auf meinen Horror-Freitag ein.

Die Getränkepreise sind leider nicht ohne: drei Euro für 0,3 Liter Mineralwasser ist das zweitbilligste nach der Option, sich bei den Toiletten sitt zu trinken (das kostet nichts dort, glaube ich zumindest). Auch wünsche ich mir, ich hätte mir ein Sitzkissen und etwas mehr zum Anziehen mitgenommen, denn gerade warm ist es da unten ja nicht, aber das hätte ich mir wahrlich vorher denken können. Als der erste Filme beginnt, kann ich das alles jedoch sehr gut ausblenden, nicht zuletzt, weil der Sound hervorragend ist.

„Pod“ ist ein weiterer Film von Mickey Keating, kann mich aber lange nicht so sehr beeindrucken wie „Carnage Park“ am Vortag. Schlecht ist er zwar auch nicht, aber es dauert einfach schon mal viel zu lange, bis etwas passiert.

Neben des schleppenden Handlungsstrangs ist auch die Rollenverteilung ein bisschen zu klischeehaft: Zwei Geschwister; er der starke, entschlossene Typ, sie die Alkoholikerin, die ihr Leben nach Strich und Faden verkackt. Der gemeinsame Bruder, nicht ganz stabil mal wieder frisch aus der Psychiatrie entlassen, ist natürlich der, dem starker Bruder nicht glauben will, dass er ein von der Regierung gezüchtetes Killer-Monstrum, einen Pod (spart es euch, leo.org spuckt auch keine sinnige Übersetzung aus) eingefangen und in seinem Keller eingesperrt hat. Schwache Schwester macht nichts außer schreien und weinen. Natürlich machen sie den Keller irgendwann auf, und Keating lässt ein Schock-Effekt-Gewitter auf den Zuschauer los, das sich gewaschen hat. Wow, entspannend war der Film nicht, und das ist gut so.

Da ich weiß, dass ich ein teures Wochenende vor mir habe, was die Getränke betrifft, nutze ich die halbe Stunde Pause zwischen den Filmen, um in den Kaufhof zu wandern und eine Flasche Wasser zu kaufen. Auf dem Rückweg stellen sich mir ein paar Marsmenschen in den Weg, und ich verliere zu viel Zeit (die neun Minuten, wie man sie aus Akte X kennt, kommen nicht mehr hin) um noch rechtzeitig zum nächsten Film zu kommen. Ich entscheide mich spontan, „They Look Like People“ auszulassen. Die Meinungen der anderen Besucher über diesen Psycho-Schocker teilen sich.

„Yoga Hosers“, nun wieder im Ostentor, ist als nächster dran. Ich habe hohe Erwartungen, zum einen, weil wir – ich und die restliche Crew um unseren diesjährigen Amateur-C-Movie „Sharkula“ – eine Patenschaft für die Vorstellung dieses Films übernommen haben, was bedeutet, dass ein Bild unseres Film-Monsters Sharkula samt krakeliger Schrift für ein paar Sekunden die Leinwand verschandelt. Außerdem ist es halt der neue Film von Kevin Smith, bekannt durch „Clerks“, „Dogma“ und zuletzt „Tusk“. Vom Horror- und Splatter-Genre sind diese Filme ohnehin schon weit entfernt, und auch „Yoga Hosers“ ist mehr eine Komödie, als das man die FSK-18-Kategorisierung nachvollziehen könnte. Gebumst wird in dem Film ja auch nicht wirklich.

Aha, „ungeprüft“ sagt das Begleitheft zum Festival. Na dann. Bratwurstnazis in Miniaturgröße, die aufplatzen und dann statt Blut zu verspritzen offensichtlich aus gelben Schnipseln bestehen (sollten das Pommes sein oder wie jetzt?), sind jedenfalls nichts, wonach selbst ein Kleinkind nicht hervorragend einschlafen könnte ohne weiter darüber nachzudenken. Reichlich Geblödel, gute wie auch flache Witze, ein rundum kurzweiliger Spaß, der mich die Aussicht auf schwerere Kost im Anschluss erst mal völlig vergessen lässt. Kevin Smith bekennt sich zum Trash, ohne mit Klischees zu langweilen, und mit so etwas darf man den Rahmen des Festivals schon mal brechen.

Mit „Darling“ läuft dann schließlich auch der dritte Keating-Film, ein ins Schwarz-Weiß-Korsett gezwungener Horror-Kunst-Film, der mich anfangs grübeln lässt, ob ich ihn wirklich ganz sehen will. Dann überzeugt mich ein weiteres Mal doch seine Machart. Im Vergleich zu „Carnage Park“ und vor allem „Pod“ schiebt sich etwas mehr Überraschungsmoment in den Vordergrund, bedeutungsschwangere Symbolik, und für Keating-Verhältnisse auch so etwas wie Handlung, wenn auch vieles nur angedeutet ist.

Am Ende frage ich mich dann auch ein bisschen, ob ich irgendetwas einfach nicht verstanden habe. Und außerdem, ob Keating sein Niveau mit den nächsten Filmen, die er fabriziert, halten kann, ohne sich zu wiederholen oder krampfhaft durch alle Subkategorien des Horrorfilms durchzuexerzieren.

„Scare Campaign“ bildet den Abschluss des zweiten Abends. Der Film der mir bisher unbekannten Cairnes-Brüder hat nicht wenig mit dem vorgestern gezeigten „Fear Inc.“ gemeinsam. Wieder geht es um inszenierten Horror, dieses Mal ist es jedoch eine fiktive Art von „Verstehen Sie Spaß?“-Variante im US-Fernsehen (würde mich allerdings nicht allzu sehr wundern, wenn es eine vergleichbare Sendung wirklich gäbe), die das Setting für das Verwirrspiel bildet.

Was ist echt, wer legt hier wen rein. Auch ist „Scare Campaign“, wie schon „Fear Inc.“, ein Film in dem alles vergleichsweise schnell zur Sache geht, ohne auch nur eine Minute zu langweilen. Ob ich aber nicht doch schon einen Schluck zu viel getrunken habe, als ich den Film danach auf dem Stimmzettel mit fünf von fünf Sternen bewerte? Egal, hallo Aftershow-Party.

Tag 3: Fear the Five

Nach knapp fünf Stunden Schlaf schieße ich aus dem Bett, um ins Ostentorkino zurück zu pilgern. Heute liegt ein Marathon von fünf Filmen vor mir, und heute gibt es keine Ausrede mehr, nicht alle fünf zu sehen. Immerhin war bisher kein Ausfall dabei, aber die Aussicht, dass die ersten beiden Streifen zusammen 226 Minuten dauern, lässt nur hoffen, dass die erste Ernüchterung nicht gleich mit „Litchi Hikari Club“ kommt. Tut sie nicht, im Gegenteil. Wieder ein Film, der innerhalb des Festivals aus der Reihe fällt.

Die männlichen Charaktere darin bilden den besagten Club, ein Kollektiv, das sich der ewigen Schönheit und Jugend verschrieben hat. Was am Anfang wie eine Einheit wirkt, in der das Individuum keine Rolle spielen darf, bricht mehr und mehr auseinander. Dazwischen eine einzelne Frau und – ein Roboter. Als dieser, geschätzte zwanzig Minuten vor Ende des Films, lernt, wie ein Mensch zu träumen, und ich danach damit leben muss, wie eine mühsam aufgebaute Idylle wieder grausam vernichtet wird, bin ich mir ziemlich sicher, dass dies mein bisheriges Highlight ist. „Litchi Hikari Club“ ist grotesk, schön, gewaltsam und verstörend gleichermaßen. Ich verbeuge mich vor dem mir leider schon wieder völlig unbekannten Eisuke Naito, und gelobe, mir bald sein vorheriges Werk „Let‘s Make The Teacher Have A Miscarriage Club“ (Was ist das für 1 Titel?!) reinzuziehen.

Die Ernüchterung, die ich befürchtet hat, kommt sodann mit dem zwar nicht völlig misslungenen, aber über weite Strecken doch sehr langatmigen und großzügig abgedroschene Geisterfilm-Klischees ausspielenden „The House On Pine Street“. Dass die weibliche Hauptperson schwanger ist, lässt mich erst hoffen, dass eine „Rosemary‘s Baby“-ähnliche Verschwörung im Gange ist, aber ich warte leider lange und vergebens auf einen Twist in der Handlung.

Gefühlte Stunden lang gehen beinahe ununterbrochen Türen wie von Geisterhand auf und zu, als ob die Regisseure – das Brüderpaar Aaron und Austin Keeting – darin die Neuerfindung des Horrorfilms vermutet hätten. Der Schluss hinterlässt dann einen mehr als gleichgültigen Eindruck: Ich soeben einen x-beliebigen Geisterfilm gesehen und dabei nicht einmal schlafen können, weil die Türen so laut geknallt haben. Schade, aber wenn jeder Film an diesem Wochenende gleich gut gewesen, dann hätte ich ja gar keinen Vergleichsrahmen.

„Sun Choke“ ist danach zumindest etwas origineller. Zentrales Element ist in diesem Psycho-Thriller, dass man die Handlungen der weiblichen Hauptperson Janie verfolgen, aber nur sehr langsam nachvollziehen kann, bis sich am Ende ein sicherlich gut durchdachtes Konstrukt aus Trauma, Unterdrückung und den damit verbundenen psychischen Folgeerkrankungen aufgebaut hat. Leichtverdaulich geht anders, lustig ist der Film sowieso nicht einen Moment lang, und damit ist man schon ganz gut auf den nächsten Brocken eingestimmt.

Die iranisch-britisch-jordanische Produktion „Under The Shadow“ ist für die Oscars eingereicht worden und wird von Florian Scheuerer als sein Favorit des Festivals angekündigt. Hohe Erwartungen also, die tatsächlich nicht enttäuscht werden. Die Kulissen und Effekte sind sparsam gehalten, und wieder geht es um Geister, aber doch um einiges ansprechender verpackt als im zuvorletzt gesehenen Film. „Under The Shadow“ hat eine weitaus tiefere Ebene, in der Aberglaube in seiner Erscheinungsform durch Geister als cleveres Stilelement zur Darstellung ständiger, und in diesem Falle begründeter, Verlustängste dient, weit über den plumpen Effekt knallender Türen hinaus.

Dass der Rahmen des Films der Konflikt zwischen Iran und Irak in den 1980er Jahren ist, leitet mich zunächst auf eine falsche Fährte: Ich befürchte Vergewaltigungsszenen und Bomben, die Leute zerfetzen, Krieg und Elend bis zum geht-nicht-mehr, obwohl ich ja eigentlich im Kopf habe, dass da gleich ein Horrorfilm draus wird. Hier hat Babak Anvari einen schier unmöglichen Spagat geschafft. Geister, genauer gesagt Djinns, gepaart mit Kriegsdrama? Respekt.

Danach zum Abschluss des Tages noch mal Stuss hoch zehn: Keiner, mit dem ich danach gesprochen habe, war von „The Mind‘s Eye“ überzeugt. Dennoch schätze ich es, noch einmal leichte Kost zu genießen.

Ein Werwolf, ein Vampir oder dergleichen wäre mir zwar lieber gewesen als ein Action-Thriller, der auf das (ganz nebenbei ebenso fiktive) Phänomen der Psychokinese aufbaut, aber schön, dass am Schluss mal wieder ordentlich Blut spritzt. Splat! Jetzt liegt nur noch ein Hard:Line-Abend vor mir – schade eigentlich.

Tag 4: Outer Limits

Der Sonntag hat einen Haken: Ich hätte mir ja echt gerne das exklusive Konzerte der Containerdogs (die Supergroup aus den Regensburger Bands Containerhead und Diamond Dogs) angeschaut, aber wenn gleichzeitig die Lindenstraße läuft, geht das halt einfach nicht. Und ein halbes Konzert wollte ich dann auch nicht mehr sehen.

Ein letzter Film ist aber noch drin, obwohl ich durchaus noch zwei oder drei gepackt hätte an dem Tag. „Operation Avalanche“, weit entfernt vom Horror-Genre, eine Fake-Doku über die visuelle Inszenierung der Mondlandung durch die Amerikaner. Witzig, unterhaltsam, ein runder Abschluss. Nicht mehr, nicht weniger.

Danke, Hard:Line, für diese kurzweilige Zeitverschwendung! Ich wünschte mir nur, es wäre wenigstens ein paar Mal so richtig zum Platzen voll gewesen im Kino. Insgesamt sind rund 2.000 Besucher zu allen Veranstaltungen des Festivals gekommen, inklusive der Aftershow-Parties und des Konzerts. Leer oder schlecht besucht war keine der Vorstellungen.

Der Aufwand, die Anstrengung und die Leidenschaft, mit der das Festival nun das vierte Jahr in Folge hochgezogen worden ist, erscheinen mir nach diesem Wochenende aber wie eine Leistung, die nicht genug honoriert werden kann. Eine Oase der Filmkultur, die nicht austrocknen darf, und dafür wird Hard:Line im nächsten Jahr ein Verein werden, um den Fortbestand der Horror-Kultur in Regensburg zu sichern.

Bis nächstes Jahr also – das würde ich sagen, wenn Hard:Line nicht ohnehin außerhalb des Festivals eine regelmäßige Veranstaltungsreihe im Andreasstadl wäre, deren Besuch an dieser Stelle noch mal ausdrücklich empfohlen sei.

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Kommentare (5)

  • Kultur?

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    Warum schauen Menschen gerne Horrorfilme an ?
    Ist ihr Innnenleben so tot, dass sie extrem starke äußere Gefühlsreize brauchen, um sich zu spüren ? Finden Sie auf dem Bildschirm ihre innere Gefühlswelt als Opfer oder Täter eines Horrors wiedergespiegelt, und wozu brauchen sie das ? Andere Gründe ?
    Und was hat eine Horrorfilmwoche mit Kultur zu tun, die unbedingt fortgeführt gehört ?
    Das alles würde mich wirklich interessieren. Doch leider kann ich dem ganzen Artikel Null an Reflexion darüber entnehmen.
    Mal ehrlich: Wenn ich eine „Filmkritik“ auf diesem Niveau lesen will, dann lese ich mir die Programme der Kinos durch.
    Und bloss, weil irgendwas Fans hat, brauchts doch nicht ausgerechnet in regensburg digital zu stehen, oder ?
    Gestern habe ich mir den Spielfilm „Die letzte Sau“ (läuft noch länger im Kino im Leeren Beutel ) angeschaut. Ein bewegender anarchisch-lebendiger Film, in dem u. a. der Horror der Massentierhaltung breiten Raum einnimmt. Und zwar so, dass man motiviert wird, am eigenen Ess-Leben etwas zu verändern…
    Horrorfilm-Fans, outet euch ! Meinetwegen quält mich, foltert mich , zerteilt mich in tausend Einzelteile, aber beantwortet mir bitte ernsthaft die Frage: Was ist wirklich los in eurem Innenleben ?

  • Mr. T

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    Was ist nur los im Innenleben von Leuten, die meinen, dass alle, die sich für was interessieren, für das sie sich selbst nicht interessieren, irgendwelche kranken Spinner sind? Kultur ist natürlich meist etwas breiter angelegt als der eigene Horizont mancher kleingeistiger Kulturbewahrer. Es gibt auch Nischen, in die nicht jeder rein passt.
    Ich frage mich auch manchmal, was in den Köpfen von Menschen so falsch läuft, die irgendwelche Gottheiten anbeten und auf vermeintliche Erlösungen zuleben, oder solche, die andere Tiere ohne Not aufessen, oder welche, die volkstümliche Musik anhören, aber ich käme nie auf die Idee mich darüber so zu echauffieren.
    Zur Info: Ich war nicht auf dem Filmfestival und mich interessieren solche Filme auch weniger, aber ich finde es gut, dass es für die Fans von Horrorfilmen auch Kulturangebote gibt.

  • Dieter

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    Muss an meinem Innenleben etwas kaputt sein, um Spaß an Horrorfilmen zu haben?
    Ich finde, nein. Horrorfilm ist nicht gleich Horrorfilm, ich reagiere nicht auf jeden mit den zwingend gleichen Gefühlsregungen. Wer grundsätzlich ein Problem mit solchen Filmen hat, muss sie sich auch nicht ansehen.
    Und wie schon erkannt wurde: Dies ist eine Filmkritik, besser gesagt geht es um ein Festival und die Filme, die dort gezeigt worden sind. Wieso hätte ich bitte in diesem Rahmen einen Diskurs, wozu Horrorfilme überhaupt nützlich sind, lostreten sollen? Wenn Sie an so etwas interessiert sind, es gibt vermutlich ein paar Hundert Bachelor- und Masterarbeiten von Medienwissenschaftlern zu diesem Thema, die nur darauf warten, von jemandem gelesen zu werden. Erwarten Sie denn auch, wenn Sie beispielsweise eine Kritik über ein Jazz-Konzert lesen, dass Ihnen jedes Mal erklärt wird, warum es Jazz gibt, und welche Leute Jazz hören und warum?

    P.S.: Ich muss keinen Film mehr sehen, um mein Essverhalten zu ändern. Ich bin seit 14 Jahren Veganer, das reicht mir an bewusstem Essverhalten für mich selbst. Trotzdem kann ich mir Filme ansehen, in denen das Kunstblut spritzt. So etwas kann ein normaler Menschenverstand auch differenzieren.
    P.P.S.: Es heißt korrekterweise widerspiegeln, nicht wiederspiegeln.

  • Kultur!

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    Die eingangs gestellte Frage, ob und inwiefern Filme im Allgemeinen und Horrorfilm im Speziellen, als Kultur anzusehen sind, ist Ursprung einer in der Gesellschaft häufig auftauchenden Diskussion. Das zielt noch nicht mal auf den Kulturbegriff an sich (erweitert oder eng) ab, sondern spiegelt sich in der typischen Unterscheidung zwischen U und E wider. Dann aber im Unterhaltungssegment nochmal zu unterscheiden, erscheint wenig sinnvoll.

    Wenn man nur an der Oberfläche kratzt, wird schnell ersichtlich, dass Horrorfilme ein filmisch ansprechendes Niveau besitzen. Über was wir letztlich also streiten, ist Geschmack. Der ist bekanntlich verschieden und das ist auch gut so! Jemandem aber nun einen zweifelhaften psychischen Zustand anzudichten, weil er sich für Horrorfilm interessiert – sei es aus kinematografischen, kulturreflexiven, narrativen oder intellektuellen Beweggründen – ist nicht nur unpassend, sondern beinahe dreist. Da helfen auch die verschiedenen medienpsychologischen Erklärmodelle nicht weiter. Zum einen gibt es davon mehrere, zum anderen konnte noch keiner der existierenden Ansätze hinlänglich belegt werden. Was an dieser Stelle bleibt, ist weiterhin eine klare geschmackliche Differenz, wobei sich eine Position rechtfertigen muss. Also versuchen wir es doch einfach mit einer solchen Rechtfertigung.

    Erster Ankerpunkt auf die Kulturfrage ist hier der filmgeschichtliche Aspekt. Würden Sie, lieber Horrorfilmhasser, tatsächlich die kulturgeschichtliche Relevanz der Expressionisten verneinen? Diese Kunstströmung ist nämlich maßgeblich an der Existenz des Genres beteiligt und hat Meisterwerke wie NOSFERATU, DAS CABINET DES DR CALIGARI oder DER STUDENT VON PRAG hervorgebracht. Die genannten Filme waren zur entsprechenden Zeit, visuell überaus irritierend für ungeübte Zuschauer und darum gerne als entartete Kunst diffamiert. Nun werden Sie sicher einwenden, dass Sie den klassischen Horrorfilm (mit 100 Jahren Abstand) durchaus etwas abgewinnen können, die Ästhetik des Splatterfilm hingegen keineswegs zu dulden sei. Auch hier finden sich die Vorreiter im ersten Viertel des vergangenen Jahrhunderts. Luis Buñuel und Salvador Dalí haben in UN CHIEN ANDALOU durchaus Grenzen überschritten. Kunst ist es aber trotzdem. Kultur sowieso.

    Die kulturpessimistische Sicht auf die Gesellschaft ist dem Horrorfilm inhärent. So zählt der Vorwurf kaum, wonach Horrorfilm nur das Üble der Welt zeichnet und keine Reflexion darüber hinaus stattfindet. Bereits in Alfred Hitchcocks PSYCHO wurde der Grundstein gelegt für das, was wir heute als „Horror“- oder „Terrorfilm“ bezeichnen und von Menschen mit starken Vorbehalten mit dem Begriff „Torture Porn“ schlecht geredet wird. Wollen Sie tatsächlich Hitchcocks Meilenstein der Filmgeschichte absprechen, Kultur zu sein? Hier scheitern Sie sogar aus engster kulturbegrifflicher Sicht.

    Für das Hier und Jetzt, das Sie bemängeln, lässt sich nur noch Folgendes sagen: Horrorfilm ist ein höchst diverses Genre, in dem sich harte Filme wie AUDITION, HAUTE TENSION oder HOSTEL finden; aber auch leise, düstere Werke mit philosophischer Tiefe, wie beispielsweise THE WITCH oder WALHALLA RISING ihr Unwesen treiben. Daneben gibt es feine Grusler wie IT FOLLOWS oder THE SHINING, die die Filmkritik, wie Sie sie achten dürften, in Verzückung gesetzt hat.

    Gehen Sie doch einfach mal zu einer der Veranstaltungen und reden Sie mit uns Schwachköpfen! Ich denke, dass wir uns blenden verstünden. Denn sicher ist, dass es dort immer Menschen gibt, die als Genreliebhaber auch ganz ohne Dachschaden ihrer Meinung sind, oder eben gar nicht. Darüber zu sprechen lohnt sich allemal.

    Die Existenzberechtigung des Festivals kleinzureden, ist aus meiner Sicht nur ein schwacher Versuch über Nicht-Verstandendes, Fremdes oder Unbeliebtes eine Käseglocke zu stülpen. Die Filme selbst werden dennoch weiter gedreht und veröffentlicht werden. Das sieht man auch an den Programmen renommierter Festivals, die häufig deutlich mehr Genrefilme führen, als das hier besprochene HARD:LINE Film Festival. Darum finde ich es sehr ansprechend, dass es im Ort ein Festival gibt, dass sich auf dieses Genre spezialisiert hat und damit den geeigneten Rahmen bietet, über das Gesehene zu reflektieren.

    Aber das ist nur meine Meinung.

  • Ilse

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    Ich liebe einfach das Genre und amüsiere mich köstlich bei den Filmen. Ich finde sie einfach geil!

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