Preistreiber auf Erfolgskurs

Neue Studi-Wohnungen zu Wuchermieten

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Nicht nur die Architektur ist UNIform, auch die Miete: Über 13 Euro pro Quadratmeter zahlen Studierende für Apartments in Anlagen der Lambert GmbH. Gerade ist wieder eine fertig geworden.

"Die neue Bleibe für Studenten": UNIcentro 2 an der Kumpfmühlerstraße lockt mit Lage an einer Hauptverkehrsstraße und Wúchermieten. Foto: Liese

„Die neue Bleibe für Studenten“: UNIcentro 2 an der Kumpfmühlerstraße lockt mit Lage an einer Hauptverkehrsstraße und Wúchermieten. Foto: Liese

Die Mittelbayerische Zeitung feiert: „144 Studenten finden am einstigen MZ-Standort in Regensburg eine neue Bleibe“, schreibt das Blatt. Dort, an der Kumpfmühlerstraße 9 und 11, stellt die Lambert Wohnbau GmbH gerade „UNIcentro 2“ fertig. Ein weiterer Komplex aus der Reihe von „Studentenwohnungen“, die das Unternehmen unter so wohlklingenden Namen wie „UNIkato“, „UNIcandis“, „UNIthoma“ oder eben „UNIcentro 1“ und „UNIcentro 2“ in Regensburg aus dem Boden gestampft hat und unter einem Logo bewirbt, das dem des UNESCO-Welterbes zum Verwechseln ähnlich sieht.

13 Euro, plus Nebenkosten, plus Provision, plus Tiefgarage…

Was der aktuelle MZ-Artikel unerwähnt lässt, ist die Miete, zu denen den Studenten ihre „neue Bleibe“ angeboten wird. Dabei sind die bei sämtlichen Lambert-Anlagen ähnlich UNIform wie die Architektur: Sie liegen bei etwas mehr als 13 Euro pro Quadratmeter. Nimmt man dann noch die Nebenkosten – laut Prospekt etwa 3,50 Euro pro Quadratmeter – und den mit anzumietenden Tiefgaragenstellplatz (nicht bei UNIcentro 2, aber z.B. UNIcentro 1) dazu, dann zahlt ein Student auf der Suche nach einer Bleibe für ein 25-Quadratmeter-Appartment an der vielbefahrenen Kumpfmühlerstraße schlappe 460 Euro. Freilich muss er sich auch noch die drei Monatsmieten Kaution und – man nimmt eben mit, was geht – eineinhalb Mieten Provision leisten können.

Da ähnliche Preise auch für die übrigen „Studentenwohnungen“ von Lambert gelten – auch auf abseits gelegenem dem Areal der ehemaligen Zuckerfabrik (UNIcandis) oder dem Marina Quartier (UNIflora) müssen rund 13 Euro pro Quadratmeter gelöhnt werden – gehört das Unternehmen zu den Top-Preistreibern für den Regensburger Mietspiegel. Selbst die Mieten im ebenfalls hochpreisigen Karmeliten-Palais am Dachauplatz liegen noch etwas niedriger.

Ob UNIcentro, UNIkato oder UNIsono (im Bild): Bei Lambert werden stets rund 13 Euro pro Quadratmeter fällig. Foto: Archiv

Ob UNIcentro, UNIkato oder UNIsono (im Bild): Bei Lambert werden stets rund 13 Euro pro Quadratmeter fällig. Foto: Archiv

Am Rande: Dass die Bewohner trotz dieser Wuchermieten wie unmündige Kinder behandelt werden, legte Mitte 2014 ein MZ-Artikel zum Umgang mit den Mietern in „UNIcentro 1“ offen.

Stadtverwaltung warnt vor Investition in teuere Studi-Apartments

Erst am Dienstag beriet der Planungsausschuss des Stadtrats eine Vorlage zur Wohnraumsituation von Studenten in Regensburg. Darin wird zwar festgestellt, dass das „Angebot an Wohnheimplätzen für Studierende in Regensburg (…) quantitativ ausreichend“ sei. Wenig später wird heißt es aber, „dass es vermutlich einen Anteil an Studierenden gibt, der Probleme mit dem Preisniveau in privaten Wohnheimen oder am freien Wohnungsmarkt hat“. Bei dieser Gruppe bestehe „insbesondere seitens der öffentlichen Träger Handlungsbedarf“.

Zusammenfassend liest sich die Vorlage auch wie eine Warnung davor, in überteuerte Apartmentanlagen von der Couleur Lambert zu investieren. „Gezielt nur auf studentisches Wohnen ausgerichtete Neubauprojekte“ seien „mit einem hohen Risiko verbunden“. Der Markt für studentisches Wohnen in diesem hohen Preissegment sei „ausgereizt“.

Die Dummen sind die Anleger

Die Gelackmeierten angesichts solcher Prognosen wären indes wohl nicht die großen Bauträger wie Lambert, es sind die „Eigennutzer und Kapitalanleger“, denen die einzelnen Apartments mit dem Versprechen hoher Renditen verkauft werden, um sie – für die Anleger – anschließend in deren Auftrag zu vermieten. Lambert verspricht auf seiner Homepage: „Die Chance für Anleger: In Regensburg ist die Nachfrage nach studentischem Wohnraum ungebrochen hoch (…). Und die Rahmenbedingungen in Regensburg sorgen dafür, dass dies so bleiben wird.“ Mit Erfolg: Von den meisten Anlagen waren – laut Lambert – die meisten Wohnungen schon vor Fertigstellung verkauft.

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Kommentare (12)

  • dartanjon

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    Die MZ wirbt für Rendite bei Studentenwohnungen http://www.mittelbayerische.de/nachrichten/wirtschaft/artikel/regensburg-braucht-studentenwohnungen/1151713/regensburg-braucht-studentenwohnungen.html und zitiert CBRE „Marktreport Studentisches Wohnen“. Darin steht, dass Regensburg zu den Top 20 der Hochschulstandorte nach errechnetem zusätzlichem Bedarf (Maximum) an hochqualitativen Einzelapartments liegt. Also hier ist Kassemachen mit Studentenapartements für Bauträger möglich. Investitionen in den Bau von Wohnheimen und Studentenwohnungen können sich in Regensburg rechnen, nur für wen? Sicher nicht für die Studenten. Die MZ ist die Bildzeitung von Regensburg.

  • Leo

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    Muss die Provision nicht der Auftraggeber zahlen?

  • Resch

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    Diese Wuchermieten sind wirklich eine derartige Unverschämtheit!
    Auch finde ich, hat damit auch die alte Zuckerfabrik in Regensburg zutun.
    Aus dem Nichts entstehen dort teuere Wohnungen / Wohnanlagen, und puschen
    so den Regensburger Wohnungsmarkt sofort in die Höhe.
    _*
    Nosce te ipsum. – Erkenne dich selbst!

  • Veronika

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    Es sollen ja auch nur noch diejenigen Kinder derjenigen Eltern studieren, die sich das wirklich leisten können, also die Kinder der „Leistungsträgergesellschaft“. Der Rest wirds ohne Beziehungen sowieso zu nichts bringen, also vertane Zeit und vertanes Studienkreditgeld.

  • makler

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    @Leo:

    Nein, das Bestellerprinzip gilt bislang nicht und es gibt auch noch keinen offiziellen Zeitpunkt, ab dem es gelten sollte. Schwebezustand.

    Zwar glaubt seit letztem Herbst jeder, Makler hätten „Berufsverbot“ oder müssten „es umsonst“ machen, weil es medial entsprechend falsch kommuniziert wird, aber nach wie vor kann man grundsätzlich mit sogenannter Aussenprovision anbieten. Maximal also 2 Nettomieten zzgl. MwSt. = 2,38 Kaltmieten.

    Es wird sich vermutlich auch nicht realisieren lassen, jedenfalls nicht so wie wahltatktisch geschickt „beworben“.

    Die Verwirrung ist dennoch bereits babylonisch und die Folgen, die dieser Schnellschuss für diejenigen hat, zu deren Vorteil die Mietpreisbremse und das Bestellerprinzip eingeführt hätten werden sollen, werden sich im Laufe des Jahres zeigen.

    Nämlich spätestens dann, wenn bedürftigen Familien der Mietmarkt endgültig – und erst recht in Städten wie Regensburg – um die Ohren fliegen wird.

    Im konkreten Fall ist etwas anderes (moralisch) fragwürdig:

    Wenn ein Student aufgrund des am Objekt riesig klebenden Plakates vorstellig wird und dann noch Vermittlungsprovision bezahlen muss, ist das zumindest „fies“.

    Die Vermietungsfirma könnte anständiger- und ehrlicherweise eine vernünftige Innenprovision mit dem Bauträger, bzw. den Kapitalanlegern vereinbaren und die Suchenden freistellen, womit sie sich vielleicht auch selber den Gefallen tun würde, schneller vermitteln zu können.

    Hier sieht es einfach nur so aus, dass sich Bauträger und Kapitalanleger Arbeit sparen und die Kosten dafür dem Meter aufdrücken, was unschön ist – aber legal.

    Ein bisschen ans Image zu denken wäre schon empfehlenswert.

  • altstadtkid

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    Wenn Studenten einen Tiefgaragenparkplatz brauchen und diese Mieten zahlen können,
    dann bekommen die bestimmt kein Bafög.
    Wahrscheinlich kann man die Dinger eh nur Mieten, wenn das Geld per Bürgschaft dierekt von den Eltern überwiesen wird.
    Wenn man dann das Taschengeld noch bedenkt das man in Regensburg für Feiern und
    täglich Essen gehen ausgeben muss, dann werden diese Wohnungen halt vom Zahnarzt Papa als Renditeobjekt gekauft, oder er zahlt halt 1500.- im Monat für sein Kind.
    Wäre interresant ob da die Putzfrau schon dabei ist, oder ob man die extra bezahlen
    muss.
    Früh übt sich wer Elite werden will :o)

  • Bernd Lauert

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    Wuchermiete finde ich nicht angemessen. Das sind Erstbezüge mit hochwertiger Ausstattung. Sowas ist nunmal etwas teuerer als ein 1950er Bau der saniert wurde.
    Aber es bleibt dabei das die Wohnsituation katastrophal ist.
    Erst kürzlich wurde ja die ehemalige Kaserne Zeissstrasse aufgemacht bzw. renoviert. Jahrelang stand das Ding leer und so mancher Student bzw. Wohnungssuchende hätte dort eine Bleibe gefunden.
    Nun gut, die Kaserne beherbergt ja die Flüchtlinge. Wenn diese wieder zurückkehren wird der Bau wahrscheinlich wieder geschlossen und steht wieder leer…
    Und ich suche wie ein Vergifteter eine Wohnung und muss als (Notfall-)WG-Gast hausen bzw. als Facharbeiter mit meinen 40 Jahren in einer Zweck-WG wohnen weil die Stadtbau es nicht auf die Kette kriegt bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

  • Bielmeier

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    Die Appartments sind sehr gut ausgestattet (kein Vergleich zu priv. Anbietern), neu, sicher und sehr energiesparend von der Bauweise her. Schön auch mit dem Balkon zu jedem Appartment.
    Also insgesamt sehr empfehlenswert, natürlich auch etwas höher im Preis, aber es lohnt sich.

  • Mänu

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    Ich finde es lächerlich was die Preise betrifft. Kenn genügend die da wohnen und der Großteil ist unzufrieden, weil es fur das wad geboten wird, einfach zu teuer ist. 450€ für 20-25 qm ist dreist. Nicht mehr oder weniger. Bin froh über meine 44 qm mit Balkon fur 440€. Die Aussicht ist auch super. Kann nicht verstehen wie Leute so was unterstützten können. Hab ewig gesucht, aber auch gefunden. Man sollte halt nicht einfach entscheiden in Regensburg zu studieren und ein Monat davor hier ne Wohnung zu suchen. Nur weil es die Leute mieten, ist es möglich. Egal wie man es dreht, es gibt mehr als nur einen schuldigen. Ich mein, wenn mir jemand aus not mehr Geld gibt als andere und ich Geld verdienen will, warum nicht annehmen…
    Na ja, einfach mal vor der eigenen Tür kehren, dann kann man so was vllt in Zukunft auch mindern oder stoppen

  • Julia

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    „(…) werden diese Wohnungen halt vom Zahnarzt Papa als Renditeobjekt gekauft, oder er zahlt halt 1500.- im Monat für sein Kind. Wäre interessant ob da die Putzfrau schon dabei ist, oder ob man die extra bezahlen muss.“
    Mein Vater ist arbeitslos, von dem bekomme ich nicht mal Unterhalt, meine Mutter Krankenschwester. Ich arbeite nebenbei und beziehe Bafög, um mir die Miete leisten zu können. Essen gehen und feiern ist da nicht drin (und eine Putzfrau schon gar nicht, haha). Bei dem überschwemmten Markt findet man nur leider nichts anderes. Zich WG Castings, aber als jemand mit einer latenten Stauballergie habe ich keine Lust, Leuten hinterher zu putzen.
    Aber werft nur weiter mit euren vorgefertigten Meinungen um euch.

  • Rentnerin

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    zu Julia
    Wenn Sie schon wissen, dass diese Immobilien von Geldhaien zusammengekauft werden – im speziellen von der Ärzteschaft – muss man doch bei der Regierung ansetzen und anders wählen.
    Das Gesundheitsministerium unternimmt doch nichts gegen diese gutverdienenden Ärzte, die für alles noch Igelleistungen bekommen.
    Das Spiel mit den hohen Kosten, gerade im zahnärztlichen Bereich, inzwischen auch bei anderen Ärzten, die sich aber zu Tode jammern, geht doch alles auf Kosten der kleinen Leute.
    Sie sind jung, tun Sie doch was dagegen – heute ist das mit dem Internet sehr gut möglich – und schreiben Sie an das Gesundheitsministerium und informieren Sie ihre Freunde. Nicht immer alles hinnehmen.

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