„Rebellieren, ohne asozial zu sein“

Vergangenes Wochenende fand das Regensburger Gothic Treffen 2010 statt. Was mit einer kleinen Gruppe Eingeweihter und einem CD Rekorder vor fünf Jahren begann, fand dieses Jahr seinen vorläufigen Höhepunkt mit einem Dreitagefestival und mehreren hundert Besuchern.
„Die meisten haben eine Ausbildung, ein Monatsgehalt, Abitur und sprechen mehr als drei Sprachen“ – Gothic-Fans vorm Dom. Fotos: Jonas Jelinski
Vor der Bühne im Villapark hat sich eine Gruppe von Menschen unterschiedlichsten Alters versammelt. Sie tragen Faltenröcke, Ledermasken, sind tätowiert, gepierct, oder bis zur Unkenntlichkeit geschminkt. Rhythmisch bewegen sie sich zur düsteren Elektromusik und jubeln den Stars auf der Bühne zu. Die Farben der Kostüme reichen von grellem Rosa bis zu Giftgrün, aber jeden der Tänzer ziert mindestens ein schwarzes Accessoire. Unter den Fans befinden sich auch Nuri, Marina und Florian aus Schwäbisch-Gmünd. Sie sind zum ersten Mal beim RGT angereist, um die Bands „Combichrist“ und „SokoFriedhof“ live zu sehen. „ Bei mir hat alles vor zehn Jahren mit Metal angefangen“, erzählt Nuri, um seinen Hals hängt eine Schweißerbrille. Dunkle Gläser verdecken seine Augen und die Schminke lässt keine Mimik erkennen. „ Danach war es nur noch ein kleiner Schritt zum Gothic.“ Warum gerade Gothic und nicht eine andere Szene? „ Gothic ist eine Lebenseinstellung, die Gesellschaftskritik äußern will“, klärt Nuri auf. „ Gegen den Strom schwimmen, aber nicht auf die asoziale Art. Die meisten haben eine Ausbildung, ein Monatsgehalt, Abitur und sprechen mehr als drei Sprachen.“
„Rebellieren, ohne asozial zu sein“ – Nuri, Marina und Florian.
Mit anderen Szenen gibt es immer wieder Streit. „Das ist im Moment nur ein Gerücht, aber letztes Jahr sollen in Regensburg Gothics von Hip Hoppern mit Steinen beworfen worden sein. Was ich vom WGT in Leipzig mitbekommen habe, sind es die Punks. Sie halten die IBMler für Nazis und es gibt Hinweisschilder, wo man in der Stadt besser nicht hingehen sollte.“ Marina steht dem Begriff „Szene“ skeptisch gegenüber: „Ich hör halt die Musik, aber das Wort ‚Szene‘ ist an sich schon blöd, da geht es nur noch um Abgrenzung. Ich bin doch immer noch Teil der Gesellschaft.“ Ein paar Meter vom Festivalgelände entfernt haben Katrin und Babett ihren Stand „Luna et Sol“ aufgebaut. Drei Musiker – mit Laute, Trommel und Dudelsack bewaffnet – stehen davor und unterhalten die Kundschaft. Das Ostengassenfest kommt ihnen gelegen. Immer wieder kommen Kunden und bestaunen die Warenvielfalt: Räucherwerk, schwarze Kerzen und keltischer Schmuck reihen sich an Naturseife, schwarze Fächer und Duftöle. „Die Marktgeschichte ist unsere Leidenschaft“, sagt Katrin lächelnd. „Wir machen das nicht aus Berufsgründen.“ Von Festival zu Festival zieht es die Moßburger, die Musik kommt dabei nicht zu kurz. „Wenn wir Lust haben machen wir den Laden einfach zu und schauen uns ein paar gute Bands an.“ Die beiden fühlen sich nicht der „schwarzen Szene“ zugehörig, pflegen aber regelmäßig den Umgang mit ihr. „Das ist so ein Lebensgefühl, offen zu sein, ohne an etwas zu glauben. Sich einfach ein bisschen zu Kostümieren, etwas auszudrücken, was man ansonsten nicht im Alltag leben könnte. Einfach mal ein bisschen Theater spielen.“ http://www.regensburger-gothic-treffen.de/ http://www.treffpunkt-schwarz.de/interview-mit-dem-veranstalter-des-regensburger-gothic-treffens

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Kommentare (25)

  • Regensburger

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    Das war sowieso ein super Regensburg Wochenende.

    – Das Ostengassenfest war einfach nur Klasse, die Musikauswahl genial und der Veranstaltungsort direkt neben dem Donaumarkt (Rasenplatz) ist wunderschon.
    Die Turmführungen wurden von sehr netten Damen mit viel Charme durchgeführt.
    Da versteh ich auch, warum sich die Stadt so schwer mit einem offiziellen Bürgerfest tut. Das war einfach viel ursprünglicher und gemütlicher.

    – Die fantasievollen Kostüme beim Gothic Treffen sind der Hammer. Ein total friedliches nebeneinander der Kulturen und Geschmäcker. Klar, die Musik am Sonntagabend beim Gothic Festival muß nicht jeden 100% gefallen (naja, bin auch schon über 35).

    Fazit und Bitte: Herzlichen Dank an die Veranstalter für dieses Regensburg Highlight. Wir freuen uns schon auf nächste Mal.
    Bitte, bitte reguliert nicht alles – wenn ich schon hör, dass es für die Jahninsel ein Nutzerkonzept geben soll – grauenhaft. Leute, es muß doch auch spontan und ungezwungen und ohne Regulierung gehen. Und wenn die jungen Leute mal grillen oder feiern wollen, sollen sie halt. Diese Zeit ist sowieso zu schnell vorbei.

  • Daniel

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    Hallo.

    Die allerorts positive Bewertung des RGT ist erfreulich. Es zeigt sich, dass in Regensburg mittlerweile genug Toleranz und auch Platz für verschiedenste Subkulturen ist.

    Einziges Manko am Fest: Wieder, wie leider zumeist in der schwarzen Szene, war der Umgang mit NS-Symbolik völlig unkritisch. So wurden an den Verkaufsständen des Festes unzählige „Schwarze Sonnen“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Schwarze_Sonne) verkauft. Das Gerede, die „Schwarze Sonne“ wäre ein altes germanisches oder wahlweise heidnisches Symbol, entbehrt jeglicher Grundlage. Es gibt keine seriösen Quellen, die eine Verwendung in der heute vorliegenden Form jenseits der (esoterischen) NS-Bewegung belegen würden.

    Es wäre zu wünschen, dass es in der Schwarzen Szene mehr Sensibilität hierfür entstehen würde.

    Bis 2011.

    Grüße,

    Daniel M.

  • Amberger

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    Dass Teilnehmer des Gothic Treffens von anderen Subkulturen letztes Jahr in Regensburg tätlich angegangen sein sollen, kann ich zwar nicht bestätigen. Es scheint aber nicht unwahrscheinlich bei meinen Beobachtugen in diesem Jahr:
    Wenn sich eine Szene wie die Regensburger Gothic Szene nicht endlich eindeutig gegen den Missbrauch und Vereinnahmung eindeutiger rechtsradikaler Deppen und rechter Esoteriker wehren wird, wird ihr die gute Sympathie hier (ähnlich wie in Leipzig mittelrweile) in zunehmende, offene Ablehung umschlagen.

    Im Stadtgebiet kam es am Wochenende nach Ende des Festivals immer mal wieder zu unschönen Szenen und kleineren Schlägereien nachdem wenige halbseidene Besucher, eindeutig dem rechten Gedankengut anhängend, betrunken in der einen oder anderen Partymeile pöbelnd herumzogen. Nur durch beherztes Eingreifen der Besucher umliegender Kneipen konnte denen klar gemacht werden, dass Shirts mit Aufschrift „BIS ZUM ENDSIEG“ in Verbindung mit eindeutig verfassungsfeindlichen Tätowierungen, hier nicht erwünscht sind. Eine üble Gesellschaft die da zum Teil in Kleingruppen unterwegs war und die man auch alle am Fest selbst beobachten konnte. Schnell wurde denen aber klar, dass sie in der Innenstadt nicht willkommen waren.

    Am Fest selbst konnte man immer wieder solchen Typen begegnen und man fragt sich warum die nicht des Platzes verwiesen wurden. Auffällig besonders die Gruppe, die sich Samstags noch an der Donau unterhalb des Villaparks einen ansoff und später in voller Montur und eindeutiger Nazi-Symbolik auf dem Fest anzutreffen war.

    Ganz so friedlich und toll, wie diese unkritische Berichterstattung uns glauben machen wil, war es also dann doch nicht. Eine klare Abgrenzung der lokalen Szene und eine Zeichen gegen solche Umtriebe wäre sehr wünschenswert gewesen.

    Auch frage ich mich wieso man sich nicht mit den anderen am gleichen Wochenende stattfindenden Nicht-Kommerziellen-Festen in Regensburg nicht besser abgesprochen hatte. Das Jahninselfest in ein regensburger Traditionsfest, das trotz aller Schikanen der Stadtverwaltung Jahr für Jahr hart erkämpft werden muss und rein ehrenamtlich durchgeführt wird. Warum beides in Konkurrenz laufen musste, ist mir schleierhaft, auch wenn ich selbst eher dem Villapark rein szenetechnisch nahe bin.

    Wäre schade wenn die Stadt durch Doppel- und Dreifachbelegungen von Terminen es nun endlich schaffen würde, gerade diese Nicht-Kommerziellen-Feste gegeneinander auszuspielen bis wer davon auf der Strecke bleibt. Das Ostengassenfest zählt da außerdem auch dazu.

    Mein Wunsch also für nächstes Jahr: Bessere Terminplanung zwischen allen Veranstaltern und eine eindeutige Positionierung gegen diese braune Brut, die nur alles zesrtört, was wir uns an Akzeptanz mühsam erschaffen. Der Verkauf von schwarzen Sonnen und das Tragen von NS-Band-Shirts mit schöner Siegesrune am Hals, ist mehr als *********** und muss nicht sein!

    Zeigt den Leuten zukünftig dass wir keine Akzeptanz gegenüber solch einem Missbrauch haben!

  • Amberger

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    — Der Verkauf von schwarzen Sonnen und das Tragen von NS-Band-Shirts mit schöner Siegesrune am Hals, ist mehr als *********** und muss nicht sein! —

    Sollte viel mehr heißen: DARF NICHT SEIN!

  • Immanuel K. Anti

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    Die Beobachtungen von Daniel und Amberger kann ich nur unterstützen.
    Auch mir ging es so, dass ich am Freitagnachmittag im Villapark einfach keine Lust hatte, mich mit Standbetreibern auf Diskussionen darüber einzulassen, ob sie ihren Lebensunterhalt unbedingt mit dem Verkauf von rechten Symbolen bestreiten müssen. Es ist mir egal, ob Thorhämmer und Sonnenräder nun legal oder illegal sind. Ich habe die germanische Mythologie gelesen und bin zu dem Schluss gekommen, wer dem heute noch anhängt, hat schwer einen an der Waffel, egal ob Gothic oder Mittelalterfan.
    Ein ganzes Eck deutlicher waren die Outfits, die mir am Samstag untergekommen sind: Wer einen Uniformfetisch hat, darf ihn ruhig behalten, da gibt es sicher schlimmeres. Wenn man aber am hellen Tag rumrennen muss wie ein waschechter Nazi (bei näherer Betrachtung natülich alles legal und sehr ironisch verfremdet), dann zeigt man vor Allem, dass man im Geschichtsunterricht nicht aufgepaßt hat und das Kopfrechnen nicht über die Tausendergrenze hinweg klappt, weil man sonst damit rechnen müsste, dass man noch sehr vielen Menschen begegnet, die dem mörderischen Irrsinn nur knapp entkommen sind. Und die kennen Gothic nicht. Nur Grauen.
    Nein, ich sage mit keinem Wort, dass Gothics Nazis sind.
    Ich durfte nur mit eigenen Augen wieder mal beobachten, dass es sich um eine Szene von kritiklosen und kritikunfähigen Kleiderständern handelt.
    Und man komme mir nicht damit, dass das Einzelfälle wären. Die ganze Szene hat – wie wieder ich festgestellt habe, indem ich mich bei YouTube durch das Line-Up geklickt habe – keinen Durchblick, wenn es darum geht, die rechten fernzuhalten. Warum man das muss und wie das geht. Wo das Spiel ernst wird. Wenn man eh schon Stiefel, Peitschen und Leder trägt, dann sind Nazisymbole offenbar auch nur noch ein zusätzlicher Kick.
    „Rebellieren“ geht wirklich anders. Gegen die Kleiderordnung und Sexualmoral der 50er Jahre müssen sie auch nicht „rebellieren“, das haben die 68er schon erfolgreich durchgezogen. Wegen denen dürfen sie jetzt solche Klamotten tragen. Nein, falsch, die BDSM-Klamotten kamen durch Vivienne Westwood und Punk, die Gothics haben nur das Aufbegehren rausgekürzt und auch…
    Genug jetzt. Das Buch soll ein anderer schreiben. Ich geh lieber in meinen eigenen Trachtenverein.

  • Seppl

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    @ Immanuel.K.Anti

    wenn man nur lange genug sucht kann man überall ein Haar in der Suppe finden.
    Es war eine schöne Veranstaltung, die Generationenübergreifend friedlich verlief. Hier auch nur im Ansatz rechtes Gedankengut zu vermuten ist paranoid. Die germanische Mythologie ist nicht verrückter als die griechische, einfach Geschichte mehr nicht. Darauf zu schließen wer sich damit beschäftigt hat einen an der Waffel ist doch sehr intolerant. Und ich dachte diese Zeiten solcher Intoleranz sind endgültig vorbei.
    Die Dänen müssen dann nach Ihrer Ansicht alle schwer bescheuert sein – da wird sogar im Schulunterricht über Thor und Co gesprochen. Also immer locker bleiben.

  • Immanuel K. Anti

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    @Seppl
    Natürlich lernt man in der Schule auch Mythologie. Dass es in Dänemark neopaganistischen Religionsunterricht gäbe, der den alten Schmarrn Ernst nimmt, wäre mir aber neu.
    Wenn man sich aus allen zur Verfügung stehenden Mythen und Religionen gerade die aussucht, bei der das Paradies so aussieht, dass man sich Tag für Tag gegenseitig den Schädel einschlägt, um dann Abends gemeinsam zu tafeln, dann spricht das doch für sich. Dann hat man einen an der Waffel.
    Sonst gehen sie nicht auf das von mir und von Daniel sowie Amberger beobachtete ein. Wir wurden sehr konkret, Sie schwafeln lieber von „generationenübergreifend friedlich“, auch wenn wir von sehr unfreundlichen Randerscheinungen sprechen. Und erst hier kommen wir an den Punkt, wo davon die Rede war, was man tolerieren darf/kann/muss.

  • Techniker

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    Als Besucher des Festivals möchte ich nun in aller Form Veranstalter und Besucher in Schutz nehmen:
    Soweit ich weiß war es seitens der jungen Veranstalter ein riesiger Kraftakt dieses Festival zu stemmen, da gibt es sicher wichtigeres zu tun als das Outfit eines jeden Besuchers auf etwaige zweifelhafte Symbolik zu untersuchen. Wie soll das denn gehen? Erkenne ich denn wirklich fragwürdige Symbole und Aufschriften sofort? Wo soll die Grenze gezogen werden – ich habe keinerlei gesetzwidrige Symbole gesehen? Weiß jeder Security-Mann, dass es sich bei T-shirts mit dem in altdeutscher Schrift geschriebenen „Endstille“ und dem Foto der feuernden Bismarck darauf um T-Shirts der gleichnamigen deutschen Black-Metal-Band handelt, die sich von jeher von jeden rechten Gedankengut distanziert? Andersrum: Die wenigsten wissen dass es sich bei der Schwarzen Sonne um ein Symbol aus dem dritten Reich handelt und halten es einfach nur für ein interessantes, rein optisch mystisches Symbol. Illegal ist es auch nicht. Ich denke, dass Aufklärung hier mehr helfen würde (siehe diesjährige WGT/ASP-Diskussion) als der reine Vorwurf mit der Voraussetzung jeder wüsste automatisch über den Ursprung aller Symbole Bescheid.

    „Ich habe die germanische Mythologie gelesen und bin zu dem Schluss gekommen, wer dem heute noch anhängt, hat schwer einen an der Waffel, egal ob Gothic oder Mittelalterfan.“
    Und deswegen sind Thors Hammer und co. nun für dich fragwürdige Symbole? Wie ist das mit Kreuz und christlicher Symbolik? Meiner Ansicht nach hat auch jeder Gläubige einen an der Waffel, der an das Christentum und die Institution Kirche glaubt über deren düstere Geschichte von Krieg, Massenmord und Unterdrückung wir ja nicht diskutieren müssen.
    Trotzdem würde ich niemanden verbieten ein Kreuz um den Hals zu tragen, und dränge diese, persönliche Meinung, niemanden auf…

    Es gab Besucher in Uniform, allerdings waren dies reine Fantasieuniformen. Das einzige was diese mit Nazisymbolik in Verbindung bringt ist die Farbgebung schwarz-weiß – und sofort wird die Assoziation SS-Uniform genannt. Sollen Gothics mit Uniform-Fetisch ab sofort in Rosa kommen?

    Zum Kritikpunkt der vielen gleichzeitigen Veranstaltungen: Ich fand es sehr schön, dass man gleichzeitig durch das Ostengassenfest schlendern konnte. Eine Konkurrenz zum Jahninselfest sehe ich nicht wirklich, da es sich beim Großteil der RGT-Besucher nicht um Regensburger handelte ;-).

    @Immanuel K. Anti: Die Gothic-Szene ist ja aus dem Punk entstanden, was soll uns der Kommentar mit Vivienne Westwood und BDSM also sagen?

    Alles in allem war es ein fantastisches, überaus friedliches und gemütliches Festival.

  • Stefan

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    erstmal danke für den schönen Bericht hier.
    Ich wünsche mir noch viel mehr öffentliche Aufmerksamkeit, denn immer noch gibt es viel zu viele negative Vorurteile zur die Gothic Szene.
    Die Leipziger Bürger sind wohl mittlerweile schon alle sehr aufgeklärt. Regensburg dient also durchaus als weiteres Positivbeispiel wo sich die Goths direkt unters Volk mischen und einfach mal durch etwas Smalltalk mit den ‚Normal-Regensburgern‘ einen guten Eindruck hinterlassen. Das paralelle Straßenfest ist also ganz gut für unsre Szene ;)

    Zu den komischen Kommentaren hier bezüglich ‚Abgrenzung von Rechts‘ kann ich nur den Kopf schütteln.
    Die Gothic Szene steht unter anderem auch für eines: Gewaltlosigkeit.
    Ob sich das nun mit den hier genannten Kommentaren vereinbaren lässt zweifle ich.

    „Wehret den Anfängen“ ist wichtig und wird durchaus praktiziert, sonst gäbe es ja auch diese Diskussionen hier nicht immer wieder… allerdings der übertriebene Verfolgungswahn wegen mystischer Symbole, die nur entfernt mit dem Nationalismus des 3.Reichs zu tun haben, ist unangebracht.

    Als Schausteller auf Mittelaltermärkten müsste genau dort ja erst Recht diese ‚Diskussion‘ aufkommen. Bei den historisch motivierten Mittelaltermärkten gibt es diese Diskussion allerdings NIE. Was dort aber an germanischer Symbolik auftaucht ist schon etwas mehr als auf diesem Festival.
    …. das eine hat mit dem anderen einfach nichts zu tun.

    Kommentar zu Ambergers Posting:
    „…Im Stadtgebiet kam es am Wochenende nach Ende des Festivals immer mal wieder zu unschönen Szenen und kleineren Schlägereien nachdem wenige halbseidene Besucher, eindeutig dem rechten Gedankengut anhängend, betrunken in der einen oder anderen Partymeile pöbelnd herumzogen…“
    Was soll denn das jetzt? Also DAS muss man ja wirklich nicht mit dem Festival verknüpfen… auf jedem Straßenfest läuft ‚diese Brut‘ rum und hat auch mal absolut garnix mit dem Regensburger Gothic Treffen zu tun, Null, Garnix, Niente! DASS dies Besucher des RGTs waren das ziehe ich in extremen Zweifel…

  • Tommy

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    @stefan und alle
    „…allerdings der übertriebene Verfolgungswahn wegen mystischer Symbole, die nur entfernt mit dem Nationalismus des 3.Reichs zu tun haben, ist unangebracht.“

    Die an den Ständen des Gothic-Treffens verkaufte und von einigen Besuchern getragene „Schwarze Sonne“ hat nicht nur entfernt etwas mit dem 3.Reich zu tun.
    Sie war und ist ein Zeichen der SS und ihrer eso-faschistischen Ideologie und wird dementsprechend auch von den heutigen Nazis als Ersatzsymbol für das Hakenkreuz verwendet.

    Sollten die an der Organisation des Treffens beteiligten Menschen dies nicht gewusst haben, dann sollte jetzt Klarheit herschen. Das nächste Mal einfach besser machen.

    Sollte den an der Organisation des Treffen beteiligten Menschen dies allerdings klar sein und die einzige Antwort darauf ist die oben zitierte, dann gibt es offensichtlich ein Problem mit der Anschlussfähigkeit der „Szene“ Richtung „rechtsaussen“.
    Es ist eben kein „wehret den Anfängen“, Kritikern von Nazidevotionalien auf Regensburger Festen einen übertriebenen Verfolgungswahn zu assisitieren.
    Vielmehr stellt dies einen weiteren Verharmlosungsversuch dar, der natürlich nach hinten losgeht.

    Gerade eine „Szene“ die verstärkt seit Mitte der Neunziger Jahre von Unterwanderungsversuchen der Neonazis betroffen ist, sollte einen glasklaren Umgang mit diesen Faschisten, und natürlich auch mit ihren Symbolen, pflegen.

  • gifthaferl

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    „Andersrum: Die wenigsten wissen dass es sich bei der Schwarzen Sonne um ein Symbol aus dem dritten Reich handelt“
    Techniker

    Echt jetzt?

    „Gothic ist eine Lebenseinstellung, die Gesellschaftskritik äußern will“, klärt Nuri auf. „ Gegen den Strom schwimmen, aber nicht auf die asoziale Art. Die meisten haben eine Ausbildung, ein Monatsgehalt, Abitur und sprechen mehr als drei Sprachen.“

    Dann weiß ich ja jetzt endlich wogegen die rebellieren: Gegen das selber denken?!

    Wobei, auch da liegen die eigentlich nur voll im gesellschaftlichen Trend…………….

  • Stefan

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    ———————–
    „@stefan und alle
    “…allerdings der übertriebene Verfolgungswahn wegen mystischer Symbole, die nur entfernt mit dem Nationalismus des 3.Reichs zu tun haben, ist unangebracht.”

    Die an den Ständen des Gothic-Treffens verkaufte und von einigen Besuchern getragene “Schwarze Sonne” hat nicht nur entfernt etwas mit dem 3.Reich zu tun.
    Sie war und ist ein Zeichen der SS und ihrer eso-faschistischen Ideologie und wird dementsprechend auch von den heutigen Nazis als Ersatzsymbol für das Hakenkreuz verwendet.“
    ———————–
    Mh, ja, gut, wie gesagt – wenns danach ginge müsste man z.B. die Mittelalterszene ja schon längst als Unterwandert ansehen… da rennen genug mit gewissen Tatooes rum, die ziemlich eindeutig sind.
    Da Mittelalter aber genausowenig wie Gothic an sich politisch ist… geht das nicht.
    Gedanken kann man nicht verbieten… Taten sehr wohl.

    In dem Sinne: Nichts dagegen wenn (mir ist es nicht aufgefallen, ich hab aber nicht extra gekuckt, wie wohl manch anderer) der Veranstalter einem Verkäufer durch sein Hausrecht das Verkaufen von sowas verbietet. Das ist sein Recht.
    Ebenso wie es dem Veranstalter sein Recht ist, gewisse Symbolik zu verbieten.

    Aber wo die Grenze ziehen?

    … und was ist mit linker Symbolik?
    … beides verbieten?
    … jede politische Aussage verbieten?
    … … … … … … …

    Ich bin selbst ein eher linker … Liberaler(!). Meine liberale Weltanschauung verlangt vor allem, dass ich jedem anderen seine Meinung und Anschauung lasse, so wie dieser mir gegenüber Tolerant ist.
    Ich bin allgemein gegen Verbote und Förderung des gesunden Menschenverstands (…in Überzeugung dass Verherrlicher des 3.Reichs ‚krank‘ sind. Allerdings ist noch lange nicht jeder rechtsaussen ein Verherrlicher der Zustände des 3.Reichs – einige scheinen sich durchaus bewusst dass sie auch durch das Raster gefallen wären des ‚idealen Deutschen‘)

    …. Ach Leute… immer wieder diese Assoziationen…
    … seid ihr, die ihr euch da beschwert überhaupt wirklich dagegen? ODER SEID IHR sogar RECHTE die hier einfach das Thema aufrühren um Publizity zu machen, dass Rechte ja angeblich bei den Gothics willkommen wären, gerade damit die Rechten sich fälschlicher Weise mit Gothic verbunden fühlen?
    … Manchmal habe ich das Gefühl. Lasst einfach das Geschwafel sein – ich werd mich wohl auch zurückhalten müssen – es nervt irgendwie was ihr da treibt wegen ‚Einzelfällen‘ (an denen der Veranstalter mal wirklich keine Schuld hat – WGT mit Kartendesign ist ja wohl eine ganz andere Schiene und selbst da wird niemals ans Licht kommen ob die Verantwortlichen sich dessen bewusst waren)

  • Tommy

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    @stefan

    Nein, keiner „hört hier mit dem Geschwafel auf“, nur weil dich das nervt.
    So einfach ist es nicht.

    „Aber wo die Grenze ziehen?“
    Genau da. Faschistisches Gedankengut, nazistische Symbolik etc. muss in jedem gesellschaftlichem Bereich offensiv zurückgedrängt werden.
    Im Falle eines solchen Festes müssen die Standbetreiber natürlich dazu gebracht werden, den Verkauf von Nazisymbolik einzustellen. „Gäste“ mit faschistischer Symbolik müssen selbstverständlich am Eingang abgewiesen werden.

    So einfach wäre das, wenn man es will.

    (Nebenbei: Die Leni Riefenstahl Eintrittskarten für das Leipziger Gothic Treffen sind natürlich die gleiche „Schiene“ und die Verantwortlichen waren sich natürlich darüber bewusst.)

    Es geht hier nicht um „Einzelfälle“ sondern um die Thematisierung eines (nicht nur) in der Gothic-Szene immanenten Problems und dem fehlenden bzw. falschen Umgang einiger damit.

    Wegducken und Verschweigen schadet eurer (?) Szene. Die Betitelung von KritikerInnen des fehlenden bzw. falschen Umgangs mit Nazis als „Rechte“ ala „Bätsch, selber Nazi!“ ist leider sehr verbreitet und umschifft jede gewinnbringende Debatte.

    Natürlich ist die Problematik auch in der „Mittelalter-Szene“ bekannt und sollte dort viel offensiver angegangen werden. Das ist aber kein Argument dafür, kritiklos Naziverherrlichung und -symbolik hinzunehmen.

  • Stefan

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    @Tommy
    Was wäre jetzt mit – nur angenommen – mit Sowjetzeichen Hammer und Sichel.
    Was wäre mit … jeglichen ziemlich klaren ‚linksradikalen‘ Symbolismus im sehr oft anzutreffendem Stil von ‚T-Shirt Aufschriften‘
    Was ist überhaupt mit dem – meiner Meinung durchaus stilischen – Uniformfetisch ?

    Nochmal ganz ehrlich… schaut euch mal die Leute aus der Gothicszene an. Schaut euch mal das Foto da oben an. Wer damit rechts(radikal) verbindet, dem ist nicht mehr zu helfen.
    … und nur weil die Goths ansich oft toleranter gegenüber rechts wie auch links sind, heisst das noch lange nichts… nochmal: Kuckt das Foto oben an *g* Die Diskussion hier ist lächerlich…
    … und wenn sogar der ein und andere Rechte sich dazwischenbewegt, dann ist er in dem Moment nicht da weil er rechts(radikal) ist, sondern wegen anderen Gründen.
    Die Szene ist kein Sammelpunkt für Rechte (oder Linke oder oder) sondern lebt von anderem Gedankengut, was nichts mit Politk am Hut hat.

    „Natürlich ist die Problematik auch in der “Mittelalter-Szene” bekannt und sollte dort viel offensiver angegangen werden. Das ist aber kein Argument dafür, kritiklos Naziverherrlichung und -symbolik hinzunehmen.“ – und das ist nur ein Beispiel… wahrscheinlich gibts mehr rechte HipHopper, auch mehr rechte Technofreaks… und sowieso mehr rechte Mittelalterfans.
    Also nichts für ungut ;) Aber mein ‚es nervt‘ war mehr darauf bezogen, dass es hier zur Thematik gemacht wird, aber bei z.B. sehr sehr viel größeren Mittelalterevents (von Kaltenburg über Burghausen bis ja sogar dieses Spectaculum in Regensburg) da kein einziger Gedanke an ‚Protest‘ verschwendet wird. Warum aber gerade bei ‚uns‘ – wo ja wohl schon am Stil der meisten Goths ziemlich deutlich ist, dass ‚wir‘ keinen großen rechten Fanclub unser eigen nennen dürfen.

    Mh, naja, glaub jetzt hab ich wirklich genug dazu gesagt hoff ich.

    Nochmal zur Erinnerung und zum Abschluss meiner Diskussionsbeteiligung:
    Es war wirklich ein tolles Fest, den Organisatoren gebührt allergrößtes Lob und ihre Energie die sie da reingesteckt haben kann durch nichts abgewertet werden – es war einfach schön und fürs erste Fest in dieser Größenordnung sehr professionell. Die Regensburger Normalbürger (Schaulustigen *smile* ) waren soweit ich sie getroffen habe alle sehr freundlich und offen.

  • BunterVogel

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    Aufklären bringt mehr als die Zensur!

    Schönes Fest!

    Gruß, BV

    p.s. Auch die Bedeutung des Hakenkreuzes ist Auslegungssache! http://www.wikipedia.org!

  • Seppl

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    Nur weil einige hier sich anscheinend sehr intensiv mit der Symbolik der Nationalsozialisten beschäftigen (aus welchen Gründen auch immer), ist es wohl etwas übertrieben von allen dieses Wissen zu verlangen. Und mich ängstigen nicht ein paar „schwarze Sonnen“, die irgendwelche Unwissenden tragen oder verkaufen. Was mich vielmehr beunruhigt, ist die Tatsache, dass ein paar Verrückte z. B. in den USA ganz offen mit SA-Uniformen auf das Kapitol in Washington marschieren oder Palästinenser im Gaza mit der Hakenkreuzfahne gegen Israel demonstrieren.
    @ Immanuel I. Kanti
    Ich habe nicht geschrieben, die Dänen würden sich im Religionsunterricht damit beschäftigen.
    Natürlich nimmt niemand mehr heutzutage Thor ernst, genausowenig wie niemand mehr Zeus alias Jupiter ernst nimmt. Diese Mythologien sind Teil der jeweiligen Geschichte – mehr nicht. Und der gute alte Zeus kann locker mit Thors Hammer mithalten.
    Aber ich vermute mal jemand wie Sie benutzt nicht einmal eine Autobahn weil da könnte man ja eine rechte Gesinnung unterstellt bekommen.
    Entschuldige mich hier gleich bei Ihnen für mein dummes Geschwafel, ich arbeite daran irgendwann einmal genauso erleuchtet und schlau zu sein wie sie, damit alles was ich dann schreibe Gesetz ist. Bei dieser Unfehlbarkeit sollten Sie mal überlegen, ob sie nicht Nachfolger eines wichtigen Mannes einer anderen abendländischen Mythologie werden wollen.

  • Immanuel K. Anti

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    Das Spiel mit Symbolen ist komplex. Manchmal geht es in die Hose und man steht plötzlich sehr deppert da.
    Die historisch belegten Symbole unterliegen aus bekannten Gründen in Deutschland dem Strafgesetz, die Abwandlungen und Ersatzsymbole sowie das Spiel damit sind zu diskutieren. Szeneintern genauso wie gesamtgesellschaftlich. Um nichts anderes geht es hier.
    @Techniker: Wie ich bereits schrieb, es gibt sicher schlimmeres als einen Uniformfetisch. Zum Beispiel, dass man am hellichten Tag auf der Straße zusätzlich eine rote Armbinde tragen muss, die im weissen Kreis ein schwarzes Symbol zeigt. Auch wenn es ein harmloses und legales Symbol ist. Da reicht es, und wenn das nicht „szeneintern“ geregelt wird, muss man Kritik von aussen aushalten können.

    Die germanische Mythologie habe ich gelesen. Unter anderem, weil ich mich so schlappgelacht habe, als ich – und das muß schon locker über 15 Jahre her sein – ein Photo von einem Neonazi mit „Odin statt Jesus“ auf dem T-Shirt gesehen habe. Der Slogan ist mittlerweile rechter Standard, Thorhämmer auch, darum lache ich nicht mehr.

    Andere Sub-/Jugendkulturen haben sich schnell, eindeutig und für immer vom rechten Rand abgegrenzt. Auch wenn mit unappetitlichen Symbolen herumgespielt wurde (siehe: Das Cover von Sgt. Pepper, das Uniformphoto von Brian Jones, Pink Floyds The Wall, der Schriftzug von Kiss, die T-Shirts von Vivienne Westwood)
    Bei anderen hat das nicht geklappt. Bei Skinheads oder heftigem Metal zum Beispiel. Da gibt es genügend Seiten, die nach rechts so offen waren, dass es jetzt offene rechte Strukuren gibt.

    Wie jemand mit welchem Fetisch am besten kommt, ist dagegen reine Privatsache ;-)

    @Seppl: Ich leg mir einfach wieder mal Kraftwerks „Autobahn“ auf und lach darüber, dass die mit ihren Anzügen und Frisuren manche Hippies erschrecken konnten. Dazu lese ich Asterix bei den Normannen.
    Wenn von Gothics im Regensburger Villapark die Rede ist und Sie nach USA oder Gaza ablenken müssen – alles klar!
    Unfehlbar ist nur der Papst, das weiss ich aus dem katholischen Religionsunterricht. Und im Geiste seiner Nudligkeit, des fliegenden Spaghettimonsters seien Sie gesegnet mit einem herzlichen „Ramen!“.

  • gifthaferl

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    „Was ist überhaupt mit dem – meiner Meinung durchaus stilischen – Uniformfetisch ?“
    Stefan

    Nun ja, wer nicht ohne kann, wie das bei Fetischen ja der Fall ist, DAS ist natürlich Privatsache.

    Ne gewaltfreie Szene, die aber auf Uniformen steht, die Gewalt symbolisieren (oder steht man auch auf z.B. Postbotenuniformen?), weil die einfach so hübsch stylisch sind, wenn man sowas nur so trägt, nun ja, was ist mit einer solchen Szene?

    Der ist es offensichtlich vollkommen egal, was die Symbole beinhalten, die sie vor sich herträgt – die meint ernsthaft – soweit sie sich der Inhalte überhaupt bewusst ist – man könne Symbole und Inhalte, sowie die Geschichte die solche Symbole mit sich tragen, beliebig voneinander trennen.

    Eine dann heute offenbar vollkommen unbewusste, weder sich selbst noch ihr Handeln und Erscheinungsbild, noch die Welt IN der sie lebt reflektierende Szene.

    „Die Szene ist kein Sammelpunkt für Rechte (oder Linke oder oder) sondern lebt von anderem Gedankengut, was nichts mit Politk am Hut hat.“

    Das „Gedankengut“ allerdings hat sehr wohl mit Politik zu tun – es gibt keines, das nicht mit Politik zu tun hat.
    Schließlich ist „Gedankengut“ , Ideologie, immer Ausdruck gesellschaftlicher Verhältnisse, die waren, sind, abgelehnt oder hergestellt werden (sollen).
    Und immer ist das auch mit entsprechenden Symbolen versehen.

    Die Swastika hat in 6000 Jahren sicherlich diverse Bedeutungswandel erfahren – sicher ist aber auch, dass der jüngste in Deutschland stattgefundene Bedeutungswandel eine vollkommen eindeutige Bedeutung hat – und die ist keine 100 Jahre her!

    Sich vermeintlich außerhalb all dessen stellen zu wollen ist ausgesprochen unrealistisch, um das mal vornehm auszudrücken.
    Niemand kann aus einer Gesellschaft und deren Geschichte „aussteigen“, man bildet lediglich Subgrüppchen, Subkulturen, ist aber immer drin – nie draußen, und „wirkt“ selbstverständlich drin.

    Es zeigt, dass diese Szene – zumindest sofern du repräsentativ für sie wärst – vollkommen unpolitisch und unbewusst ist, aber durchaus elitär, weil ja nichts außen rum auch für sie gilt.

    Die angebliche Toleranz basiert somit letztlich auf Überheblichkeit.
    Nun, das ist bei Rassismus, Sexismus, Faschismen aller Art nicht anders, und nicht jedes Gedankengut hinter dem das steckt muss allzeit aggressiv gegen anderes vorgehen.

    „… und wenn sogar der ein und andere Rechte sich dazwischenbewegt, dann ist er in dem Moment nicht da weil er rechts(radikal) ist, sondern wegen anderen Gründen.“

    Du wärst der letzte, der checken würde, wenn es anders ist.

    Auffällig natürlich andererseits der sofortige Hinweis auf linksradikale Symbole, das ist aber voll die Taktik „anti – antifa“, oder das Beschuldigen von Kritikern selber Rechte zu sein, nicht zuletzt, die Bemerkung:
    „Allerdings ist noch lange nicht jeder rechtsaussen ein Verherrlicher der Zustände des 3.Reichs – einige scheinen sich durchaus bewusst dass sie auch durch das Raster gefallen wären des ‘idealen Deutschen’)“

    Dann ist also faschistisch rassistisch sexistisches Gedankengut ganz o.k. für dich, sofern nicht explizit die Nazizeit verherrlicht wird?

    Letzteres ist seit Mitte der 90er taktisch auch nicht mehr übermäßig modern, zur aktiven Unterwanderung aller möglichen Szenen, Berufsgruppen……….., gehört natürlich auch ein Auftreten, das nicht noch dem Uninformiertesten – wie etwa platte Holocaustleugnung – sofort schwanen lässt, wer da spricht, außerdem ist man nicht mehr unbedingt deutsch, sondern zumindest außenpolitisch „ethnopluralistisch“ und europaweit „überparteilich und überkonfessionell“ organisiert, anhand von „Sach“themen und über persönliche Beziehungen.

    Wir befinden uns europaweit im Zeitalter des „sanften“ Postfaschismus, man pflegt:

    „ein antikapitalistisches, globalisierungskritisches und ganz klar! auch ökologisches Profil.
    Dieser Mix könnte Schule machen, zumal die jungen Leute heute keine Ahnung haben, was Faschismus in unserem Land und in Europa bedeutet hat, wie die linke Soziologin Laura Balbo sagt.

    Wer weiß, ob daraus nicht, analog zum erfolgreichen compassionate conservatism in Großbritannien und Schweden, ein moderner Ideologieersatz für den rechten Flügel der Gesellschaft wird, eine Mode, die man vor sich herträgt wie ein modisches Outfit oder, etwas schriller, ein provokantes Tatoo.“
    http://www.zeit.de/online/2008/20/kolumne-perger-rechtsradikale?page=1

    Tja, einfach stylisch eben datt Ganze!

  • Alexander

    |

    Um etwas zum Thema schwarze Szene zu schreiben, sollte man sie vielleicht lieber erst einmal als eine Teilmenge der Gesellschaft begreifen und sich informieren (http://de.wikipedia.org/wiki/Schwarze_Szene). Aus Sicht eines Nicht-Szene-Mitglieds, dass ein wenig toleranter als andere Vorschreiber hier sind, sind das eben Menschen mit den Attributen ‚zieht sich schwarz und für mich ungewöhnlich an‘ und ‚hört komische Musik‘. Es gibt darunter rechts oder links orientierte Personen, aber leider auch extreme, schwarze Schafe.

    Heute ist mit zum Beispiel am E-Center Hornstraße eine Person entgegengekommen, die ein Longsdale T-shirt trug – diesen könnte ich nach dem Vorredner in den Topf rechtsextrem schmeißen (siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Lonsdale_(Unternehmen). Hier ging keiner aus der Bevölkerung auf ihn zu und hat ihn angesprochen oder aufgeklärt…

    Die Art und Weise, wie teilweise argumentiert wird, zeigt mir, dass derjenige keine Ahnung von der Szene hat, sich nicht damit beschäftigt hat und beschäftigen will und schlimmer noch ein Feindbild aufbaut. Verdammt vielen Leuten wird hier Unrecht getan – Unwissenheit, Angst vor Fremdartigem, Feindbild, Stigmatisierung einer ganzen Gruppe – das ist eigentlich ein Gedankengut, das derjenige anprangert und genau so aber an den Tag legt.

    Ich bin mittlerweile 20 Jahre Mitglied dieser Szene und habe Konzerte miterlebt, wo eine Band auf der Bühne mit rechtsextremem Gedankengut auftrat und daraufhin mit Buhrufen und allerhand Wurfgeschossen von der Bühne getrieben wurde. Die Szene ist nicht mehr oder weniger rechts- oder linksextrem als die Bevölkerung – ich will keinesfalls verharmlosen, aber die Art und Weise wie hier verallgemeinert wird, ist Bildzeitungsstil und armselig.

    Zu der Person mit der Uniform und der roten Binde (die Person habe ich auch gesehen) kann ich nur sagen, dass ich es nicht gutheiße, es zeigt tatsächlich, dass der Betreffende keinerlei Feingefühl hat. Hier würde mich glatt interessieren, ob derjenige von dem Vorredner zur Rede gestellt wurde? Wenn nein, was unterscheidet ihn dann von den restlichen Szenebesuchern, die sich ihren Teil gedacht haben und ansonsten den Tag genießen wollten?

    Das Problem an der schwarzen Szene ist, wie ich denke, dass sie hier zu tolerant ist – das war auch denke ich die Intension des ersten Kommentators, der das Thema angeschnitten hatte. Das dieses Thema jedoch wieder dazu benutzt werden würde, die Szene in Misskredit zu bringen, war mir irgendwie schon von vornerein wieder klar.

    Kommentare wie „Dann weiß ich ja jetzt endlich wogegen die rebellieren: Gegen das selber denken?!“ entbehren jeder Grundlage. Auf den Bildern der Mittelbayrischen vom RGT ist z.B. eine Ärztin des Uniklinikums zu sehen und die Organisation des kulturellen Teils des RGTs wurde von einem Lehrer gemacht. Diesen Leuten die Fähigkeit zu selbstständig denken abzusprechen, ist absurd.

    Und zu einem Beitrag weiter vorne – zu rebellieren gibt es genug in unserer Gesellschaft: Im Prinzip werden wir alle wie Vieh in einer Scheindemokratie gehalten, nur das wir kein Fleisch und Milch geben, sondern den Wohlstand der Reichen finanzieren. Die Modeindustrie sagt uns, was wir zu tragen haben – die Werbung hämmert uns kontinuierlich ein, was wir essen und trinken sollen – die Politik ist nichts anderes als ein Marionettentheater, die nach dem Willen der Lobbys tanzt. Geld regiert die Welt, die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer. Schade, dass das viele noch nicht erkennen können…

    Für mich ist schwarz tragen eine Lebenseinstellung und sehr wohl ein Reflektieren über die Gesellschaft und ‚selber zu denken‘ – vielleicht mehr als bei anderen Teilgruppen der Bevölkerung.

    Zu dem Thema ’schwarze Sonne‘ – ich finde es nicht gut, dass dieses wohl an einem Stand angeboten wurde, dazu kann ich aber nur sagen, dass ich mit Sicherheit denjenigen angesprochen hätte, wenn ich es gesehen hätte. Für mehr hätte man die unerwünschten Symbole VORAB definieren müssen, da dieses Symbol nicht unter §86a und §130 StGB fällt (http://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsextreme_Symbole_und_Zeichen). Ich persönlich und da kann ich auch für die Veranstalter sprechen distanziere mich in jeder Form von jedem rechts- oder linksextremen Gedankengut.

    Die Beobachtungen von Techniker sind hier korrekt, die Umsetzung des Festivals war ein riesen Kraftakt und da blieb keine Zeit, weder für die Veranstalter (von denen übrigens einer permanent einen Davidstern trägt…) noch für uns von der Security (alle ehrenamtlich), jeden Stand zu untersuchen (ich persöhnlich habe nur ein paar mal was zu Essen und zu trinken geholt – alle anderen Stände habe ich keine Sekunde gesehen). Die meisten haben weniger als 6h Schlaf gefunden und mehr als 14h gearbeitet, um das auf die Beine zu stellen.

    Die eindeutig rechten Zeitgenossen, die später in der Stadt gesichtet wurden, wurden meines Wissens übrigens von der Security zweimal abgewiesen – einmal am Haupteingang und einmal am Hintereingang. So etwas wird dann gerne verschwiegen und unter den Teppich gekehrt. Ich kann versichern, dass jeder der eine strafbares Symbol getragen hätte, hochkant rausgeflogen wäre und eine Anzeige gem. oben gennannter Paragraphen zusätzlich bekommen hätte.

    In diesem Sinne hoffe ich wieder auf eine sachlichere Diskussion.

    p.s.: Für weitere Treffen wurde mit Sicherheit aus den Einzelfällen gelernt.

    p.p.s.: Zu dem Beitrag: es heißt EBM (Electronic Body Music) – siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Electronic_Body_Music

  • Immanuel K. Anti

    |

    @Alexander:
    Danke für die -endlich- konkrete und differenzierte Antwort.
    Dass die eindeutig Rechten am Eingang abgewiesen wurden, freut mich zu hören und spricht für die Veranstalter und deren ehrenamtliche Security.
    Ich empfinde es aber ehrlich gesagt als ärgerlich, wenn Sie – verkürzt gesagt – Kritikern am dümmlichen Umgang mit rechten Symbolen vorwerfen, sie wären unwissend, intolerant und letzendlich auch faschistoid. So einfach geht das nicht.

    „I shot a man in Reno, just to watch him die“ sang der Mann in schwarz, seine Fans sind eine Teilmenge der Gesellschaft – das ist doch alles geklärt und gegessen.
    Rob Halford stand wegen Schirmmütze und BDSM-Outfit auch mal unter Verdacht – auch das ist Geschichte.
    Ich gehe jedes Jahr ein Stündchen auf den CSD, weil ich in einer bunten, toleranten Gesellschaft leben will. Dabei leide ich jedesmal wie ein Hund unter der schrecklichen Musik, die da gespielt wird. Ich sehe immer vielfältige Outfits, von normal, über bunt und schrill bis zu Mr. Leather.

    Klärt das jetzt alle noch offenen Fragen zu Toleranz? Und dass ich weiß, dass man einzelne Äusserungen und Zeichen am besten meist nur im Zusammenhang auflösen kann?

    Sie schreiben ganz konkret, dass die schwarze Szene nach rechts zu tolerant ist. Nichts anderes wurde hier kritisiert.
    Dass man eine heterogene Szene nicht unter Genaralverdacht stellen darf, versteht sich von selbst.

    Den jungen Mann mit der roten Armbinde habe ich nicht zur Rede gestellt, da soetwas erstmal eine szeneinterne Angelegenheit ist.
    Ich kann mich erinnern, wie -in einer anderen Szene, und es ist sehr lange Jahre her- ein Bekannter neben mir plötzlich eine waschechte Hakenkreuzbinde anzog. Die Reaktionen, die er auslöste, waren schnell und eindeutig und er musste mit rotem Kopf stammeln, dass er doch nur ein wenig provozieren wollte. Er trug die Binde nur etwa eine Minute. Das war’s. Reden hilft.
    Daran habe ich mich erinnert, als ich mir den jungen Mann aus der Nähe betrachtet habe. Ich habe gesehen, dass keine Straftat vorliegt und mir gedacht, dass ich das jetzt seinen eigenen Leuten überlasse.
    Als er mir viele Stunden später wieder mit Binde begegnete, habe ich mir meinen Teil gedacht, über ihn und seine Szene. Und dass ich, wo ich biologisch sein Vater sein könnte, ich ihm jetzt freundlich-väterlich den Kopf waschen könnte, mit meinen 20 über Jahren Vorsprung in Sachen Popkultur und selbst erlebter deutscher Geschichte. Ich habe kurz den erwarteten Verlauf des Gesprächs überschlagen und mich dagegen entschieden. Ob meine Entscheidung die bessere war, weiss ich nicht.

    Aber jetzt bitte ich um szeneinterne Informationen: Hat man ihn stundenlang mit Diskussionen überschüttet? Musste er sich den ganzen Tag erklären? Nein? Ihnen gegenüber?

    Um zwischendrin positives zu sagen: der spielerische Umgang mit gender-Attributen gefällt mir gut. Männer in Röcken und High-Heels haben gesamtgesellschaftlich betrachtet sicher positive Wirkung.

    Aber das gleicht den arglosen Umgang mit rechter Symbolik nicht aus.

    Dass die Antwort auf Kritik darauf hier immer reflexhaft ein „wir sind aber auch gegen linke Extremisten“ beinhaltet, erinnert an den OB, der der Wehrmachtsausstellung demonstrativ fernblieb, der NPD ein Fest ermöglichte, Gegenveranstaltungen erst erschwerte, dann an sich riss und zu „Gegen Extremismus auch von links“ umdeklarierte. Auf einer der Demos habe ich auch miterlebt, wie ein junger Gothic von der Polizei gezwungen wurde, bei wenigen Graden über Null barfuß mitzugehen, weil Springerstiefel ja ein Symbol für Gewaltbereitschaft sind. So löst man keine Probleme, die von rechts kommen.

  • Stefan

    |

    Jetzt dachte ich erstmal Alexander hat so einen tollen Beitrag verfasst durch den alle Fragen geklärt wären.
    Wer hier auf das Thema stößt sollte einfach erstmal 2 Beiträge unter mir lesen…

    Zu den Kritikern, die jene sich zu fehlender Abgrenzung von Rechts oder Links äussern:
    Der Villapark hatte ja zwei Eingänge. Also Platz genug für ‚Gegendemos‘ von Links sowie von Rechts ;D

    Ich greife Alexanders wortlaut auf:
    Ich persönlich distanziere mich in jeder Form von jedem rechts- oder linksextremen Gedankengut.

    Müssen das nun wirklich alle Besucher einer Szene von Individualisten schreiben damit hier Ruhe ist?
    Da käme ja einiges auf den Moderator hier zum freischalten zu… leider fürchte ich aber, dass damit auch noch keine ‚Seite‘ zufrieden wäre, solange ‚man‘ sich nicht zu einer bekennt ;)

  • Alexander

    |

    @Immanuel K(ant?)
    Ich kommentiere mal die eine oder andere Passage:
    „Ich empfinde es aber ehrlich gesagt als ärgerlich, wenn Sie – verkürzt gesagt – Kritikern am dümmlichen Umgang mit rechten Symbolen vorwerfen, sie wären unwissend, intolerant und letzendlich auch faschistoid. So einfach geht das nicht.“ und „Dass man eine heterogene Szene nicht unter Genaralverdacht stellen darf, versteht sich von selbst.“:
    Den Kritikern, welche nur differenzierte Kritik an dem Umgang üben, möchte ich das definitiv nicht vorwerfen (hier müsste ich mich ja dann selber in diese Schublade stecken). Sehr wohl jedoch jemandem, der eine ganze Bevölkerungsgruppe als nicht fähig eigenständig zu denken und als rechtsextrem bezeichnet, obwohl dies nicht der Wahrheit entspricht.
    Diese Person hat sich nicht informiert (sonst wüsste sie, dass es sich nicht um eine homogene Gruppe handelt) und verurteilt pauschal – ich würde ihn nicht faschistoid nennen – aber es ist eine sehr schwache Art zu argumentieren und ich sage es ganz offen, auch wenn ich in manchen Punkten die Szene kritisch sehe, so identifiziere ich mich denoch mit ihr und mit 20 Jahren meines Lebens. Daher fühle ich mich von solchen Verallgemeinerungen persöhnlich angegriffen und beleidigt.

    „Klärt das jetzt alle noch offenen Fragen zu Toleranz?“-> Bei Ihnen habe ich nie in Frage gestellt.
    „Und dass ich weiß, dass man einzelne Äusserungen und Zeichen am besten meist nur im Zusammenhang auflösen kann?“ Dies ist ein Punkt der wohl oft zu Missverständnissen führt, den manch einer mag das als Kritik meinen, auch wenn ich hier wie schon erwähnt das Feingefühl vermisse.

    „Sie schreiben ganz konkret, dass die schwarze Szene nach rechts zu tolerant ist. Nichts anderes wurde hier kritisiert.“ -> Ich denke, dass die Szene in alle Richtungen zu tolerant (tolerare – ertragen) ist:
    Ich sehe die Sachlage hier so: Die schwarze Szene ist nicht nur eine heterogene Szene sondern eine ’sehr‘ heterogene Szene – diese Vielfalt hat hier ihren Preis – man redet sich gegenseitig nicht herein, solange man selber nicht davon negativ beeinflusst wird (ob einem das gefällt, was der andere macht, oder nicht). Leider ist dies wohl auch mit der Gefahr verbunden Kleidungen, Anschauungen,etc. die zu weit gehen auszublenden.

    „Den jungen Mann mit der roten Armbinde habe ich nicht zur Rede gestellt, da so etwas erstmal eine szeneinterne Angelegenheit ist.“
    Dies sehe ich absolut nicht so – hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Zum einen bin ich der Meinung, das es nicht nur einen Teil der Gesellschaft angeht, in dem sich derjenige bewegt, sondern alle und zum anderen habe ich denke ich mit dem Lonsdale-Beispiel gezeigt, dass auch in dem ‚anderen‘ Teil der Gesellschaft Personen mit fraglichen Symbolen herumlaufen sind diese dann nur eine Angelegenheit dieses anderen Teils?! Ich denke nicht.
    „Ich kann mich erinnern, wie -in einer anderen Szene, und es ist sehr lange Jahre her- ein Bekannter neben mir plötzlich eine waschechte Hakenkreuzbinde anzog. Die Reaktionen, die er auslöste, waren schnell und eindeutig und er musste mit rotem Kopf stammeln, dass er doch nur ein wenig provozieren wollte. Er trug die Binde nur etwa eine Minute. Das war’s. Reden hilft.“ -> So soll es auch sein… in unserem Fall war es nicht so eindeutig und das bringt mehr Probleme, als solch eine klare Rechtsübertretung. Das, was Sie sich gedacht haben, haben sich mit Sicherheit viele aus beiden Teilen der Bevölkerung („Schwarze“ und „Normalos“) gedacht und am Ende kamen alle zu dem Schluss, dass es keinen Sinn macht ihn anzusprechen.

    „Aber jetzt bitte ich um szeneinterne Informationen: Hat man ihn stundenlang mit Diskussionen überschüttet? Musste er sich den ganzen Tag erklären? Nein? Ihnen gegenüber?“
    Nun ich habe den Betreffenden nicht überwacht, so kann ich nur soviel sagen, dass ich ihn zunächst herausziehen wollte – mich mit Kollegen abgestimmt habe und wir uns dann aus a) Zeitmangel und b) der Ruhe auf dem Festivalgelände uns dagegen entschieden hatten (die Person kennt wieder andere Personen, so etwas zieht dann Kreise und am Ende stört es eine Menge Leute), da wie sie ja bereits angemerkt hatten, kein Rechtsbruch vorlag.
    Ich denke jedoch, dass ich das bei Gelegenheit nachholen werde und die Person einmal darauf aufmerksam machen werde, dass er, auch wenn er unter Umständen damit eher sich sogar über die rechte Szene lustig machen will, a) manche Leute, die die NS-Zeit als Opfer überlebt haben damit verletzt und b) mißverstanden werden wird und die Szene damit in ein falsches Licht rückt. Sollte er wirklich an den rechten Schwachsinn glauben, so fürchte ich, dass reden auch nichts mehr helfen wird.

    Hier würde dann nur helfen vorab eine Liste von Dingen, die man nicht sehen möchte zu veröffentlichen und dann die betreffenden Personen des Platzes zu verweisen, ohne diese Maßnahme würde es mit Sicherheit zu massiven Diskussionen nicht nur mit der betreffenden Person führen.

    So ich hoffe ich konnte noch einige Missverständnisse ausräumen und in anderen Punkten für etwas Einsicht sorgen, dass nicht immer nur von einer Seite die Rede ist – Rechts- oder Linksextremismus, Terrorismus, etc. sind Probleme, die jeden etwas angehen und nicht nur einzelne Szenen und man sollte immer a) nicht von Einzelfällen auf eine Masse schließen und b) immer objektiv an die Sachen herangehen und nicht mit zweierlei Maß messen.

  • gifthaferl

    |

    @ Alexander

    Nicht FÄHIG sein bedeutet nicht KÖNNEN
    Rebellieren bedeutet nicht WOLLEN

    Zudem wäre aus der Gegenüberstellung zweier Zitate unter denen das dann steht, der Sinn des Geschriebenen sowie ein Anflug von Ironie ziemlich eindeutig erkenntlich gewesen

    Du solltest weniger Zeit damit verschwenden, persönlich beleidigt und zutiefst verletzt zu sein, und das anhand von Reizwörtern, die du zudem falsch interpretierst.
    Lesen was da steht – wie wäre es stattdessen?

    Was genau vom zitierten Nuri dann so als asozial empfunden wird, das wäre weitere Klärung würdig.

    Auch, wie es sein kann, dass im Zeitalter der fixen Informationsbeschaffung über das Internet, jemand, oder gar große Teile einer Szene nicht wissen soll, was z.B. eine „Schwarze Sonne“ bedeutet.
    Das richtige Suchwort finden sollte Leuten mit Abitur und 3-sprachig ja wohl möglich sein, den Hintern vom Stuhl erheben müssen sie auch nicht – also was hindert sie?

    Sind es nicht die jungen Leute die begnadet informiert dank Internet sind, während die Alten in Dummheit sterben müssen?

    Das hääte bei mir auch gestanden:
    „Es zeigt, dass diese Szene – zumindest sofern du repräsentativ für sie wärst ……… “

    gifthaferl
    30. Juni 2010 um 16:32 Uhr

    Richtete sich an Stefan und dessen Fragen und Statements.

    Da stand bei mir auch was von Subkulturen, die immer IN der Gesellschaft sind, insofern drinnen nie draußen, also haben Symbole halt auch immer Bedeutung – drinnen – nicht unabhängig von allem – wie Stefan das so locker meinte.

    Deswegen heißen Symbole auch Symbole!
    http://de.wikipedia.org/wiki/Symbol#Sprachlicher_Ursprung_.28Etymologie.29

    Nun ja, dieses Posting hast du ja offensichtlich überhaupt nicht gelesen, nicht verstanden? Dann könnte man nachfragen.

    Über die Szene allgemein habe ich allenfalls geschrieben, dass sie weitgehend unpolitisch ist.

    Ich wüsste nicht, dass sie einen gegenteiligen Anspruch erhebt, und da sie ja nicht homogen ist, können das einzelne dann durchaus sein.

    Wobei es natürlich in den Anfängen der Schwarzen Szene in denen drum herum die „Iugend“ im Verhältnis zu heute relativ politisiert war, auch was anderes ist unpolitisch zu sein, als heute, wo es mit dem politisiert sein insgesamt ziemlich mau aussieht.

    Du phantasierst dir dann auch noch was von „fremd“ zusammen.
    Nochmal: Weniger Phantasie, und mehr lesen, so allgemein?!

    Junge, ich hab schon schwarze Strampler getragen, und lange bevor der erste Gruftie auftauchte hing das, was ich heute als gothic kaufen könnte, bei mir im Schrank.

    Vor euch gab es nicht nur schon Menschen, sondern auch Schwarze
    http://de.wikipedia.org/wiki/Existentialismus#Existentialismus_als_Popkultur

    Ich kann dir sagen, diese Art Individualismus, die sich dann offensichtlich allzeit weit mehr mit der persönlichen Befindlichkeit beschäftigt, als mit der Sache, den Sachen, der Sachlage, um die es eigentlich grade ginge, die allerdings finde ich reichlich befremdlich.

    Das, fürchte ich, beschränkt sich aber keineswegs auf die heutige Schwarze Szene.
    Das aber sind allenthalben nicht die besten Voraussetzungen irgendetwas zu wehren.

  • Alexander

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    Wenn ich da zuviel hineininterpretiert haben sollte, dann tut mir das natürlich leid…

    Der Satz war allgemein Formuliert und es besteht natürlich ein Unterschied zwischen nicht fähig sein und nicht wollen – jedoch macht dies die pauschal formulierte Aussage auch nicht besser.
    Denn das würde dann bedeuten Du wirfst einer ganzen Szene damit vor nicht denken zu wollen, was so sicherlich auch nicht richtig ist. Zu der Sache mit dem Anflug von Ironie – wenn man sich Ironie bedient, will man oft etwas anderes (teilweise sogar konträres) aussagen – wie sollen wir dann das Statement „Dann weiß ich ja jetzt endlich wogegen die rebellieren: Gegen das selber denken?!“ ‚mit einem Anflug von Ironie‘ verstehen?

    Diesen ersten Beitrag hätte man ja noch mit Humor nehmen können, jedoch wenn dann im zweiten Beitrag auch wieder nur pauschal (sicherlich mit dem Bezug auf die rechte Symbolik) die ganze Szene so dargestellt wird, als würde sie gewaltverherrlichende Uniformen und Symbole tragen und um deren Bezug nicht wissen, sowie nicht darüber zu reflektieren, so trifft dass dann wieder exakt diese Schiene. Es kommt der Eindruck auf, dass Du die Szene komplett in diesem Licht siehst und dabei denkt man sich zwangsläufig welche Vorurteile hier noch gehegt werden.

    Sonst ist alles ja schon gesagt und ich muss auf andere Dinge nicht unbedingt eingehen.

  • Spontis Wochenschau #21 – Spontis Weblog

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    […] Rebel­lie­ren ohne Aso­zial zu sein Schreibt Regensburg-Digital in sei­nem Arti­kel über das RGT, das Regens­bur­ger Gothic Tref­fen. „ Bei mir hat alles vor zehn Jah­ren mit Metal ange­fan­gen […] Danach war es nur noch ein klei­ner Schritt zum Gothic.“ Warum gerade Gothic und nicht eine andere Szene? „ Gothic ist eine Lebens­ein­stel­lung, die Gesell­schafts­kri­tik äußern will“, klärt Nuri auf. „ Gegen den Strom schwim­men, aber nicht auf die aso­ziale Art. Die meis­ten haben eine Aus­bil­dung, ein Monats­ge­halt, Abitur und spre­chen mehr als drei Spra­chen.“ Ich stelle für mich fest, ich fühle mich bei die­sem Arti­kel sehr unbe­hag­lich, da die ziem­lich eigen­sin­ni­gen Mei­nun­gen ein­zel­ner hier in einem merk­wür­di­gen Kon­text zum Arti­kel ste­hen. Ist Gegen den Strom schwim­men denn sonst aso­zial? Ist eine Aus­bil­dung, Abitur oder Talent für Spra­chen Aus­druck einer eli­tä­ren Grund­hal­tun­gen einer (ehe­ma­li­gen) Jugend­szene? Ich finde: Eine däm­li­che Über­schrift die einem Zitat ent­springt, des­sen „Quelle” eine frag­wür­dige Reprä­sen­tan­tin der Gothic-Szene ist. […]

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