SOZIALES SCHAUFENSTER

Archiv für 25. Juni 2010

Hat die FOS/BOS schon oft von innen gesehen und kommt nun zur Besichtigung im Auftrag des Landtags: MdL Margit Wild. Foto: Jelinski
Ein Ortstermin ist herausgesprungen. Das ist das Ergebnis einer Anhörung zum Neubau der FOS/ BOS Regensburg gestern im Schulausschuss des bayerischen Landtags. Eltern hatten eine Petition beim Landtag eingereicht, in der sie zwei Forderungen formuliert hatten: Höhere Zuschüsse für den Neubau aus der Staatskasse und ein schnellerer Baubeginn. Vorneweg: Mit beiden Forderungen stieß man auf taube Ohren. Höhere Zuschüsse könne man im Sinne einer Gleichbehandlung aller Kommune nicht geben, lautet die erste Nachricht aus dem Landtag. Für den Baubeginn sei die Stadt zuständig, in deren Planungshoheit man nicht eingreifen könne, die zweite. Mit dem Ergebnis eines neuerlichen Ortstermins ist die Regensburger Landtagsabgeordnete Margit Wild (SPD) dennoch nicht unzufrieden. Wild fungierte zusammen mit ihrem CSU-Kollegen Manfred Ländner als Berichterstatterin und meint: „Der Einsatz der Eltern wird dadurch gewürdigt.“ Das Thema bleibe zudem in der Diskussion. Nach dem Besuch sollen Wild und Ländner dem Ausschuss erneut Bericht über die Situation an der FOS/ BOS erstatten. Der stellvertretende Schulleiter Anton Lindner kennt die Situation schon jetzt. „Natürlich freuen wir uns, dass sich der Landtag weiter mit uns beschäftigt“, sagt er. Ansonsten klingt Lindner aber nicht besonders freudig. Der Zustand beider Schulgebäude – ob nun in der Landshuter Straße oder am Ziegelweg – ist mehr als beklagenswert. Der angekündigte Termin für einen ersten Neubau 2013 liegt noch in weiter Ferne und sorgt – angesichts der angespannten Finanzlage der Stadt – immer noch für Misstrauen bei Schülern, Eltern und Lehrern. Das ist nichts Neues. Im Moment hat die FOS/ BOS aber ein wesentlich akuteres Problem. Lindner: „Bei den aktuellen Anmeldezahlen reichen beide Schulgebäude und die aufgestellten Container nicht aus.“ Seine Befürchtung: „Wir werden eine große Zahl von Schülerinnen und Schülern nicht unterbringen können.“ Rund 1.500 Schülerinnen und Schüler wollen voraussichtlich im kommenden Jahr Fach- und Berufsoberschule besuchen. Zwar gibt es das Angebot der Stadt, vom asbestbelasteten Gebäude im Ziegelweg in ein Ausweichgebäude an der Landshuter Straße 17 umzuziehen, aber, so Lindner: „Mehr Platz brächte dieser Umzug nicht.“ Schulleiter Karl Heinz Kirchberger hatte angesichts der Aussicht, deshalb Abiturklassen mit bis zu 35 Schülern bilden zu müssen, von „Legebatterien“ gesprochen. Aller Protest bleibt aber bislang erfolglos. „Nicht machbar“, heißt es lapidar von Seiten der Stadt zur Frage nach zusätzlichen Räumen. Ein Rat an die Schulleitung lautet, nicht alle potentiellen Schüler aufzunehmen. „Das kommt weder Schülern noch Eltern in irgendeiner Weise entgegen“, sagt Lindner. Ohne Weisung der Schulaufsichtsbehörde dürfe man zudem nicht ohne weiteres Schüler abweisen. Dazu kommt: Viele können nur in Regensburg ihren Abschluss machen, weil andernorts entsprechende Abschlussklassen nicht zustande kommen. „Mit dieser Haltung der Stadt Regensburg wird Bildungspolitik völlig in den Hintergrund gestellt“, kritisiert Lindner.
Ein Lächeln für die Galerie: Pressefoto von Bürgermeister Weber, Kultusminister Spaenle und OB Schaidinger nach einem ergebnislosen „Arbeitsgespräch“. Foto: Stadt Regensburg
Doch sei es wie es will. Die Stadt bleibt bislang bei ihrer harten Haltung. Auch ein Gespräch zwischen Kultusminister Ludwig Spaenle und OB Hans Schaidinger vergangene Woche scheint keine Einigung gebracht zu haben. Es gab lediglich eine nichtssagende Pressemitteilung und ein Lächel-Foto der Beteiligten für die Medien. Ohnehin wäre die Stadt als Sachaufwandsträger dafür zuständig, zusätzliche Räume zu schaffen. Mittlerweile gehen verstärkt Anrufe verängstigter Eltern bei der Schule ein, die sich versichern wollen, ob ihre Kinder auch wirklich an der FOS/ BOS aufgenommen werden. Ein Szenario scheint angesichts der verfahrenen Situation besonders wahrscheinlich: Dass erst zum ersten Schultag klar wird, wer bleiben kann und wer nicht. So sieht es momentan aus – Ortstermin, Ortstermin her.

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