FOS/BOS: Legebatterie wird (mal wieder) besichtigt

Hat die FOS/BOS schon oft von innen gesehen und kommt nun zur Besichtigung im Auftrag des Landtags: MdL Margit Wild. Foto: Jelinski
Ein Ortstermin ist herausgesprungen. Das ist das Ergebnis einer Anhörung zum Neubau der FOS/ BOS Regensburg gestern im Schulausschuss des bayerischen Landtags. Eltern hatten eine Petition beim Landtag eingereicht, in der sie zwei Forderungen formuliert hatten: Höhere Zuschüsse für den Neubau aus der Staatskasse und ein schnellerer Baubeginn. Vorneweg: Mit beiden Forderungen stieß man auf taube Ohren. Höhere Zuschüsse könne man im Sinne einer Gleichbehandlung aller Kommune nicht geben, lautet die erste Nachricht aus dem Landtag. Für den Baubeginn sei die Stadt zuständig, in deren Planungshoheit man nicht eingreifen könne, die zweite. Mit dem Ergebnis eines neuerlichen Ortstermins ist die Regensburger Landtagsabgeordnete Margit Wild (SPD) dennoch nicht unzufrieden. Wild fungierte zusammen mit ihrem CSU-Kollegen Manfred Ländner als Berichterstatterin und meint: „Der Einsatz der Eltern wird dadurch gewürdigt.“ Das Thema bleibe zudem in der Diskussion. Nach dem Besuch sollen Wild und Ländner dem Ausschuss erneut Bericht über die Situation an der FOS/ BOS erstatten. Der stellvertretende Schulleiter Anton Lindner kennt die Situation schon jetzt. „Natürlich freuen wir uns, dass sich der Landtag weiter mit uns beschäftigt“, sagt er. Ansonsten klingt Lindner aber nicht besonders freudig. Der Zustand beider Schulgebäude – ob nun in der Landshuter Straße oder am Ziegelweg – ist mehr als beklagenswert. Der angekündigte Termin für einen ersten Neubau 2013 liegt noch in weiter Ferne und sorgt – angesichts der angespannten Finanzlage der Stadt – immer noch für Misstrauen bei Schülern, Eltern und Lehrern. Das ist nichts Neues. Im Moment hat die FOS/ BOS aber ein wesentlich akuteres Problem. Lindner: „Bei den aktuellen Anmeldezahlen reichen beide Schulgebäude und die aufgestellten Container nicht aus.“ Seine Befürchtung: „Wir werden eine große Zahl von Schülerinnen und Schülern nicht unterbringen können.“ Rund 1.500 Schülerinnen und Schüler wollen voraussichtlich im kommenden Jahr Fach- und Berufsoberschule besuchen. Zwar gibt es das Angebot der Stadt, vom asbestbelasteten Gebäude im Ziegelweg in ein Ausweichgebäude an der Landshuter Straße 17 umzuziehen, aber, so Lindner: „Mehr Platz brächte dieser Umzug nicht.“ Schulleiter Karl Heinz Kirchberger hatte angesichts der Aussicht, deshalb Abiturklassen mit bis zu 35 Schülern bilden zu müssen, von „Legebatterien“ gesprochen. Aller Protest bleibt aber bislang erfolglos. „Nicht machbar“, heißt es lapidar von Seiten der Stadt zur Frage nach zusätzlichen Räumen. Ein Rat an die Schulleitung lautet, nicht alle potentiellen Schüler aufzunehmen. „Das kommt weder Schülern noch Eltern in irgendeiner Weise entgegen“, sagt Lindner. Ohne Weisung der Schulaufsichtsbehörde dürfe man zudem nicht ohne weiteres Schüler abweisen. Dazu kommt: Viele können nur in Regensburg ihren Abschluss machen, weil andernorts entsprechende Abschlussklassen nicht zustande kommen. „Mit dieser Haltung der Stadt Regensburg wird Bildungspolitik völlig in den Hintergrund gestellt“, kritisiert Lindner.
Ein Lächeln für die Galerie: Pressefoto von Bürgermeister Weber, Kultusminister Spaenle und OB Schaidinger nach einem ergebnislosen „Arbeitsgespräch“. Foto: Stadt Regensburg
Doch sei es wie es will. Die Stadt bleibt bislang bei ihrer harten Haltung. Auch ein Gespräch zwischen Kultusminister Ludwig Spaenle und OB Hans Schaidinger vergangene Woche scheint keine Einigung gebracht zu haben. Es gab lediglich eine nichtssagende Pressemitteilung und ein Lächel-Foto der Beteiligten für die Medien. Ohnehin wäre die Stadt als Sachaufwandsträger dafür zuständig, zusätzliche Räume zu schaffen. Mittlerweile gehen verstärkt Anrufe verängstigter Eltern bei der Schule ein, die sich versichern wollen, ob ihre Kinder auch wirklich an der FOS/ BOS aufgenommen werden. Ein Szenario scheint angesichts der verfahrenen Situation besonders wahrscheinlich: Dass erst zum ersten Schultag klar wird, wer bleiben kann und wer nicht. So sieht es momentan aus – Ortstermin, Ortstermin her.

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Kommentare (4)

  • Elisabeth Reitberger

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    Benachteiligung – FOSBOS NEUBAU

    Als Mutter einer Schülerin der FOS Technik13 möchte ich meine großen Bedenken zu der momentanen Situation aussprechen. Wir haben im Ende 2009 erfahren, dass kein Geld für den Neubau FOSBOS vorhanden sei. Die Stadt Regensburg hätte kein Geld. Skeptisch wurden wir, als es hieß, Baubeginn sei 2013. Die Container im Pausenhof der Landshuter Straße 61 wurden 2008 aufgestellt „für den Übergang “ bis der Neubau fertig sei, maximal 3 Jahre. Bereits Jahre zurück wurden immer wieder Provisorien geschaffen und viele Menschen vertröstet, sie bekämen den Neubau.

    In den Jahren 2000-2006 wurde am Ziegelweg eine Asbestversiegelungsmaßnahme nicht durchgeführt, da ja der Neubau käme. Die Landshuterstraße 61 wurde erweitert, aber, so war man sich bereits 2002 einig, die Räumlichkeiten würden auf lange Sicht gesehen, nicht ausreichen, es müsse ein Neubau her. Auch in dieser Zeit gab es sogenannte „Abweisungen“, SchülerInnen konnten die Schule wegen Platzmangel nicht besuchen, viele haben die Laufbahn FOS nicht einschlagen können.

    Seit 40 Jahren „gondelt“ die FOSBOS durch Gesamt-Regensburg. Die Zustände, die wir jetzt haben sind ‚“unter aller Kanone“, richtig ärgerlich ist es, wenn uns vorgeschlagen wird: „Dann lüften Sie doch nach jeder Stunde“ (Landshuter Straße) oder wenn Fachräume Chemie/Biologie fehlen und deshalb keine Versuche gemacht werden können: „Dann stellen sie doch den Fernseher auf und zeigen die Versuche über Video“. Bis man einen der wenigen transportablen Beamer aufstellt, ist die Stunde vorbei, soviel zur technischen Ausstattung einer modernen Schule.

    Ich bitte und appelliere an die höchsten Stellen, besonders an die Persönlichkeiten der Stadt Regensburg und des Landkreises, unsere Schule zu besuchen. Diese Haltung ist wünschenswert und zu begrüßen. Das sollten übrigens alle tun, die über „uns“ entscheiden. Denn wenn man erfährt, dass vom Konjunkturpaket II der Biopark III, Spatenstich Ende 2009 gebaut wurde, jüngst ein Zuschuss für die internationale Schule für den Wirtschaftsstandort Regensburg erbeten wird oder plötzlich 11 -13 Millionen für eine neue Musikschule vorhanden sind, dann hört die Gerechtigkeit auf. Dann stellt sich die Frage: Mag man uns nicht im Wirtschaftsstandort Regensburg?

    Eine Finanzierung der Schule von Stadt und Landkreis zusammen, so wird uns signalisiert, wollen das nicht. So wird das Gezänke weiterhin auf dem Rücken unserer Kinder ausgetragen und das gebe ich zu bedenken. Wird fordern eine Gleichbehandlung. Unter diesen Bedingungen ist eine Bildungsgerechtigkeit nicht gegeben. Die Stadt Regensburg macht den Neubau der Beruflichen Oberschule abhängig vom Erwerb eines favorisierten Standortes, der Landkreis macht einen Neubau abhängig von den Daten der SchülerInnen aus dem nördlichem Stadtgebiet.

    Im Vordergrund steht der Wirrwarr um den gestrichenen Neubau. Dabei wird aus meiner Sicht etwas elementar Wichtiges vergessen: Unsere Kinder und die Lernbedingungen an der Schule, auch äußere Rahmenbedingungen genannt. Deshalb berichte ich hier, um die Öffentlichkeit über die große Benachteiligung zu informieren, die unsere Jugendlichen während der kurzen und intensiven Schulzeit zusätzlich auf sich nehmen müssen. Bekanntlich lernt man am besten, wenn die Rahmenbedingungen stimmen:

    Was unsere Kinder/Jugendlichen nicht haben und deshalb erschwerte Lernbedingungen herrschen:

    Wir haben nicht: Ruhe zum Lernen, Lüftungsmöglichkeit, um den Klassenzimmern genügend Sauerstoff zuzuführen, eine funktionierende Lüftungsanlage, schallgedämmte Räume, 2 Klassenzimmer ohne Trennwand, ausreichend Platz für SchülerInnen und Schultaschen, ergonomische Bestuhlung, Einzeltische, genügend Fachräume für Biologie, Chemie und Physik. Waschbecken, die neben der Tafel installiert sind, ausreichend Garderoben, die nicht im Klassenzimmer angebracht sind. (wir haben schon: Trennwände aus Sperrholz bei Schulaufgaben)
    Wir haben nicht: Eine gute technische und materielle Ausstattung auf dem Gebiet der modernen Elektronik, Klassenräume mit einen eigenen PC, Beamer und Internetanschluss, einen Pausenhof, in dem die Pause verbracht werden kann (da steht der Container), eine Kantine mit vernünftiger vollwertiger Ernährung, Lehrer, die nicht pendeln müssen, Besprechungszimmer für Einzelgespräche, besonders während der Sprechstunden .
    Eine Aula, in der Gäste empfangen und schulische Veranstaltungen stattfinden können, eine eigene Bühne für unser Schultheater, ein Kunstraum, ein Musikraum …….kurzum, eine dem Wirtschaftsstandort Regensburg entsprechend repräsentative Schule, die den Löwenanteil der zahlenden Studenten stellt.
    40 Jahre sind genug! 40 Jahre werden junge Menschen für ihr Studium (z. B. Ölöfen mit Kanne bis 1996!!!!)qualifiziert, 40 Jahre, die kein Grund zum Feiern sind, aber 40 Jahre an einer Schule, die viele Persönlichkeiten hervorgebracht hat. Und deren Unterstützung brauchen wir jetzt am dringensten.

    Übrigens, wir erleben derzeit eine „Hochphase“ der Anmeldungen. Soweit ich informiert bin, sind ca.
    20 % Meldungen aus den Regensburger Gymnasien eingegangen. G8?? Positiv an unserer Schule ist es,
    dass junge Menschen aller gesellschaftlicher Schichten zusammengeführt werden und diese Erfahrungen sind für alle Seiten von enormer Bedeutung.

    …..DER ANFANG IST DIE HÄLFTE DES GANZEN….. Aristoteles

  • Daniel Gilch (Schülersprecher FOS/BOS Regensburg)

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    „Hat die FOS/BOS schon oft von innen gesehen und kommt nun zur Besichtigung im Auftrag des Landtags: MdL Margit Wild.“

    Also Frau Wild, ich kann sie ja eigentlich schon gut leiden… Aber ich verstehe nicht, warum Ihnen die bisherigen gefühlten dreihundert Besuche nicht genügten, um sich ein Bild von der miserablen Situation an der Schule zu machen! Müssen Sie sich denn noch einreihen in die Liste der Geldverschlinger? Ein Besuch im Auftrag des Landtages? Sie hätten auch so erzählen können nach „nur“ zweihundertneunundneunzig Besichtigungen, wie gravierend notwendig ein Neubau ist.

    Ich muss sagen, wie Elisabeth – übrigens stellvertretende Vorsitzende unseres Elternbeiratesschon – schon gesagt hat kamen immer wieder, nicht selten sehr kostspielige Provisorien zum Einsatz. Davon hätte man bereits ein neues Gebäude bauen können! Und dass man den Politikern nicht mehr traut, ist ja wohl angesichts der zahlreichen gebrochenen Versprechen nur verständlich!

    „Höhere Zuschüsse könne man im Sinne einer Gleichbehandlung aller Kommune nicht geben[…]“

    Diese Begründng ist wiedereinmal ein Armutszeugnis für das Bildungssystem in Deutschland. Dann ist es also so, das die anderen Kommunen ebenfalls im Stich gelassen werden? Und deshalb müssen wir ebenfalls alleine klar kommen? Wo wollen wir uns den beschweren? Schließlich – und darauf stieß mich bereits Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle – werden die Kommunen beim Neubau von Schulen mit 33% unterstützt. Das kann man doch nicht als „Alleine-lassen“ bezeichnen oder? Der Brückenbau wäre vom Freistaat mit 75% bezuschusst worden, der Neubau einer staatlichen Schule mit gerade mal 33%. Da wird die Wertigkeit deutlich.

    Wie soll man denn da jetzt bitteschön noch Vertrauen in die Politik haben können?

  • Joachim Datko

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    Leider wurde ein Beitrag von mir nicht freigeschaltet.
    Ich habe ihn sicherheitshalber in ein eigenes Forum gestellt.
    Siehe:
    „… ein weiteres Gebäude für die FOS/BOS ist überflüssig “ ( 27. Juni 2010, 20:20:39 )
    http://www.monopole.de/forum/index.php?PHPSESSID=5653764c925e8d453a9a88ab73ef9ed5&topic=5.0

    Aktuell:
    28.06.2010, 10:09
    http://www.focus.de/finanzen/finanz-news/deutschland-1-711-3-milliarden-euro-schuldenstand-in-deutschland_aid_524308.html
    1.711,3 Milliarden Euro Schuldenstand in Deutschland

  • Sepp BOS

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    1.711,3 Milliarden Euro Schuldenstand in Deutschland…

    Ja und ??? ist doch kein Betrag…. außerdem ist das bloß Geld das jederzeit entwertet oder durch eine neue Währung ersetzt werden kann…. siehe Geschichte….. Ich habe dieses Jahr mein Technik Abitur geschrieben und muss sagen ein Neubau ist dringend nötig auch wenn (wie manche hier fantasieren) die Schülerzahlen rückläufig wären… Es kann einfach nicht sein das eine Schule die die wahren Leistungsträger unserer Gesellschaft hervorbringt (naja Fos Schüler und soziale und Wirtschaftsklassen mal ausgenommen) in einem so xxxxxxx Gebäude lernen muss….
    Hey und wenn der Bürgermeister wieder so von uns schwärmt wir wären ja so wichtig für die Wirtschaft blablabla dann stimmt es zwar aber es ist ihm egal wie und unter welchen umständen wir lernen ….. tja nur naive Menschen haben vertrauen in die Politik….. und in die Berichterstattung und in Statistiken und in Prognosen (sie müssen sich jetzt nicht ich wiederhole nicht angesprochen fühlen Herr Da…. )

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