Krones, CSU und Harry Potter

Aus dem Redaktionstagebuch (16/18)

In unserem heutigen Redaktionstagebuch beschäftigen wir uns mit der Frage, ob Frauen zu dumm sind, um eine Führungsposition bei der Krones AG zu übernehmen. Außerdem stellen wir den Voldemort der Regensburger Korruptionsaffäre vor und freuen uns über einen sinnvollen Antrag der CSU.

Der Voldemort der Korruptionsaffäre

„Er, dessen Name nicht genannt werden darf“ oder „Du weißt schon wer“ – so lauten die Umschreibungen für den Oberbösewicht bei Harry Potter, Lord Voldemort. Niemand wagt es, den Namen des einstigen Schreckensherrschers offen auszusprechen. Man greift zu Umschreibungen und Floskeln. Ja selbst die Zaubererzeitung „Der Tagesprophet“ nennt Voldemorts Namen niemals offen. Letzteres möchte nun auch der Inhaber des „Immobilien Zentrum Regensburg“ – kurz IZ – erreichen. Über eine Hamburger Medienkanzlei ließ der Unternehmer mitteilen, dass ohne seine Einwilligung eine Berichterstattung mit vollem Namen und/oder Foto unzulässig sei.

Diese Haltung ist zumindest insofern erstaunlich, als dass es in der Vergangenheit kaum einen Bauträger gab, der so das Licht der Öffentlichkeit suchte wie er. Zahllos sind die Pressemitteilungen zu Vertragsunterzeichnungen, Spatenstichen und Grundsteinlegungen, die das IZ verschickte, flankiert mit Fotos, auf denen der findige Geschäftsmann sein strahlendes Lächeln zeigt.

„Du weißt schon wer“ beim Spatenstich des „Quartierszentrums“ am Baugebiet Brandlberg. Foto: IZ

Auch aktuell spielt der Unternehmer eine tragende Rolle in der parteiübergreifenden Korruptionsaffäre. Ganz generell gehört sein IZ zu den großen Playern beim Regensburger Immobilien-Monopoly und darf bislang auch als ein besonderer Liebling der hiesigen Stadtverwaltung angesehen werden. Im Übrigen hat er als bislang einziger Beschuldigter gegenüber der Staatsanwaltschaft umfassend ausgepackt, gilt als Kronzeuge – vor allem auch in Zusammenhang mit Vorwürfen gegen die CSU – und hat einen Strafbefehl wegen Bestechung von Oberbürgermeister Joachim Wolbergs akzeptiert, der für ihn eine Geldstrafe von 500 Tagessätzen – rund 450.000 Euro – plus einer zur Bewährung ausgesetzten einjährigen Haftstrafe mit sich brachte.

Diesen durchaus saftigen Strafbefehl sieht die Hamburger Medienkanzlei übrigens als Beleg dafür, dass ihr Mandant keine besonders schweren Straftaten bzw. schwere Begleitformen dieser Straftaten begangen habe. Eine durchaus eigenwillige Interpretation, die wir – den unverzagten Hamburger Anwälten zufolge – nicht im Originalwortlaut veröffentlichen dürfen. Ihr Schreiben unterliege nämlich – unter Androhung rechtlicher Schritte – einem ausdrücklichen Zitierverbot.

Auf Anraten unseres Rechtsanwalts Nils Pütz, der hier ebenfalls nicht zitiert werden möchte, stellen wir ausdrücklich fest, dass der Vergleich von „Sie wissen schon wer“ mit Voldemort sich dezidiert nicht auf dessen Schreckensherrschaft und Rolle als Oberbösewicht bezieht, sondern lediglich auf die nicht gewünschte Namensnennung.

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Frauen – zu dumm für Krones?

Zu zweifelhaftem Ruhm ist der Neutraublinger Schankanlagenhersteller Krones im aktuellen Bericht der Allbright-Stiftung gelangt. Die 2011 gegründete deutsch-schwedische Stiftung setzt sich für mehr Frauen und Diversität in den Führungspositionen der deutschen Wirtschaft ein. Ein eher frustrierendes Unterfangen, so scheint es.

Zu einem aktuellen Bericht, den die Stiftung im Oktober herausgegeben hat und der sich mit den Führungspositionen der 160 deutschen Börsenunternehmen beschäftigt heißt es, dass der Zuwachs an Frauen in den Vorständen dort im vergangenen Jahr so gering war, „dass er in etwa dem gleichzeitigen Zuwachs an Männern entspricht, die Thomas heißen“.

Seit Oktober 2015 sind die börsennotierten Unternehmen verpflichtet, feste Zielgrößen für die Steigerung des Frauenanteils in ihren Vorständen zu veröffentlichen. Häufig wird diese Zielgröße mit „0“ angegeben und Krones zeigt sich dabei erstaunlich offen. Flapsig ausgedrückt halten die Neutraublinger Frauen einfach für unfähig, um ihren Anforderungen gerecht zu werden. In der Untersuchung der Allbright-Stiftung wird explizit eine Passage aus dem aktuellen Krones-Geschäftsbericht herausgestellt, wo es heißt:

„Nach § 111 (Abs.5) Aktiengesetz legt der Aufsichtsrat eine Zielgröße für den Frauenanteil im Vorstand der Krones AG von 0% fest. Grund hierfür war, dass der Aufsichtsrat bislang keine geeignete Kandidatin für den Vorstand finden konnte und davon ausgeht, dass dies auch in naher Zukunft schwierig bleibt.“

Immerhin: Im 16köpfigen Aufsichtsrat, der diese bestechend ehrliche Formulierung verantwortet, sitzen zumindest vier Frauen.

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CSU will die Stadt (nicht länger) Investoren ausliefern

Ja, ist schon klar. Dass ein Großteil städtischer Flächen an Bauträger verscherbelt wurden, die Stadt Regensburg selbst keine Flächen gekauft hat, dass keine übergeordnete Stadtplanung betrieben wurde, sondern von Fall zu Fall jeweils Planungen in Abstimmung mit den ausführenden Bauträgern, dass die Neubautätigkeit der Stadtbau über Jahre zum Erliegen kam, Vorkaufsrecht (der Stadt) ein Fremdwort war und dass dies alles maßgeblich dazu beigetragen hat, dass in dieser Stadt der bezahlbare Wohnraum ein rares Gut ist – ja, das hat Regensburg vor allem Altoberbürgermeister Hans Schaidinger und einer alles abnickenden CSU zu verdanken.

Machte „gute Politik“, von der Bauträger „maximal profitiert“ haben: Hans Schaidinger. Foto: IZ

Trotzdem kann auch die CSU sinnvolle Vorschläge machen. Zum Beispiel einen, den sie aktuell per Pressemitteilung anpreist. Stadträtin Dagmar Schmidl hat sich gemeinsam mit ihren Fraktionskollegen Dr. Armin Gugau, Hermann Vanino und Christian Schlegl mit einem Antrag an die Stadt gewandt. Die CSU-Fraktion fordert darin ein Konzept und einen Kriterienkatalog für die Nutzung des gemeindlichen Vorkaufsrechts. Auch fragen die CSU-Politiker nach den Kriterien, die bei der Entscheidung pro und contra Vorkaufsrecht derzeit zugrunde liegen.

Tatsächlich wurde vom städtischen Vorkaufsrecht bislang so gut wie nie Gebrauch gemacht, vor allem nicht bei manch relevanten Flächen. Und als es im Stadtrat dazu mal Nachfragen an Wirtschaftsreferent Dieter Daminger gab, konnte dieser den Stadträten nicht schlüssig erläutern, nach welchen Kriterien ein solches Vorkaufsrecht ausgeübt werden kann, warum man für bestimmte Gebiete nicht schon längst eine entsprechende Satzung erlassen hat und deshalb – Beispiel Otto-Hahn-Straße – wieder einmal ein Bauträger zum Zuge kam (das „Immobilien Zentrum Regensburg“).

Das alles soll sich nach dem Willen der CSU jetzt ändern. Vom Vorkaufsrecht solle künftig „großzügig Gebrauch gemacht“ werden. „Außerdem haben wir die Verwaltung gebeten, zukünftig bereits im Vorfeld einer zu treffenden Entscheidung über die Einleitung eines Vorkaufsrechtsprüfungsverfahrens und das Ergebnis, also die beabsichtigte Ausübung wie Nichtausübung des Vorkaufsrechts, den Stadtrat und den zuständigen Grundstücksausschuss umfassend zu informieren“, so Initiatorin Schmidl.

Um nicht Investoren ausgeliefert zu sein, werde das Vorkaufsrecht als bewährtes Instrument gesehen, die begrenzt verfügbaren Flächen der Stadt für diese und ihre Bürger sinnvoll nutzen zu können, heißt es in der Pressemitteilung weiter – unter Einprügeln auf die Bunte Koalition und Selbstvergessenheit ob der eigenen unrühmlichen Rolle, die die CSU im Regensburger Stadtrat über Jahrzehnte eingenommen hat. „Die bunte Koalition muss endlich die jahrelange Blockade dieser CSU-Forderung aufgeben und das Heft des Handelns übernehmen sowie aktiv die Bodenpolitik selbst gestalten. Nur dadurch kann wirklich spürbar ein Effekt für bezahlbaren Wohnraum, und damit für eine der größten Nöte der Regensburger, eine Verbesserung erzielt werden“, fordert denn auch Stadtrat Christian Schlegl.

Fraglich bleibt vor alledem natürlich, wie die künftigen Wahlkämpfe finanziert werden sollen. Wie Schlegl zuletzt vor Gericht ausgeführt hatte, hätten die Bauträger von der „guten Politik“ der zurückliegenden Jahre – also dem Gegenteil dessen, was die CSU nun fordert – schließlich „maximal profitiert“ und könnten – so Schlegl mit Blick auf Parteispenden – dann „auch mal was liefern“.

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Kommentare (14)

  • Franz Josef Avestruz

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    Voldemort! Wie geil. Danke. Das sind mal endlich Glossen!

  • cogito ergo sum

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    Ich dachte immer, der Regensburger Voldemort wäre – zumindest derzeit – so ein Typ mit Fahrradlenkerbart und nem Solarpanel aufm Kopf….

  • joey

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    Voldemort liefert sich selbst der damnatio memoriae aus. So solle er aus allen Inschriften des Internets ausgemeißelt werden!

  • mkv

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    Zum frei-mütig von Schlegl angeräumten, ja quasi als Selbstverständlichkeit (ein)geforderten „do ut des“ ein Hinweis auf die aktuelle Forderung der Unionsfraktion.

    Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Mathias Middelberg, fordert eine Verschärfung der Regeln für Parteispenden.

    Dazu gibt es ein Feedback von Ulrich Müller, LobbyControll, auch als Reaktion auf die aktuell sich verschärfende AfD-Spenden-Sache:

    „Jahrelang war die große Koalition im Tiefschlaf bei den Parteispenden-Regeln. Jetzt scheint die Union allmählich aufzuwachen. Das ist gut – und lange überfällig. Wir brauchen jetzt eine umfassende Reform der Parteienfinanzierung, um verdeckte Geldflüsse in Parteien und Wahlkämpfe zu stoppen. Insbesondere muss Wahlwerbung durch Dritte den gleichen Transparenzregeln unterliegen wie andere Zuwendungen. Zudem müssen Regelverstöße schneller und effektiver geahndet werden.“
    https://www.lobbycontrol.de/tag/afd/

  • Anonymous21

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    Toll geschrieben, Kompliment.

  • Jonas Wihr

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    Jetzt, wo es keine Grundstücke mehr gibt, kann die CSU diese Forderung ja getrost stellen. IZ-Dietlmeier,Schmack, Tretzl und Co reiben sich die Hände.

  • Bertl

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    Vielleicht könnte der MdL, RA und Landwirt (wegen der Subventionen?) der CSU seine in einer Grundstücks-Gesellschaft eingebrachten Grundstücke und seine Felder (bis nach Pentling?) für den so dringend gebrauchten sozialen Wohnungsbau zu günstigen Bedingungen zur Verfügung stellen?

  • R.G.

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    Wunderbar!

    Mein liebes regensburg-digtal, seriöse Zeitung ohne Bilder von sich verbal oder anders erleichternden Blaublütigen, ab jetzt ohne Fotos von den üblichen sich ins Bild drängenden Titelmeiern (mit mindestens drei Studien), ich bin froh, statt des irdischen Äußeren von Personen, ab nun die Materialisation der unsterblichen Seele von unbekannt bleiben Wollenden in unscharfen Fotos angedeutet zu sehen….

    Eine Frage noch: Könnten sie mir die Visagistin des nicht Erkennbaren nennen? Sein Look gefällt mir so gut!

  • Eingeborener

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    Der Vorschlag der CSU klingt für mich so, wie wenn jemand den letzten Baum abgeholzt hat, und dann ein Schutzprogramm für Bäume vorschlägt.
    Gegen die Wohnungsnot und die überhöhten Mieten braucht es einen massien.Selbsteintritt der Stadt im Bereich Wohnen und kompromissloses Vorgehen gegen die Spekulation mit Grundstücken und Wohnraum.

  • Dietlmeier

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    Die CSU auf dem Land ist nicht besser als in der Stadt, Vetternwirtschaft und alles abnicken was der Buergermeister sich einbildet war schon immer Gang und Gebe auch die Enteignung einer Baulücke und Umwandlung in einen Wald ohne Bäume! Nur weil der Buerger dem Buergermeister nicht gefällt, das ist Buergernähe seit fast 20 Jahren in Lappersdorf auch zu hören im Lied für Lappersdorf von mir
    http://www.mittelbayerische.de/region/regensburg-land/gemeinden/lappersdorf/lappersdorf-ist-sein-glueck-und-seine-ganze-freude-21392-art1557253.html
    .
    Wo ist der Unterschied hier zur Stadt Regensburg? Letzte Aussage des immer noch tief mit Altbürgermeistern verbundenen Gemeinderates bei einen Antrag auf Rückwandlung:
    Wir sehen in Lappersdorf keinen Bedarf an erschlossenen 2000qm in Lappersdorf! Danke

  • Lothgaßler

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    Voldemort, nimm das!
    Ausdrücklich im Handelsregister wurde veröffentlich, auch über Wirtschaft Konkret 11/2018 (Herausgeber IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim):
    03.09.2018 Sky Towers Gmbh, Regensburg. Änderung § 1…. GF: Dietlmeier, Thomas…
    Man muss ja nicht Voldemort über Handelsregisgter-Auszüge beim Namen nenne, es reicht auch ein Link um einen Blick in sein Reich zu richten: https://www.northdata.de/Dietlmeier,+Thomas,+Regensburg/j0z.
    Ich wusste gar nicht, dass er auch in Seniorenwohnanlagen investiert, schon interessant der Voldemort.

  • Richard Grau

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    @Lothgaßler
    Mir wirds schwindelig bei der Aufstellung, ich glaub ich stürze ab. Aaaa, mein
    Elektronengehirn.

  • xy

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    Der „Hamburger Medienkanzlei“ würde ich ganz cool einen Vogel zeigen!

  • Giesinger

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    @xy, es wurde schon erwähnt, daß man sich eventuelle Prozeßkosten lieber gleich ersparen will.
    Es weiß doch eh jeder, wer gemeint ist.

    Hingegen bin ich ja mal gespannt, wann sich „der echte Thomas D.“ mal über einen Medienanwalt einschaltet.

    An die jüngeren Leser:

    Es gab in den späten 80ern und 90ern mal eine deutsche Schlagergruppe mit dem Namen „Die Fantastischen Vier“.
    Eines der vier Mitglieder trägt seit jeher den (Künstler)namen „Thomas D.“ Mit vollem Namen heißt der Mann glaube ich, Thomas Dürr.
    Die haben so eine Art deutschsprachigen Schlager-Hip-Hop im Marschmusik-Groove gemacht.

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