SOZIALES SCHAUFENSTER

"Votum hat mich nicht überrascht"

CSU: Schmidl zieht ihre Kandidatur zurück

„Auch wenn mich am Wochenende zahlreiche Zuschriften erreichten, meine Kandidatur aufrecht zu erhalten“ – Dagmar Schmidl zieht zurück. Foto: Archiv/Staudinger

In einem offenen Brief an den CSU-Vorsitzenden Michael Lehner zieht Stadträtin Dagmar Schmidl ihre Bewerbung für die OB-Kandidatur zurück.

Der Weg für eine Kandidatur von Astrid Freudenstein um das Amt als Oberbürgermeisterin ist frei. Nach Jürgen Eberwein, der bereits am Freitag unter dem Eindruck des CSU-Mitgliedervotums erklärt hatte, sich bei der Delegiertenkonferenz am 27. Juli nicht mehr zur Wahl zu stellen, hat heute morgen auch Stadträtin Dagmar Schmidl ihre Ambitionen begraben.

„Auch wenn mich am Wochenende zahlreiche Zuschriften erreichten, meine Kandidatur aufrecht zu erhalten und mich dem allein für die Nominierung des CSU-OB-Kandidaten vorgesehenen Gremium, der Delegiertenversammlung am 27. Juli, zu stellen, möchte ich das Ergebnis der vom Kreisvorstand auf Dr. Astrid Freudensteins Antrag hin beschlossenen Befragung nicht ignorieren“, schreibt Schmidl in einem offenen Brief an den CSU-Kreisvorsitzenden Michael Lehner. Für die CSU wäre es „mehr als schädlich, wenn nun diese etwa aufgrund eigener Befindlichkeiten nicht beachtet würde und es bei einer ernst zu nehmenden Beteiligung und einem klaren Ergebnis eine abweichende Entscheidung der Delegierten gäbe“. Deshalb stehe sie als OB-Kandidatin nun nicht mehr zur Verfügung.

Bereits im Vorfeld von Schmidls Rückzug hatten sich mehrere CSU-Ortsverbände, aber auch die Landesspitze in Postings auf Facebook klar für Freudenstein positioniert. Ebenso Lehner, der bei der Bekanntgabe des Mitgliedervotums – Freudenstein kam hier auf gut 62, Schmidl auf knapp 28 Prozent – erklärt hatte, dass er Freudenstein den Delegierten als Kandidatin vorschlagen werde.

Bis zu elf Kandidaten bei der Wahl 2020

Das Votum habe sie „aufgrund der unterschiedlichen Bekanntheit der Kandidaten nicht überrascht“, schreibt Schmidl. Dennoch habe es sie sehr gefreut, dass „mir fast 30 % der teilnehmenden Mitglieder ihr Vertrauen ausgesprochen und damit meine politische Arbeit vor Ort gewürdigt haben, zumal ich erst seit fünf Jahren Stadträtin und weder Berufspolitikerin noch Mandatsträgerin bin“. Freudenstein habe sie bereits zu dem Ergebnis gratuliert.

Damit wird zunehmend klarer, wer bei der kommenden Kommunalwahl gegeneinander antreten wird. Am kommenden Sonntag wird die SPD das derzeitige Stadtoberhaupt Gertrud Maltz-Schwarzfischer nun auch per Delegiertenwahl zu ihrer Kandidatin küren. Beim Wolbergs-Wahlverein „Brücke“ gilt der derzeit noch suspendierte Oberbürgermeister als gesetzt, wenngleich die Mitgliederentscheidung noch aussteht.

In diesen Dreikampf mischen sich die Grünen mit Stefan Christoph ein. Er wurde bei der Aufstellungsversammlung am vergangenen Samstag von 79 Prozent der Stimmberechtigten ins Rennen geschickt. Die FDP hat bereits am 5. Juli Horst Meierhofer zu ihrem Oberbürgermeisterkandidaten bestimmt. Am Mittwoch folgt nun noch die ÖDP. Die Freien Wähler werden ihren Kandidaten im Oktober wählen. Man wolle dabei auf ein neues Gesicht setzen, heißt es aus dem Umfeld der Stadtratsfraktion.

Ungeklärt ist die Kandidatenfrage noch bei den Linken, die derzeit Probleme haben, alle Plätze auf einer Stadtratsliste zu besetzen. Ihre Kandidatur erklärt haben bereits Christian Janele für die CSB und Jakob Friedl für seine „Liste Ribisl“, allerdings müssen beide zunächst Unterschriften sammeln, um überhaupt zur Wahl antreten zu dürfen. Ungewiss ist, ob die AfD mit einem eigenen Spitzenkandidaten bei der Kommunalwahl antreten wird. Zu Regensburger Themen hat sich der hiesige Kreisverband bislang nie geäußert und verfügt auch über kein bekanntes Gesicht.

Insgesamt könnten sich also nach momentanem Stand bis zu elf Kandidaten sich um das Amt des Regensburger Oberbürgermeisters bewerben.

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Kommentare (4)

  • cF

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    Derzeit sind es nun fünf OB-Kandidat*innen. Regensburgs Gesellschaft ist durchgängig konservativ. Erst als es nicht mehr ging und jede es verstanden hatte, wurde 2014 die CSU mit ihren Vorleuten abgewählt.

    Nun werden sich die Kandidat*innen von SPD/Brücke gegenseitig die Stimmen „wegnehmen“. Zu wessen Gunsten? Wird das Thema Klima durchschlagen und deshalb den Grünen-Kandidaten emportragen?

    Was sind mit Blick auf Frau von der Leyen und deren aktuelle Bewerbung als Kommissionspräsidentin die notwendigen Voraussetzungen, die eine Kandidat*in mitbringen muss, um als Bürgermeister*in zu reussieren?

  • Lodovico Settembrini

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    Das Ringen um die Kandidatur zur Oberbürgermeisterin ist geklärt, Astrid Freudenstein hat souverän gewonnen.
    Wenn sich die beiden Bewerberinnen im Wettbewerb um die Kandidatur aber jetzt verbünden, würde ein Team von zwei jungen, sympathischen Frauen entstehen, dem die anderen politischen Parteien nichts vergleichbares entgegenzusetzen haben.
    Dazu müsste Frau Freudenstein die Größe zeigen, die unterlegene Kandidatin (ähnlich wie in Amerika mit der Vizepräsidentschaft) als Nummer zwei mit ins Rennen zu nehmen und Frau Schmidl müsste die Größe zeigen, die Niederlage in der Abstimmung nicht als solche zu sehen, sondern Frau Freudenstein mit ihrer Erfahrung in der Stadtpolitik zur Seite zu stehen. Die Cleverness diesen Schritt zu tun, hätten beide Frauen mit Sicherheit.
    Mit Astrid Freudenstein als Gewinnerin der Abstimmung an der Spitze verfügt die CSU über eine prominente Kandidatin für die Oberbürgermeisterposition, die den Vorteil hat, neben ihrer Bekanntheit in der Stadt über ausgezeichnete Verbindungen nach Berlin (vor allem ins Verkehrsministerium, das für die Regensburger Stadtpolitik der nächsten Jahre auch ein wichtiger Ansprechpartner sein dürfte) und nach München zu verfügen und außerdem aufgrund ihrer beruflichen Ausbildung die Stadt sicher sehr gut nach außen repräsentieren würde.
    Dagmar Schmidl als erfahrene Juristin (Rechtsanwältin) verfügt aufgrund ihrer langjährigen Arbeit als Stadträtin über die notwendigen Erfahrungen im Hinblick auf die Verwaltung der Stadt und die aktuellen kommunalpolitischen Probleme.
    Beide Frauen gelten als integer und unbelastet im Hinblick auf Regensburger Korruptionsvorwürfe und Verbindungen zur Bauwirtschaft.
    Beide Frauen erfüllen perfekt die Vorstellung von Herrn Söder, dass die CSU weiblicher und jünger werden muss.
    Die Stärke dieser beiden Frauen, die bei der internen Wahl zusammen knapp 90% hinter sich gesammelt haben, ergänzen sich ideal und wenn es beiden gelingt, etwaige Rivalitäten jetzt hinter sich zu lassen und sich zusammenzutun, dürfte dieses Team nicht einfach zu schlagen sein und Frau Freudenstein hat ausgezeichnete Aussichten die nächste Oberbürgermeisterin zu werden.

  • cF

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    Der Beitrag von Herrn Settembrini erscheint stimmig. Zwei CSU Frauen, die sich gegenseitig ergänzen.

    Doch gilt das gleiche nicht mit Einschränkung auch für Frau Maltz-Schwarzfischer und Herrn Wolbergs? Sind bei ihnen die Tischtücher wirklich endgültig zerrissen?

    Bedenkt man aber Herrn Lothgaßlers parallelen Beitrag von großer Substanz, der nach fälliger Aufklärung ruft, dann kann frau sich doch fragen: Sind Vertreter von CSU und SPD/Brücke überhaupt noch den Menschen in Regensburg vermittelbar? Haben diese nicht in der Vergangenheit zu den jahrelangen Immobilienstrukturen geschwiegen, alles abgenickt, was Herr Schaidinger „aufbaute“ und was wohl Herrn Wolbergs auf Glatteis führte?

    Bei Herrn Lothgaßler geht es um Grundstücksgeschäfte der Vergangenheit: Waren sie rechtmäßig? Wer hat was gewusst? Demokratische Transparenz gegen Geheimhaltung.
    https://www.regensburg-digital.de/regensburger-weitsicht/12072019/#comment-430899

    Spricht nicht vieles dafür bei der Kommunalwahl eine andere Partei nach vorne zu „häufeln“ mit einer Oberbürgermeister*in, die das Zeug dazu hätte, Transparenz und Verantwortung für Vergangenes herauszuarbeiten? Denn in Regensburg lautet ein Leitspruch: „Vergangenheit + Gegenwart = Zukunft.“

    Zum Stichwort: Augiasstall
    Buch:
    Interne Revision: Funktion, Rechtsgrundlagen und Compliance
    „Rolle der internen Revision“ (Seite 271)
    https://tinyurl.com/y6a82vbl

  • Ronald McDonald

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    Stadträtische Kompetenz geht, eine aalhäutige Grinserübe kommt – schade, aber „Systempartei“-typisch!

    Bei dieser Was-hat-sie-eigentlich-bislang-kommunalpolitisch-geleistet-geschwätzwissenschaftlichen-Bundestag-Herumdrückerin mit ihrem Dentalwerbedauerlachen fällt mir nur noch K. Wolf Biermann ein: https://www.welt.de/print-welt/article587792/Das-lachende-Gebiss-sollte-die-DDR-retten.html

    Biermann-zitiert heißt das für Regensburg wohl möglicherweise:
    „Freudenstein – Ach du armes Regensburg , dachte ich, es geht also erst mal mächtig vorwärts nach hinten … die Jubelperserin des Angela-Merkel-Politbüros … Astrid Freudenstein, das ewig lachende Gebiß“.

    Ad notam:
    Ob die anderen (hier ausdrücklich nicht zitierten) Persönlichkeitseinschätzungen im Biermannschen Originaltext auf die OB-Hoffnungsträgerin der Regensburger Coran-Sozialen-Union (auch irgendwie vielleicht) zutreffen, wird keinesfalls tatsächlich behauptet, sondern bleibt ausdrücklich der Privatmeinung dieser Bloggerschaft überlassen.

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