Günstigstes Veranstaltungszentrum Regensburgs ist Geschichte

Das Antoniushaus muss dichtmachen

Es galt als das preisgünstigste Kultur- und Veranstaltungszentrum in Regensburg: das Antoniushaus am Mühlweg. Damit ist es nun vorbei. Am 30. April werden Saal und Wirtshaus dichtgemacht. Ab Ende 2018 wird das Gebäude saniert und dass die jetzigen Konditionen nach Abschluss der Arbeiten noch zu halten sind, darf getrost bezweifelt werden.

Macht Ende April für mindestens ein Jahr zu: das Antoniushaus. Wie es nach der Sanierung weiter geht, ist ungewiss.

Josef Hader und Hagen Rether, Alfred Dorfer und Element of Crime, der Schachclub Bavaria Regensburg, die Egerländer und die Aquarienfreunde, der Bayerische Journalistenverband und Gewerkschaften, die Piraten und die Stadt Regensburg, die CSU und die IHK – das ist nur ein sehr kleiner Ausschnitt des Spektrums an Veranstaltungen, die in den zurücklegenden Jahren im Antoniushaus in Regensburg stattgefunden haben. Obwohl oder vielleicht gerade weil es etwas in die Jahre gekommen ist, gilt das Gebäude am Mühlweg 13 mit seinem großen Festsaal als beliebter Ort für Veranstaltungen, bei denen nicht mit hohen Gewinnmargen zu rechnen ist, als Tagungsmöglichkeit für den kleinen Geldbeutel und als regelmäßiger, kostengünstiger Treffpunkt für verschiedene Vereine im Stadtgebiet. Ein etwas anderes Kulturzentrum eben, das auch gerne von der Alten Mälzerei als Ausweichort genutzt wurde. Doch damit ist es nun fürs erste und in dieser Form wohl auch dauerhaft vorbei. Wie uns Franz Treml, der das Antoniushaus seit 26 Jahren gepachtet hat, am Telefon bestätigt, ist am 30. April Schluss.

Die neue Pacht ist „nicht machbar“

Bereits seit längerem ist bekannt, dass das 1953 errichtete Gebäude sanierungsbedürftig ist. Treml hatte der Kirche dafür bereits vor geraumer Zeit eine eigenes Konzept vorgelegt, war allerdings nicht zum Zug gekommen und jetzt ist er komplett draußen. Das Antoniushaus wird nun nach dem Willen der Eigentümerin, der Katholischen Kirchenstiftung St. Anton, und des Bischöflichen Ordinariats, das über die kirchlichen Finanzen wacht, per Erbpacht an einen Investor vergeben und von diesem saniert. Zwar soll anschließend wieder ein Veranstaltungszentrum mit Gastronomie in die Räumlichkeiten kommen, allerdings ohne Treml und wohl auch deutlich teurer. Der hatte zwar zunächst auch daran noch Interesse bekundet, sagt aber jetzt, dass die in Aussicht gestellte neue Pacht „einfach nicht machbar“ sei. Zu näheren Details will sich der Gastronom nicht äußern, aber auch der zukünftige Verpächter bestätigt, dass „eine Einigung, einen Pachtvertrag nach Sanierung abzuschließen, bisher nicht erfolgt“ sei.

Bürgerversammlung im Antoniushaus.

Dem Vernehmen nach lag die bisherige Pacht für das Antoniushaus bei „deutlich unter 5.000 Euro“ pro Monat, nach der Sanierung soll sie etwa das Dreifache betragen. Vor diesem Hintergrund ist es kaum zu erwarten, dass die günstigen Konditionen, zu denen hier in der Vergangenheit Jugendschachturniere, Treffen von Aquarienfreunden, Volksmusikabende oder Kabarettveranstaltungen stattfanden, aufrecht erhalten werden können – egal, wer das Antoniushaus in Zukunft pachten wird.

Die Pfarrei ist knapp bei Kasse

Hintergrund dieser unerfreulichen Entwicklung: Die Pfarrgemeinde St. Anton scheint recht knapp bei Kasse zu sein. Bereits im Februar des vergangenen Jahres hatten sich Stadtpfarrer Anton Hierl und Kirchenpfleger Heinz Schreib mit einem Schreiben an ihre Schäfchen gewandt und eine prekäre Situation geschildert. Tenor: Die Bausubstanz des Kirchenbesitzes rund um die Pfarrkirche sei marode. Der Kindergarten ist über 40 Jahre alt, heißt es und müsse neu gebaut werden. Dasselbe gelte für die kircheneigenen Häuser in der nahegelegenen Haberlstraße und eben für das direkt angrenzende Antoniushaus.

Auch wenn Stadt und Ordinariat zu 90 Prozent die Kosten für den Kindergarten tragen würden, so bliebe noch ein „erheblicher Finanzierungsrest“, so Pfarrer Hierl und Kirchenpfleger Schreib. Die Pfarrei müsse sich „auf Jahrzehnte hinaus verschulden“. Und deshalb habe man sich entschlossen, „mit einem Projektentwickler“ zu planen.

Ein Investor für Kindergarten, Geschosswohnungsbau und Sanierung

Der Projektentwickler heißt Karl Kotz. Sein Unternehmen, die „Kro Immobilien Entwicklungs GmbH“, errichtet unter anderem Häuser auf dem Neubaugebiet am Brandlberg und arbeitete bis vor kurzem noch eng mit Thomas Dietlmeier, dem in die Korruptionsaffäre verwickelten Ex-Boss des „Immobilien Zentrum Regensburg“ zusammen. Unmittelbar bevor Dietlmeier seinen Strafbefehl wegen Bestechung und Vorteilsgewährung akzeptierte, wurde er allerdings am 26. Februar von dieser Position abberufen und die Gesellschaft erhielt ihren jetzigen Namen.

Juli 2016: Element of Crime im Antoniushaus.

Gegenüber unserer Redaktion bestätigt Kotz, dass er sowohl das Areal mit dem Antoniushaus als auch angrenzende kirchliche Flächen am Mühlweg und in der Haberlstraße in Erbpacht übernehmen werde, um dort Geschosswohnungen zu errichten. Auch mit der Planung und dem Neubau des Kindergartens will die Pfarrgemeinde das Unternehmen beauftragen und eben mit der Sanierung des Antoniushauses, die teils über den Verkauf der Wohnungen und eben über die neue Pacht finanziert werden soll. Kotz rechnet mit Sanierungskosten für das Antoniushaus von etwa drei Millionen Euro.

Geschlossen bis mindestens Mitte 2019

Doch bis wirklich etwas passiert, dauert es noch ein Weilchen. Kotz rechnet damit, dass es bis zum Ende des Jahres dauert, ehe die notwendigen Genehmigungen vorliegen und die Arbeiten beginnen können, die dann bis Mitte/ Ende 2019 dauern werden. Und dann wird man sehen, was zu den neuen Konditionen möglich ist – und was nicht mehr. So wie es aussieht, wird neben dem Marina-Forum aber ein zweites hochpreisiges Veranstaltungszentrum entstehen.

Treml wird sich derweil auf sein anderes Standbein – die Jahnhalle in Regenstauf – konzentrieren. Bitter für ihn: „Das, was wir selbst ins Antoniushaus investiert haben, hat sich noch längst nicht amortisiert. Auf diesen Kosten bleiben wir sitzen.“

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Kommentare (10)

  • joey

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    Sanierungskosten für energetische Verbesserung, Brandschutz etc.: das alte Gebäude ist in der Regel nur noch Rohbauwert abzgl. Abbruchkosten/Rückbau. Wenn auch noch statische Verbesserungen erforderlich sind, nähert man sich ziemlich den Neubaukosten.

    Das Geld muß irgendwoher kommen, die Pacht steigt also sicher. Ob man dazu einen Projektentwickler braucht…

  • Mr. T

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    Weil die stinkreiche Diözese die Pfarrgemeinde am ausgestreckten Arm absaufen lässt. Beim Verhökern dann aber wieder die Finger mit drin haben. Wer denen auch nur einen Cent schenkt, um sich den Platz im Himmel zu sichern, der gehört sich eigentlich so lange mit der Scheißhausbürstn auszunten bis er selber schmeckt, was an dem Verein so stinkt!

  • Petra Hartl

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    Kirche und Investor auf Erbpacht, haha. Frei nach dem Voltaire-Bonmot: „Wenn Sie einen Investor aus dem Fenster springen sehen, hüpfen Sie hinterher, es gibt sicher dabei etwas zu verdienen.“ Das Antoniushaus mit Gastwirtschaft ( man muss ja das Interieur nicht unbedingt lieben ) ist ja noch eines der wenigen sozialen Glanzlichter im sonst so öden Ostenviertel.

  • Rosalia Genoveva ; )

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    Jetzat fehlt eingtlich nur no eine Überbauung des Fürstlichen Schlosses mit netta 20 Stockwerken. Schaut sunnst in fuffzig Jahr wie eine mickrige Kleinbehausung aus zwischen lauter Veranstaltungsmonster-Ruinen…

    Der Fazi is net da. Der tuat Immobilien entwickeln.
    Drum messt er den Altar in unserer Kirch ab, ob da ein schnuckeligs Haus draufgangert, des was man patentiern lassen könnt. Mit einer Fassade, wo man Filme draufbeamen kann.
    Nachher provoziert man jeden Sonntag in alle Kirchen Filme drauf mit Priester, die was a Messe halten, und keiner merkt was davon, weil sich die alten Leut eh keine Brille nicht mehr leisten können.
    Und die Pfarrer können daweil in Ruah denna Immobiliengötter die neuchesten Erbpachten verkünden.

    Und während der Woche könntatens nachher in Ruhe des viele Geld in Kloanpackerl zum Vatikan schicken. Weil die hungern ganz viel dort. Die haben nicht amoll was zum Anziehn, müssn immer in die alten gstickten Seidenleintücher rumlaufen, die armen Würscht. Und der Papst hat vor lauter Armsein sich amoll die roten Schuach von an Gockel ausborgen müassn bei einer Schau.
    Wenn man das Ausmaß an Armut sieht, bleibt einem nur mehr das Gehen mit den 12 Immobilienaposteln, weil auf diesem Fels sollst du deine KIrche bauen.

  • Herr Schade

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    Mir tut es für Treml Senior und Treml Junior leid. Ich hatte einige Veranstaltungen dort und war immer sehr zufrieden. Es wurde in den letzten Jahren sehr viel in Licht und Sound investiert und ich war immer sehr zufrieden! Mit der neuen Pacht wird wahrscheinlich alles teuerer und wir als Veranstalter (Abschlussfeier) werden uns es vielleicht nicht mehr leisten können, uns dort einzumieten!

  • Ratisponicus

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    Was ist da eigentlich mit dem Denkmalschutz?
    So viel typische Bauten mit so ausgefallener 50er-Jahre Architektur haben wir nun auch nicht in Regensburg.
    Mit einem Dr. Egon Greipl hatten es die Investoren nicht so leicht, wie mit dem amtierenden Kulturverrat Lunger.

  • idefix

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    Das Antoniushaus ist Gott sei Dank als ein Beispiel einer hervorragenden Nachkriegsarchitektur in die Denkmalschutzliste der Stadt Regensburg eingetragen. Architekt war Karl Schmid jun., sein Vater Architekt der Antoniuskirche.
    D-3-62-000-1519: „Mühlweg 13. Antoniushaus, asymmetrisch angelegter Saalbaukomplex der Pfarrei St. Anton mit Gaststätte, traufständiger Pultdachau in Stahlbeton-Skelettbauweise, z. T. mit Klinkerausfachung, östliche Längsseite verglast, 1953-55 von Karl Schmid jun.“
    Es ist zu hoffen, dass an die dringend notwendige Instandsetzung des Antoniushauses genau die strengen Maßstäbe des Denkmalschutzes wie beim historischen Marina Forum
    angelegt werden.
    Bedauerlich ist, dass das früher weitgehende von großzügigen Freiflächen umgebene und frei stehende Antoniushaus immer mehr eingebaut wurde (Kindergarten, Pfarrheim) und nun auch weiter durch den Bau der benachbarten Geschosswohnungen an der Haberlstraße seine städtebauliche Dominate verliert. Es wird durch die Investorenlösung zur architektonischen Beliebigkeit degradiert. Doch dies scheint ja zwischenzeitlich trotz eines Gestaltungsbeirats ein Merkmal der Architektur in Regensburg sein, das der zwanghaften Verdichtung zu Lasten der wichtigen Freiflächen das Wort redet (siehe geplantes RKK). Wo bleiben die „Atmungsflächen“ für die Menschen, die in Regensburg wohnen und sich dort bewegen?
    Für den Bestand und die langjährige Führung des Antoniushauses hat sich Herr Treml dank der Initiative des früheren Stadtpfarrers Karl Wohlgut große Verdienste erworben, wofür ihm zu danken ist. Schade, dass ihm jetzt das Investorenmodell zum Verhängnis wird und er sich die teuere Pacht nicht mehr leisten kann.
    Vorbei werden nach einer Instandsetzung auch die Zeiten sein, wo in Regensburg noch günstige Veranstaltungen für viele Bürgerinnen und Bürger sowie Vereine im Antoniushaus stattfanden. Hoffentlich wird die Miete dann nicht so unerschwinglich sein, dass zum Schluss das zentral gelegene Antoniushaus in der Konkurrenz mit Kolpinghaus, Marina-Forum, Continental-Arena und geplantem RKK nicht mehr gefragt ist und leer steht. Ein Denkmal und ein zeitgeschichtliches Architekturbauwerk der Stadt braucht aber eine sinnvolle Nutzung, sonst könnte man auf den Gedanken kommen, es gleich abreißen.

  • Herr Schade

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    @Idefix:
    Das Grün verschwindet immer mehr aus Regensburg: In Regensburg West- zuletzt Roter Brachweg- werden Villen bis fast an die Grundstückgrenze gebaut. Grausame Verstümmelung und ein Pseudoluxus, wenn man zu seinem 400 Quadratmeterhaus nur noch eine kleine Terasse hat. Als Prüfeninger kommt mir da das Kotzen.

  • Immer die Anderen

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    Geiz ist Geil und ist echt zum Ko…., würg.
    =Mit der neuen Pacht wird wahrscheinlich alles teuerer=
    Jeder sollte halt auch den Anderen etwas verdienen lassen.
    Die Schnäppchenjagd ist ein übel und hat gar nichts mit sparen zu tun. Allenfalls Qualität sowie Personal leidet und die Umwelt wird geschädigt =Grün verschwindet immer mehr=

  • R.G.

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    @Immer die Anderen

    In deutschsprachigen Ländern ist es eher üblich, den eigenen Großstadtbewohnern in Begegnungszentren (Bezirks- und Kirchenzentren) gratis (bzw. gegen Putzen) bis sehr günstig Räume und Säle zur Verfügung zu stellen, für nicht kommerzielle Veranstaltungen.
    Damit hofft man Gruppenbildungen, Vereinsleben und gutes Zusammenleben zu fördern.

    Häufg banden sich Pfarren freiwillig bei Bier und Softdrinks an einen Konzern, wenn dieser dafür eine hochwertige und professionelle Küchenausstattung mit Kühlung und Gastro-Kaffemaschine schenkte. Wurden gegen Kostenersatz Getränke ausgegeben, war man für … Jahre an den Belieferer gebunden.
    Aß man bei einem Treffen selbst mitgebrachten Speisen, hatte man keine vertragliche Verpflichtung.

    Alternativ mietete man eine Gaststätte ein und bot die Säle zu günstigem Preis für Veranstaltungen an.

    Von Gier und Geiz kann man daher seitens der Bürger in Regensburg doch wirklich nicht sprechen.
    Wohl aber sehe ich Unersättlichkeit bei den reichen Diözesen, sie scheinen nicht begriffen zu haben, dass die Gläubigen sich für die dauernden Spenden auch Anteil an ihren Lebensproblemen erwarten, eines der größten ist für Städter die Einsamkeit.

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