Demo überreicht Gedenktafel

Seit Samstag gibt es sie – eine Gedenktafel für Klaus Peter Beer am Vilssteg in Amberg. Bei einer Demonstration der verdi-Jugend, an der rund 250 Menschen teilnahmen, übergab der Bezirksvorsitzende Manfred Hellwig die Tafel symbolisch an die Stadt. Es ist die erste sichtbare Erinnerung an Beer, der hier vor 15 Jahren von zwei Neonazis umgebracht wurde. Fragt sich, ob die Tafel lange am Vilssteg bleiben wird: Bereits am Samstag versuchten rund 40 Neonazis die Übergabe zu stören und die Demo anzugreifen. Die Polizei ging dazwischen und verhinderte eine direkte Konfrontation, ein Vorfall, der im offiziellen Polizeibericht keine Erwähnung findet. Nur wenige hundert Meter weiter versammelte sich die Gruppe, ein Sammelsurium aus autonomen Nationalisten und NPD-Mitgliedern, anschließend in unmittelbarer Nähe der Demoroute vor dem Pilspub 500, einer stadtbekannten Rechtsrockkneipe (Foto). Die Polizei ging mit Bereitschafts- und USK-Einsatzkräften dazwischen, drängte die Neonazis in den Innenhof des Pilspubs zurück und verhinderte – mit Schlagstockeinsatz – Ausbruchsversuche einzelner Demonstrationsteilnehmer. Es flogen Feuerzeuge, Kastanien, Eier und ein Feuerwerkskörper. Ein Polizeibeamter wurde leicht verletzt, ein älterer Mann aus Reihen der Rechtsradikalen erlitt einen Kreislaufkollaps; er hatte bereits zuvor versucht, die Übergabe der Gedenktafel zu stören. Der Rest der Demonstration, die nahezu ununterbrochen von der Polizei gefilmt wurde, verlief friedlich. Bei der Abschlusskundgebung am Marktplatz kritisierte der Bezirksvorsitzende der verdi-Jugend Stefan Dietl erneut die in Amberg praktizierte „Politik des Verdrängens und Ignorierens“. Das gelte sowohl für die Gegenwart, wie für die Vergangenheit. Während man aktuell die Existenz einer rechtsradikalen Szene in Amberg leugne – entsprechende Aussagen gibt es von Oberbürgermeister Wolfgang Dandorfer –, setze man sich auch nicht offen mit der NS-Vergangenheit von Amberg auseinander. Als Beispiel nennt Dietl das unkommentierte Porträt von Josef Filbig im Amberger Rathaus. Von 1933 bis 45 war Filbig Bürgermeister und Statthalter der NSDAP in Amberg, 1952 wurde er erneut zum Oberbürgermeister der Stadt gewählt, damals für die Rechtsaußen-Partei „Deutsche Gemeinschaft“. „Die Faschisten nutzen diese Ignoranz und bauen ihre Strukturen immer weiter aus“, so Dietl. Eine Meinung, mit der er nicht allein ist. Das Bürgerforum Gräfenberg, für sein Engagement gegen Rechtsextremismus mehrfach ausgezeichnet, unterstützte die Demonstration ebenso mit einer Solidaritätsnote wie der Zusammenschluss „Nordbayerische Bündnisse gegen Rechts“. „Biedermännisches Ignorieren und Wegschauen bringt nichts“, heißt es darin. „Wenn alle Kommunen so wie Amberg schweigen würden, würde sich der Rechtsextremismus deshalb nicht in Luft auflösen.“

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Kommentare (10)

  • StuhloderSessel

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    Eine Frechheit, das Einsatzkonzept der Polizei, welches offensichtlich die Politik der Amberger Stadtoberen ohne wenn und aber durchzusetzen bereit ist.
    Während der Reden (und der Schenkung der Gedenktafel an die Amberger BürgerInnen) am Vilssteg war für die antifaschistischen Teilnehmerinnen laut hörbar ein „hier marschiert der nationale Widerstand!“ zu vernehmen.
    In unmittelbarer Nähe zur Gedenkkundgebung hatten sich, offensichtlich unter Polizeischutz, mind. 30 Nazis zusammengerottet, dieselben Nazis, die 15 Minuten später versucht haben die antifaschistische Demonstration anzugreifen.

    Während die Polizei die Nazis zurückschubst, werden die v.a. jungen Menschen, die sich kettenbildend vor Übergriffen schützen, mit Schlagstöcken (umgedrehte Tonfas) und „Gliedtritten“ (Gezielte Tritte in die „Weichteile“) traktiert. Auch Pfefferspray darf nicht fehlen.

    Man male sich aus, was mit DemokratInnen und AntifaschistInnen passiert, wenn sie in solcher Manier versuchen, Nazidemonstrationen anzugreifen. Unvorstellbar bzw. immer wieder mit roher Polizeigewalt, Massenverhaftungen und -erniedrigungen beantwortet.

    Es ist absolut unfassbar, wie hier am Samstag ein antifaschistisches Gedenken gewaltätig angegriffen und damit in den Schmutz gezogen wurde.
    Der besonnenen aber entschlossenen Reaktion der DemoteilnehmerInnen ist es ausschließlich zu verdanken, dass weder Nazis noch die in großen Teilen unverschämte Polizei (ständige Beleidigungen, sexistische Sprüche, Abfilmerei, Schubsereien und Eskalierungsversuche), die Demonstration weiter stören und eskalieren konnten.
    Die erklärte Haltung des OB Dandorfer „Recht auf kritische Teilnahme auch für das rechte Spektrum auf einer antifaschistischen Demonstration“ wurde ohne Rücksicht auf Verluste durchgesetzt. Da sind so einige Masken gefallen, am Samstag in Amberg.

    Umso erfreulicher die große Teilnahme an der „Genug ist Genug“-Demonstration. Spaltungsversuche durch OB, Staatsschutz und Polizei im Vorfeld und während der Demo, liefen offensichtlich ins absolute Leere.

    Auch die ca. 80 RegensburgerInnen die sich nach Amberg aufgemacht haben, bunt gemischt und gut gelaunt, waren sehr erfreulich. Eine Hand wäscht die Andere, Antifaschismus überregional – sehr wirksam.
    Auch die sonstige Presselandschaft berichtet überraschend ausgewogen, da scheint dem Einen oder der Anderen ein Licht aufzugehen in der Vilsstadt.

    Jetzt heißt es nachlegen: Die Politik des Verdrängens und Ignorierens nützt nur den Nazis und ihrer gefährlichen Organisierung. Ein besseren Beweis als diesen Samstag gibt es nicht.
    Hochachtung für die mutigen Organisatoren von verdi-Jugend und örtlicher Antifa. Politisch-taktisch 1a. Schonungslose Kritik, überlegtes Handeln und eine offensive, nicht nur reagierende, Demonstration.
    Merci.

  • paul

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    was mich an der geschichte unglaublich aufregt ist der satz:

    „Die Polizei ging dazwischen und verhinderte eine direkte Konfrontation, ein Vorfall, der im offiziellen Polizeibericht keine Erwähnung findet.“

    da ich ja schon länger hier in regensburg lebe, und auch mit länger vergangenen vorfällen aus dem bereich schwandorf amberg-weiden vertraut bin, wird dagegen wohl in epischer breite dargelegt sein, wie die bösen linken die friedlichen rechten angegriffen haben.

  • Marion Puhle

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    Die Polizei zeigte sich am Samstag in Amberg hochagressiv und inkooperativ. So war die am Rande mitlaufende Polizei darauf aus, Leute aus der Mitte des Demonstrationszuges zu ziehen, weil sie angeblich gegen das Vermummnungsverbot verstoßen haben. Mein Eindruck am Samstag war, dass die Polizei die Eskalation suchte. Alle Störmanönnover der Polizei liefen ins Lerre, weil die linken DemonstrantenInnen sich haben nicht spalten lassen und solidarisch zusammenstanden. Als absolute Frechheit muss die auf den friedlichen Demozug stoßende „rechte Truppe“ bezeichnet werden. Offensichtlich sollte das Zusammentreffen zwischen linken DemonstrantenInnen und den Nazis provoziert werden.

    Der Amberger Stadtspitze und der Einsatzleitung der Polizei sei ins Stammbuch geschrieben, dass durch solche Störmannöver eine antifaschistsische Bewegung nicht zu spalten ist.

    Marion Puhle

  • Stefan aus der Oberpfalz

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    Hätten die b B. doch die Faschos zu uns durchgelassen! m Mit denen wären wir doch fertig geworden.Die hätten ihre Packung gekriegt.Am Samstag waren wir doch so viele,dass die doch den B.-Schutz nötig gehabt hätten!Nicht wenige von uns hatten drauf gewartet, daß die Faschos versuchen,uns azugreifen-aber die Nazis wussten schon, das besser bleiben zu lassen.Die Demo war ein Erfolg-hoffentlich gibts bald die nächste in Amberg!
    Das dieser Nazi- Abschaum die Gedenktafel schändet, davon war doch auszugehen.

  • Politischer Diskurs

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    @Stefan aus der Oberpfalz
    Dieser Beitrag könnte genau so, einschließlich der pisa-angekränkelten Orthographie, in einem NPD-Blog stehen. Hier wie dort nur Friedensfreunde und aufgeklärte Demokraten. Wenn das das Ergebnis der „reeducation“ ist, dann sollten die hier noch stationierten Reste jener Staaten gleich nochmal damit anfangen.

  • Stefan aus der Oberpfalz

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    Hallo politischer diskurs,hoffe,der herr oberlehrer verzeihen meine orthografie.herr feinschmecker hat anscheinend keine anderen sorgen.waren Sie auf der Demo? muß ja sehr unter Ihrem niveau gewesen sein , bei so viel dort anwesenden proleten wie mich

  • Politischer Diskurs

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    @Stefan aus der Oberpfalz, 19.10.10/10.10.44h
    Ich werde keinesfalls das Bild Ihrer Selbsteinschätzung in Frage stellen.

  • Die braune Perle der Oberpfalz | Regensburg Digital

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    […] ver.di-Jugend nahm dies zum Anlass, der Stadt eine Gedenktafel zu stiften und diese im Rahmen der Demonstration, die von Angriffen und wütenden Protesten zahlreicher Neonazis begleitet wurde, an der Vilsbrücke […]

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