02 Sep2010

Kunduz-Massaker als Sinnbild
„Vielen ist noch immer nicht klar, dass sich Deutschland im Krieg befindet“, konstatiert Pflüger. Afghanistan ist weit weg. Deshalb seien die Folgen dieses Krieges in Deutschland nicht direkt spürbar. Erst dann, wenn Bundeswehrsoldaten töten oder selber getötet werden. 4.500 deutsche Soldaten sind derzeit in Afghanistan im Einsatz. „Sie haben den Ruf, besonders hart aufzutreten.“ Als Sinnbild für die wichtige Rolle der Bundeswehr in Afghanistan bezeichnet Pflüger das Massaker von Kunduz. Bundeswehr-Oberst Georg Klein hatte am 4. September 2009 das Bombardement zweier Tanklastzüge angeordnet. Über 100 Menschen kamen dabei ums Leben. Die meisten waren Bewohner der umliegenden Dörfer, die Benzin abzapfen wollten. Fünf Mal hatten sich die angeforderten US-Piloten zuvor geweigert, die Bomben abzuwerfen. Klein bestand darauf. Was er getan habe, sei eigentlich Mord so Pflüger. Entsprechende Ermittlungen durch die Bundesanwaltschaft wurden allerdings eingestellt. Eine Rüge durch die Bundeswehr gab es nicht. „Intern wird Klein als Held gefeiert. Er wird sicher Karriere machen“, so Pflügers Überzeugung. Mit dem Kommando Spezialkräfte (KSK) sei zudem eine demokratisch nicht legitimiert und jeder parlamentarischen Kontrolle entzogene Bundeswehreinheit in Afghanistan im Einsatz, die auch an gezielten Tötungen beteiligt sei. „Das ist nichts anderes als heimtückischer Mord.“Zunehmende Militarisierung
Als innenpolitischen Folge des Afghanistan-Kriegs macht Pflüger in Deutschland eine zunehmende Militarisierung der Gesellschaft aus. Die geplante Aussetzung der Wehrpflicht und damit einhergehende Umstrukturierung der Bundeswehr sei vor allem dem Motiv geschuldet, die Truppe „effektiver und kampffähiger“ zu machen. „In Afghanistan geht es nur noch um Aufstandsbekämpfung“, so Pflüger. Dafür brauche man „völlig überzeugte Soldaten“. Entsprechend werde „verschärft rekrutiert.“ Kooperationsvereinbarungen zum Einsatz von Jugendoffizieren an Schulen gibt es in immer mehr Bundesländern, ebenso Werbung für die Bundeswehr an Arbeitsagenturen. „Schon heute kommt – mangels anderer Berufsperspektiven – ein Großteil der Soldaten aus Ostdeutschland. Pflüger zufolge sind es in Afghanistan 66 Prozent der unteren Dienstgrade. Michael Wolffsohn, Geschichtsprofessor an der Universität der Bundeswehr, hatte in diesem Zusammenhang erst kürzlich von einer ostdeutsch dominierten „Unterschichtenarmee“ gesprochen.DIHK-Präsident: Militär soll Handelswege sichern
