Gegen Radikale, egal welcher Art?

Erfolgreich: Promis sammeln Unterschriften gegen Nazis.
„Sympathieträgertreffen“. Unter dieser Überschrift hat das Bündnis „Keine Bedienung für Nazis“ am Mittwoch die Medien eingeladen. Eine Runde von Polit-Promis und Verbandsvertretern ist gekommen, um die vor einigen Wochen gestartete Aktion mit einem Rundgang durch mehrere Kneipen zu unterstützen und dort weitere Unterschriften bei den Gastronomen zu sammeln. Auf wenigstens 100 soll die Zahl heute erhöht werden. Um es vorweg zu nehmen: Das klappt problemlos, auch wenn einige Bedienungen und Wirte sichtlich um Fassung ringen, als der Pulk aus gut und gerne 25 Menschen – Presse, Promis und Organisatoren – in ihr Lokal kommt und unter Blitzlichtern um Stempel und Unterschrift für den Aufruf bittet, der „ein starkes Signal nach außen setzen“ soll, wie es Bündnissprecher Juba Akili formuliert.
„Gegen Radikale, egal welcher Art“. Michael Scharf vom Hotel- und Gaststättenverband.
Vom Erfolg ihrer Unterschriftensammlung, die als Reaktion auf einen Naziüberfall auf das Cafe Picasso ins Leben gerufen wurde, sind die Aktivisten sichtlich beeindruckt. Nazis und Rassisten sollen nicht bedient werden – darin sind sich, betrachtet man die gesammelten Unterschriften, immer mehr Gastronomen einig. Das Echo in den Medien fällt breit aus. Außerdem „stärkt die Aktion den positiven Ruf, den Regensburg in der Welt hat“, freut sich Irene Spießl von der Regensburg Tourismus GmbH.

Hat sein Schild schon lange: Martin Seitel vom Kolpinghaus.
Die Vorstellungsrunde der Sympathieträger wird denn auch von viel gegenseitigem Lob, Glückwünschen und Beifall begleitet. SPD-Fraktionschef Norbert Hartl, der in Vertretung des Oberbürgermeisters gekommen ist, bezeichnet es als „Selbstverständlichkeit“, sich gegen Nazis und Rassisten auszusprechen. Ins selbe Horn stößt das Gros der Teilnehmer, von denen es Stadtrat Ludwig Artinger (Freie Wähler) mit „Null Toleranz für alte und neue Nazis“ am deutlichsten auf den Punkt bringt. Diese so demonstrierte Einigkeit und Solidarität will denn auch niemand stören, als Michael Scharf vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband den Aufruf kurzerhand in „Gegen Radikale, egal welcher Art“ umwidmet. Auch er erntet für sein Statement Applaus. An einem sichtbaren Zeichen für die beteiligten Lokale – Aufkleber, Schild oder Logo – arbeitet das Bündnis noch. Ob es ebensolchen Erfolg haben wird wie die Unterschriftensammlung, wird sich zeigen. Ein Gastronom, der am Mittwoch ebenfalls unterschreibt, hat schon seit langem sein ganz persönliches Schild. „Mein Freund ist Ausländer“ steht darauf und Martin Seitel hängt es schon lange an exponierter Stelle Kolpinghaus auf, um von Anfang an klarzustellen: Nazis und Rassisten sind bei ihm unerwünscht.

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Kommentare (16)

  • Neuromancerr

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    Prinzipiell finde ich die Aktion ja gut!
    Aber der Rundgang mit den „Sympathieträgern“ hat auch schon etwas erpresserisches.
    Da wird schon gerne mal gesagt: Weißt Du dass Kneipe XY nicht unterschrieben haben. (tatsäclich passiert)
    Außerdem stehen auf dieser Liste Kneipen die unterschrieben haben und die ein höchst fragwürdiges Publikum haben. Herrn Würstchen z.B.
    Deswegen halte ich es für berechtigt die Frage zu stellen:
    Ist Antifaschismus momentan en vogue?

  • Stefan Spieß

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    Herr Aigner, sind sie unter die Humoristen gegangen? „Polit-Promis“? Geil.

  • Iris soumer

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    @Neuromancerr:
    „Da wird schon gerne mal gesagt: Weißt Du dass Kneipe XY nicht unterschrieben haben. (tatsäclich passiert)“

    Ich frage mich jetzt, ist jeder andere Barbesitzer jetzt Nazifreundlich und muß gemeidet werden und wenn man in eine solche nicht ausgewiesene Bar reingeht jetzt automatisch ein Nazifreund und wird schräg angeschaut?

    Ist Antifaschismus momentan en vogue?
    Tja…..

  • Bernhard Segerer

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    Ich hätte überhauptnichts dagegen, wenn Antifaschismus en vogue werden würde.
    Es sollte doch wohl das normalste auf der Welt sein, daß man Antifaschist ist.

  • Hännzl

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    Ich hab selbst geholfen für diese Aktion Unterschriften zu sammeln.
    Ich halte das für eine gute Sache und es freut mich, dass so viele WirtInnen dabei sind. Und sicherlich ist es nicht schlecht, wenn ‚Polit-Promis‘ ihre regionale Popularität nutzen, um dies zu unterstützen.
    Allerdings kommt es mir schön langsam so vor, als ob einige ‚Polit-Promis‘ die Situation nutzen würden, sich in den Medien in Szene zu setzen. Wow! Herzlich willkommen liebe TrittbrettfahrerInnen! Genau dafür haben wir die Aktion gemacht. Aber das nächste Mal könntet ihr ja auch selbst was machen! Das wär doch mal ne Idee! Mir fielen da noch viele Regensburger Baustellen ein, für die ihr euer Gesicht in die Kamera halten könntet: Kindergärten, Asylbewerber, Sozialticket… Zugegeben: Das ist natürlich nicht ganz so leicht, wie ‚gegen Nazis‘ zu sein! Da müsste man ja auch gegen Widerstände argumentieren. Aber ich verspreche euch: Wir kommen dann und klatschen Beifall!

  • En vogue

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    Es hat sich auch zugetragen, dass der zukünftige Polit Promi, seines Zeichens Sprecher des Bündnisses, Leuten gehörig verbal den Hintern versohlt hat, weil sie für ihr abgelegenes Mini Café, in dem abends nur noch eine einzige Frau bedient, aus Sorge um die Bedienung keinen Aufkleber wollten.

    Ich bin dennoch wirklich froh, dass auch in diesem Herbst wieder eine KP/ BfN Aktion statt findet. Und dass sich nicht Promis wie mein Vorschreiber dabei einbringen konnten.

    Das Statement von Michael Scharf müsste man jetzt natürlich im Zusammenhang kennen… ich hoffe, er setzt nicht Linksradikalismus mit Rechtsradikalismus gleich und outet sich somit als radikaler Konformist :D

  • gifthaferl

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    Welche Art „Radikale“ – außer eindeutig dem Neonazispektrum zugehörige – laufen eigentlich noch regelmäßig durch Regensburg, pöbeln Leute an, bedrohen sie und schlagen auch mal jemand zusammen, der ihren Meinungen nicht zustimmt, und sich gegen sie stellt?

    Fanatische Nichtraucher, oder wer?

  • StuhloderSessel

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    Schon witzig…
    Wo war denn der Juso-, SPD-, Spieß-, Arbeitgeberladen, als am 03.09.09 per Blockade, also zivilem Ungehorsam, den Nazis die mit der Stadt auspaldoverte Route versaut wurde? Wo waren denn dieselben, als sich dann AntifaschistInnen vom bayerischen USK wie ein Stück Vieh behandeln lassen mussten?
    Wo war denn der Hartl und seine Jusos, als AntifaschistInnen gefragt haben, die Aufmarschroute der Nazis zu veröffentlichen?
    Wo waren diese „Sympathieträger“ 2004 und 2005, als antifaschistische Jugendliche gegen die nazistische Organisierung vorgehen? Wollbergs hat sich 2005 ja distanziert von den bösen Antifas.
    Was für ein typischer regensburger Aufstand der Anständigen. Ich kann gar nicht so viel fressen…

  • Stuhl

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    Du hast Recht, aber da Spieß war da.

  • Klappstuhl

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    Achja, es war übrigens am 3.10.09* klugscheiß*

  • Sepp

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    Was haben den auf einmal alle gegen Radikale ????
    Ich selber bin auch radikal . Ich hasse z.b Menschen und zwar alle. So und jetzt ?
    Ich finde Radikale sind das Gewürz einer Gesellschaft . Eine Gesellschaft ohne Radikale wäre ja voll der Einheitsbrei….. So ein bisschen Nazis oder Linke oder extremistische Christen oder Konservative oder CDUler bzw. SPdler haben noch keinen geschadet. Ein bisschen Menschenverachtung ist manchmal gar nicht so schlecht. Wie heißt es so schön: Wegen ein bisschen Totschlag werden wir doch nicht gleich sterben….

  • Klappstuhl

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    Hallo Sepp, der Unterschied zw radikalen linken und radikalen rechten ist genau die menschenverachtende Ideologie, die dahintersteckt…. Ein rechtsradikaler hasst jemanden aufgrund seiner Herkunft oder Gene. Das empfindet man allgemein als schlimmer, als einen linksradikalen, der eine radikale systemveränderung wuenscht.

  • Noch ein Sepp

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    @ Klappstuhl (06,09.)
    „Menschenverachtende Ideologie“ ist das (positive?) Unterscheidungskriterium zwischen dem „rechten“ und dem „linken“ radikalen Narrensaum!?
    Dann ab in die Nutzanwendung dieses Differenzierungsschemas:
    „Haut die Glatzen auf die Glatzen bis sie platzen“: keine menschenverachtende Ideologie.
    „Linkes Gezeter-neun Millimeter“: menschenverachtende Ideologie.
    „KL/KZ“: menschenverachtende Ideologie.
    „Gulag“: keine menschenverachtende Ideologie.
    „Zwangspsychiatrie“ (z.B. Sacharow): keine menschenverachtende Ideologie.
    „Aktion T4“: menschenverachtende Ideologie.
    „Angriffe auf ausländische Mitbürger“: menschenverachtende Ideologie.
    „Blockade genehmigter ‚Rechts-Demos'“: keine menschenverachtende Ideologie.
    Verfassungsgrundrechte gelten für alle, außer „Nazis“: keine menschenverachtende Ideologie.
    „Wir sind das Volk“: menschenverachtende Ideologie.
    „Kolonialismus“: menschenverachtende Ideologie.
    „Weiße raus aus Südafrika, Tansania etc.“: keine menschenverachtende Ideologie.
    Und dergleichen mehr …

  • grace

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    Und erst die … freien Radikale!

  • gifthaferl

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    @ Seppen

    Bei euch bleibt ja praktisch niemand übrig, der nicht radikal wäre – das ist im Ergebnis irgendwie ausgesprochen nichtssagend.

    Das zeigt uns immerhin, dass radikal saublöd rumschwafeln vollkommen ohne Hirn geht – wie Schlägern – radikal denken, also etwas bis an die Wurzel komplett durchdenken, so mit Verstand und System, hingegen weniger – zum Beispiel, was man als „menschenverachtend“ bezeichnen kann.

    „Ich selber bin auch radikal . Ich hasse z.b Menschen und zwar alle. So und jetzt ?……
    ……….Wie heißt es so schön: Wegen ein bisschen Totschlag werden wir doch nicht gleich sterben….“
    Sepp
    Aha, und wie viele hast du schon totgeschlagen, oder versucht, das zu tun?

    Diese ganzen „Radikalen“, die ihr zu erwähnen beliebt, laufen also in Regensburg rum, schlägern und pöbeln – zusätzlich zu den Naziskins?

    Warum allerdings kriegt das offensichtlich niemand mit?
    Erstaunlich.

  • Stefan D. Christoph

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    @StuhloderSessel: Berechtigte Kritik in allen Ehren. Aber ich kenne genug von dem „Juso-, SPD-, Spieß-, Arbeitgeberladen“, wie du sie nennst, die am 3. Oktober in der Regensburger Innenstadt die Nazis mitblockiert haben. Wie ging der gute alte Spruch: „Wenn man keine Ahnung hat, einfach Mal….“

    Ansonsten find ich es sehr schade, dass ich als radikaler Demokrat wohl künftig nicht mehr in Regensburgs Kneipen willkommen bin.

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