Der Neue – GANZ der Alte …

Offenbar stimmt die Chemie: Hans Schaidinger, Joachim Wolbergs. Regensburgs Oberbürgermeister Hans Schaidinger (CSU) siegte am Sonntag in der Stichwahl ganz knapp gegen den SPD-Herausforderer Joachim Wolbergs. Die Wahlbeteiligung war sehr niedrig (unter 42 Prozent!), das Stimmenplus des Amtsinhabers mit unter 2.000 Stimmen denkbar knapp – und so ist der neue Oberbürgermeister der alte – ganz der alte, denn: die massiven Stimmenverluste des OB begründete er sogleich mit Kampagnen, die gegen ihn gefahren worden seien, und, natürlich, mit den Medien, die sich daran beteiligt hätten. Die Spannung war greifbar am Sonntag im Thon Dittmer-Palais am Haidplatz in Regensburg. Die Stadtverwaltung sorgte wieder (wie vor zwei Wochen, damals allerdings im Leeren Beutel) für die laufende Bekanntgabe der Auszählungen, viele politisch interessierte Bürger und natürlich Politiker selbst waren gekommen, um das Ergebnis aus erster Hand zu erfahren. Die beiden Hauptpersonen allerdings kamen erst, als das Ergebnis feststand – wie immer bei solchen Ereignissen. Man verdaut das Ergebnis im Privaten, rüstet sich – und ab vor die Kameras. Vorerst aber hieß es warten. Um 18.14 Uhr kam das erste Ergebnis: 51,6 Prozent für den Amtsinhaber, 49,4 Prozent für Herausforderer Wolbergs. Die SPDler hofften nun, dass ihr Mann in der fortlaufenden Auszählung das Rennen macht, die CSUler hofften, dass ihrer den Vorsprung ausbaut. Obwohl: mancher CSUler hoffte gar, Wolbergs würde den OB überholen. Zu tief sind die Wunden, die der innerparteiliche Streit, an dem sich die Öffentlichkeit seit mehr als einem Jahr nun delektieren darf, geschlagen hat. Skurril.
Amtsinhaber Hans Schaidinger zog seiner Frau eine ROTE Jacke aus …Joachim Wolbergs hat den OB-Sessel um 1.810 Stimmen verfehlt.
Um 18.20 Uhr dann, es sind 132 Stimmbezirke ausgezählt, hat Schaidinger seinen Vorsprung etwas ausgebaut, um 18.25 Uhr sind es, bei 150 Stimmbezirken, 47,8 Prozent für Wolbergs und 52,2 Prozent für Schaidinger. Um 18.40 Uhr dann das Endergebnis: 52,15 Prozent der Stimmen kann der Amtsinhaber für sich verbuchen, 47,85 Prozent sein Herausforderer – das sind gerade mal 1.810 Regensburgerinnen und Regensburger weniger. Denkbar knapp! Der derzeitige CSU-Fraktionschef Rudi Eberwein zum Ergebnis: „Um 17.45 Uhr sagte ich: Hans Schaidinger erhält 52 Prozent. Ich dachte mir schon, dass das knapp ausgeht.” Um 18.40 Uhr kommt Joachim Wolbergs mit seiner Frau und mit dem Wahlkampfteam der SPD in die Räume des Thon Dittmer-Palais. „Wenn man so knapp dran ist, ist man natürlich enttäuscht. Ich gehe aber davon aus, dass man nun mit uns reden MUSS.” Er spielt damit auf die relativ sorgenfreie Art der CSU an, die in den letzten zwölf Jahren mit Betonmehrheit regierte – und manch andere Meinung einfach wegbügelte. Die Wahlbeteiligung ist auch für ihn „erschreckend. Wir müssen in dieser Stadt wieder ein Klima schaffen, das den Leiten wieder Lust auf Politik macht.” Wolbergs jedenfalls dankte an diesem Abend „allen, die mich gewählt haben, und natürlich auch meinem Wahlteam.” SPD-Stadtrat Norbert Hartl: „Für uns ist das Ergebnis schade, aber für den Amtsinhaber ist das eine Niederlage. Joachim hat jedenfalls super gekämpft!” Christa Meier, SPDlerin, Ex-OB in Regensburg: „Schaidinger hat null Stimmen hinzu gewonnen. Wir haben sehr gut aufgeholt.” Als sie an die Macht kam, war ebenfalls ein CSUler Oberbürgermeister, doch vergleichbar ist für sie die Situation nicht gewesen: „Das war eine ganz andere Ausgangslage.” Margit Wild, SPD-Stadträtin: „Ich hoffe, dass der OB wenigstens Konsequenzen aus diesem Stimmenverlust zieht.” Und sie verweist auf die rund 300 ungültigen Stimmen, die abgegeben worden sind: „Bemerkenswert, wenn man signalisiert, dass man keinen der beiden Bewerber haben will.” Christian Schlegl, CSU-Stadtrat und Wahlkämpfer an Schaidingers Seite, war hocherfreut: „Knapp! Aber kein Wunder bei dem, was manche getrieben haben …” – Er hat seinen Humor nur in der härtesten parteiinternen Auseinandersetzung verloren, mittlerweile aber wieder zu einer gewissen Ruhe zurück gefunden. Auch andere CSUler lächelten nun; es war 18.50 Uhr und der Amtsinhaber kam herein, begleitet von seiner Gattin. Dank seiner Wiederwahl darf nun ein weiterer CSU-Stadtratskandidat ins Rathaus einziehen – wer das ist, entscheidet sich nach heutigem Informationsstand per Losverfahren am Dienstag, denn die beiden CSUler Bernadette Dechant und Josef Zimmermann haben bei der Kommunalwahl am 2. März exakt dieselbe Stimmenanzahl auf sich vereinen können. Für den Oberbürgermeister „macht das Adrenalin das wett, was die letzten vierzehn Tage gewesen ist.” – Er zeigt sich fit, und sofort sieht er den Grund für das knappe Ergebnis nicht in seinem Amtsstil oder in seinem Alleinherrschaftsanspruch in der CSU, sondern in den „vielen Kampagnen, die gegen mich gefahren worden sind. Es haben sich auch viele Medien daran beteiligt; da ist das Ergebnis umso schöner.” Ingrid Pflug, SPD-Wahlkampfleiterin: „Ich verstehe nach dieser Desastershow in der CSU nicht, weshalb ihn die Regensburger immer noch wählen.“ Auch viele CSUler verstehen das nicht – sie gehören zu denen, die dem OB suspekt sind, einfach, weil sie nicht immer auf seiner Linie sind. Oder weil sie zum Kreis derer gehören, die tatsächlich finden, dass der neue Kreisvorsitzende Dr. Franz Rieger seine Arbeit gut, aber eben nicht nur im Sinne des OB macht. Bereits im Thon Dittmer-Palais macht schon die Runde, dass die CSU an diesem Abend in zwei Lokalitäten feiert – und das wiederum wirft ein Licht auf die Landtagswahl. Ob der Kreisvorsitzende im Herbst sein Direktmandat noch hat? Bisher musste Rieger einige Attacken aus dem Schaidinger-Lager abblocken, zuletzt wollten die OB-Unterstützer gar einen CSUler aus dem Landkreis mit dem städtischen Direktmandat bewaffnen – das schmeckte den CSUlern in der einstmals freien Reichsstadt dann doch gar nicht mehr. Schaidinger hin oder her.

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Kommentare (1)

  • Marion Puhle

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    Die 59% Nichtwähler haben es dem einsitgen und jetzigen Amtsinhaber Hans Schaidinger gezeigt. Sie wollen ihn nicht mehr u.z. aus gutem Grunde.
    Ein „Schwarzer Tag“ für Regensburg. Wie es nun weitergehen soll, das verrät uns bestimmt Herr Schaidinger, denn er muss jetzt, ob er will oder nicht, Teamplayerfähigkeiten beweisen und das wird für ihn, nach der 12jährigen Alleinherrschaft in Regensburg und den Politikstil den er so an den Tag legte, nicht einfach.
    Die Stadt Regensburg steckt in einem verheerenden Desaster, dank Herrn Schaidinger!

    Die Spatzen pfeifen es schon von den Dächern, der Krieg in der CSU geht weiter.

    Dank der CSU ( Herr Schaidinger) ist Regensburg bundesweit zu einer Lachnummer geworden und wahrscheinlich wird das auch so bleiben.

    Das ist keine gute Voraussetzung um Regensburg voranzubringen. Herr Schaidinger sollte nach den Stimmverlusten ( verheerendes Wahlergebnis) endlich begreifen, dass die RegensburgerInnen ihn nicht haben wollen. Nehmen Sie ihren Hut, das wäre mal ein toller Charakterzug von ihnen, damit Regensburg auch Regensburg bleibt.

    Marion Puhle

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