Überbietungswettbewerb um Benedikt XVI.

„Die Kirche will kein Papst-Zentrum“

Ob er das gewollt hätte? In Regensburg läuft ein Überbietungswettbewerb in Sachen Papst-Erinnern. Foto: Archiv/ staudinger

Ob er das gewollt hätte? In Regensburg läuft ein Überbietungswettbewerb in Sachen Papst-Erinnern. Foto: Archiv/ Staudinger

Keine Überraschung: Der CSB-Vorschlag für eine Umbenennung des Domplatzes zu Ehren von Papst Benedikt erfuhr am Dienstag einhellige Ablehnung. Am Rande war auch zu erfahren: Den Vorstoß des Veranstalters Peter Kittel für ein „Papst-Besuch-Dokumentationszentrum“ lehnt selbst die katholische Kirche ab.

„Unsinn!“ „Dreist!“ „Völlige Schnapsidee!“ Wieder einmal ist ein Antrag von Christian Janele auf einhellige Ablehnung gestoßen. Wie berichtet hatte der CSB-Einzelkämpfer vorgeschlagen, den Domplatz in „Papst Benedikt XVI. Platz“ umzubenennen. Doch trotz seiner wortreichen Ausführungen im Planungsausschuss vermochte Janele die anwesenden Stadträte am Dienstag nicht von seiner Idee zu überzeugen.

CSU-Stadtrat Josef Zimmermann riet zur Vorsicht. Regensburg habe Joseph Ratzinger bereits die Ehrenbürgerwürde verliehen. „Mit einer darüber hinaus gehenden Würdigung des Lebenswerks wäre ich 34 Monate nach seinem Rücktritt noch etwas vorsichtig.“ Joachim Graf (ÖDP) nahm es süffisant und merkte an, dass es doch mit der B16 schon eine entsprechend benamte Straße gebe, die durch Regensburg führe.

Die Franz-Joseph-Strauß-Alle umbenennen?

Irmgard Freihoffer (Linke) sprach mit Blick auf die vorangegangenen Vorschläge für ein Papst-Denkmal, ein Papst-Dokumentationszentrum und schließlich die Umbenennung des Domplatzes von einem „regelrechten Überbietungswettbewerb“. Für Erheiterung sorgte schließlich Norbert Hartl, der meinte man könne vielleicht nach dem Tod von Joseph Ratzinger eine Straße umbenennen. Anbieten würde sich dafür die Franz-Joseph-Strauß-Allee beim Oberislinger Feld.

Fand erneut keine Unterstützer: Christian Janele. Foto: Archiv

Fand erneut keine Unterstützer: Christian Janele. Foto: Archiv

Ausführlich nahm Oberbürgermeister Joachim Wolbergs zur Diskussion um eine angemessene Erinnerung an den Papst-Besuch vor zehn Jahren Stellung. Entgegen anderslautender Darstellungen werde es keine Papst-Büste irgendwo geben. „Die katholische Kirche schenkt der Stadt ein Kunstwerk, das an den Papst-Besuch erinnert und das wir vor der Schottenkirche aufstellen werden.“ Selbst für die dafür notwendigen Tiefbauarbeiten habe sich ein Sponsor gefunden.

„Es gibt ja mittlerweile schon Verleger, die sich dazu äußern.“

Allen darüber hinaus gehenden Vorschlägen werde man in Abstimmung mit der katholischen Kirche nicht näher treten. „Es gibt ja mittlerweile schon Verleger, die sich dazu äußern“, so Wolbergs mit Blick auf den Kampagnen-Versuch von Peter Kittel. Der Veranstalter und Ausrichter des Papst-Besuchs vor zehn Jahren wollte via Mittelbayerische Zeitung ein „Papst-Besuch-Dokumentationszentrum“ ins Gespräch bringen und hatte dafür eigens zwei CSU-Stadträte zu einer Exkursionsfahrt ins thüringische Steinbach eingeladen, wo ein paar Schautafeln und Videos an den dortigen Papst-Besuch erinnern.

Abgeblitzt: Der Vorstoß von Peter Kittel stößt laut Wolbergs selbst bei der katholischen Kirche auf Ablehnung. Foto: Archiv

Abgeblitzt: Der Vorstoß von Peter Kittel stößt laut Wolbergs selbst bei der katholischen Kirche auf Ablehnung. Foto: Archiv

Sicher ein Riesending für die 550-Seelen-Gemeinde, doch nicht für Regensburg, wie Wolbergs am Dienstag erklärte: „Die katholische Kirche ist der Ansicht, das es kein Dokumentationszentrum braucht, weil es bereits ein Papst-Benedikt-Institut bei uns gibt.“ Auch die Umbenennung des Domplatzes stehe für die katholische Kirche nicht zur Debatte, so der OB. „Ganz abgesehen davon, dass man Papst Benedikt vielleicht erstmal fragen sollte, bevor man irgendetwas vorschlägt.“

Janele nahm den Widerstand betreten zur Kenntnis. „Ich glaube, dass sich Papst Benedikt darüber freuen würde“, so der Immobilienmakler. Darüber hinaus habe ihm Generalvikar Michael Fuchs, entgegen der Darstellung von Wolbergs, zugesichert, dass die Kirche die Benennung eines Platzes oder einer Straße durchaus begrüßen würde.

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Kommentare (23)

  • Betonkopf

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    Peter Kittel startet einen Kampangenversuch für ein Papstdokumentationszentrum…

    O neige, Maria, Du Schmerzensreiche, Dein Haupt.

  • Matthias B.

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    Darauf eine Grenzzaunhalbe für 88 Cent!
    Uff, der Kelch ging an uns vorrüber!

  • Mathilde Vietze

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    Mich freut es, daß selbst die Katholische Kirche dieses
    Theater ablehnt. Da wollen wieder mal Leute, denen
    ansonsten Papst und Kirche scheißegal sind, sich auf
    deren Rücken als „fromme“ Zeitgenossen profilieren.

  • Angelika Oetken

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    „Die katholische Kirche ist der Ansicht, das es kein Dokumentationszentrum braucht, weil es bereits ein Papst-Benedikt-Institut bei uns gibt.“ Auch die Umbenennung des Domplatzes stehe für die katholische Kirche nicht zur Debatte, so der OB. „Ganz abgesehen davon, dass man Papst Benedikt vielleicht erstmal fragen sollte, bevor man irgendetwas vorschlägt.“

    Ich weiß nicht, wen Bürgermeister Wolbergs genau mit „die katholische Kirche“ meint. Aber an Stelle irgendwelcher kirchlicher Verantwortungsträger wäre ich auch verdammt zurückhaltend. Ein „Papst-Besuch-Dokumentationszentrum“ fordert nämlich Kundgebungen und Veranschaulichungen verschiedenster Art geradezu heraus. Ich erinnere nur an den Inhalt des Kommentars Nr. 142, der hier eingestellt wurde http://www.br.de/nachrichten/oberpfalz/inhalt/regensburger-domspatzen-missbrauch-zwischenstand-100.html

  • Carl Eugen

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    Man sollte auch nicht vergessen, dass

    – Josef Ratzinger als Publikationsorgan einen als rechtsextrem eingestuften Verlag (den Aulaverlag) genutzt hat;
    – die freiheitlich-demokratische Grundordnung als solche (und nicht in ihrer zweifelsfrei kritikwürdigen Konkretion) kritisiert;
    – heftigst homophobe Polemiken vom Stapel gelassen hat;
    – keine Probleme hatte, sich mit Holocaustleugnern zu verbrüder;
    – nachweislich (Chr. Feldmann berichtete darüber!) pädophile Priester im Amt geschützt hat.

    So jemand hat kein ehrendes Gedenken verdient.

  • menschenskind

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    „heftigst homophobe Polemiken vom Stapel gelassen hat“

    http://www.theeuropean.de/david-berger/5868-was-von-papst-benedikt-xvi-bleibt

    … Benedikt trieb eine „panische Angst vor Schwulen“ (Ch. Feldmann) um. Keiner seiner Vorgänger hat sich jemals in diesem Ausmaß und mit solcher Verve abfällig über Homosexualität, über schwule Männer und deren Kampf um Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung geäußert bzw. diese Äußerungen in seinem engsten Umkreis forciert. Dies geht etwa so weit, dass man sich im von Benedikt regierten Vatikan nicht scheute, Länder wie Uganda in ihrem Bestreben zu bestärken, die Todesstrafe für homosexuelle Handlungen wieder einzuführen. Auch davor, Homosexuelle zu Sündenböcken in der Missbrauchskrise zu machen, scheute man sich nicht…

  • menschenskind

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    „keine Probleme hatte, sich mit Holocaustleugnern zu verbrüdern“

    http://www.sueddeutsche.de/politik/der-vatikan-und-der-holocaust-leugner-papst-ueberging-zustaendigen-kardinal-1.487370

    Mit seiner Entscheidung, den Holocaust-Leugner Richard Williamson, den britischen Bischof der Piusbruderschaft, wieder in die katholische Kirche aufzunehmen, hat Papst Benedikt XVI. für ungewöhnlichen Aufruhr in den eigenen Reihen gesorgt…

    An der katholischen Basis rief die Entscheidung des Papstes Kritik aus. Der Deutsche Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (DKR) in einem Schreiben bestürzt über das Dekret zur Aufhebung der Exkommunikation von vier Bischöfen der traditionalistischen Vereinigung: „Wir sind entsetzt, dass Sie unter den vier Bischöfen auch einen erklärten Holocaust-Leugner, Bischof Richard Williamson aus Großbritannien, gegen den Zivilprozesse angestrengt wurden, rehabilitiert haben.“

    Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) reagierte mit „Entsetzen und Empörung“ auf die Entscheidung des Papstes. Die Äußerungen Williamsons seien eine skandalöse Verleugnung der Verbrechen an den Juden, sagte ZdK-Präsident Meyer in Bonn. Menschen wie er seien „eine schwere Belastung für die Kirche“….

  • menschenskind

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    „nachweislich (Chr. Feldmann berichtete darüber!) pädophile Priester im Amt geschützt hat.“
    http://www.spiegel.de/spiegel/vorab/a-684745.html

    „Papst Benedikt XVI. wurde in seiner Zeit als Münchner Erzbischof 1980 besser über den Fall eines aus Essen nach München versetzten Kinderschänders informiert als bislang bekannt. In einem Übergabebrief des Bistums Essen an die von Joseph Ratzinger damals geleitete Erzdiözese hatte klar erkennbar gestanden, dass Kaplan Peter H. sich sexuell an Kindern seiner Gemeinde vergriffen hätte. So erklärte es das Bistum Essen vorige Woche gegenüber dem SPIEGEL…“

    „Trotzdem meldeten Ratzinger und sein Erzbistum den Kinderschänder nicht der Polizei.“

    https://en.wikipedia.org/wiki/Peter_Hullermann
    Peter Hullermann (born 5 October 1947 in Gelsenkirchen)[1] is a German Catholic priest who sexually abused several boys in the 1970s and 1980s. His case has attracted particular interest because of the alleged involvement of Cardinal Joseph Ratzinger, then serving as Archbishop of Munich and Freising. Ratzinger later became Pope Benedict XVI…

    Some parents complained that he kissed their children on the mouth, but nothing was done about this behavior…

    https://en.wikipedia.org/wiki/Pope_Benedict_XVI#Sexual_abuse_in_the_Catholic_Church

  • menschenskind

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    Der bayerische Papst, unterwegs in der Dritten Welt als Geschichtsklitterer („Den blöden Indios endlich Geschichte beibringen“):

    https://de.wikipedia.org/wiki/Benedikt_XVI.#Verlauf_des_Pontifikats

    Bei der Eröffnung der lateinamerikanischen Bischofskonferenz im brasilianischen Aparecida am 13. Mai 2007 äußerte sich Benedikt zur Christianisierung Lateinamerikas, die keine Oktroyierung einer fremden Kultur, sondern von den Ureinwohnern unbewusst herbeigesehnt worden sei. Dem widersprachen Repräsentanten der Indios, die die Rede als „arrogant und respektlos“ bezeichneten. „Zu sagen, dass die kulturelle Dezimierung unserer Volkes eine Reinigung darstellt, ist beleidigend und – offen gesagt – beängstigend.“ (Sandro Tuxa). Der deutsche Lateinamerika-Historiker Hans-Jürgen Prien erblickte in diesen Äußerungen „eine unglaubliche Geschichtsklitterung“ und einen Rückschritt gegenüber der Position von Johannes Paul II., der 1992 in einer Rede Fehler bei der Evangelisierung der einheimischen Stämme und Völker eingeräumt hatte. Demgegenüber erklärte der Papst, Jesus und sein Evangelium zu verkünden, setze zu keiner Zeit eine Entfremdung der präkolumbischen Kulturen voraus, und es sei auch kein Aufzwingen einer fremden Kultur gewesen. Venezuelas Präsident Hugo Chávez verlangte eine Entschuldigung des Papstes: „Mit allem gebührenden Respekt, Sie sollten sich entschuldigen, denn es gab hier wirklich einen Völkermord und wenn wir das leugnen würden, würden wir unser tiefstes Selbst verleugnen…

    Man staune::
    „(die) Christianisierung Lateinamerikas… (sei) unbewusst herbeigesehnt worden…“

    Ratzinger, oberster aller Kolonialherrn!

  • Mathilde Vietze

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    Zur angesprochenen Homophobie: Die größten Kritiker der Elche
    sind meist selber welche.

  • Angelika Oetken

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    Zu Homophobie, also „Schwulenangst“:

    „In vielen Fällen“, ergänzt Mitautor Richard Ryan von der University of Rochester, „sind das Menschen, die mit sich selbst im Krieg liegen und den inneren Konflikt nach außen kehren“.
    http://www.sueddeutsche.de/wissen/psychologie-schwul-und-homophob-1.1329883

    Schlägt die Angst in Hass um, könnte man das ja auch als Ausdruck des Neides sehen, der leugnende Homosexuelle befallen müsste, die ihre Sexualität zwar gelegentlich ausagieren, aber nur insgeheim, wenn sie damit konfrontiert werden, dass andere schwule Männer zu ihrer Neigung stehen und sie offen ausleben. Auf solche Kleriker träfe der Ausdruck „nicht genug Hintern in der Hose haben“ sogar ganz direkt und nicht nur im übertragenen Sinne zu.

  • Alberto Knox

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    @Oetken

    Liebe Frau Oetken,

    gehen Sie unter Berufung auf das post beim BR selber davon aus, dass Joseph Ratzinger seine Homosexualität im München der 50er Jahre tatsächlich – heute würden wir sagen beim Cruising – auslebte? Ich halte persönlich Ratzinger für schwul (das ist ja auch nichts Ehrenrühriges – es macht ja seine Amtsführung nicht schlechter oder besser), aber hat er das jenseits von Masturbationsphantasien wirklich ausgelebt?
    Einerlei, seine massive Homophobie wäre dadurch erklärbar.
    @Carl Eugen (sind Sie derselbe, der auf kath.net, diesem Suder- und Hetzportal, B16 in Schutz nimmt und von der kath.net-Redaktion bei allen Aktionen, die sich gegen den jetzigen Papst richten, in Schutz genommen wird?): Danke für Ihre erschreckenden Hinweise. So jemandem müsste man eigentlich die Ehrenbürgerwürde aberkennen!

  • Mathilde Vietze

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    Es ist kein strafbares Vergehen, B 16 wegen irgendwelcher Aus-
    sagen oder Handlungen zu kritisieren. Kritik an Personen ist noch
    lange keine Kritik am Glauben.

  • menschenskind

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    Hat Benedikt dem jüdisch-christlichen Dialog eher geschadet oder eher genutzt?

    Die Antwort fällt je nach Standpunkt aus. Katholische und einige jüdische Stimmen sehen das Positive im Vordergrund.

    Geht man nach den Tatsachen, so überwiegen die negativen:
    http://www.hagalil.com/2010/02/benedikt/

    Papst Benedikt XVI. besuchte kürzlich (2010) die römische Synagoge. Seine erinnerungspolitische Geste kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass er mit der Seligsprechung von Papst Pius XII., der im Nationalsozialismus zur Judenvernichtung schwieg, eine Serie antijüdischer Provokationen fortsetzt…

    Dass Ratzinger just einen Monat vor seinem Besuch in der römischen Synagoge Papst Pius XII., der während des Zweiten Weltkriegs niemals explizit gegen die Vernichtung der europäischen Juden protestiert hatte, den »heroischen Tugendgrad« verliehen und somit das Verfahren zu seiner Seligsprechung eingeleitet hat, galt vielen als unerträglicher Affront gegenüber den Gastgebern. Weltweit hatten Vertreter jüdischer Organisationen deshalb dazu aufgerufen, die Einladung abzusagen. Doch die römische Gemeinde wollte trotz scharfer Kritik aus den eigenen Reihen am Treffen mit Ratzinger festhalten…

    Tatsächlich bildet die Einleitung der Seligsprechung von Pius XII. nur den vorläufigen Höhepunkt einer langen Reihe antijüdischer Provokationen seit Ratzingers Amtsantritt. Zunächst führte er das Karfreitagsgebet wieder ein, in dem zur »Erleuchtung« der Juden durch den Christengott aufgerufen wird. Wenige Monate später hob er die Exkommunizierung von vier lefebvrianischen Bischöfen auf. Damit rehabilitierte er nicht nur den Holocaust-Leugner Richard Williamson, sondern allgemein die von Marcel Lefebvre gegründete Priesterbruderschaft Pius X., die die Konzilsbeschlüsse zur ökumenischen Erneuerung ablehnt und auf dem exklusiven Wahrheitsanspruch der katholischen Kirche besteht.

    Auch der Konflikt um Pius XII. schwelt schon seit längerem. Anlässlich von Ratzingers Israel-Reise im Mai vorigen Jahres hatte Pater Peter Gumpel, der vatikanische Referent für das Seligsprechungsverfahren, die Jerusalemer Gedenkstätte Yad Vashem kritisiert, weil dort unter einem Portrait Pius XII. ein Hinweis steht, der dessen Schweigen zur Vernichtung der europäischen Juden offen thematisiert…

    Auch Benedikt XVI. verbindet viel mit den Pius-Päpsten. Der junge Ratzinger studierte in den ersten Nachkriegsjahren im nationalkonservativen Erzbistum München-Freising und erhielt seine Priesterweihe von Pacellis Freund Kardinal Faulhaber. Als Präfekt der Kongregation für Glaubensfragen war es jahrelang offiziell seine Aufgabe, die katholische Kirche gegenüber Häresien zu verteidigen. In diese Zeit fällt seine Klage über den in der europäischen Kultur vorherrschenden Relativismus und sein Appell, Europa möge sich auf seine »christlichen Wurzeln« besinnen. Alle seine bisher veröffentlichten Enzykliken prägt ein antimodernistischer Geist in der Tradition von Pius X. Mit seinen Aufrufen, die vermeintlichen Auswüchse des Liberalismus und Materialismus zu überwinden, greift er Merkmale der Moderne an, die das antisemitische Stereotyp als »jüdisch« charakterisiert. Seine Besuche in Auschwitz, in ­Israel und nun in der Synagoge in Rom sind erinnerungspolitische Gesten, die nicht darüber hinwegtäuschen können, dass sich in seinem Pontifikat moderne Formen des sekundären Antisemitismus mit den traditionellen, überwunden geglaubten Formen des christlichen Judenhasses vermengen.

  • Alberto Knox

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    @menschenskind: Gottseidank sind die Beziehungen zwischen Juden und Katholiken mit spärlichsten (und daher umso auffallenderen Ausnahmen) so exzellent, dass selbst ein B16 sie nicht zerstören konnte.

  • Coffin Corner

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    Hier wollen Leute Fakten schaffen, bevor sich auch der Wind in Regensburg dreht. Und der Tag wird ganz sicher kommen.
    In einem Land, wo Staat und Kirche getrennt sind, ist kein Platz für die ständige Präsenz von Kirchenfürsten. In Berlin wird auch nicht bei jedem Staatsbesuch ein Denkmal errichtet. Denkmal heisst ja auch „bedenke mal“. Ich bedenke dann gerne, wie umstritten der Mann ist.

  • menschenskind

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    „…Gottseidank sind die Beziehungen zwischen Juden und Katholiken mit spärlichsten (und daher umso auffallenderen Ausnahmen) so exzellent…“

    Da scheint ja wohl eher der Wunsch als die Einsicht der Vater dieser Aussage zu sein.

    In den Augen von (gewöhnlich wenig belesenen) Katholiken sieht nahezu Alles „exzellent“ aus, was tatsächlich eher unter aller Sau ist.
    Für eine kritische Sicht der Dinge seid Ihr Katholischen einfach nicht geschaffen. Euer übersteigertes Gottvertrauen und Eure Gewöhnung an die Kirche, die schon alles richten wird, beraubt Euch der Fähigkeit, klar durchzublicken.

    Bis heute fehlt ein allgemein anerkanntes Eingeständnis der katholischen Kirche in Bezug auf ihre 2000 Jahre Verbrechen an Juden. Bis heute hat sich die Kirche lediglich schamhaft zu „Fehlern“ bekannt, die mit dem Dritten Reich in Zusammenhang stehen. Aber was bitte ist mit katholischer Schuld und Verantwortung der 2000 Jahre davor und was mit dem Judenhass zahlreicher einflussreicher Katholiken von nach 1945?

    Kein Eingeständnis der Reue des Vatikans, des Papstes, der Katholiken Deutschlands oder irgendeiner Gruppe deutsch-katholischer Christen wurde je bekannt.

    Alberto Knox, Sie kennen ganz offensichtlich keinen Juden. Sonst würden Sie keinen solchen Stuß von sich geben! Daher fordere ich Sie auf: Gehen Sie zu einem Juden Ihres Vertrauens und lassen Sie sich über das vermeintlich „exzellente“ Verhältnis zwischen Juden und Katholiken aufklären.

    Falls Sie keinen kompetenten Juden auftreiben können, lesen Sie sich mal das durch, was ein angesehener, einsichtiger und bereuender, katholischer Pfarrer des 19. Jahrhunderts geschrieben hat:
    http://www.judenundbayern.de/01judenineuropa.html

    Oder, wenn Sie des Englischen mächtig sind, lesen Sie dieses Buch des aus den USA stammenden, langjährigen Beraters des Vatikan in Judenangelegenheiten, The Reverend Edward Flannery:
    http://www.amazon.com/Anguish-Jews-Twenty-Three-Centuries-Antisemitism/dp/0809143240

    Für all diese Schweinereien hat sich die katholische Kirche bis heute nicht entschuldigt.
    Und solange sie dies nicht tut, verbietet es sich von einem „exzellenten“ Verhältnis zwischen Juden und Katholiken zu sprechen!

  • hutzelwutzel

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    Sehe ich das richtig????
    IHR HABT JETZT HIER BEREITS SO VIEL ZUSAMMENGETRAGEN, DASS MAN DAMIT BEREITS EIN VIRTUELLES PB-GEDÄCHTNIS SCHMÜCKEN KÖNNTE! ;-)

    @Angelika Oetken:
    „„Die katholische Kirche ist der Ansicht, das es kein Dokumentationszentrum braucht, weil es bereits ein Papst-Benedikt-Institut bei uns gibt.“ Auch die Umbenennung des Domplatzes stehe für die katholische Kirche nicht zur Debatte, so der OB. „Ganz abgesehen davon, dass man Papst Benedikt vielleicht erstmal fragen sollte, bevor man irgendetwas vorschlägt.““
    ————————————
    Wurde mal wieder nett verschwiegen, dass meinen Infos zufolge das „PB-Institut“ zunächt vom Freistaat Bayern hätte eingerichtet und bezahlt werden sollen.
    Ex-Kolping(bruder) Minister Spaenle soll sich dies aber dann verbeten haben. ;-)

  • menschenskind

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    „Wurde mal wieder nett verschwiegen, dass meinen Infos zufolge das „PB-Institut“ zunächt vom Freistaat Bayern hätte eingerichtet und bezahlt werden sollen.“

    Das sieht den glitschigen Brüdern von der bayer. Staatsregierung ähnlich. Steuergelder (auch solche von Nichtchristen einbezahlte) für kirchlichen Krimskram ausgeben. Die vergessen wohl, dass wir Konfessionslosen immer mehr werden und dass wir einen Pfeifendeckel von dem ganzen Papstgedöns halten.
    Nur noch knapp mehr als die Hälfte der Bayern klammert noch an der „Alleinseligmachenden“ fest. Bundesweit sind es bereits unter 30 Prozent, Tendenz weiter abnehmend.
    Wie aus der Mehrheit eine Minderheit wurde…
    Amazing.

  • Mathilde Vietze

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    Zu „Menschenskind“ – Auch vielen gläubigen Christen geht das
    „Papstgedöns“ am Hinterteil vorbei. A propos Steuergelder:
    Sie wissen doch sicher, daß unsere Steuergelder für noch viel
    Schlimmere Dinge verschwendet werden, als für eine sentimentale
    Papstverehrung. Und – die Fehler und Versäumnisse, die B 16 zu
    Recht angelastet werden, stammen zu einem Teil eben auch von
    seiner weltfremden Verschrobenheit.

  • menschenskind

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    „vielleicht richtets ja eine islamsteuer – analog zur Kirchensteuer. finde ich gut!“

    Na, i find’s ned guat!
    Wir sollten uns davor hüten in Religionsfragen anderen gegenüber zu restriktiv aufzutreten. Mit Recht schimpfen wir über die intolerante Stadtverwaltung von Istanbul, die jedem Kirchenneubau der dortigen Christen Riegel vorschiebt und uralte Synagogen vergammeln lässt. An solchanen Lumpenhiasln und Deppen brauchen wir uns wirklich nicht orientieren.

    Außerdem, ist Islam nicht gleich Islam, das merkt man schon, wenn man den Koran liest. Einmal steht da drin, dass ma die Christen und Juden tolerieren und respektieren soll, dann steht wieda drin, Rübe runter…

    Des Rätsels Lösung: Verschiedene Teile des heiligen Buches stammen aus verschiedenen Zeiten. Mals schwamm der Islam oben auf und konnte sich mehr Toleranz erlauben als die Christen je tolerant waren, dann wiederum befand er sich in bedrohter Form und musste um sein Überleben fürchten, dann wurde er aggressiv, intolerant und hetzerisch.

    Nix is so wia’s auf’n erschten Blick dascheint, alles ist wesentlich tiefgründiger ois wiast as moanst! Ja, auch der Islam.

    Es gibt türkische Frauen, mit Geist, Wissen, Witz und Intellekt, mit denen kann man Tag und Nacht diskutieren, und eine jede mit ihnen verbrachte Minute, ja, jede Sekunde mit ihnen ist ein Gewinn, ein kostbarer Moment, den man sich für die Ewigkeit aufheben möcht, nur leider geht des ned…

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