Nach S&K-Razzia

Dubiose Anlageunternehmen insolvent

Nächster Akt im Drama um die von der Staatsanwaltschaft zerschlagene S&K-Gruppe: Anfang April haben die Assets Trust AG und die Deutsche Sachwert Emissionshaus AG (DSE) Insolvenz angemeldet. Beide Gesellschaften sind in Regensburg ansässig und mit der S&K-Gruppe eng verbandelt. Banden- und gewerbsmäßiger Betrug, Untreue und weitere Straftaten. Durchsuchungen in sieben Bundesländern, mehrere Haftbefehle und Ermittlungen gegen über 50 weitere Beschuldigte. Ein Schaden im dreistelligen Millionenbereich. Die großangelegte Razzia gegen die S&K-Gruppe Anfang Februar schlug auch in Regensburg einige Wellen. Hier wurden Geschäftsräume der Asset Trust AG und der Deutsche Sachwerte Emissionshaus AG durchsucht – beide zwar noch nicht direkter Gegenstand der Ermittlungen, aber eng mit der S&K-Gruppe verbandelt. Stadtrat Dr. Gero Kollmer (CSB), der für beide Gesellschaften in verschiedenen Funktionen tätig war, wurde seinerzeit sogar vorläufig festgenommen. Ob als Beschuldigter oder nur als Zeuge war von der Staatsanwaltschaft nicht zu erfahren.

Millionenschaden, kaum Geld auf den Konten

Jetzt sind beide Gesellschaften insolvent. Und es scheint höchst unwahrscheinlich, dass die Anleger auch nur einen müden Cent sehen werden. Insolvenzverwalter Dr. Jochen Zaremba von der Kanzlei Schwartz spricht von 1.700 Betroffenen. Der Schaden dürfte im Millionenbereich liegen. Auf den Konten der Assets Trust AG und der DSE AG befand sich nach Informationen, die unserer Redaktion vorliegen, aber nur ein niedriger sechsstelliger Betrag. Die Kanzlei Schwartz macht dazu keine genaueren Angaben. Da sich sämtliche Unterlagen bei der Frankfurter Staatsanwaltschaft befinden, habe man derzeit noch zu wenig Daten, um den Fall beurteilen zu können. Doch immerhin bestätigt Insolvenzverwalter Zaremba, dass das Vermögen der beiden Aktiengesellschaften „jedenfalls überschaubar“ sei. Man habe nun Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft beantragt.

Analysten warnten schon vor über einem Jahr

Das Geschäftsmodell der Asset Trust AG bestand darin, den Kunden Forderungen aus abgeschlossenen Lebensversicherungsverträgen abzukaufen und die Gelder in Immobiliengeschäfte zu investieren. Die Deutsche Sachwert Emissionshaus AG nahm Darlehen auf und investierte diese in Immobiliengeschäfte. Die Asset Trust selbst warnte in ihren Anlagebedingungen vor dem Risiko eines Totalverlusts, sollte es zu einer Unternehmenskrise oder Insolvenz kommen. Seriöse Analysten – wie etwa von der Stiftung Warentest – hatten deshalb bereits vor über einem Jahr davor gewarnt, Geld bei der Asset Trust zu investieren.

Kollmer: „Bin aus allen Funktionen ausgeschieden“

Gero Kollmer (CSB) war in der Vergangenheit bei beiden Gesellschaft in verschiedenen Funktionen tätig: als Aufsichtsrat, im Vorstand und als Geschäftsführer. Er zeigt sich auf eine Anfrage unserer Redaktion gelassen. „Ich bin im August 2012 sowohl aus der Asset Trust AG als auch aus der Deutschen Sachwert AG aus allen Funktionen ausgeschieden“, sagt er. Über die Gründen, die zu den Insolvenzen geführt haben, wisse er nichts.

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Kommentare (6)

  • Peter Ziegler

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    Kann man denn als Zeuge festgenommen werden?

  • Veronika

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    @Peter Ziegler: Ne, glaube ich nicht, aber so etwas wie „Beugehaft“ dürfte es wohl geben, damit jemand zur Aussage gebracht werden kann, der was weiss aber nichts sagen will.

  • Karl Brunnbauer

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    Wenn ein Herr Kollmer, nach gut einem halben Jahr nach dem Ausscheiden aus Anlageunternehmen, in denen er in meheren Führungspositionen tätig war, von Insolvenzgründen nichts gewusst haben will, zeugt das nicht gerade von Fach- und Sachkompentenz sondern eher von Ignoranz und Dilettantismus. Oder soll vielleicht doch was verschleiert und nicht an die Öffentlichkeit gebracht werden?
    Für mich bezeichnend und besonders schlimm ist es, dass jemand der ein öffentliches Amt (Stadtrat) inne hat und den Anspruch hat, christlich und sozial (CSB-christlich soziale Bürger) zu handeln, in solche Geschäftspraktiken verwickelt ist. Herr Kollmer Sie sollten schnellstens von Ihrem öffentlichen Amt als Stadtrat zurücktreten. Nach Presseberichten zu urteilen, haben Sie für Ihr öffentliches Amt und dem Engagement für die Bürger der Stadt eh keine Zeit, weil Sie sich anderen, für Sie wichtigeren Dingen zu wenden müssen.
    Ihre Handlungsweisen tragen nur zu einer noch größeren Politikverdrossenheit in der Gesellschaft bei und werden Ihrem persönlichen Wählerauftrag und Ihrem Eidversprechen als Stadtrat in keinster Weise gerecht.

    Karl Brunnbauer

  • Ismir Übl

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    Einsilbig: Mein Name ist Hase …
    Warum wurde Kollmer festgenommen? Dass er als Geschäftsführer und Vorstand der Pleite-Gesellschaften zurückgetreten war, ist aus dem Handelsregister ersichtlich. Das wusste aber wahrscheinlich die Schwerpunktstaatsanwalt für Wirtschaftskriminalität nicht, als begonnen wurde gegen ihn und die ganze Truppe aus der Kumpfmühler Straße 3 in Regensburg vorzugehen. Da trennen sich high- und low-performer-Anwälte laut „Ich-weiß-noch-immer-nicht,-ob-ich-OB-werden-will“ Jürgen Linhart nicht im Guten, bleiben aber im selben Büro und fungieren als Treuhänder und anwaltliche Vertreter – sicherlich auch nicht für Gottes Lohn – für die Gesellschaften bei diesem angeblich größten Anlagebetrugsskandal aller Zeiten.
    Irgenwie kommt in einem die Erinnerung an einen Fußballtrainer hoch, der zuviel gekokst haben soll und wohl deshalb auch jegliche Bodenhaftung verloren hat. Vielleicht wirkt die Gier nach dem ganzen vielen Geld der Anleger ähnlich. Da meint man plötzlich, dass alle so blöd sind und einem jeden Schwachsinn abkaufen. Früher oder später kommen sie aber alle dran … das ist das Beruhigende.

  • Jürgen Huber

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    Man kann als Stadtrat nach der Bay. Gemeindeordnung nicht zurücktreten! Herr Kollmer müsste seinen Wohnsitz z.B. nach Frankfurt verändern oder wegen schwerer gesundheitlicher Probleme um Entlassung aus dem Ehrenamt bitten. Natürlich könnte auch der OB „tätig“ werden. Der scheut aber offenbar die juristische Konfrontation.

  • „Demokratie nach Holzhackermethode“ | Regensburg Digital

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    […] fliegenden Fahnen zu den Freien Wählern über) im Stadtrat durch Abwesenheit glänzte und seiner Verwicklung in dubiose Finanzgeschäfte Schlagzeilen machte, wollen die „Christlichsozialen Bürger“ nun mit einem „riesen Kraftakt“ zurück in den […]

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