E pluribus zwei Prozent

In Regensburg wird eine eklatante Versorgungslücke auf dem medizinischen Sektor geschlossen.

Eine Glosse von Martin Stein

„Differenzierte Menschen“, das bedeutet eigentlich das Gleiche wie „anders begabt“, meint aber das Gegenteil.

„Differenzierte Menschen“, das bedeutet eigentlich das Gleiche wie „anders begabt“, meint aber das Gegenteil.

Schön langsam wird Regensburg zu einem Platz, an dem es sich leben lässt. Also, so richtig leben, im Gegensatz zu dem unstandesgemäßen, schier viehischen Vegetieren der Vergangenheit, und letztlich bleibt es mir unerklärlich, wie ich die letzten zwanzig Jahre in dieser Stadt überhaupt ertragen konnte. Jetzt aber gibt’s Sushi auch an der Tankstelle, Regionalprovinzielles verschwindet zugunsten international beliebter Weltmarken, und es wird schon direkt schwierig, einen Burger zu finden, dessen Spenderkuh zu Lebzeiten keine Reisweinmassagen zuteil wurden.

Und endlich, endlich scheint sich eine der letzten eklatanten Versorgungslücken zu schließen, und zwar auf dem medizinischen Sektor: eine „Praxis für differenzierte Menschen“ soll eröffnen. War aber auch allerhöchste Eisenbahn.

Schluss mit dem Kassenpatienten-Gesockse!

Es bedeutet, dass die ganzen Trotteln und Pfampfeln und Bauernfünfer und überhaupt der ganze Geistesplebs, der mir ständig überall im Weg rumsteht, da nicht reindarf. In der Bachgasse entsteht eine „Private Praxis für überdurchschnittlich intelligente Kinder, Jugendliche und Erwachsene“. Wie für mich gemacht quasi. Schluss mit dem Kassenpatienten-Gesockse. Schluss mit dem Wartezimmer-Egalitarismus und den Gastritis-Omas, die mir mit ihren banalen Wehwehchen die Zeit rauben, während mein eigener Bluthochdruck ausschließlich auf mein hochsensibles Gemüt zurückzuführen ist, welches wiederum ausschließlich auf meine Bolzenklugheit zurückzuführen ist.

„Coming soooooon !!!!“ steht auf der Vorankündigung. Sapprament, auf Englisch, denkt sich der Betrachter und bläst anerkennend die Backen auf. Und mit sechs Os, da hat man sich aber mal wirklich nicht lumpen lassen, das macht sich aber auch tatsächlich ungleich besser als ein popliges „Demnäääääächst“. Dass sich die Vorankündigung auf einen Termin im vergangenen Oktober bezieht, ist schlicht als kleine philosophisch-quantenmechanische Volte bezüglich der allgemeinen Fragestellung zur Linearität von Zeit und Raum zu verstehen, gewissermaßen also Schrödingers Schild. Das, oder die Fertigung des Täfelchens wurde jemandem überlassen, der sich selbst nicht für die Patienten-Zielgruppe qualifizieren konnte. Die Bescheidenheit bei der Verwendung der Ausrufezeichen allerdings spricht wieder eindeutig für Variante eins: Schließlich sind laut Terry Pratchett erst fünf Ausrufezeichen ein untrügliches Kennzeichen dafür, dass jemand die Unterhose auf dem Kopf trägt.

Wieder einmal sind sie selig, die geistig Armen.

Also freue ich mich nun weiter darauf, dass letzten Herbst eröffnet werden wird.

Jeder Arztbesuch war für mich ja mit Furcht und Misstrauen verbunden, und zwar dahingehend, ob denn so ein stinknormaler Allgemeinmediziner überhaupt in der Lage sei, in die Tiefen meiner feingliedrigen Körperseele einzudringen, noch dazu, nachdem er den ganzen Tag mit weit weniger entwickelten Exemplaren der Spezies Mensch zu tun hatte. Da muss man ja abstumpfen. Ich meine, wenn ein Mechaniker den ganzen Tag an einem Bulldog geschraubt hat, ist er denn dann noch in der Lage, die Ventilsteuerung eines Ferrari nachzujustieren?

Definitionsgemäß werden nur wenige Leser diese Furcht nachempfinden können – das Schild gibt Auskunft: Nur zwei Prozent meiner Mitbürger gehören zur geisteselitären Zielgruppe und können sie begreifen, jene besondere Furcht, und in Windeseile erhebt sich in mir der Komplementärgedanke, dass demzufolge 98 Prozent meiner Mitbürger von einer derartigen Furcht ganz unberührt bleiben. Die Glücklichen. Wieder einmal sind sie selig, die geistig Armen.

Ein Ort, an dem man in erbaulicher Atmosphäre nicht geimpft wird

Was dann so genau gemacht wird, in dieser neuen Praxis, das ist wohl noch nicht so raus; es ist die Rede von Psychotherapie und Heilpraktikantentum, und das geht definitiv in die richtige Richtung, denn bei uns Blitzgescheiten ist der Körper ja eh eine dem Cerebrum untergeordnete Instanz. Hauptsächlich erwarte ich mir einen Ort, an dem man in erbaulicher Atmosphäre nicht geimpft wird, woraus sich dann eine Vielzahl von positiven gesundheitlichen Begleiterscheinungen generieren lässt.

Interessieren würde mich dann eigentlich nur noch, wie man denn entscheidet, wer sich für eine Behandlung in dieser wundervollen Praxis qualifiziert. Abiturzeugnis wird ja wohl nicht reichen, da kann man ja gleich mit dem ADAC-Ausweis ankommen. Gibt es einen Aufnahmetest? Wird das Quizduell-Ranking überprüft? Steht dann ein DuKommstHierNedRein-Koloss an der Tür? Tragen wir Differenzierten einen Zweiprozenter-Aufnäher?

In den Himmel kommt ja auch nicht jeder beliebige Horst…

So oder so, es wird schön werden. Etwas Besonderes. Durchaus elitär, aber warum auch nicht. An den Eliten haben eh nur immer die was auszusetzen gehabt, die nicht dazugehören. Noch nie hat eine Elite selbst an ihrem Status etwas auszusetzen gehabt, und die müsste es doch schließlich am Besten wissen. In den Himmel kommt ja auch nicht jeder beliebige Horst, bloß weil er die Titelmelodie vom weißen Hai rülpsen kann. Und schon Sartre wusste, dass die Hölle die anderen sind. Aber wenigstens sitzen die jetzt nicht mehr im selben Wartezimmer.

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Kommentare (21)

  • Mathilde Vietze

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    Da sollen sie doch hingehen die ganzen
    Schicki-Mickis mit ihren eingebildeten
    Zivilisationskrankheiten. Mir wäre die Vor-
    stellung schrecklich, wenn ich dieses ganze
    Gesockse im Wartezimmer einer ganz
    „normalen“ Arztpraxis erleben müßte.

  • Robert Waldhans

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    Ich hätt zuerst an einen späten Aprilscherz gedacht… aber Google half mir weiter… http://www.pdm-frankfurt.de/site/impressum.html

    Nicht mal die Codierung der Webseite gescheit hinbekommen… brrrr.

  • Fabian

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    Liebe Matilde,

    Wenn ich ich so von „Gesockse“ und eingebildeten Zivilisationskrankheiten reden höre solltest du wohl auch mal ein nicht „normales“ Wartezimmer aufsuchen aber eher das der 98%.

  • hf

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    Hochbegabung ist für Kinder und Eltern eine enorme Belastung, besonders dann, wenn man nicht viel Geld hat. Es braucht eine Reihe von Sitzungen und Tests, um festzustellen, ob ein Kind wirklich schlecht in der Schule oder einfach nur falsch/zu wenig gefordert ist.

    Viel zu schnell wird sonst ADS oder dergleichen diagnostiziert und mit Medikamenten abgetötet, was eigentlich geliebt und gepflegt werden sollte: Geist.

    Umgekehrt gibt es natürlich viele Eltern, zumal selbst Akademiker, die händeringend nach Erklärungen suchen, wenn der eigene Nachwuchs nicht den Anforderungen entspricht. Eine solche Praxis ist schon deshalb eine potenziell extrem lukrative Geschäftsidee – in einer Stadt wie Regensburg, wo fast jeder meint, dass einem alles gehört, wenn man nur die entsprechenden Summen dafür hinlegen kann.
    Da kann dann so eine Traum-Diagnose schnell zur heiß ersehnten Rechtfertigung gegenüber einem Schulsystem werden, das trotz allem noch ein gewisses Mindesmaß an Eignung für die Hochschulszugangberechtigung voraussetzt. :-)

    Früher sagte man noch, „hast a dumm’s Kindl schicks zum Pindl“, aber die können auch nicht alles durchwinken. Die Hochbegabtenpraxis gibt einigen Helicopter-Muttis vielleicht endlich den hypochondrischen Sinn im Leben, den sie bisher nicht gefunden haben.

  • BerndLauert

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    Hier wird nur eine Zielgruppe bedient.
    Es gibt Leute die nicht wohin mit ihrem Geld wissen und/oder sich einen wirklich guten Arzt leisten wollen/können etc.
    Allerdings ist die Praxisinhaberin keine medizinerin und so frahǵe ich persönlich mich was der Trade-off sein soll?
    Vendidi fumum? (Ich als nicht Studierter hau jetz auch mal auf den Putz)
    Die heutige, dekandente Gesellschaft braucht soetwas wohl.
    Allerdings finde ich das Aufkommen von solchen Praxen und Personen die keinen fundierten,medizinischen Hintergrund haben bedenklich. Gut, mein Geld ist es nicht!

  • Luchs

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    Cooooool!
    Wenn die 2% Praxis schon so ein schönes Schild hat – wie wird dann erst die 100% Praxis aussehen? Birgit- Christiane klingt als Vorname auch angemessen. Und dann noch Anglizismen! Also ich finde das einen in sich stimmigen Auftritt. So was sieht der tiefbegabte Durchschnitt natürlich nicht! Tut meine Freundin Mandy- Chantal übrigens auch sagen.

  • blauäugig

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    Ich verstehe nicht, dass Terminvereinbarung mit üblicher Mobilfunknummer statt echtem „Mehrwertdienst“ 0900xxx möglich ist.
    Ich wünsche der Dame viel Erfolg bei den Sitzungen, sodass die Therapierten zur Erkenntnis gelangen, doch nur abgezockt worden zu sein.

  • Argus Illuminatus

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    Ich plädiere für die Einführung einer Rufezeichensteuer.

  • Peter Lang

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    Des Kaisers neue Kleider!

  • Mathilde Vietze

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    Lieber Fabian, ich kann Dich beruhigen. Ich war auch
    schon in „nicht normalen“ Wartezimmern und weiß
    genau, was Du damit meinst. Außerdem bezog sich
    meine Wortwahl ausschließlich auf die Schicki-Mickis
    und nicht auf die ganz normalen und echt kranken
    Mitbürger.

  • Plenk

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    Die Gabe zur richtigen Setzung von Satzzeichen und Leerzeichen scheint nicht unbedingt mit „übermäßiger Intelligenz“ zu korrellieren.

  • Harald Klimenta

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    das ist ein Reductio ad absurdum – wer hingeht –> nicht intelligent. klaro? [Dass über- genauso wie unterforderte Kinder in der Schule dieselben Probleme haben können und dann mit Ritalin „eingepasst“ werden ist allerdings ein Problem. Eines u.a. des Schulsystems]

  • Mathilde Vietze

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    Gott sei Dank ist Intelligenz und Begabung n i c h t
    vom Geldbeutel der Eltern abhängig. Und bei den
    Gutbetuchten gibt es natürlich auch „Unterbelichtete“.
    Nur, wer das Geld hat, kann da leicht „nachhelfen“.
    Es ist die Aufgabe der Gesellschaft, diejenigen Kinder
    zu fördern, die echt begabt sind.

  • Peter

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    Robert: DIe Site wurde ja auch nicht von ihr, sondern von einem gewissen „Rami Khatib“ „programmiert“. Es dürfen aber ernsthafte Zweifel angemeldet werden, ob Rami jemals Sitzungen bei ihr hatte, da ein HTML-Validator wie validome.org alleine für die Impressum-Seite 43 Fehler auswirft. So was kenn ich eigentlich seit den unseligen Zeiten von Microsoft Frontpage (aka „Websites for Dummies“) nicht mehr.
    Als Meta-Tag steht übrigens „Birgit-Christiane Zahradnik“ im Quelltext. Heißt die Dame gar nicht Laas? Wenn ich „Birgit-Christiane Lass“ bei Google eingebe, erhalte ich nur eine Handvoll Treffer. Misteriös, das Ganze. „Birgit-Christiane Zahradnik“ ergibt jede Menge Treffer, hauptsächlich aus dem Bereich Ffm.

    Und ein Meta-Tag „Praxis für differenzierte Meneschen (sic!)“ soll uns was genau sagen?

    Da schick I mei Kindl doch weiter zum Pindl.

  • XYZ

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    Auch wenn das ganze hier unter Meinung gepostet wurde und nicht bierernst zu nehmen ist, ist das hier der unangemessenste RD Artikel seit langem. Die Professionalität des Designs des Schildes sei mal dahingestellt, ebenso die Tatsache, dass die Praxis nie eröffnet hat. Aber ich frage mich, ob der Kommentator hier seine Hausaufgaben nicht gemacht hat, oder es ihm einfach egal war. Aber ich hoffe, es war ihm klar, dass sich die 2% nicht wie die vielbesagten 1% auf das Einkommen beziehen, sondern schlicht auf den Anteil der Menschen mit einem IQ über 130 im Verhältnis zur Bevölkerung. Dass Menschen mit Hochbegbung eine Therapie bei jemandem machen möchten, der sich mit ihrem Gebiet auskennt, kann ich beim besten Willen nicht verwerflich finden. Es würde sich hier doch auch niemand aufregen, wenn die Praxis sich auf Menschen mit Intelligenzminderung spezialisiert hätte? Klar, das Ganze dann „Differenzierte Menschen“ zu nennen wirkt semi-professionell.
    Aber zusammengefasst kann ich mich nicht damit anfreunden, dass hier irgendwie eine bestimmte potentielle Patientengruppe lächerlich gemacht wird und das ganze dann auch noch vollkommen durcheinander geworfen wird mit dem ökonomischen Status der mit dem IQ (erstmal) sehr wenig zu tun hat.
    Sorry, liebe Redaktion, aber das war echt schonmal besser.

  • Peter

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    Ja klar. Die Probleme der oberen 2% möcht ich nicht haben. Da gehört man schon zu einem sehr kleinen Anteil der Supergscheiten in diesem an Eliten wahrlich nicht armen Land und dann wird man dermaßen unterfordert und gelangweilt, dass man eine „Therapie“ braucht.

    Ein Therapie also. Zur Wiederherstellung welcher körperlichen oder psychischen Funktion? Abschaffung der Langeweile, da man in der Schule nicht genug gefordert wird?
    Frustabbau, wenn im Job mal wieder nur das Niveau von geistigen Tieffliegern erwartet wird?
    Und wenn diese Gabe dann von der Gesellschaft nicht genügend gefordert wird, schiebt man persönlichen Frust und geht zum Therapeuten.

    Wer dort hingeht, ist überzeugt, zu einer Elite zu gehören. Und zwar zu einer, die die Gabe der Hochbegabung hat. Dabei hat ein IQ ja gar nichts mit einer sozialen und humanitären Einstellung zu tun. Bobby Fischer z.B. (von vielen als (einer) der beste(n) Schachspieler bisher bezeichnet), war mit einem IQ von 180 ausgestattet (sagt man). Was nicht verhindert hat, dass er auf seine alten Tage ein antisemitisches, hochgradig verwirrtes Loch geworden ist.

    Thomas Middelhoff hat sich (obwohl sicher kein unterbelichtetes Kerlchen) als Veruntreuer und Steuerhinterzieher (getrieben aus Gier?) erwiesen.

    Eliten sind gefährlich. Sie erheben sich über das Gemeinwohl. Spätestens die 2. Generation eines solchen elitären Menschen ist der Meinung, der Elitenstatus sei ihm qua Geburt gegeben und von ihm nicht zu trennen. Jede Kritik an seinem Status gleicht Blasphemie an göttlich gegebenen Ordnungen. Ob es sich da um monetäre oder standesdünkliche oder „intellektuelle“ Eliten handelt, ist gleich.

    Gedankenexperiment: Ich stelle mir vor, ich wäre mit einer Spitzen-Leber ausgestattet, die schneller Alkohol abbauen als ich zu mir nehmen kann. Ich werd einfach nicht besoffen. Brauch ich dann einen Therapeuten? Wird mir dann langweilig? Werde ich am Ende noch depressiv?

    Mir tun Leute, die aufgrund ihrer besonderen Hochbegabung zur Langeweile verdammt sind, noch nicht mal mehr leid, sie ekeln mich an. Wer sich nicht selbst beschäftigen kann, ist ein armes Schwein. Wer es dann noch zu einem Langeweilefrust kommen lässt, ist ein noch ärmeres Schwein.

    Wenn Herr und Frau von und zu Schnederpelz ihre Anna-Amalia da hinschicken und der Therapeutin säckeweise das unrechtmäßig angehäufte Erbvermögen in den Rachen kippen, verschiebt sich die dem Allgemeinwohl vorenthaltene Kohle nur von Elite1 zu Elite2. Richtig derb wird die Angelegenheit aber, wenn Kevin von seiner Mutter für hochbegabt erklärt wird und sie die hart erarbeiteten Euros (für die sie abends noch putzen geht) in Ratenzahlung (die bietet Frau Zahradnik/Laas natürlich auch an) Richtung Elite wirft. Klassische Umverteilung „von unten nach oben“. Medizinisch verpackt. Das ist clever.

  • Elisabeth Jakob

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    Hallo, Herr Stern, Glossen sind toll, wenn sie den Kern des Themas treffen. Wenn sie allerdings kilometerweit daneben schießen – naja!
    XYZ hats ja schon z.T. klar gestellt. Also: Um eine Privatpraxis handelt es sich, wie bei jedem Heilpraktiker (!), weil die Voraussetzung für eine Kassenzulassung nicht gegeben ist. Es handelt sich also keinesfalls um eine ärztliche Einrichtung und deshalb verbieten sich sämtliche Verweise auf schulmedizinische Praxen. Psychotherapie dürfen in Deutschland nur zwei Personengruppen ausüben: Approbierte Psychotherapeuten und Heilpraktiker (!). Deshalb steht es wohl, aus rechtlichen Gründen, so auf dem Schld. „Hochbegabung“ ist hier vermutlich nicht als (soziales) Ausschlusskrierien gemeint, sondern definiert die Zielgruppe.
    Dass jemand mit überdurchschnittlichem I. Q. – und lediglich hier bietet sich eine Glosse an – durchhaus erhebliche Schwierigkeiten im Umgang mit konkreten lebenspraktischen Herausforderungen haben kann, lässt sich ja durchaus der beschriebenen Werbemaßnahme entnehmen. Ein Minimum an Recherche wäre günstig!

  • Student

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    @Elisabeth Jakob

    „Psychotherapie dürfen in Deutschland nur zwei Personengruppen ausüben: Approbierte Psychotherapeuten und Heilpraktiker (!).“

    Zum einen unterschlagen Sie mit dieser Behauptung, dass auch Ärzte psychotherapeutisch tätig werden dürfen. Viel wichtiger aber noch: psychologische Psychotherapeuten und Heilpraktiker bzgl. ihrer Berechtigung, Psychotherapie zu erbringen, in einen Topf zu werfen finde ich ganz schön unangebracht: denn NUR ERSTERE dürfen die geleistete Psychotherapie auch über die gesetzl. Krankenkassen abrechnen. Und das hat seinen guten Grund! Die gesetzl. Krankenkassen verlangen nämlich gewisse Mindestqualitätsstandards (z.B. ein abgeschlossenes Hochschulstudium der Psychologie und eine Psychotherapeutenausbildung) von ihren Therapeuten, und diese Anforderungen erfüllen Heilpraktiker bei weitem nicht. Daher zahlen die gesetzl. Kassen zurecht dafür auch nix – und wer trotzdem sein Geld dahin trägt… naja, dass so jemand nicht bei einem IQ oberhalb von 130 zu verzeichnen sein dürfte, wurde hier ja schon ausgeführt.

  • wahon

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    Der weitverbreitete Glaube, dass man Intelligenz messen könne und dass ein Mensch mit einem IQ > 130 „hochbegabt“ sei, ist leider unausrottbar. Er ähnelt sehr einem religiösen Glauben und lässt sich ebenso leicht kommerziell ausbeuten.

  • Dieter

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    Teilweise ganz amüsanter Artikel – mit diesem etwas peinlichen Schild muss man Häme erwarten. Aber es handelt sich hier natürlich um keine Allgemeinarzt-Praxis.

    Den Kommentaren kann ich größtenteils nicht zustimmen. Ich habe in meinem Bekanntenkreis 2 Hochbegabte – das hat weder etwas mit Schicki-Micki, finanzieller oder sonstiger Elite zu tun.
    Und auch wenn beide im Erwachsenenalter damit keine Probleme mehr haben – diese hatten sie in der Kindheit und Jugend durchaus. Sowohl Schule als auch Eltern sind damit meist überfordert und bei Gleichaltrigen wird man schnell zum Außenseiter. Z.B ein oder zwei Klassen zu überspringen macht dies nicht einfacher. Keiner dieser mir bekannten Fälle hängt die eigene Begabung an die große Glocke, da es ihnen selbst heute noch unangenehm ist als ungewöhnlich (intelligent) angesehen zu werden.
    Eine gezielte Förderung oder auch nur Betreuung von überdurchschnittlich intelligenten Menschen ist sicher nichts schlechtes. Auch im Falle von Insel-Begabungen.

    Eine vielleicht halbseiden anmutende Privatpraxis leistet hier wohl keinen sinnvollen Beitrag. Vielmehr wäre bei diesen seltenen Fällen (eher 0.2% statt 2%) das Schulsystem gefragt, das darauf natürlich nicht ausgelegt ist. Wirklich lustig ist das für die Betroffenen allerdings nicht.

  • Elisabeth Jakob

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    an den „Studenten“:
    zur Gruppe der „approbierten Psychotherapeuten“
    zählen selbstverständlich „ärztliche“ und „psychologische“. Selbstverständlich können nur diese – aus guten Gründen – eine Kassenzulassung erwerben. Erstmal genau lesen, dann aufregen !

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