SOZIALES SCHAUFENSTER

Konzertbericht: Marky Ramone's Blitzkrieg

Eine Coverband der Superlative

Mit Superlativen sollte man grundsätzlich vorsichtig sein, sie aber wiederum auch nicht zu zaghaft verwenden, wenn sie zutreffen. Wie zum Beispiel dieser: Die Ramones sind die einflussreichste Punkband aller Zeiten. Einen Eindruck davon konnte man gestern in der Alten Mälzerei bekommen, als der dienstälteste noch lebende Ramone, Marky, mit seiner nach ihm benannten Coverband einen Parforceritt durch das Repertoire seiner seit 1996 offiziell aufgelösten legendären Hauptband bot.

Die Ramones-Legende am Schlagzeug: Marky. Foto: Baumgärtner

Marky Ramone’s Blitzkrieg nennt sich die Gruppe, der unter anderem der langjährige Bad-Religion-Gitarrist Greg Hetson angehört und dürfte – ein weiterer Superlativ – unter den weltweit vermutlich tausenden Ramones-Coverbands die bestbesetzte sein. Die nostalgischste ist sie durch ihr Hauptmitglied auf jeden Fall. Markys Aura ist außerordentlich, obwohl er kaum etwas macht. Mit einer unverkennbaren Ramones-Gedächtnismatte auf dem Kopf und Sonnenbrille im Ausschnitt sitzt der fast 67-Jährige Kaugummi kauend und ansonsten nahezu bewegungslos hinter dem Schlagzeug und treibt die Songs voran. Nicht mehr und nicht weniger.

Am Ende werden der Songs an die 40 sein. Neue oder eigene Stücke sind nicht dabei. Marky Ramone’s Blitzkrieg spielen ein paar wenige andere Cover, beispielsweise The Trashmens „Surfin‘ Bird“, Motörheads „R.A.M.O.N.E.S“ oder als vorletzten Song Louis Armstrongs „What a Wonderful World“, ansonsten stehen mehr als zwei Dutzend Ramones-Lieder auf der Setlist. Darunter natürlich die größten und für die Rockgeschichte ausgesprochen bedeutenden Songs wie „Rockaway Beach“ (gleich zu Beginn), „Sheena Is a Punk Rocker“, „The KKK Took My Baby Away“, „I Wanna Be Sedated“ oder „Blitzkrieg Bob“.

Dazwischen gönnen sich die vier Musiker keine Pausen, auch der Zugabenblock reiht sich fast ohne Unterbrechung ans Set. Zwischenapplaus ist meist gar nicht möglich, weil Bassist Martin Blitz, kaum ist ein Lied abgeschlossen, in alter Dee Dee Ramone-Manier mit „One, Chew, Free, Far“ das nächste anzählt. Und schon geht’s wieder rastlos weiter. Ansagen gibt es auch nicht, bis auf eine kurze Begrüßung sagt der Hauptgrund der meisten Besucher, Marky Ramone, gar nichts.

Zum Abschluss: Hey ho, let’s go!

Dafür weiß seine Blitzkrieg-Truppe musikalisch zu überzeugen. Sänger Iñaki Urbizu ist in den gesamten fast eineinhalb Stunden außerordentlich präsent und kommt stimmlich nah an den Originalvokalisten Joey Ramone heran. Das altersmäßig sehr durchmischte Publikum nimmt er jedenfalls mühelos mit. Bei Greg Hetson ist im Verlauf des Konzerts zunehmende Spielfreude zu beobachten, was nicht selbstverständlich ist, wenn man auf Tour Tag für Tag und ohne Verschnaufpause einen Ramones-Song nach dem anderen spielen muss.

Klingt fast wie Joey Ramone: Iñaki Urbizu. Foto: Baumgärtner

Der Höhepunkt freilich kommt ganz am Ende mit „Blitzkrieg Bob“, als Band und Publikum gemeinsam den berühmtesten Schlachtruf der Punkgeschichte skandieren: „Hey ho, let’s go! In so einem Moment dürfte es für viele etwas Besonderes sein, sich mit einem echten Ramone in einem Raum zu wissen.

Im Vorprogramm spielten zuvor die überzeugenden Fights & Fires aus Worcester (England), für die Regensburg kein neues Pflaster ist, deren druckvoller Hardcore/Rock ´n‘ Roll und die dynamische Show jedoch in beengteren Locations (zum Beispiel die Kneipe Büro) deutlich besser funktioniert. Danach folgten Dead Kittens aus Berlin mit einem eigenwilligen Line-Up (nur Bass und Schlagzeug) und einem entsprechend schrägen und experimentellen Hardcore-Punk. Kann man machen.

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