Ostentorkino und Kultkneipen vor dem Aus

Empört Euch, bitte!

Chaplin, Ostentorkino und Kinokneipe schließen. Vielleicht ein Symptom für eine beunruhigende Entwicklung, gerade in der Oststadt. In jedem Fall aber ein herber Verlust für jeden Regensburger Filmfreak.

Von Thomas Spitzer

OstentorDas gibt es auch nicht oft: Dass gerade an Weihnachten die globale Gefühlsduselei von einer regionalen Hiobsbotschaft überschattet wird.

Chaplin, Ostentorkino und Kinokneipe schließen. Sie sollen 2016 einer neuen „Eventlocation“ weichen. Für den sozial vernetzten Regensburger ist das jetzt schon ein alter Hut. Er ist Fan der Facebook-Seite „Ostentorkino erhalten“, hat Säm Wagners Kommentar „Last Night at the kino bar“ geteilt, und bei der bis Ende Februar laufenden Online-Petition unterschrieben. Natürlich ohne Aussicht auf ein Wunder.

…wie bei den zehn kleinen Negerlein

Leider kommt einem das alles irgendwie bekannt vor. Es ist fast wie bei den zehn kleinen Negerlein. Jürgen Huber, Regensburger OB-Kandidat der Grünen schreibt in einer heute eingetroffenen Mitteilung: „Seit geraumer Zeit trocknet die hiesige, einmal für Bayern maßgebliche Pop-Kultur-Szene immer mehr aus.“

Da fragt man sich, was als nächstes dran ist. Die alte Mälzerei? Der Jazz-Club? Mit einem Bierchen im Sommer am Bismarck-Platz entspannen? Wieso kam eigentlich noch niemand auf die Idee, die Jahninsel kommerziell als Eventlocation zu nutzen?

(Wer das für hysterisch hält, sollte versuchen, an einen vergleichbaren Platz in einer süddeutschen Stadt zu denken, am Flussufer, mit Altstadtkulisse, der noch nicht entweder mit Kaffeehäusern oder Schrebergärten für die Superreichen zugeschissen wurde.)

Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich halte nichts von schalem Antikapitalismus. Auch nichts von Nostalgie. Und der – bei deutschen Studenten stark verbreitete – Antiamerikanismus widert mich an.

Neu, teuer, steril

Doch leider werde ich das Gefühl nicht los, diese Schließung sei symptomatisch für eine Entwicklung, die mich als Regensburger Kulturschaffenden, Filmfreak und Oststadt-Bewohner in jeder Hinsicht betrifft. Quasi mein Dach, meine Arbeit, mein Hobby.

Zwei gute Freunde von mir wurden bereits aus ihren Wohnungen im Stadtosten geschmissen mit der Begründung, man wolle grundsanieren, um anschließend die Mieten zu verdoppeln. Einer von ihnen musste seine Wohngemeinschaft in der Adolf-Schmetzer-Straße nach fünfzehn Jahren innerhalb weniger Wochen auflösen. Den Anblick, wie er da in der Küche sitzt und mir zitternd den Brief seines Vermieters vorliest, werde ich nie vergessen.

Mein WG-Zimmer befindet sich seit Oktober in der Straubinger Straße. Wenn ich von meinem Schreibtisch aus dem Fenster auf die andere Straßenseite blicke, sehe ich, mit welcher Emsigkeit an dem „Candis Park“ auf dem alten Zuckerfabrik-Gelände gearbeitet wird. Osteuropäische Bauarbeiter decken die Dächer bei Minusgraden, schlafen in Containern. Manchmal werde ich nachts von Sirenen geweckt, welche die Lieferung eines 30 Meter langen Eisenträgers ankündigen. Im Dezember wurde jeden Tag ein neues Haus fertig. Wie bei einem Adventskalender. Nur als Stadt. Der Gedanke, dass hier innerhalb von zwei Jahren ein komplettes Viertel schlüsselfertig aus dem Boden gestampft wird, ist für mich unfassbar.

Auch weiß ich aus erster Hand, wie schwer es ist, eine Bar, ein Café oder eine Kulturbühne zu etablieren. Gerade im Großraum Arnulfsplatz wird hier seit meiner sechsjährigen Regensburger Geschichte herumgedoktert. Zum Beispiel am Café Dada, Blomberg, Art Club und einer Location, die im Moment Tiki Beat heißt. Als Außenstehender denkt man oft: Alles halb so wild, dann wird halt umgezogen. Doch das geht fast immer schief.

Das Ostentorkino ist wie die Wurstkuchl…

Am schlimmsten – ja, unerträglich – ist jedoch der Verlust des Ostentorkinos.

Ich bin ein Filmfreak. Mit zehn Jahren habe ich mir nachts Wecker gestellt, um Actionfilme anzuschauen. Mit 17 arbeitete ich in einem Ulmer Independentkino namens Lichtburg, das es im Übrigen so auch nicht mehr gibt. Vor einem Monat fuhr ich mit einem Freund abends spontan nach Nürnberg, um Blackfish zu sehen, weil der Dokumentarfilm über einen psychotischen Killerwal in Regensburg nicht lief.

Als leidenschaftlicher Kinogänger, der schon in normalen Wochen bis zu drei Mal im Kino sitzt, oft bewusst alleine, hatte ich immer auch Freundschaften, die sich hauptsächlich über unsere Kinobesuche definierten. In der Zivi-Zeit zum Beispiel, wo wir oft in größeren Gruppen gingen. Für Begleitpersonen von Rollstuhlfahrern war der Besuch kostenlos, wir teilten uns dann den Eintritt.

Die kuschelig samtigen Ostentorkinosessel empfinde ich als gemachtes Nest, als Mekka im typischen, nasskalt-nebligen Regensburger Februar-Blues, der wie zufällig auf den Independent-Film-Höhepunkt des Jahres trifft. (Filmverleihe veröffentlichen potentielle Oscar-Anwärter nämlich bewusst im Zeitraum der Verleihung.)

Nicht nur Entdeckungen wie 1 Mord für 2 oder The Darjeeling Limitded verbinde ich mit den Altstadtkinos, sondern auch zahlreiche, teils sehr persönliche Erfahrungen.

Wenn mich eine Tante in Regensburg besuchte, gehörte ein Kinoabend zur Stadtbesichtigung wie die Steinerne Brücke oder eine historische Wurst in der historischen Wurstkuchl. Hier belohnte ich mich für überstandene Prüfungszeiten oder versuchte, mich über Trennungen hinwegzutrösten.

Unvergessen auch, wie ich The Dark Knight bei der Premiere innerhalb von 24 Stunden drei Mal hintereinander ansah. (Insgesamt sechs Mal in der ersten Woche.) Und der kanadische Filmemacher, den ich während der Kurzfilmwoche kennenlernte, weil er extra nach Regensburg gereist war, um seinen Kurzfilm zu präsentieren. Oder die Schlägerei, die ich während des Elfmeterschießens England-Italien bei der Fußball-EM 2012 im Innenhof von Chaplin/ Kinokneipe beinahe anzettelte…

Der teure Kinopalast

Dagegen war die Hobbit-Vorstellung im örtlichen „Kinopalast“ letzte Woche so fad wie ein Tortilla-Chip ohne Soße. Daran konnten auch die zahlreichen Attribute wie High-Frame-Rate, 3D, Dolby Digital, Überlänge oder KingSize nichts ändern. Man spürt förmlich jede Liebe, die nicht hineingesteckt wird.

Pervers wird ein solcher Abend vor allem, wenn man 14 Euro für eine Kinokarte zahlt (übrigens auch als Begleitperson eines Rollstuhlfahrers) und sich am Getränkestand zwischen einem normalen Cola-Becher (1 Liter) und einem großen (1,5 Liter) entscheiden kann. Fehlt eigentlich nur noch, dass Helene Fischer beim Abspann auf einer Bowlingkugel über die Bühne reitet.

Aber auch zu den vielen neuen gut gemeinten Szene-Cafés und -Restaurants in der Innenstadt, in denen der Kaffee fair trade und die Gemüsepfanne vegan ist, bietet das Ostentorkino einen angenehmen Kontrast.

Seit 40 Jahren: Ein gewachsener öffentlicher Raum

Denn hier handelt es sich nicht um eine Modeerscheinung, einen Szenetreff, bei dem schrullige Flohmarktartikel wahllos zusammengeklatscht werden, um auf Teufel komm raus für Charme zu sorgen. Es ist ein seit 40 Jahren natürlich gewachsener öffentlicher Raum, kein – man verzeihe mir die Formulierung – „Hipster-Ding“, sondern eine in Deutschland anerkannte und weltweit einzigartige Kulturstätte. Bekannter als das Kino Harmonie in Freiburg und besser als die Lichtspiele in München.

Achim Hofbauer, Besitzer des Kinos, spricht von einem „Sturm der Entrüstung“. Und: „Presse und Politik läutet bei mir Sturm.“ Völlig zu Recht. Wer das Ostentorkino schließt, unterzieht die Innenstadt einer unnötigen Operation am offenen Herzen. Bitte, empört euch!

Der Autor

Thomas Spitzer studierte Mathematik an der Universität Regensburg. Seit 2009 tritt er erfolgreich bei Poetry Slams auf. Inzwischen arbeitet Spitzer als Autor und Kultur-Manager. Sein Buch „bunt und kühl“ erschien im April 2013 beim ConBrio-Verlag. Die zugehörige CD wurde im Dezember an fünf Abenden insgesamt tausend Besuchern vorgestellt. Alle Infos: facebook.com/thomasespitzer

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Kommentare (34)

  • Gondrino

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    Wieder ein Beispiel wie die zunehmende Gentrifizierung der Innenstadt auch solche Kult-Locations tötet. Wenn es in der Innenstadt nur noch zugezogene Besserverdienende und Reiche gibt, ändert sich auch das entsprechende Angebot an Gütern und Dienstleistungen. Der „normale“ Bürger wird an den Stadtrand gedrängt und nimmt am innerstädtischen Kulturleben immer weniger teil.

    Leider hat es die Stadt Regensburg und ihre 100prozentige Tochter Stadtbau GmbH in den letzten Jahrzehnten versäumt, gegen den Ausverkauf der Innenstadt entsprechend vorzugehen. Vielmehr hat sie ihn gezielt gefördert, zum Wohle weniger (Freunde) zum Schaden aller anderen.

    Aber dem „Erfolgsmodell“ CSU wird auch das nicht schaden.

  • Zehn kleine Akademiker

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    Was heißt hier der „normale Bürger“?! Wer soll das denn sein? Die zehn kleinen Akademiker? Weiß, (ehemaliger aka Dauer-) Student (m), sauft gern einen rein. Und wenn ihm das weggenommen wird, dann gibts aber mal eine Empörung, bitte. Gentrifizierung ist doof, aber nur wenn es die eigene Kultur, die eigene Freizeit betrifft und die Wohnung vom ehemaligen Kommilitonen (m), der da mit den ganzen anderen Akademikern zusammen lebt.

    PS: Ich hoffe du schmorst für die „zehn kleinen Negerlein“ in einer irdischen Hölle.

  • Arne Ziemann

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    Wohl wahr. Nur Empören alleine reicht nicht. Ich persönlich gebe so schnell nicht auf. Erst möchte ich wissen wie der Eigentümer die Genehmigung für eine Eventlocation in einen Wohngebiet erhalten hat. Und auch dann ist immer noch nicht aller Tage Abend. Empören ja, sich organisieren noch besser! Organisiert euch bitte!

  • Fonsi

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    Naja, alles geht halt mal zuende. Es entsteht Platz für Neues. Muss man positiv sehen

  • erfolgsmodell

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    „Und der – bei deutschen Studenten stark verbreitete – Antiamerikanismus widert mich an.“

    Bitte äh was?

  • Dennis

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    Hauptsache ist doch dass die Jugendlichen einen weiteren Platz zum Saufen haben, da dieser in der Altstadt nimmer ausreicht und dieses Erfolgsmodell sehr viel Geld einbringt :)

  • frank woelky

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    saugut geschrieben! immobilien sind wie krebs. sie wachsen als wohlstandskrankheit. sie zerstören gesund gewachsene strukturen. sie demoralisieren freunde. sie bringen vernichtung und zweifel. und sie sind in diesem fall potentiell tödlich.

    so, welcher politiker steht jetzt mal auf und zeigt dass es sich lohnt, ihn zu wählen? herr janele? das wäre ihr fachgebiet!

  • @frank woelky

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    Naja, Huber und Wolbergs haben es das ja schon getan. Janele kann ja dann mal im Schlitten vorbeifahren..

  • Xandi

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    „Wer das Ostentorkino schließt, unterzieht die Innenstadt einer unnötigen Operation am offenen Herzen.“ Wirklich? Ich finde nicht, dass das jetzt der Regensburger Underground ist. Weder Kinokneipe, noch Chaplin, und auch nicht das Ostentorkino. Es sind nur alte Orte, die bessere Zeiten gesehen haben. Was mir am Artikel fehlt ist die Antwort auf die Frage, wie man die Veränderungen gestalten kann, nicht nur wie man sie verhindern kann.

  • frank und frei

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    @Frank Woelky
    ‚immobilien sind wie krebs…‘. ach so sie hausen wohl mobil im bulli?
    toll und gleich wird ein link zur eigenen gewerblichen homepage mit geliefert. hoffentlich schickt rdigital eine rechnung.

  • Mathilde Vietze

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    Zuerst einmal stelle ich mir die Frage, w e r denn dem
    Investor die Genehmigung für so ein steriles „Ersatzwerk“
    gegeben hat.
    Das Ostentorkino, samt Kneipe und dem Lokal „Chaplin“
    sind seit Jahren eine tolle kulturelle Einrichtung, die weiß
    Gott nicht von „ewigen Studenten“ bevölkert sind, sondern
    von Leuten, die Kultur, Kommunikation und Kulinaria ver-
    binden wollen.
    Klagen allein hilft nichts. Vielleicht fällt jemanden ein,
    hier eine Unterschriftensammlung zu starten. Nur wenn
    man gegen solche „Investoren“ Druck macht, kann man
    was ändern; Worte allein nützen da nichts.

  • kinoman

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    Mit den Ostlern kann man anscheinend alles machen.
    Wenn das Kino in der Prüfeninger Straße oder im inneren Westen liegen würde, bekäme nie eine Event-Location eine
    Genehmigung in einem Wohngebiet.
    Das das Kino die Kneipe und das Chaplin in die Jahre gekommen sind, ist ja gerade das reizvolle.
    Kein veganer, Latte Macchiato Scheißdreck.
    Es käme ja auch keiner auf die Idee in den Kneitinger eine Event Location einzubauen, da möchte ich mal unsere Lokalpolitiker hören

  • Monika Kümmel

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    Ich bin eine alte Ostentor-Kino-Besucherin und war entsetzt, als ich vom Ende des Ostentor gelesen habe. Das Ostentor und Chaplin mit Garten müssen unbedingt erhalten bleiben! Man müsste für den Erhalt des Ostentors demonstrieren. So ein Juwel bekommen wir nicht wieder. Alles, was gut ist in Regensburg, wird vernichtet. Unsere Stadt braucht das Ostentor-Kino!

  • Joachim Datko

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    Zitat: „Im Dezember wurde jeden Tag ein neues Haus fertig. […] Der Gedanke, dass hier innerhalb von zwei Jahren ein komplettes Viertel schlüsselfertig aus dem Boden gestampft wird, ist für mich unfassbar.“

    Zumindest für den Wohnungsmarkt eine gute Sache, das bremst den Mietanstieg! Ein Lob auf die Marktwirtschaft!

    Entwicklung des Wohnungsbestandes in Regensburg siehe:
    http://www.statistik.regensburg.de/informationen_u_zahlen/monatszahlen/
    Themenbereich: Baufertigstellungen
    (Zahlen zurzeit bis einschließlich September)

  • kinoman

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    Als ich die Namen der Investoren gelesen habe, war mir klar was da läuft, die kriegen auch eine Genehmigung für ne
    Table-Dance Bar im alten Rathaus!
    So ist das halt hier, Adios Ostentor-Kino!

  • Reinhard Hauer

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    Hallo Thomas,

    es tut gut zu beobachten, wie innerhalb weniger Tage auf die Meldung vom geplanten AUS für das Ostentor sich eine Woge der Empörung breit gemacht hat und sogar die MZ auf diesen Zug mit aufspringt.
    Lasst uns gemeinsam verhindern, dass sich das Krebsgeschwür Partymeile incl. seelenloser Amüsierbetriebe für bierflaschenschwingende Partygänger auch auf das Ostentor ausbreitet. Wenn das so weiter geht, dann übernimmt demnächst wohl Mc Donalds den Kneitinger – wäre eigentlich nur konsequent! Weiter so, Regensburg, aber dann gute Nacht!

  • Nur Peinlich

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    Werter Herr Thomas Spitzer ihr Vorwurf des stark verbreiten ‚Antiamerikanismus‘ bei Studenten widert MICH an.

    Ach wie halten Sie es mit ‚den zehn kleinen Negerlein‘.
    Haben sie die Diskussion verpennt?

  • Pattirift

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    Als ich 1977 nach Regensburg kam, war das Ostentor-Kino (das damals noch Filmstudio am Ostentor hieß) einer meiner wichtigsten kukturellen Zielpunkte. Regensburg wurde mir auch wegen dieses wunderbaren Kinos bald zur Heimat. Nie hat diese Liebe nachgelassen und ich halte es für einen Skandal, überhaupt über eine Nutzungsänderung des Kino-Areals nachzudenken. Doch seit damals hat Regensburg viele seiner Gesichter verloren – und was sich seit etwa 15 Jahren in Sachen Stadtentwicklung tut, ist eine große kulturelle Entwertung. Die Altstadt ist zum geschleckten Freilichtmuseum geworden und alles, was nicht zum bürgerlichen Mainstream gehört, hat offenbar keine Existenzberechtigung mehr. Es ist eine Stadtentwicklung, die sich nur mehr am Kommerz orientiert. Das Beispiel Ostentor-Kino sollte Auslöser einer kulturellen Revolte sein. Es reicht – schon lange!

  • Eigentum verpflichtet!

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    Wer ist denn diese sogenannte „Italienische Barbetriebs-GmbH“ eigentlich?
    Und wem hat der Gebäudekomplex vorher gehört?

  • kinoman

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    Die armen Anwohner, denen die einsamen Raucher in der Kinokneipe schon zuviel waren, werden Ihr blaues Wunder erleben.
    Vor allem bei diesen Betreibern helfen auch Beschwerden nichts.
    Das wissen alle leidgeplagten Altstdtbewohner nur zu gut.
    Da geht Kommerz und Gewerbesteuer über alles.
    Und die Event und Feierkultur ist die neue Kulturschiene die in dieser Stadt gefahreh wird.
    Ist ja auch so lukrativ für alle.
    Das wird laut Leute also Beschwert euch gleich mal im Vorfeld.
    Natürlich ist der Kinoraum im Ostentor nur mit einem 4 Uhr Club lohnenswert, also liebe Anwohner wenn Ihr nicht alle zu Missantropen (wie ich einer geworden bin) werden wollt, legt jetzt los, bevor es zu spät ist!

  • B.Kant

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    Empört Euch, bitte!
    Ist leicht. Hat erst mal keine Konsequenzen und man kann dann mal so richtig ablassen, was da so alles faul in dieser Stadt ist, hinsichtlich Kultur, Ostenviertel, Stadtplanung etc. und man kann es mit dem allseits beliebten Revolteinstrument (iPad) tun über das Sofasurfen.
    Aber nehmen wir einmal an, mal ganz hypothetisch.

    Eine mal XXX genannte GmbH hat, sagen wir mal 1 bis 1,4 Mio Verbindlichkeiten und man würde die mal anfragen, ob ein Verkauf infrage kommen würde und dies evtl. in Betracht gezogen werden könnte und die evtl. nicht abgeneigt wären? Mmmh was dann?
    Nehmen wir weiter mal an, dass ganz in der Nähe ein Veranstaltungszentrum geplant und in Umsetzung kommt und die momentane Inhaber-GmbH dadurch evtl. noch kältere Füße bekommen könnte?
    Nehmen wir weiter mal an, dass der Unterstützerkreis nicht nur Schreibe und Worte sondern auch Taten folgen lässt (z.B sich aktiv mit einer X00 Euro Einlage, auch über Ratenzahlungen auf einen längeren Zeitraum dehnbar, in eine transparente Gesellschaftsform als aktiver Teilhaber einsteigen).
    Nehmen wir mal an, dass es einen Petitionskreis von ca. 5000 Unterzeichnern geben würde und daraus 3000 dies machen würden, dann hätte man, rein hypothetisch, eine Basis.

    Aber ist ja alles nur mal angenommen und ausserdem will ich jetzt wieder Sofasurfen und keine Verantwortung übernehmen (für wen auch?) oder gar aktionistisch werden.

  • kinoman

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    Ich glaub vorher T&T, den jetztigen Besitzrn gehören Liegenschaften in denen jetzt schon härteste(für die Anwohner) Event-Gastronomie betrieben wird, allerdings betreiben Sie die Clubs nicht selbst!
    Aber das ganze ist ein riesen Klüngel aus Wirten Immobilienspekulanten und Investoren, mit allerbesten Kontakten zur Stadtverwaltung und zum Stadtrat!
    Die einfach das Rudelsaufen zu einem kulturelen Event erhoben haben, und alle haben diese Kröte geschluckt!
    Das heißt jetzt: „Wir müssen alles tun, um die in Regensburg, mühsam aufgebaute Event-Kultur zu schützen und zu erhalten“
    Nicht mehr die Anwohner müssen also geschützt werden, sondern die Betreiber und die Kultur.
    Ein unglaublich cleverer Schachzug, Hut ab Leute.
    Und wenn der Druck zu stark wird machen Sie irgendwelche Plakataktionen und Pressemitteilungen, und alles läuft weiter wie bisher!
    Das ganze ist eine Art undurchdringliche Mauer, und die Jungs sind wirklich sehr gewinnorientiert und schlau.
    Prost Neujahr, an alle

  • Dugout

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    kinoman sagte am 31. Dezember 2013 um 08:44 Uhr :

    „..Die einfach das Rudelsaufen zu einem kulturelen Event erhoben haben, und alle haben diese Kröte geschluckt!
    Das heißt jetzt: “Wir müssen alles tun, um die in Regensburg, mühsam aufgebaute Event-Kultur zu schützen und zu erhalten”
    Nicht mehr die Anwohner müssen also geschützt werden, sondern die Betreiber und die Kultur…“

    Regensburg eben !
    Provinz ist wo Dinge noch bejubelt werden die man anders wo schon 10 Jahre bekämpft .

  • HaWallner

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    Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich halte nichts von schalem Antikapitalismus. Auch nichts von Nostalgie. Und der – bei deutschen Studenten stark verbreitete – Antiamerikanismus widert mich an.

    Was soll das denn?
    Der übrige Text belegt doch, wie wichtig Antikapitalismus gerade heute ist! Nicht von gestern, nein, wenn ich auch schon älter bin. Und Antiamerikanismus – ja wenns ums Ausspähen, Aushorchen, Ausnehmen geht, dann schon!
    (Aber es gibt auch z. B. die aus USA kommende tolle Musik und manchmal sogar Filme.)

  • Veronika!

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    „Aber das ganze ist ein riesen Klüngel aus Wirten Immobilienspekulanten und Investoren, mit allerbesten Kontakten zur Stadtverwaltung und zum Stadtrat!“ [kinoman]
    ——————-
    Genau, und dagegen anzukommen ist in einer Stadt wie Regensburg, in der bereits alle Krankenhäuser katholisch sind, nahzu unmöglich.
    Nehmt es einfach so hin

  • Ernst Burger

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    Ich ging, und gehe, ja auch gern ins Ostentor-Kino – nur:
    Ist Nostalgie ein zwingender Grund für den dauerhaften Erhalt dieses Relikts ? Bei allem Faible für den Charme dieses Denkmals: Es ist doch sehr veraltet. Reproduktions- und Soundanlage entsprechen schon lange nicht mehr auch nur annähernd modernen Standards. Die Sitze – na ja (bis die Besucher, die das Kino selten besuchen, merken, dass man auf der jeweils zweiten Reihe der Sitz“pyramide“ nichts sieht …). Eintrittskarten sind natürlich nicht nummeriert (die kommen von der Rolle, wie früher bei Schulbällen u.ä.), man muss also bei attraktiveren Filmen und -zeiten möglichst früh kommen, und lang im unwirtlichen „Foyer“ rumstehen, um einen einigermaßen vernünftigen Platz zu kriegen.
    Das Chaplin ist dagegen ganz anders: Brauchbares Essen zu vernünftigen Preisen in angenehmer Atmosphäre.

    Ernst Burger

  • @Ernst Burger

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    Der Betreiber hat erst im November die Technik im Kino umgerüstet, und Sie wollen hier ernsthaft behaupten, dass das alles nicht auf dem neuesten technischen Stand ist?

  • Ernst Wendler

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    Nennen wir mal das Kind beim Namen: Da hebt sich in Regensburg mal wieder eine kleine Kultur-Verfallsblase, die es gar nicht gäbe, wären wir (gerade ich!) regelmäßiger und öfters ins Ostentorkino gegangen. Taten wir aber nicht ausreichend, deshalb ist es eben wirtschaftlich nicht rentabel genug.
    Das gleich gilt für die Kinokneipe, die ich nur dann durchquere, wenn’s die Blase will. Was immer daran Kult oder erhaltenswert sein soll, bleibt mir als inzwischen grau melierter Ur-Regensburger noch immer verschlossen.
    Sind ja schon einige Kinos mehr weg – und an die denkt ja auch keiner mehr!
    Was ich aus den MZ-Berichten mitnahm, hoffen die Betreiber a) auf ein Wirtschaftswunder, um zu bleiben und b) auf eine neuen Kinoort. Wie erfolgreich ist denn die Sportsbar im Gloria? Hier wäre eine Wiederauferstehung doch wunderbar!

  • genau

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    das ist der Punkt! Ich gebe zu, in diesem Sinne auch zu diesem Personenkreis zu gehören. Vor ca. 10 Jahren war ich oft in der Kinokneipe (regelmäßig 2x pro Woche den ganzen Abend*), ebenso öfter mal im Ostentor, aber durch weniger Zeit und Kohle die letzten Jahre nicht mehr dazu gekommen.

    Ich fände es auch sehr, sehr schade, wenn Ostentor, Chaplin und Kneipe wirklich schließen müssten, aber, ganz ehrlich, irgendwie wirklich spürbar würde sich in meinem Leben dadurch auch nichts ändern. Genauso wie – wage ich jetzt mal zu behaupten – bei der großen Mehrheit der anderen Leser dieses Artikels.

    Fände es daher auch irgendwie heuchlerisch, wenn ich mich nun groß darüber „empören“ würde – worüber auch? – Der Eigentümer des Gebäudes hat eine andere Nutzung im Sinn, ist doch sein gutes Recht, dort was anderes zu machen. Egal ob das nun sinnvoll ist oder nicht (sowas wie Suzie oder Karma Lounge ist meine Sache auch absolut nicht, nicht dass da falsche Vorstellungen entstehen).

    Geld regiert die Welt, und hätten die Betreiber von Kino und Kneipe irgendwann in diesen 40 Jahren mal das Gebäude gekauft, hätten sie dieses Problem nun nicht.

    Hat anderswo auch gut funktioniert: Als die Filmbühne raus musste, hat sie sich nicht was Neues zur Miete gesucht, sondern gleich das Gebäude genommen, das ihr sowieso gehört – dass deswegen die Heimat raus musste – who cares, Geld regiert…

    Damals war der Aufschrei auch groß, „Kultursterben“ und so (wobei in der Filmbühne auch schon lange nichts derartiges mehr stattgefunden hatte, früher waren da öfter mal Konzerte und Lesungen etc., da hätte ich die letzten Jahre nichts mitbekommen) und welcher Hahn kräht jetzt noch danach? – Jetzt werden die Studenten halt in ner anderen „Location“ abgefüllt, alles wieder OK (meine ich ernst, ich mag‘ die Filmbühne auch gern) – ausser dass die Heimat nun konzertmäßig kleinere Brötchen backen muss, aber das interessiert ja auch keinen so wirklich – selbes Prinzip.

    Noch wäre Zeit, an der Misere grundlegend was zu ändern, indem man sich für die „Underground-Kultur“ wirklich interessiert, d.H., sie auch mal besucht und, ja, Geld dort lässt, ohne das auch ein „Kult“ nicht bestehen kann.

    Sehe ich aber ehrlich gesagt schwarz dafür – irgendwo (MZ?) gelesen, dass die Aktion für den Erhalt von Ostentor etc. schon 10.000 „Unterstützer“ hätte – das „unterstützen“ bestand dann darin, dass 10.000 x der „Like“-Button auf irgendner Fuckbook-Seite angeklickt wurde. Super Aktion, das bringt die Kultur echt weiter! :-D

    Ist so ein Grundproblem beim „Web 2.0“, irgendwas gepostet oder angeklickt ist schnell, aber wirklich gemacht dann meist nix – bestes Beispiel der gerade wieder hochgekommene „Freiwild“-Thread, auch viel Kommentare in der Art „Sauerei, da muss man was machen“ – und, wer hat was gemacht…? :-D

    ich nehme mich da nicht aus, ich werde die nächsten 2 Jahre auch nicht öfter in Ostentor und Kinokneipe gehen um diese dadurch zu unterstützen – einfach weil ich nicht kann, aus Zeitgründen.

    Aber ich stell‘ mich dann auch nicht hin und schimpfe auf die bösen Gebäudeeigentümer und CSU (?), die an der ganzen Miesere schuld sein sollen – so wie es ja immer „die anderen“ sind…

    *PS: Was an dem ganzen Ensemble „Kult“ sein soll, erschließt sich mir trotzdem nicht – klar, es ist ne echt nette Kneipe, für mich war sie damals auch die beste wo gibt, aber so denkt doch jeder über seine Stammkneipe.

    Das abgedroschene Wort „Kult“ wird leider generell immer zu oft gebraucht (meist von Aussenstehenden), wenn die anderen Pro-Argumente eher knapp sind und sich an einem Konzept über Jahrzehnte nix geändert hat (egal ob man das nun gut oder schlecht findet).

  • jwd

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    @ genau

    Aber Du kannst doch nicht in der kollektiven Empörung den Leuten den Spiegel vorhalten!!! Das geht überhaupt nicht ;-)))

    Mich erinnert das an die Schließung des Rothdauschers am Neupfarrplatz oder Zwack am Kohlenmark. Wenn jeder der damals gejammert hat über die Verluste der Geschäfte nur für 10 € im Jahr dort eingekauft hätte, dann würde es diese vermutlich noch immer geben.

    Jeder kann nur sein Konsumverhalten Einfluss nehmen!!

  • glänzend

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    Das ist „mein“ Kino, das ist „meine“ Kinokneipe und das ist „mein“ Biergarten und „mein“ Chaplin in dem ich essen und Schach spielen kann. Ich wohne sozusagen gleich daneben, das ist mein Kulturwohnzimmer! Ich lass mir das nicht nehmen, das ist mein Regensburg!!!

  • Kerstin Lange

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    Ach Gott, rührend. Dieser Versuch, in diesem miefig- klerikalen mittelalterlichen Steinrest mit Namen Regensburg so etwas wie großstädtische Kultur zu etablieren. Kann doch nur schiefgehen…

  • Kreativer Aufstand » Regensburg Digital

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    […] da war doch mal was, oder? Stimmt: Ende 2013 wurde bekannt, dass die neuen Besitzer des Gebäudekomplexes „andere Pläne“ […]

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