Rettung für marodes Schloss?

Für Landesgartenschau: Kauft die Stadt das Pürkelgut?

Die Grünen wollen die Landesgartenschau nach Regensburg holen. Im Auge dafür: Das Schloss Pürkelgut.

Ist die Landesgartenschau die Rettung für das Pürkelgut? Foto: Wikipedia/  Johanning

Ist die Landesgartenschau die Rettung für das Pürkelgut? Foto: Wikipedia/ Johanning

Für den Bürgerverein Regensburg Süd-Ost, und nicht nur den, ist es ein lange gehegter Wunsch: Das Schloss Pürkelgut, derzeit in Besitz der Familie Thurn und Taxis, soll einer breiten Öffentlichkeit zugänglich und nutzbar gemacht werden. Dieser Traum könnte nun in Erfüllung gehen. Kommende Woche will Bürgermeister Jürgen Huber (Grüne) im Umweltausschuss einen Antrag zur Abstimmung stellen, um die Landesgartenschau nach Regensburg zu holen.

Grüne: „Kaufabsicht“

 Der dafür vorgesehene Termin, das Jahr 2024, liegt zwar noch weit in der Zukunft, allerdings befindet sich die Stadt offenbar bereits in Verkaufsverhandlungen. Das deutet zumindest die Stadtratsfraktion der Grünen in einer heute verschickten Pressemitteilung an, in der es unter anderem heißt: „Wenn uns die derzeitigen Grundstücksbesitzer bei unserer Kaufabsicht so weit entgegenkommen, dass die Stadt Chance und Aufgabe einer Landesgartenschaubewerbung schultern kann, wollen wir im Stadtosten, wo derzeit die stärksten Veränderungen stattfinden, etwas Gutes tun.“ Unter anderem spricht der Umweltbürgermeister von einem „Bürgerpark“.

Huber:  „Andere Standorte verfolgen wir nicht.“

Ist sich über den Standort mit dem Oberbürgermeister einig: Jürgen Huber. Foto: Archiv

Ist sich über den Standort mit dem Oberbürgermeister einig: Jürgen Huber. Foto: Archiv

Mit Oberbürgermeister Joachim Wolbergs sei er sich einig, dass eine Bewerbung für die Landesgartenschau nur auf der Fläche rund um das Pürkelgut in Frage komme, erklärt Huber. „Andere Standorte verfolgen wir nicht.“ Der Regensburger Südosten habe „eindeutig großen Nachholbedarf an Erholungs-und Grünflächen“, so Huber weiter. Rund um das Pürkelgut könne man „die soziale Note der Stadtentwicklung mit der ökologischen verbinden“. Wenn uns die derzeitigen Grundstücksbesitzer bei unserer Kaufabsicht so weit entgegenkommen, dass die Stadt Chance und Aufgabe einer Landesgartenschaubewerbung schultern kann, wollen wir im Stadtosten, wo derzeit die stärksten Veränderungen stattfinden, etwas Gutes tun. Aber das ist nicht nur ein Thema für den Osten, öffentlich zugängliche Parkanlagen vermeiden und mindern Umweltbelastungen für die ganze Stadt. Das Stadtklima wird insgesamt verbessert, Feinstaub gebunden, Lärm abgefangen, Sauerstoff produziert. Davon profitiert die Gesamtstadt, unsere Stadtnatur und ihre vernetzten Räume, Flora und Fauna, die Freizeit- und Sportmöglichkeiten stehen in einem Bürgerpark allen offen.“

Stadt:  „Verschiedene Gebiete“ im Gespräch

Bei der Stadt äußert man sich noch etwas zurückhaltend zur Pressemitteilung der Grünen. Zwar sei das Pürkelgut Favorit, allerdings seien „verschiedene Gebiete“ im Gespräch, sagt Pressesprecherin Juliane von Roenne-Styra. Hubers Antrag stehe am 27. Januar auf der Tagesordnung. Dabei gehe es auch um die grundsätzliche Frage, ob Regensburg eine Landesgartenschau schultern könne. Erst im Anschluss werde man gegebenenfalls in Verkaufsverhandlungen einsteigen. 

Dass Schloss Pürkelgut wurde im 18. Jahrhundert erbaut. Das Haus Thurn und Taxis lässt den Barockbau zusehends verfallen. Zuletzt wurde im Jahr 2001 eine Notsanierung durchgeführt um zumindest den Dachstuhl zu sichern.

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Kommentare (16)

  • Veronika

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    „Du kaufst Dir ein Schloß, und wir sanieren es für Dich!“

  • bernd

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    Ist etwas über die Verwendung vor 2001 bekannt?

  • Rudy

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    Das Pürkelgut war bis in die Neunzigerjahre die Hofstelle zum dazugehörigen landwirtschaftlichen Gutsbetrieb des Hauses T+T. In die Gebäude wurde nichts mehr investiert, sie sind dem verfall preisgegeben. Das Pürkelgut war bereits als Standort für das issatdion, das Jahnstadion und ein Kongresszentrum im Gespräch. Alles wäre T+T willkommen, wenn es diese unter Denkmalschutz stehende Immobilie los würde. Die um das Schloss liegenden Grundstücke haben m,W. mehrere Eigentümer. Ein Erwerb wird sicher nicht einfach und vor allem nicht günstig sein.

    Der Effekt einer Landesgartenschau wird überschätzt. Vorstöße für eine Bewerbung gab es in der Vergangenheit schon mehrere, selbst für die Bundesgartenschau.

    Eine Gartenschau eingezwängt zwischen Verkehrstrassen und Gewerbetriebe?

  • Mr. T

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    Ich finde es toll von der Stadt, wenn sie damit der verarmten Eigentümerfamilie unter die Arme greift, die das Schloss selber nicht erhalten kann. Wär schad drum.

  • max

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    tolle idee, wird den nahen osten von regensburg aufwerten.
    regensburg wird eine landesgartenschau schultern können und kostet auf jeden fall keine 50 millionen wie ein stadion für den absteiger jahn.

  • Lothgaßler

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    Ist die Fläche rund ums Pürklgut wirklich groß genug für eine Landesgartenschau? Mal abgesehen davon, dass derzeit auch „Natur“ in diesem Areal ihren Platz findet, wird die Gartenschau die Landschaft mit allerlei Besonderheiten möblieren. Ob die nach dem Event weiter gepflegt oder wieder abgebaut werden, ist eine andere Frage. Landesgartenschau oder Bürgerpark brauchen das marode Gemäuer des Pürklgutes nicht wirklich. Diesen Gebäudekomplex zu sanieren kostet eine Unsumme, dagegen dürften die Grundstücke noch preiswert sein. Ist dieses Gemäuer wirklich so bedeutsam und erhaltenswürdig, dass nun die Stadt die Sanierungs- und Unterhaltungslast übernimmt? Ich denke nein! Forum Regensburg e.V. u.a. mögen mir da widersprechen, aber ich sehe hier die Notwendigkeit für einen harten Schnitt. Hier T&T die Grundstücke zu einem realen Wert abzukaufen und dann auch noch die Last der Gebäude zu übernehmen, das wäre ein Skandal. Würde dazu dann auch noch Fördermittel der Landesgartenschau indirekt eingesetzt, dann wäre das ein Skandal ins Quadrat.
    Die Sorge um Umwelt und Stadtklima ehrt den Stadtrat, allerdings zeigt sich einmal mehr wie wenig durchdacht die Stadtentwicklung vorangetrieben wird. Im Nachhinein wird selbstkritisch großer Nachholbedarf an Erholungs-und Grünflächenerkannt erkannt, und dann werden bisherige Problemflächen aktiviert, um dem Bürger vermeintlich etwas Gutes zu tun. Der Schutz von „Flora und Fauna“ darf nicht als Argument für einen Park bemüht werden, denn damit haben Grün- und Freizeitflächen nichts zu tun.
    Bei diesem Vorhaben muss mit Argusaugen darüber gewacht werden, wer welche Interessen verfolgt. Aus meiner Sicht stehen hier eindeutig die Gebäude des Pürklgutes im Vordergrund, und Landesgartenschau bzw. Bürgerpark bieten nur die Kulisse für einen wenig vorteilhaften Deal.

  • Joey

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    Eine LaGa ist ein teures Vergnügen, wenn es denn überhaupt eines wird. Die meisten Besucher erwarten eine Gartenteich-Blumenschau im Stil der 80er Jahre, die Landschaftsarchitekten stellen meist unverstandene Kunstwerke hin. Schließlich wird (wie bei den anderen LaGas) fast alles abgebaut, weil es sonst den Sprayern zum Opfer fällt und die Stadtgärtner wenig Arbeit damit haben wollen, besonders wenn ein Park abgelegen ist.

    Saniert das Schloß und macht ein vernünftiges (Büro-) Bebauungs- und Grünkonzept drum rum, damit sich das rechnet (an diesem Verkehrsknoten will doch keiner wohnen…) Grünflächen gibt es im Kasernenviertel eigentlich schon – bzw man könnte mit weniger Kosten welche schaffen, die dann auch besser auf die langfristigen Nutzer zugeschnitten werden können.

  • Andreas

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    Alt und wunderschön!

  • Markus

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    Mal ehrlich. Natur. Braucht Natur aufgeschüttet und geschotterte Wege? Jetzt sind da Enten, Rheier, Frösche, Vögel, Hasen und ja sogar ein Fuchs ansässig und noch allerlei Kleingetier, vom Bieber gar nicht zu sprechen. Aber klar, daß unsere Stadtleute im grünen gehen können ohne sich dabei die Schuhe schmutzig machen zu müssen kann man das schon machen. 500 Meter weiter bei Burgweinting geht’s in den Wald rein. Das sollte jeder hinbekommen.
    Und zu dem Text vor mir. Ich finde auch die Fürstin sollte mal weniger mit unserem Ob. Kaffeetrinken gehen und sich selber ein Konzept für das Pürkelgut überlegen.

  • Regensburger Bürger

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    „Landesgartenschau oder Bürgerpark brauchen das marode Gemäuer des Pürklgutes nicht wirklich. Diesen Gebäudekomplex zu sanieren kostet eine Unsumme, dagegen dürften die Grundstücke noch preiswert sein. Ist dieses Gemäuer wirklich so bedeutsam und erhaltenswürdig, dass nun die Stadt die Sanierungs- und Unterhaltungslast übernimmt?“

    Genau, und deshalb reißen wir alles erhaltenswert Schöne ab, was außerhalb der Altstadt/des Weltkulturerbes liegt, und versiegeln alles mit potthässlichen, Styropor-beflankten reinweißen 08/15-Flachdachsilos zum Spekulantenpreis!

    So geschehen… am Galgenberg, rund um die Ganghofersiedlung (Boelckestraße etc.), in Kumpfmühl… ach, eigentlich fast überall in Regensburg, wo noch(!) schöne Häuser stehen. Bald übrigens auch im Ostenviertel. In 20 Jahren schaut’s dann bei uns aus wie in jeder x-beliebigen deutschen Großstadt, nur mit einem UNESCO-Disneyland im Zentrum, wo sich’s kein Einheimischer mehr leisten kann zu wohnen. Sauber, auf geht’s, pack‘ ma’s oh – schnell ois obreiss’n und zuasphaltier’n!

  • Lothgaßler

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    @Regensburger Bürger:
    Mir ist nicht ganz klar was am Pürkelgut heute das „erhaltenswert Schöne“ sein soll. Der jetzige Eigentümer hat mit voller Absicht diesen Bau verkommen lassen. Niemand kennt eine sinnvolle Nutzung für dieses Schloss. Disneyland wird erst daraus, wenn das Gemäuer erhalten wird und danach irgendeine Nutzung untergebraucht wird.
    Ich sage klar nein dazu, die Milliardäre von T&T aus ihrer Verantwortung zu entlassen. Gerade jetzt steht wieder ein dicker Grundstücksdeal mit BMW bevor.
    Wenn Freizeit- und Naherholungsflächen bzw. eine Landesgartenschau erklärtes Ziel der Politik sind, dann sollte das Pürkelgut-Gemäuer ausdrücklich ausgeklammert werden. Wenn der Erhalt des Schosses im Vordergrund steht, dann muss dies auch ehrlich und transparent thematisiert werden.
    Dieses Vorgehen hier ist weder transparent noch ehrlich gegenüber den Bürgern. Hier mauscheln wieder etliche Gruppen mit Stadt und Eigentümer(n) über die Köpfe der Bürger hinweg.

  • Regensbürger Bürger

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    Dann fahr einfach mal raus und schau Dir’s in Ruhe an, vielleicht kommst Du drauf, was daran erhaltenswert ist. Geschmack ist Geschmackssache, aber wem die Altstadt gefällt, dem gefällt auch das Pürkelgut.

    Btw: Was hat die Schönheit einer Sache damit zu tun, ob jemand anderes sich nicht um diese Sache gekümmert hat? Ebensowenig logisch erscheint mir, ein historisches Gebäude „jetzt erst recht“ verfallen zu lassen, bloß weil sich ein Möchtegernrennfahrer mit Milliardenvermögen aus der Verantwortung stiehlt. Das eine (Erhalt) schließt das andere (T&T in die Pflicht nehmen) nicht aus. Klar ist, dass was passieren muss. Jeder Hausbesitzer weiß, wie schnell etwa ein undichtes Dach oder verschimmelte Mauern die Immobilie zerstören. Auch in der Lothgasse ist das so…

  • Radlertölpel

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    Es kann sich nur um Kunst, Satire oder Realität handeln:

    Bgm. Jürgen Huber stellt am Di, den 27.01.15 im Ausschuss für Umweltfragen, Natur- und Klimaschutz (um 17 Uhr im Sitzungssaal des neuen Rathaus) neben der Idee, einer Bewerbung für die Landesgartenschau eine weitere kurzfristig auf die Tagesordnung gesetzte Beschlussvorlage vor,
    die vorsieht den nun endlich einsturzgefährdeten Sarkophag des Europabrunnendeckelprojektes wegzureisen, das einst lichtdurchflutete 280 tiefe Europabrunnenbecken zu schleifen,
    und samt die Strom und Wasseranschlüssen mit Granulat zuzuschütten um dort zwei Stadt-Bäume zu pflanzen.
    Geplanter Maßnahmenbeginn Frühling 2015. Kosten 70 000€.

    Er Widerspricht mit dieser Beschlußvorlage seinen eigenen Anträgen aus den Jahren 2011 und 2013 diametral. Vermutlich will er mit diesem drastischen Vorgehen konstruktive Vorschläge provozieren und auf die lähmende Situation voll simulierter Sachzwänge, den tatsächlich akuten Handlungsbedarf und vorgeschützter Alternativlosigkeit aufmerksam machen.

    Diese Performance sollte man sich nicht entgehen lassen!
    mehr Infos:http://europabrunnendeckel.de/?p=3387#baumdenken

  • Pürkelgut: Die Stadt verhandelt mit dem Fürstenhaus » Regensburg Digital

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    […] Wie berichtet, waren die Grünen mit ihrem Vorschlag Landesgartenschau am Pürkelgut vergangene Woch… Einerseits eine Möglichkeit für einen „Bürgerpark“ im Stadtosten, andererseits ein Rettungsanker für das marode Schloss des Hauses Thurn und Taxis. „Andere Standorte verfolgen wir nicht“, lässt sich Jürgen Huber darin zitieren. Darin sei er sich mit Oberbürgermeister Joachim Wolbergs einig. Von dem, Wolbergs, kam wenig später via Mittelbayerische Zeitung das Dementi: Selbstverständlich habe man verschiedene Standorte im Auge. […]

  • Landesgartenschau vor dem Aus? » Regensburg Digital

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    […] Umweltbürgermeister Jürgen Huber, dessen Idee eine Bewerbung für die Landesgartenschau war, hatte vergangene Woche – als alles noch in der Schwebe war – gegenüber dem Wochenblatt erklärt, dass man einen „Plan B“ fürs Pürkelgut in der Tasche habe, sollte die BMW-Ansiedlung scheitern. Dann werde man das Restpaket ungeachtet davon mit dem Fürstenhaus verhandeln. […]

  • Landesgartenschau auf dem Pürkelgut ist passé » Regensburg Digital

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    […] Vor fast genau einem Jahr war Umweltbürgermeister Jürgen Huber mit dem Vorschlag für das Großpro… Allen Relativierungen von Oberbürgermeister Joachim Wolbergs und einer Proforma-Prüfung anderer Standorte zum Trotz galt bereits zu diesem Zeitpunkt das Pürkelgut-Areal als gesetzt. […]

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