SOZIALES SCHAUFENSTER

Demonstration

„Hände weg von Rojava“

Etwa 500 Menschen schlossen sich am Montag einer Solidaritätskundgebung für die Kurden in Nordsyrien an.

„Hände weg von Rojava“, forderten 500 Demonstranten am Montag Foto: Bothner

Ein roter Balken oben, ein grüner Balken unten. In der Mitte scheint auf weiß eine gelbe Sonne. Es ist die kurdische Fahne, die am Montagnachmittag allgegenwärtig ist. Privatpersonen hatten zu einer Demonstration durch die Stadt aufgerufen, um Solidarität mit den Menschen in den kurdischen Gebieten in Syrien zu zeigen. Es ist eine laute und energiegeladene Demonstration, die ab 17 Uhr vom Hauptbahnhof durch die Stadt zieht. Das autonom verwaltete kurdische Gebiet Rojava an der Grenze zur Türkei wird seit dem 9. Oktober von der Türkei angegriffen. Offiziell möchte die türkische Regierung dort eine Sicherheitszone einrichten, um tausende Geflüchtete, die derzeit im türkisch-syrischen Grenzgebiet leben, anzusiedeln. Doch für die Demonstranten stellt die Offensive einen Angriff gegen die kurdische Bevölkerung dar, wie in Redebeiträgen mehrfach betont wird.

„Das türkische Militär nutzt deutsche Waffen“

Immer wieder klagen sie Erdogan als Faschisten an und warnen vor einem Genozid an der kurdischen Bevölkerung. In einem verteilten Infoblatt ist zu lesen: „Die Ansiedlung von zwei Millionen arabischen Muslimen wird ohne die Vertreibung von Kurdinnen und anderen Minderheiten nicht möglich sein“. Deshalb versuche Erdogan die Menschen in Rojava als Terroristen zu diffamieren, um so den Krieg zu legitimieren. Viele der Demonstranten hätten selbst Angehörige in der Region, sagt ein Teilnehmer. „Das ist natürlich eine besonders emotionale und schwierige Situation, wenn du nicht weißt, was vor Ort los ist.“ Die Politik der USA und auch der europäischen Staaten könne er nicht nachvollziehen.

Auch die Demonstranten kritisieren das Vorgehen der USA, ebenso wie die deutschen Waffenexporte in die Türkei. „Das türkische Militär nutzt deutsche Kriegswaffen. Wir fordern daher die Bundesregierung auf, diese Exporte endlich zu stoppen“, so ein Sprecher des Internationalen Kultur- und Solidaritätsverein bei einer Zwischenkundgebung auf dem Haidplatz. Die Demonstranten klatschen laut Beifall.

Ein Sprecher auf dem Haidplatz fordert einen Stopp der Rüstungsexporte in die Türkei.

Die Forderungen und die Kritik sind nicht neu. Im Konflikt zwischen den Kurden und der Türkei kam es in den vergangenen Jahren mehrfach zu mitlitärischen Auseinandersetzungen im Grenzgebiet. Der aktuelle Angriff der Türkei wird von vielen Seiten kritisiert und als völkerrechtswidrig deklariert, wie Christian Marxsen vom Max-Planck-Institut für Völkerrecht in Heidelberg in einem Artikel der Zeit vor wenigen Tagen klarstellt.

„Hände weg von Rojava“ lautet daher an diesem Tag die Botschaft der 500 Demonstranten in Regensburg. Vielen gilt das autonom verwaltete Rojava als positives Beispiel für eine moderne Gesellschaft, in der Frauenrechte, Religionsfreiheit und ökologische Nachhaltigkeit sehr hoch stehen. Doch all dies sei seit Jahren bedroht, teilt eine Demonstratin am Rande der Demo mit. „In Rojava haben die Kurden ein alternatives Gesellschaftsmodell aufgebaut, das basisdemokratisch funktioniert und allen dort lebenden Menschen Gleichberechtigung sichern soll.“

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Kommentare (6)

  • Zaungast

    |

    es wär ja schon schön, wenn man mal so eine Gruppe hätte, der man ohne wenn und aber seine Solidarität geben könnte. Auch ich hab viel von den kurdischen Autonomiegebieten und den Versuchen eine art anarchistische ( im Sinne von selbstverwaltet ) Gesellschaftsform aufzuziehen, gehört, heute aber in diesem Artikel auch eine andere Seite :
    https://www.voltairenet.org/article207923.html

    gerne würde ich hierzu mal die Sichtweise von Menschen kennenlernen, die dazu detaillierte Kenntnisse haben.

    naja, lieber sind sie mir trotzdem noch als die Spinner vom Daesh, auch wenn sie ( teilweise ) , möchte man diesem Artikel glauben schenken, mit dem Daesh auch gemeinsame Sache machten ( der Barzani-Clan ) – ganz zu schweigen von der Geschichte mit den Armeniern. Waffenexporte verbieten is auf jedenfall so oder so wünschenswert. bzw. einfach ganz raushalten. und so werd ich s nun mit Demos machen, wo ich nicht 100%-ig weiß, wofür das steht: Raushalten.

  • RS

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    Naja, eine Verschwörungstheorienseite würde ich mal nicht als Referenz nahmen.

  • Zaungast

    |

    es ist leicht, etwas mit dem Kampfbegriff „Verschwörungstheorie“ abzutun, und noch leichter, dabei einen eigenen, schlüssigen, durch Fakten belegbaren Narrativ schuldig zu bleiben.

  • Gobelin

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    Nein, „liebe“ Kurden, Ihr bzw. Eure politisch Verantwortlichen in Syrien habt den Bogen weit überspannt.

    Mit „Landräubern“, die Gebiete eines angegriffenen Landes okkupieren, gibt es meinerseits keine Solidarität.

    Zitat: „Stets auf Sonderbehandlungen bedacht und somit kompromissloses Gebaren an den Tag legend, gaben die SDF und ihre Auswüchse der syrischen Regierung kontinuierlich Anlässe kurz aufgeflammte offenbar nicht seriös zu nehmende Dialoge abzubrechen. “

    Quelle: https://orbisnjus.com/2019/10/08/kurdische-sdf-und-ihr-eigens-aufgebuerdetes-dilemma-von-der-tuerkei-verschlungen-zu-werden-op-ed/

    Nun ist es gekommen, wie prognostiziert:

    https://orbisnjus.com/2019/10/11/video-assads-warnung-an-die-syrischen-kurden/

    Für Euer Projekt Rojava scheint offenbar jedes Mittel / jeder „Partner“ recht zu sein …

    Hier tauschen sich zwei Altlinke aus …

    „Kannst du noch zählen, wie oft die sich schon verkauft haben? Saddam hatte ihnen ein anständiges Autonomie-Angebot gemacht und sie saßen mit in der Regierung. Das haben sie gebrochen und sich an die Russen verkauft, dann an die Amerikaner, die Zionisten, dann wieder mit Saddam, dann wieder Zionisten und Amis – man blickt überhaupt nicht mehr durch. Ich spreche natürlich von der Führung (Talibani, Barzani etc.) Auch Bashar al-Assad hat ihnen ein weitreichendes Autonomie-Angebot gemacht, das sie umgehend gebrochen haben…“

    https://www.barth-engelbart.de/?p=217349

    Zitat: „In Rojava haben die Kurden ein alternatives Gesellschaftsmodell aufgebaut, das basisdemokratisch funktioniert und allen dort lebenden Menschen Gleichberechtigung sichern soll.“ … hat leider „kleine“ Schönheitsfehler:

    Amnesty wirft Kurden Vertreibungen in Syrien vor

    https://www.welt.de/politik/ausland/article147527571/Amnesty-wirft-Kurden-Vertreibungen-in-Syrien-vor.html

    Betr. Irak:

    https://www.amnesty.de/journal/2016/april/ja-das-sind-kriegsverbrechen

    Nordostsyrien: Kurden schließen mehrere christliche Schulen. Erzbischof Hindo gegenüber KIRCHE IN NOT: „Es wird der Plan ausgeführt, die Christen aus der Region zu vertreiben“. „Seit Jahren wiederhole ich, dass die Kurden versuchen, die christliche Präsenz aus diesem Teil Syriens zu eliminieren“ …

    https://www.christenverfolgung.org/christen-aus-der-region-zu-vertreiben.html

    Zitat: “ 2018 haben die Kurden ein ernstes Warnsignal bekommen, als sie in der kleinen Anklave im Nordwesten Syriens ausgeräuchert wurden. Die kurdischen Brüder im Nordosten Syriens wurden aufgefordert, es nicht auch so weit kommen zu lassen und sich auf eine friedliche Einigung einzulassen. Das haben sie abgeschlagen. Zu ihrem eigenen Leidwesen.“ … Äusserst interessant:

    http://analitik.de/2019/10/10/loesung-des-kurdenproblems-naehert-sich-dem-hoehepunkt/

  • Lothgaßler

    |

    Keine Seite ist ohne Schuld, im Krieg wie im Frieden.
    Natürlich haben die Kurden das Machtvakuum ausgenutzt und versucht mit Rojava ein Quasi-Staatsgebiet zu erreichen, etwas beschönigend umschrieben als autonomes Gebiet. Das funktioniert so vermutlich nicht. Allerdings kann das keine Rechtfertigung für die türkische Aggression sein. Das ist ein kriegerischer Angriff ohne legitimen Grund und somit ein Kriegsverbrechen. Kriegsverbrecher müssen ohne wenn und aber zur Rechenschaft gezogen werden.
    Wer nun Christenverfolgung anführt, um die Aggression gegen Kurden zu verteidigen, der sollte seinen Blick auch in die Türkei richten (https://www.opendoors.de/christenverfolgung/weltverfolgungsindex/laenderprofile/tuerkei).
    Von der Türkei bis runter zu Ägypten existieren eine Reihe von ungelösten Problemen, die scheinbar nur auf ein Zündholz warten, um in offenen Krieg umzuschlagen.

  • joey

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    welch ein Glück, daß ich nicht „reinrassig“ bin. Denn falls die verschiedenen Ethnien meiner Vorfahren gegeneinander Krieg führen würden, wüßte ich nicht, für welche Seite ich salutieren müßte. Da kann auch keine soziale Gruppe sein, die mich zu sowas nötigt.

    Leider sehe ich auf den Bildern nur Orientale, vermutlich „echte Kurden“. Der „Vermischungsgrad“ von Türken ist ja auch noch recht gering. Welch eine multikulturelle Gesellschaft hätten wir, wenn endlich eine Aishe Kurd einen Hans Niedermeier heiraten könnte. Einen Özkan Aktürk darf sie ja garantiert nicht, da wären dann beide Familien dagegen.
    Das ist der wahre Grund für solche Kriege.

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