Scheiße gelaufen…

Dicke Luft in Tegernheim. Bei einem Gewitter vergangenen Freitag kam es in der Kanalisation in der Regensburger Nachbargemeinde zu einem Rückstau – über 40 Keller liefen nach Angaben der Freiwilligen Feuerwehr voll; die Bewohner standen zum Teil einen halben Meter hoch in Wasser und Fäkalien. Mehrere Feuerwehren – auch aus den Nachbargemeinden – waren acht Stunden lang damit beschäftigt, die Keller leer zu pumpen. Nun bahnt sich ein Streit darüber an, wer die Kosten für die Schäden übernehmen soll. Hausbesitzer oder Gemeinde – das ist die spannende Frage. „Die Pumpen für die Kanalisation haben versagt. Die Scheiße ist auf der Straße geschwommen“, so ein Hausbesitzer gegenüber unserer Redaktion. „Das liegt in der Verantwortung der Gemeinde.“ „Es gibt immer Extremfälle, für die man nicht gewappnet sein kann“, meint dagegen Bürgermeister Meinrad Hirschmann. Die Regenfälle am vergangenen Freitag seien ein solcher Extremfall gewesen. Was ist passiert? Mit 38 Liter pro Quadratmeter in 45 Minuten beziffert die Gemeinde die Niederschlagsmenge. Während zunächst zwei Pumpen im Tegernheimer Hebewerk dafür gesorgt hatten, dass es zu keinen Überschwemmungen kam, schaltete sich eine Dieselpumpe vor einem zweiten Regenguss ab, weil sie heiß gelaufen war. „Die verbliebene Elektropumpe hat das allein nicht mehr gepackt“, so Hirschmann. Bereits 2002 sei es zu ähnlichen Überschwemmungen gekommen. So etwas könne man nie ausschließen. Von einem technischen Versagen will Hirschmann nicht sprechen. „Die Pumpe hat im Rahmen ihrer technischen Möglichkeiten funktioniert.“ Beschwerden einiger Bürger sieht der Bürgermeister bislang denn auch gelassen. Laut Entwässerungssatzung der Gemeinde sei jeder Hausbesitzer verpflichtet, sich gegen Rückstau abzusichern. Das sehen nicht alle Betroffenen so. „Das war kein Jahrhundertunwetter. Das müssen die Pumpen packen“, heißt es von einem weiteren Gebäudeeigentümer, der sich nun anwaltlich beraten lassen will. „Was in einer Satzung steht ist das eine. Ob das alles rechtlich wirksam ist, das andere.“ Am Rande: Auch der Keller des Rathauses lief am Freitag voll. Allerdings, so Bürgermeister Hirschmann, nicht wegen fehlender Absicherung gegen Rückstau, sondern. wegen des undichten Mauerwerks. Für den kommenden Dienstag haben nun mehrere Betroffene ein Treffen beim Unteren Wirt in Tegernheim anberaumt, um über das weitere Vorgehen zu beratschlagen. Da scheint die Kacke gewaltig am Dampfen zu sein …

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Kommentare (2)

  • Katrin Zahnweh

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    Die Gemeinde kann nicht jeden Schaden absichern, so viel steht fest.
    Was ich als Betroffene allerdings nicht fair finde, ist die Aussage „Laut Entwässerungssatzung der Gemeinde sei jeder Hausbesitzer verpflichtet, sich gegen Rückstau abzusichern“. Niemand war bei den Betroffenen vor Ort (zumindest nicht bei uns) und hat sich davon überzeugt, ob die in der Satzung festgelegte Rückstauklappe installiert ist oder nicht. Die Rückstauklappe ist sogar per Bauvorschrift gefordert, das heißt, daß meines Erachtens gar nicht möglich ist, ein Haus ohne Rückstauklappe zu bauen.
    Wenn man obenstehenden Satz als Unbeteiligter liest, denkt man sich wohl „Da haben sich diese knickerigen Trottel eben alle nicht richtig abgesichert.“. Dem ist aber nicht so, das möchte ich gern anmerken. Doch die hauseigenen Sicherungssysteme sind vermutlich nur für den „Normalfall“ ausgelegt und nicht für einen sintflutartigen Rückstau nach dem Ausfall einer Pumpe, die „im Rahmen ihrer technischen Möglichkeiten“ funktioniert hat. Ich finde es schade, daß unser eigentlich sehr netter und kompetenter Bürgermeister sich in diesem Fall nicht zuerst ein genaueres Bild der tatsächlichen Lage gemacht hat, bevor er diese Aussagen an die Presse weitergab.

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