Amtsgericht

„Ich bin der ehrlichste Mensch der Welt.“

Im Prozess um Schwarzarbeit in einer Regensburger Pizzeria hat sich einer der beiden Angeklagten jetzt geäußert. Es sei alles korrekt gelaufen, behauptet er.

Ende 2016 nahm der Pizza-Lieferdienst seine Geschäfte auf. Seitdem gab es zwei Prüfungen und anschließende Razzien durch den Zoll, bei denen illegale Beschäftigung in erheblichem Umfang festgestellt wurde. Foto: as

Es stimme schon, was ein Zeuge zuletzt hier gesagt habe, gibt der Angeklagte zu Protokoll. „Ich bin der ehrlichste Mensch der Welt.“ Im Prozess um Vorwürfe von Schwarzarbeit bei einer Regensburger Pizzeria hat diese Woche einer der beiden Geschäftsführer sein Schweigen gebrochen.

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Wie mehrfach berichtet, wird dem 59-Jährigen Kaufmann und seinem 38-jährigen Kollegen vorgeworfen, mehrere Beschäftigte nicht oder mit zu wenig Stunden angemeldet zu haben. Die Anklage beziffert den entstandenen Schaden für die Sozialkassen auf rund 100.000 Euro. In insgesamt 63 Fällen soll Arbeitsentgelt vorenthalten und veruntreut worden sein.

Angeklagter: „War so blöd, die Stundenzettel wegzuwerfen.“

Festgestellt wurde all dies bei zwei Razzien durch den Zoll 2019 und 2020. „Zumindest seit Ende 2016“, also mit Beginn der Gewerbeanmeldung, wurde laut Anklage auf ein Modell zurückgegriffen, das im Wesentlichen auf illegaler Beschäftigung basiert haben soll.

Nachdem sich die ursprüngliche Geschäftsführerin nach der ersten Razzia absetzte und bis heute nicht auffindbar ist, übernahm im September 2019 der 59-Jährige das Ruder. Und zumindest unter seiner Verantwortung träfe keiner der angeklagten Vorwürfe zu, erklärt er vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Thomas Schug.

Er sei einfach „so blöd“ gewesen, die Stundenzettel nicht aufzuheben. Das sei sein großer Fehler gewesen. Deshalb würden die Beschäftigtenzahlen von Zoll und Sozialversicherungen jetzt viel zu hoch angesetzt.

„Lieferando streicht 14 Prozent ein.“

Im Grund sei nicht nur alles völlig korrekt abgelaufen, er verfahre mit Blick auf seine Beschäftigten auch nachdem Motto „Geben ist seliger denn nehmen“. Im Moment bleibe ohnehin nichts übrig und wenn, dann gehe das drauf für die Strafe durch den Zoll und die Anwaltskosten.

Aber das Riesengeschäft sei der Lieferdienst sowieso nie gewesen. 99 Prozent der Bestellungen kämen über Lieferando. Die seien „der absolute Monopolist“ und strichen 14 Prozent des Rechnungsbetrags ein.

„Warum machen Sie das dann überhaupt?“, will Richter Schug wissen. Weil er Spaß daran habe, gibt der Angeklagte zurück. „Ja, ich habe da wirklich Spaß daran.“ Er bezahle monatlich eine Pacht von 1.500 Euro für die Räumlichkeiten.

Steuerberaterin soll aussagen

Sein 38-jähriger Kompagnon sei auch nicht Geschäftsführer, sondern seine Vertrauensperson. Diesen brauche er insbesondere auch deshalb, weil ein Großteil der Beschäftigten so wie er aus Pakistan stamme und nur Urdu spreche.

Ob das Gericht diesen Angaben des Angeklagten am Ende Glauben schenken wird, bleibt offen. Sie widersprechen in wesentlichen Teilen einigen Zeugenaussagen. Und Richter Thomas Schug lässt auch durchblicken, dass man die Berechnungen des Zolls durchaus für korrekt hält.

Für mehr Erhellung soll nun die Vernehmung der Steuerberaterin der Angeklagten sorgen. Der 59-Jährige hat diese von ihrer Schweigepflicht entbunden. Der Prozess wird am 27. Januar fortgesetzt.

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Kommentare (4)

  • Mr. T.

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    Clickbait! Die Überschrift suggeriert, es ginge um den Wolbergs-Prozess 😉

  • Frieda

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    Ein bißchen viel Prozessberichterstattung in rd? Ich bin mir nur nicht schlüssig liegt’s daran, das die Themen wirklich so interessant sind oder gefällt dem Berichterstatter die kuschelige Wärme in aufgeheizten Gerichten.

  • Stefan Aigner

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    @Frieda

    Es wäre nett, wenn Sie sich irgendwann unter einem Ihrer zehn Pseudonyme entscheiden könnten. Letzter freundlicher Hinweis. Zu Ihrem Kommentar: Unter den 20 Texten auf der Startseite sind vier Gerichtstexte.

  • Mr. B.

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    Liebes RD-Team, nicht beirren lassen!
    Einfach mit Prozessbeobachtungen weiter machen!

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drin