SOZIALES SCHAUFENSTER

Königswiesen

„Königstor“: Noch nicht mal fertig, schon verkauft

Der lange umstrittene Gebäudekomplex an der Dr.-Gessler-Straße ist jetzt Bestandteil eines Investmentfonds.

Soll soll das “Königstor” einmal aussehen. Visualisierung: KGLA

Der nach wie vor im Werden begriffene Gebäudekomplex in Königswiesen hat während seiner Erstellung schon einige Schlagzeilen gemacht. Anwohner liefen Sturm gegen die Planungen. Von einem „Betonkoloss“ war mit Blick auf die bis zu zwölf Stockwerke hohen, sechs Baukörper unter anderem die Rede. Es hagelte Kritik bei städtischen Bürgerversammlungen. Eine Normenkontrollklage, unterstützt von mehr als 100 Nachbarn, die 2016 vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof eingereicht wurde, brachte den vielfach erwünschten Baustopp nicht.

Proteste von Anwohnern und Arbeitern

Zwar wurde festgestellt, dass der entsprechende Bebauungsplan unwirksam sei, allerdings ließ sich das – so der verwaltungsrechtliche Terminus – durch die Stadt Regensburg „heilen“. 2019 einigten sich die Klägergemeinschaften mit den Bauherrn auf (nochmalige) Umplanungen – aus ursprünglich vorgesehenen über 700 Wohnungen wurden zunächst 537, aktuellen Angaben zufolge sollen es jetzt knapp 400 werden, 55 davon öffentlich gefördert.

Proteste von ägyptischen Bauarbeitern, die wegen ausbleibender Lohnzahlungen die Arbeit einstellten und ein Kran besetzten, offenbarten 2020 eine undurchschaubare Kette von Sub-Sub- und Subunternehmen, an deren Ende 25 Arbeiter mangels Sprach- und Rechtskenntnissen das Nachsehen hatten.

Dass die ursprüngliche für dasselbe Jahr avisierte Fertigstellung sich immer wieder verzögerte, wundert angesichts dieser Widrigkeiten kaum jemanden. Nun soll das „Königstor“, so der Name des Komplexes, Mitte 2023 fertiggestellt sein.

Das Königstor und „Wohnen Core 3“

Doch schon vorher hat er kürzlich den Eigentümer gewechselt. Der Weidener Michael Fritsch und der Regensburger Steuerberater Robert Bucher (Projektgesellschaft F+B Grundbesitz Regensburg II GmbH) haben das „Königstor“ zum Anfang des neuen Jahres an die KGAL Investment Management GmbH & Co. KG verkauft, ein Investment- und Asset-Management-Unternehmen, das unter anderem maßgeblich an der Finanzierung der Münchner Allianz-Arena beteiligt war.

Die KGAL verwaltet Gelder in Höhe von etwa 15 Milliarden Euro. Das Regensburger Objekt brauchte man für den Immobilienfonds „Wohnen Core 3“, der ein Eigenkapital von rund 500 Millionen Euro umfasst. Vornehmlich investiert man in Immobilien, Flugzeuge und erneuerbare Energien.

Wie hoch werden die Mieten?

In einer Pressemitteilung preist das Grünwalder Investmentunternehmen die Vorteile des neu erworbenen Objekts mit seinen 392 Wohnungen, sechs Gewerbeeinheiten und einer Tiefgarage mit 640 Stellplätzen – 440 davon für die Bewohner, der Rest für den Einzelhandel. Mit den Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen bediene man „genau die Nachfrage am Regensburger Wohnmietmarkt“. Zwei Drittel der Energieversorgung würden gemäß des nachhaltigen Konzepts über Geothermie erfolgen. Für die künftigen Mieter bringe dies „unterdurchschnittliche Heizkosten“ mit sich.

Völlig unklar ist derweil noch, wie sich der Verkauf auf die künftigen Mieten auswirken wird. Dem Vernehmen nach soll erst im Spätherbst mit der Vermarktung der Wohnungen begonnen werden.

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Kommentare (12)

  • Dugout

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    Name passt, das Ding sieht schon aus wie ein Sekten-Tempel.

  • Madame

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    Das Ding namens königstor ist hässlich bis zum geht nicht mehr. Es ähnelt einen zikurat eines Tempels der summer.

  • Rufus

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    Ursprünglich wurde das Gelände (glaube ich) von der ATU Weiden gekauft. Bin mir jetzt aber nicht sicher. Wer auch immer, er musste dringend Geld investieren: Zwangslage!
    Die haben wohl angefangen. Dann wurde das weiter- und hochgereicht.
    Aber mit Sicherheit ist die Geländegröße niemals ausreichend, wie dieses künstlich imaginierte Gebäude auf dem Bild hier wirkt. Der Grund ist nicht so wahnsinnig groß. Es wirkt zwar groß, aber gegen die Hochäuser in Königswiesen hebt sich das nicht ab. Bin beruflich 17 Jahre daran vorbeigefahren.

  • Samy Ateia

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    “Grünwalder Investmentunternehmen” die Mieten werden wahrscheinlich so teuer werden wie es eben geht, das hier Gewinnmaximierung das oberste Gebot ist lässt schon die Wahl des Firmensitzes vermuten.

  • DrDre

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    Hahahaha…nurnoch zum Lachen was hier abgeht…Armes Bayern aber naja iwo aus iwelche. Ländern werden schon Leute kommen die sich diese Buden leisten können

  • Joao

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    Architektonisch passt der Gebäudekomplex schon in die Gegend. Die Mieten werden sicher dem Grünwalder Standard angepasst werden und zieht bestimmt eher die Oberschicht an. Das kann in diesem Viertel aber nicht schaden.

  • Hansemann

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    Wie war damals noch die Aussage eines ehemaligen grünen Bürgermeisters, dann muss man halt in die Höhe bauen. Jetzt ist der ehemalige grüne Bürgermeister weg und die “alten’ Investoren dieses Gebäudekomplexes sind auch weg. Verrückt,
    und das schlimme ist, dass das Planungsamt der Stadt Regensburg immer involviert war.
    Eine normale, solide Planung gibt es heute gar nicht mehr, weil alle die an einer solchen Planung bis zur Bauausführung mitbeteiligt sind , allesamt auf Wolke “Sieben” schweben. Eine verrückte Welt und das soll schön sein!!!

  • Mr. T.

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    Stefan Aigner, vielleicht sollte nochmal der Satz mit den ägyptischen Bauarbeitern präzisiert werden. Es waren wohl keine Ägypter im Sinne von ägyptischen Staatsbürgern, sondern sogenannte Balkan-Ägypter, also eher Albaner oder Bulgaren, die der Minderheit der Roma angehören. Ist jetzt nicht kriegsentscheidend für den Artikel, aber trotzdem.

  • Madame

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    Es gibt immer betuchte käufer,die zu ihrem zweck wohnungsobliegenheiten sich leisten können. Der zweck heiligt die mittel. Über Geschmack kann man streiten. Königswiesen
    wird oft in rgb auch klein manhattan genannt. Aber der Stadtteil ist nicht mit ausgewählten
    publikum gesegnet. Das königstor verspricht mehr Schein als sein.

  • Privatfrau

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    Na wenn das mal kein neuer “sozialer Brennpunkt” wird. Die architektonischen Voraussetzungen hierfür wurden ja schon mal geschaffen.

  • Mr. B.

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    Sozialer Brennpunkt und Gewinnmaximierung? Wie soll das zusammengehen?

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