Mit Verlaub, Herr Bischof: Hat vielleicht die Justiz die Kinder missbraucht?

Bischof Müller regt mich auf! Seine Reaktion auf den Prozess gegen den pädophilen Priester Peter K., der vorgestern zu drei Jahren Gefängnis verurteilt wurde: Die Justiz ist schuld! Die Medien sind schuld! „Wir sind Kirche” ist schuld! Und irgendwelche „interessierten Kreise” sind schuld! Müller selbst trägt offenbar überhaupt keine Verantwortung. Zumindest hat er sie nicht eingestanden.

Mit Verlaub, Herr Bischof: Hat vielleicht die Justiz die Kinder missbraucht? Haben vielleicht die Medien seit Jahren gewusst, dass Peter K. pädophil ist und trotzdem den Kontakt mit Kindern toleriert? Hat vielleicht „Wir sind Kirche” versucht, diese Pädophilie zu vertuschen? Haben vielleicht „interessierte Kreise” derart falsch gehandelt, dass sich dies strafmildernd für Peter K. ausgewirkt hat??? Nein! Das war die Kirche und hier in Regensburg sind sie nun mal der VERANTWORTLICHE! Von Schuld redet ja überhaupt (noch) keiner! Exzellenz! Es ist doch paranoid, die Realität ständig zu verleugnen und immer irgendeine Verschwörung hinter allem zu vermuten. Reißen Sie sich mal zusammen. Sie sind schließlich Vorbild. Ihr Verhalten greift sonst um sich. Nehmen Sie den Oberbürgermeister. Der gibt auch immer allen anderen die Schuld. Der hat auch für nix die Verantwortung (außer das Gute, Wahre, Schöne). Der regt mich auch auf! (Ent)spannende Lektüre!

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Kommentare (9)

  • Mathilde Vietze

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    Lieber Herr Aigner, dieser Artikel ist Ihnen
    mal wieder ganz besonders gut gelungen. Ich
    schätze an Ihnen, daß Sie ungeschnörkelt Ihre
    Meinung sagen und daß Sie – gerade im Fall
    unseres sog. Hirten Müller – das Sprachrohr
    der schweigenden Mehrheit der Christen sind.
    Die meisten im kirchlichen Dienst tätigen Mit-
    arbeiter teilen diese Meinung, müssen jedoch
    kuschen. Dies aber beileibe nicht, weil sie
    feige sind, sondern, weil ihnen sonst – in
    echt „christlicher“ Manier der Hinauswurf
    droht und damit der Entzug der Lebensgrund-
    lage. Deshalb sollen all jene, denen Bischof und ähnliche Ewiggestrige nicht ans Zeug können, mutig den Mund auftun, denn: Blinder Gehorsam ist nämlich keine Tugend, sondern himmelschreiende Dummheit.

  • Barbara Junghans

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    Wenn in einer Firma ein Mitarbeiter vom Chef an einen Arbeitsplatz gesetzt wird, für den er absolut ungeeignet ist, und wenn er an diesem Platz Mist baut, dann trägt der C H E F die Verantwortung und muß für den Fehler in vollem Umfang geradestehen – und nicht der Mitarbeiter! So einfach ist das.
    Kauft dem hochwürdigen Herrn Bischof einen großen (!) Teppich, damit genügend Raum ist, um alles darunterzukehren in diesem ekelerregenden Fall.

  • Mathilde Vietze

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    Bravo, Frau Junghans und weiter so! Wir
    brauchen mutige Zeitgenossen und keine Un-
    tertanen, die sich jede klerikale Willkür als
    „göttliches Gesetz“ andrehen lassen.

  • Jaqueline

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    „Mit Verlaub, Herr (wer schreibt diesen Unfug hier eigentlich, Herr Neumaier von der SZ???)…Hat etwa der Bischof die Kinder missbraucht???“ Und die Aufforderung “ reißen Sie sich zusammen, Herr Bischof“ grenzt, was die Fallhöhe angeht schon fast an “ Heiliger Vater, wir sind stolz auf Sie, denn sie haben es beruflich und menschlich weit gebracht“ unseres OB Schaidinger. Das ist ja echt lächerlich. Das klingt wie wenn ein Dorfkaplan zum Papst sagen würde er solle sich mal zusammenreißen.

    Ach und Frau Junghans, ich bin ein wenig verwundert: Haben Sie nicht für die CSB kandidiert?? War nicht ein Anliegen der CSB denen eine Alternative zu bieten, die kirchennah sind und konservativ wählen wollen aber ihre Stimme nicht dem Bischofs-und Kirchenbeleidiger Schlegl geben wollen? Seltsam, sie sind da kein Stück besser als der Herr Schlegl, aber die Wahl ist ja auch vorbei.

    Und was Ihren Firmenvergleich angeht. Wie ist denn das in Ihrem Familienbetrieb? Wenn ein Mitarbeiter unter dem Senior-Chef Mist baut und es kommt später raus, geht dann Jahre später der Junior Chef???!?! Warum wird der denn kritisiert??? Logik??

  • Barbara Junghans

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    Liebe Frau Jaqueline, es ist immer einfach, unter dem Mäntelchen der Anonymität andere in die Pfanne zu hauen. Besonders unangebracht ist es, wenn man selbst schlampig recherchiert hat und sich noch dazu einbildet, man habe die Logik gepachtet.
    1)Ich habe keineswegs für die CSB kandidiert, stehe ihr allerdings insofern nahe, als einer der beiden Stadträte mein Sohn ist.
    2)In einem Familienbetrieb ist es selbstverständlich so, dass sollte der Senior nicht mehr da sein, der Junior die Suppe auslöffeln würde, die ihm der Senior eingebrockt hat. Er würde nicht kritisiert werden, aber er hätte sich mit den Folgen der Fehlentscheidung seines Vaters auseinanderzusetzen. Kapiert?
    3) Ihre Anschuldigung, ich sei „kein Stück besser als herr Schlegl“ sollten Sie sich besser noch einmal überlegen. Ich kann sehr unangenehm werden, wenn man mich verleumdet – und das tun Sie, wenn Sie mich als Bischofs- und Kirchenbeleidiger bezeichnen. Ich habe – im Gegensatz zu Ihnen, Kritik am Verhalten von Bischof Müller geübt und das ist völlig berechtigt und da befinde ich mich absolut im Einklang mit einer überwältigenden Zahl von Menschen in ganz Deutschland!!!
    Bevor Sie also das nächste Mal solche unqualifizierten Äußerungen von sich geben, sollten Sie sie vorher auf korrekten Sachverhalt und Logik überprüfen. Sonst müßte ich auch einen Vergleich anbringen und der wäre noch weniger schmeichelhaft.

  • Jaqueline

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    Entschuldigen Sie bitte,ich wollte sie nicht persönlich angreifen, dennoch- vielleicht täuscht mich da ja meine Wahrnehmung aber ist der Satz:“Kauft dem hochwürdigen Herrn Bischof einen großen (!) Teppich, damit genügend Raum ist, um alles darunterzukehren“ denn keine Beleidigung?? Was ist es denn dann? Soll das eine Feststellung sein? Wohl kaum, was hat denn Seine Exzellenz bitte unter den Teppich gekehrt? Da wäre ich jetzt mal auf Ihren korrekten Sachverhalt gespannt. Achja bevor Sie es gleich versuchen: Das sog. „Stillschweigen“ ging von den Eltern des Geschädigten Buben aus.
    Und-seltsamerweise sagte auch noch der zuständige Gerichtsutachter während des Prozesses,dass die Diözese und insbesondere den Bischof in dem ganzen tragischen Ablauf keine juristische oder gar moralische Schuld oder Mitschuld treffe. Tja .

  • Parteiloser

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    Eins steht fest: Die Schuld liegt immer beim Täter, der Bischof hat sich aber gewiss nicht mit Ruhm bekleckert.
    Ich bin schon etwas enttäuscht von ihm.
    Blinde Gefolgschaft hat es von anderer Seite in gewissen Situationen – wo eindeutig vorverurteilt wurde – auch nicht gegeben…

  • Barbara Junghans

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    MZ vom 15./16.03.08: aus dem Artikel geht zweifelsfrei hervor, dass das Bistum Bescheid wußte. RIchter Iglhaut sprach von einer „Versuchungssituation in der der pädiphile Peter K. mit Wissen des Dienstvorgesetzten gebracht worden sei. Das Ordinariat habe vom ersten psychiatrischen Gutachten im Strafverfahren gewußt. Der Dienstvorgesetzte hätte sich dieses Gutachten beschaffen können. etc. Und genau hier ist der Teppich unteer den gekehrt wird. Ihr letzter Satz ist also falsch – aber Sie bekommen dafür sicher einen Sündenablaß im Fegefeuer!
    Im Übrigen bin ich als Protestantin nicht direkt betroffen, „betroffen“ bin ich allerdings von dem Mangel an Erbarmen und menschlicher Zuwendung des Bischofs, auf den die Familie des mißbrauchten Buben so sehnsüchtig gehofft hatten. Seine umgehende Anwesenheit in Riekofen wäre für ihn als Hirte seiner Schafe Christenpflicht gewesen. Das Kind wird vielleicht sein Leben lang die Hypothek dieses Verbrechens mit sich tragen – da wäre etwas menschliche Wärme durch persönlich Anteilnahme angesagt gewesen und nicht eine durch Dritte überbrachte
    nichtssagende Botschaft des Bischofs. Viele Katholiken denken so, das weiß ich aus Gesprächen, auch mit Riekofener Bürgern, aber die wenigstens trauen sich, das offen auszusprechen. Zu groß ist die Angst vor der Macht des Kirchenapparates, die man in den letzten Jahren immer wieder augenfällig präsentiert bekam.

  • Jaqueline

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    Liebe Frau Junghans,
    unabhängig davon, ob Sie protestantisch sind oder nicht (ach übrigens: Wäre es nicht angebrachter Sie kümmern sich dann um „Ihre“ Kirchenpolitischen Sachfragen, ich meine ja nur “ `Bischöfin` lässt sich scheiden usw.) steht es Ihnen nicht zu zu entscheiden, ob ich ins Fegefeuer komme oder nicht. Da ich als Gläubiger Katholik fest an die Erlösung glaube, halte ich mir dann dch lieber die Himmel-Option offen.
    Und damit Sie nicht immer auf die Kompetenz der MZ zurückgreifen müssen, was ihre Hintergrundinfos angeht, so empfehle ich Ihnen folgenden Link, da ist alles gesagt:

    http://www.bistum-regensburg.de/Default.asp?op=show&id=3034

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