Ein Gedenkkranz für den Nazi-Bürgermeister

Ein städtischer Gedenkkranz auf dem Grab von Otto Schottenheim? Bei der Stadtverwaltung weiß man nichts von solch posthumen Ehren für den einstigen Nazi-Bürgermeister. Trotzdem liegt er da – mit offiziellen Bändern der Stadt. Ein übler Scherz oder der Alleingang eines städtischen Mitarbeiters? Fest scheint zu stehen: Ein solcher Kranz liegt dort um Allerheiligen fast jedes Jahr.

Gedenkkranz für Otto Schottenheim: offizielle Farben und Druck der Stadt Regensburg. Bei der Stadt weiß niemand etwas davon. Foto: rw

Dass Regensburg sich im Umgang mit seiner NS-Vergangenheit bisweilen immer noch sehr schwer tut, ist weithin bekannt: die Gedenktafel-Posse um das KZ-Außenlager Colosseum, die Aufarbeitung der Messerschmitt-Historie oder der Missbrauch des Domspatzen-Chors für NS-Propaganda und das heutige Schweigen darüber sind dafür nur ein paar Beispiele. Dass die Stadt aber des einstigen Nazi-Bürgermeisters Dr. Otto Schottenheim ganz offiziell gedenkt, war hingegen nicht zu erwarten. Dennoch liegt seit geraumer Zeit ein Kranz auf dem Grab des überzeugten Nationalsozialisten und glühenden Verehrers von Adolf Hitler (hier ein Porträt von Otto Schottenheim) am Evangelischen Zentralfriedhof. Bei der Stadtverwaltung zeigt man sich ratlos, als wir Verantwortliche dort mit entsprechenden Fotos konfrontieren, die wir nach einem Hinweis eines Lesers Anfang November geschossen haben: Niemand weiß von einer Kranzniederlegung.

Stadt: „Name für Kranzniederlegungen nicht geführt“

Weder im Amt für Rat und Repräsentation – zuständig für Ehrungen noch lebender und verstorbener Bürger –, noch im Stadtgartenamt, wo die Kränze der Stadt Regensburg für solche Anlässe hergestellt und ausgeliefert werden, weiß man etwas davon. „Das Grab von Otto Schottenheim ist kein Ehrengrab und seine Name ist für Kranzniederlegungen nicht geführt“, so eine Sprecherin. Es gebe auch keinen Auftrag der Stadt Regensburg zur Grabpflege. Das bestätigt auch die Friedhofsverwaltung.

Informant: „Dort liegt fast jedes Jahr ein Kranz“

Allerdings, das könne man nicht bestreiten, heißt es aus dem Stadtgartenamt, ist der Kranz mit einem offiziellen Band der Stadt Regensburg geschmückt. Der Alleingang eines Mitarbeiters der Stadtverwaltung oder ein übler Scherz? Es komme ab und an vor, dass Kränze und Blumenschmuck geklaut würden, so Sprecherin Juliane von Roenne-Styra. „Eventuell stammt das Band von da.“ Sollte das so sein, wäre es offenbar nicht das erste Mal. Wie unser Informant, der den Evangelischen Friedhof Regensburg regelmäßig besucht, uns mitteilt, sei es nicht das erste Mal, dass er sich über einen solchen Kranz gewundert habe. „Um Allerheiligen liegt fast jedes Jahr ein städtischer Kranz auf Schottenheims Grab.“

Otto Schottenheim, Regensburger Bürgermeister von 1933 bis 1945, bei der Vorstellung des Modells der „Schottenheim-Siedlung“. (links von Reichskanzler Adolf Hitler stehend). Quelle: Wikipedia

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Kommentare (14)

  • Matthias Süß

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    Ganz dumme Frage: Kann man nicht so ein Band bei jeder Gärtnerei mit jeder gewünschten Beschriftung bestellen?

  • norbert e. wirner

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    ja, kann man.

    man muss auch nicht in eine gärtnerei gehen, man kann es im sitzen erledigen:

    google – „stoffband -> grabschmuck -> bedrucken“

    ab ungefähr 10 euro.

  • CSU-Mitglied

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    Warum diese Aufrgung, auch der 2. Bürgermeister Herr Herrmann wird gewürdigt, Schulen und Straßen sind nach Ihm benannt und er ist bis heute Ehrenbürger der Stadt Regensburg!

  • StuhloderSessel

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    Genau, CSU-Mitglied, warum diese Aufregung?

    In Stuttgart ist sogar eine Mehrzweckhalle nach einem ehem. SSler benannt.
    Alles doch ganz normal: Carstens, Filbinger, Globke, Strauss, Hettlage, Heusinger, Kiesinger, Kraft, Oberländer, Schiller, Seiboth, Speidel…

    Ganz normale Nazis aus ganz normalen deutschen Städten. Das wird man doch wohl noch sagen dürfen!

  • miles

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    wenn es die npd nicht gäbe, dann währe es die csu

  • Matthias Süß

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    Wenn es die Stadtverwaltung nicht war, und davon gehe ich aus: Wer hat ein Interesse daran? Wer kann einen kleinen Nazi-Skandal brauchen? Und warum ein anonymer „Informant“? Da wird doch nicht die Antifa…

  • Birte

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    Und wem nutzen Ihre Postings, Süß?
    Als SEO scheint man damit Geld zu verdienen, dämliche Postings in schlechtem Deutsch auf allen möglichen Blogs zu veröffentlichen, oder? Ein ideologischer Rechtsausleger aus dem Bilderbuch. Bayernpartei, wen wunderts…

  • Schlichtinger statt Schottenheim | Regensburg Digital

    |

    […] Rätsel um den städtischen Gedenkkranz auf dem Grab des einstigen NS-Bürgermeisters Otto Schottenheim hat den Verantwortlichen bei der Stadt Regensburg keine Ruhe gelassen. Über das Gartenamt wurden […]

  • Matthias Süß

    |

    @Birte

    Würden Sie uns Ihren Beruf verraten? Auch wenn ich nicht weiss, was das mit der Diskussion zu tun hat. Ich würde diese Information gerne so sinnfrei in den nächsten Kommentar einbringen wie Sie meinen.

  • Matthias Süß

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    @Birte

    Cui bono?

    Ich warte ja immer noch darauf, einen halbwegs intelligenten Halbsatz von Ihnen lesen zu dürfen. Im Gegensatz reflektiere ich nicht nur, was ich schreibe, nein, ich beziehe mich sogar auf den Inhalt des Artikels. Es mag für Sie völlig überraschend sein, aber es geht tatsächlich ohne persönliche Beleidigungen.

    Niveau gibt es nicht in kleinen blauen Dosen.

    Und nun versuchen Sie einmal ohne Scheuklappen zu denken. (Das tut anfangs weh. Der Schmerz nimmt aber nicht nur von Mal zu Mal ab, sondern macht irgendwann sogar Spaß!)

    Wem nützt so ein Kranz, der einen kleinen Skandal provozieren soll?

    Lassen Sie sich ruhig Zeit mit Ihrer Antwort.

  • Die Tageszeitung und der städtische Wanderkranz | Regensburg Digital

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    […] berichtet, hatten wir die Stadt nach dem Hinweis eines Lesers damit konfrontiert, dass ein offizieller Gedenkkranz auf Schottenheims Grab liegt. Mehrere Ämter haben daraufhin ausdrücklich dementiert, dass dies auf dem städtischen Mist […]

  • B.Werber

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    Auszüge aus dem Bayernpartei-Artikel bei Wikipedia:
    (Für die Richtigkeit übernehme ich keine Verantwortung, es könnte noch schlimmer sein:)

    „Die Bayernpartei (kurz: BP) ist eine regionale Kleinpartei, die ausschließlich in Bayern aktiv ist. In der Wissenschaft wird sie teils als reaktionäre[…], teils als christlich-konservative[…] Partei beschrieben. Ihr wichtigstes politisches Ziel ist der Austritt Bayerns aus dem deutschen Staatsverband.“

    „In der Folge sammelte die BP junge Monarchisten und Separatisten.“

    „Mit dem Ausscheiden aus dem Bayerischen Landtag folgte der jähe Sturz in die Bedeutungslosigkeit. Daran änderte auch nichts, dass die Partei sich von einigen Dogmen verabschiedete und neue Wählerkreise zu erschließen versuchte. Bei den Landtagswahlen 1970 setzte die Bayernpartei in ihrer ehemaligen Hochburg Niederbayern auf Benno Herrmannsdörfer als Spitzenkandidaten. Dieser war wenige Wochen zuvor als Landesvorsitzender der NPD zurückgetreten.“

    „Das dominierende politische Ziel der Bayernpartei ist die Schaffung eines eigenständigen bayerischen Staates, um sich des „schon seit Jahrzehnten anhaltenden Zuzugs von außen erwehren und den Ausverkauf Bayerns verhindern“ zu können. Bis dahin gelte es, „jeden Angriff und Übergriff auf die staatlichen Hoheitsrechte Bayerns mit allen Mitteln zu bekämpfen“. Nach Kranenpohl ist die Unabhängigkeit jedoch kein Selbstzweck, sondern Mittel zur „Aufrechterhaltung der christlichen und konservativen Gesellschaftsordnung“.“

    „Im Jahr 2010 unterstützte die Bayernpartei als einzige Partei […] das hauptsächlich von Tabakindustrie und Tabakgroßhandel[…] finanzierte „Aktionsbündnis ‚Bayern sagt nein!‘ für Freiheit und Toleranz“. Diese Initiative wollte eine Ablehnung des Volksbegehrens „Für echten Nichtraucherschutz!“ erreichen – ein Vorhaben, das deutlich scheiterte.“

    „Peter Fendt, der wirtschaftspolitische Sprecher der Bayernpartei, zweifelt an der Ursächlichkeit menschlicher Aktivität an der globalen Erwärmung. Er lehnt staatliche Eingriffe zu deren Eindämmung aus Kostengründen ab.“

    Zweitstimmenanteil der BP bei der Bundestagswahl 2009: 0,9%. Und mir wärs recht, wenns dabei bliebe.

  • Matthias Süß

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    @B.Werber

    Gratulation an B.Werber, der Wikipedia zumindest schon einmal lesen kann. Jetzt kommt der absolute Geheimtip: die Lasche Versionsgeschichte. Dort wird man einen msuess finden, der diesen Artikel wissenschaftlich aufgearbeitet hat. Jetzt ist nur noch eine kleine Transferleistung notwendig, man kann diese auch erklicken. Nur Mut! :)

  • Studi

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    @Süß
    @Werber

    Schön, dass ihr beiden hier im Forum Eure persönlichen Streitereien austragt. Interessiert zwar keinen und hat Null mit dem Artikel zu tun, aber was tut man nicht alles aus Geltungssucht.

    @Redaktion

    Könnt ihr die beiden Trolle bitte endlich sperren?

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