Ein Fest im geschundenen Viertel

Die Ruine ist weg, den Rasen gibt es noch: Zum wohl letzten Mal stand das Ostermeier-Gelände für die Öffentlichkeit offen. Foto: Herbert Baumgärtner
Beim Ostengassenfest ist eben alles ein wenig anders. Ehrlicher. Nicht so geleckt, nicht so professionell, locker. Und auch wenn es dort ebenso wie beim Bürgerfest Fressbuden in Reihe gibt, weiß man doch nie, wie sie am Ende ausschaut. Und ob sie schmeckt – die Steak- oder Würschtlsemmel, die einem unter irgendeinem der vielen unterschiedlichen Pavillons in die Hand gedrückt wird. Selbiges gilt für den Döner.
Wer sich rechtzeitig anmeldet, darf endlich mal auf den Ostenturm kraxeln oder sich den heruntergekommenen Österreicher-Stadel von innen anschauen. Auf den Bühnen von Schwanenplatz bis Donaumarkt spielt die Schrammelband zwischen den Geheimtipps und Local Heroes (Wohl dem, der ein Programm hat und auch über die Verschiebungen angesichts des immer mal einsetzenden Regens Bescheid weiß.). Und es ist irgendwie politisch dieses Fest, ohne dass das gezwungen wäre. Da diskutiert der Ostengassler schon mal mit dem Stadtrat bei einem Bier, über das was hier passieren soll und dass das mit dem Verkauf des Ostermeier-Geländes am Donaumarkt „schon irgendwie gemauschelt“ war.
Zwischen den Bierbänken und Bühnen so vielen Infoständen von Gruppierungen und Parteien wie man sie selten bei einem der zahlreichen glatt gebügelten Events in Regensburg findet: Attac, Greenpeace, Amnesty International. Und tatsächlich treiben sich da auch Leute rum, die das interessiert. Am Stand der BI Asyl etwa wird über das Protestcamp der Flüchtlinge auf dem Neupfarrplatz diskutiert, oder man unterhält sich über dies und das, stößt einfach mal mit dem Bier an und frotzelt in Richtung des Saftladens von der SPD. Schließlich scheint grad die Sonne. Dazwischen steht ein großes Freiluftschach, auf dem sich gerade zwei Vierjährige ein kleines Kräftemessen liefern (Bauer gegen Dame).
Den Linken hat zwar der kleine Sturm am Samstag ihren Pavillon abgeräumt, sie sind aber immerhin in Form von Ulrich Teichmann präsent, der als mittelalterlich verkleideter Troubadour zwar eigentlich beim Spectaculum auf dem Grieser Spitz unterwegs ist, aber schon mal die Seiten wechselt, um auch beim Ostengassenfest ein wenig die Laute zu spielen. Politisch und musikalisch.
Einen Stand der CSU sucht man vergeblich – für die ist die Ostnerwacht nach den jahrelangen Donaumarkt-Stadthallen-Debatten vermintes Terrain, aber beim Stand des „Round Table Regensburg“ treibt sich zumindest Fraktionschef Christian Schlegl herum, hämmert ein paar Nägel in einen Hackstock und ruft Fotografen zu: „Is das jetzt ‘Schlegl haut drauf’ oder ‘Schlegl macht Nägel mit Köpfen’? Na ja, ihr werdet’s schon brauchen können.“
Seit acht Jahren gibt es das Gassenfest, seit der Zeit, als die Sozialen Initiativen (SI) 2004 aus dem damals noch Kittel- heute Stadtmaus-dominierten Bürgerfest gekegelt wurden. Zum zweiten Mal findet es heuer rund um die Ostnerwacht statt. Als Ostengassenfest eben. „Um die Aufmerksamkeit auf das Viertel zu lenken“, wie SI-Chef Reinhard Kellner gern sagt. Das gelingt.
Nicht nur, weil Reiner Schmidt (Forum Regensburg) und seine Mitstreiter an einem eigenen Stand über die Geschichte der Ostnerwacht, die Zerstörung dieses Viertels und die aktuellen Pläne fürs Museum der Bayerischen Geschichte informieren. Und darüber, dass da schon so einiges verkauft wurde, um luxussaniert zu werden.
Es funktioniert auch deshalb, weil es den Besuchern auffällt, dass beim Fest vor zwei Jahren da, oben am Donaumarkt, noch eine Ruine stand – mit Musik und Bühne. Dass das jetzt ein kahler, leerer Platz ist, wo man nur noch ein eingezäuntes Fundament sieht. Das muss noch weg, bevor hier ein Investor (Immobilien Trepnau) mit dem Geldverdienen anfangen kann. Erzählen können einem das viele beim Ostengassenfest. Gut finden das die die Wenigsten – abgesehen von einem achselzuckendem „Zumindest tut sich was“.
„Irgendwas müssen die auch den Bürgern noch dafür geben, dass hier ein paar Investoren den Riesenreibach machen“, murmelt Reiner Schmidt. Horst Meierhofer hört’s am Nachbarstand und deutet an, gleich zum Diskutieren rüber zu kommen. Vorher bläst er aber noch einen Luftballon auf.



