Creative Monday

Pitchen, bis das Licht ausgeht

Am Montagabend fand der dritte Creative Monday in Regensburg statt.

Der 3. Creative Monday Regensburg fand am Montagabend im Haus Heuport statt. Fotos: ld.

Der 3. Creative Monday Regensburg fand am Montagabend im Haus Heuport statt. Fotos: ld.

Gegen halb zehn ging das Licht aus – zumindest im Vorraum des Ateliers von Micaela Sabatier im Haus Heuport, wo der „Creative Monday Regensburg“ am Montagabend stattfand.

Der unerwartete Rausschmeißer war eigentlich als „Reinschmeißer“ gedacht. Schließlich legt im etwas stickigen Hauptraum gerade Säm Wagner zu poppigen Visuals auf. Die knapp 100 Gäste, die sich von der Einladung an die „Kreativ- und Kulturwirtschaft“ angesprochen fühlten, sollen sich deshalb bitteschön dort aufhalten, sich unterhalten, sich austauschen, eben „netzwerken“ und eigene Projekte „pitchen“.

Offizieller Teil soll kurz gehalten werden

Weil viele in diesem ungezwungenen Teil des Abends den Hauptwert des Creative Mondays sehen, soll das offizielle „Gepitche“ möglichst kurz gehalten werden. Ausgewählte Gruppen und Projekte wurden eingeladen, sich selbst in jeweils etwa fünf Minuten vorzustellen. Nach einer schwungvollen Eröffnung durch die „Quetsch’n’Roll“-Formation Almost Heart-Chor heißt zunächst Sebastian Knopp, der neue Clustermanager Kreativ- und Kulturwirtschaft (KuKW) bei der Stadt Regensburg, die Gäste willkommen.

Knopp will sich künftig vor allem auf seine Arbeit bei der Stadt konzentrieren, doch ehrenamtlich auch beim Creative Monday weiterarbeiten. „Das liegt mir sehr am Herzen“, sagt er, bevor er das Wort Thomas Spitzer gibt, der den Abend moderieren soll.

Sebastian Knopp, Mitinitiator des Creative Monday und neuer Clustermanager "KuKW" der Stadt Regensburg.

Sebastian Knopp, Mitinitiator des Creative Monday und neuer Clustermanager „KuKW“ der Stadt Regensburg.

kreativForum stellt sich vor

Unter Moderation scheint Spitzer jedoch in erster Linie eine ausufernde Selbstpräsentation zu verstehen. Auf gefühlten 30 Powerpoint-Slides und in deutlich mehr als fünf Minuten erzählt er von sich und seinen Leistungen und Projekten, aber auch von seinem Vater, Pressekritiken und seinen bisherigen Wohnorten. Irgendwann bricht Knopp ab und erinnert Spitzer an seine eigentliche Aufgabe. Bis dahin warten viele im Publikum noch auf eine Pointe, die die Selbstdarstellung Spitzers als Ironie enttarnt. Wenn es diese Pointe gibt, dann ist sie jedoch besonders gut getarnt.

Stellte das kreativForum vor: Carola Kupfer.

Stellte das kreativForum vor: Carola Kupfer.

Auf deutlich mehr Interesse im Raum stößt da schon die Vorstellung des kreativForums, jenem Zusammenschluss aus Branchenvertretern der „KuKW“, die sich Ende 2014 auf Wunsch von Oberbürgermeister Joachim Wolbergs hin gegründet hat. Neben einem allgemeinen Abriss des Forums, das in erster Linie „netzwerken“ will, werden auch die derzeitige Arbeit an der Bespielung des Deggingerhauses in der Wahlenstraße (es wird ein Name gesucht) und die geplante Online-Plattform für die Kreativbranche (eine Art lokales Xing) präsentiert.

Jörg Roscher und Carola Kupfer, zwei der drei SprecherInnen des kreativForums, betonen besonders die Offenheit des Zusammenschlusses auch in Richtung nichtkommerzieller Kulturakteure und die Uneigennützigkeit ihres Engagements. Darum hatte es in der Vergangenheit verschiedene Diskussionen gegeben.

Die Band Almost Heart-Chor sorgte für die musikalische Untermalung.

Die Band Almost Heart-Chor sorgte für die musikalische Untermalung.

Knopp: „Ich sehe mich vor allem als Ansprechpartner“

Neben bayernkreativ (der Initiative des Bayerischen Wirtschaftsministeriums für die „KuKW“), der Kreativschmiede Kopfkino Kollektiv, Transition Town und dem Spielfilmprojekt „Waldsterben“, das derzeit in Regensburg produziert wird, stellt sich auch Sebastian Knopp noch einmal dezidiert als Clustermanager vor. „Ich arbeite mich nach wie vor ein“, sagt er über seine Stelle beim Amt für Wirtschaftsförderung, die er zum 1. März angetreten hat. Seine Hauptaufgabe sieht er vor allem „als Ansprechpartner“.

"Wir wollen Potenziale sichtbar machen": Jörg Roscher vom kreativForum.

„Wir wollen Potenziale sichtbar machen“: Jörg Roscher vom kreativForum.

„Ich bringe euch in die richtigen Netzwerke“, verspricht er. Gelder könnten und dürften er bzw. die Stadt keine an Einzelunternehmen verteilen. „Das wäre Bevorteilung und Wettbewerbsverzerrung.“ Ausdrücklich weist Knopp außerdem daraufhin, dass er und das Amt für Wirtschaftsförderung sich um die wirtschaftliche Seite von Kreativ- und Kulturberufen kümmerten. Mit dem Aufgabenbereich des Kulturreferats habe dies nichts zu tun.

Licht aus, alle rein

Als es nach dem Programm dann in den lockeren Teil des Abends geht, haben viele „Kreative“ das Haus Heuport schon verlassen – was schade ist, da sich im Nachgang viele ergiebige Gespräche zwischen den Besuchern entfalten. Diejenigen, die noch dableiben, verteilen sich über die Etage und den kleinen Raucherbereich im Innenhof.

Lars Smekal (l.) und Constantin Weber (m.), Regisseur und Produzent des Spielfilms "Waldsterben".

Lars Smekal (l.) und Constantin Weber (m.), Regisseur und Produzent des Spielfilms „Waldsterben“.

Insgesamt zeichnet sich anhand dieses Abends auch eine Tendenz ab, wie es mit dem Format „Creative Monday“ in Regensburg weitergehen könnte. Als lockerer, ungezwungener Treffpunkt macht das Format Sinn und insbesondere losgelöst von einem reinen „Business-Charakter“ durchaus auch Spaß – zumindest, bis das Licht ausgeht.

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Kommentare (6)

  • Mathilde Vietze

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    Stell‘ Dir vor, es ist „kreativ monday“ und keiner geht hin.

  • B.Kant

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    Der Verfasser meint es doch einfach gut mit diesem Artikel. Subjektive Einbringungen durch den neuen Moderator hinsichtlich der Berichterstattung durch RD mit der Färbung, die mögen uns eher nicht so hin zu positiven Erwähnungen des allgegenwärtigen Mainstreamjournalismus der ansässigen Lokalpresse sollte den Verfasser weiter ermutigen, einer hofierten Berichterstattung entgegenzutreten.
    Elevator-Pitch wäre eigentlich das Schlagwort, dass sich der CRM-R, mal gründlicher ansehen sollte. Das aus der Gründerszene stammende „Fahrstuhl-Gepichte” hätte an diesem Abend zu keinem Zweitkontakt geführt. Bis zu dem Zeitpunkt meines Verlassens der Örtlichkeit, das bis dahin mit Fremdschämgefühlen belegt war, konnte nur der Beitrag zum Kulturform als inhaltlich und in der Ausführung mindern und als gelungen bezeichnet werden. Ein neuer Moderator, der mit Negationen andere Beispiele nennt, um sein TUN in den Olymp zu heben oder eine Vertreterin aus Nürnberg, die offensichtlich sehr überrascht war, ob der Besucherfülle (dazu später mehr), konnte eigentlich nicht wirklich darstellen, oder ich war da gerade mental abwesend, was denn nun das Bayernaktiv so macht und wofür sie Steuergelder aus dem Wirtschaftsministerium beziehen. Da hat anscheinend die Ministerin Aigner, dem Minister Söder einen Gefallen tun wollen, das DING in Nürnberg anzusiedeln. Der Eindruck und auf Nachfrage in Nürnberg, weiss das dort auch so keiner genau, was da eigentlich laufen soll. War ja fast noch keiner dort. Das könnte vielleicht auch der Grund sein, warum das Dialogforum dann erstmal in Regensburg stattfindet, könnt man fast meinen. #anyway
    Ein Firmeninhaber mit seiner Präsentation zu einer möglichen Plattform und er wird sicherlich in nächster Zeit das Aushängeschild werden für strukturierte und inhaltlich aussagekräftige Präsentationen. Nicht wirklich.
    Die einzig richtige Pointe (den der Autor bei der Moderation suchte) hätte eigentlich nur die Darstellung seiner Einkommenssteuererklärung sein können, so als Spiegel für den größten Teil der Kreativwirtschaft hier in Regensburg. Aber die sucht er noch, der Moderator. #vermutlich.

  • peter

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    ich hatte zu einem anderen artikel von RD
    http://www.regensburg-digital.de/wider-den-kreativbegriff/19022015/
    (20. Februar 2015 um 10:14)
    ueber diesen montagskuenstler/wirtschaftskoenner-verein (aka c(oder)kreativforum bereits mal kommentiert, das es eine schande ist, das es nur eine facebookseite gibt, die zwar angibt es existierte eine seite
    http://www.creativemondayregensburg.de/
    die aber eben nur dieselbe facebookseite zu tage fördert.
    wenn das die leute sein sollen, die wirtschaftskraft aus kultur fuer regensburg generieren sollen ( was ich grundsaetzlich fuer einen fehler halte, da das nur arriviereten selbstdarstellen den teppich bereitet) dann sollte es moeglichst schnell mal jemand schaffen eine orginaere HP aufzusetzen.
    ich wuensche den stadtseitig mit poestchen und raeumen gepamperten c/kreativen alles gute, aber ernst nehmen kann ich dieses konglomerat beim besten willen nicht.
    (an dieser stelle sei auf meinen anderen kommenta zum oben genannten RD-artikel verwiesen.
    (19. Februar 2015 um 13:14 )

  • HabaKuKW

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    Quetsch it out!
    Erschreckende Parallelen zur letzten Europabrunnendeckelveranstaltung:
    Nur mit Kohle aber komplett ohne „Bong“.

  • Holme

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    Der Creatve Monday sollte inkl. Kreativforum mal ernsthaft über eine Frauenquote nachdenken. Ich seh da fast nur Männer auf der Bühne. Na ja. Typisch bayerische Provinz halt.

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