Droben von der Kugel

Qualitätspakt Leere

Morgen UniEin Förderprogramm für Hochschulen und Unis passt perfekt in den Zeitgeist: Konkurrenz, keine längerfristige Verantwortung und das Zurückstellen humanistischer Ausbildung hinter ökonomische Denkweisen.

Kolumne von Hieronymus Mercator

Seit 2011 fördert der Bund viele Hochschulen Deutschlands mittels des sogenannten „Qualitätspakt Lehre.“ Um genau zu sein 186 Hochschulen in allen 16 Bundesländern. Die OTH Regensburg bekommt beispielsweise 1,8 Millionen Euro Fördergelder. Auch die Universität Regensburg stellte einen Antrag und erhält nun bis 2016 Fördermittel von mehr als elf Millionen Euro. QuiRL nennt sich das Ganze: „Qualität in der Regensburger Lehre.“ Doch wie sieht diese Qualität aus?

Man hat das Gefühl, wenn mit dem Wort Qualität um sich geworfen wird, dass dies oftmals zu einem leeren Schlagwort verkommen ist. Alles ist und will heutzutage qualitativ hochwertig sein, von Fast Food über Kleidung vom Discounter bis eben zur universitären Lehre.

QuiRL schafft zwar Vorteile…

Fakt ist zwar, dass die Fördersumme viel Gutes schafft für die Regensburger Universität. Vor allem für Studiengänge, die normalerweise keine großen Sponsoren aufweisen können. Ein Blick in den Norden des Campus genügt und man sieht die Gebäude der OTH wie Pilze aus dem Boden schießen. Doch wer sponsert beispielsweise die pädagogischen Projekte? Selbstverständlich kein Technologiekonzern. So kommt die Förderung durch den Bund eben der Lehrerausbildung zugute. Ebenso wurden neun zusätzliche Professuren geschaffen, drei davon in Erziehungswissenschaften und drei weitere Didaktik-Professuren. Zwei von den letztgenannten sind sogar fachdidaktische Professuren für Naturwissenschaften.

… es endet aber nun einmal

Das klingt doch gar nicht so schlecht. Also was gibt es hier zu meckern? Das Problem ist, der Förderzeitpunkt endet nun einmal irgendwann, da er nur auf fünf Jahre ausgelegt ist. Der Qualitätspakt Lehre geht ab 2016 in die zweite Runde und dafür ist ist eine erneute Bewerbung nötig, die selbstverständlich auch angenommen werden muss. Diese zweite Runde ist natürlich auch nur bis 2020 begrenzt. Zukunftsfähig ist dieses Konzept also nicht. Denn was passiert mit den neun Professoren nach den fünf Jahren? Selbstverständlich können sie in dieser Zeit einen Lehrstuhl erhalten, der aus den regelmäßigen Töpfen einer Universität finanziert wird, und die Berufserfahrung der „QuiRLigen Professur“ als Referenz nutzen. Aber was hat das für die Qualität einer Universität zu Folge?

Qualitätspakt Lehre passt in den Zeitgeist

Der Qualitätspakt passt perfekt in unsere Zeit, in der niemand dauerhaft in die Zukunft investieren, sondern nur temporär Projekte unterstützen möchte. Eine Zeit in der die Bologna-Reform die humanistische Ausbildung in der Wissenschaft zugunsten ökonomischer Denkweisen zurückstellt. Eine Zeit in der niemand mehr längerfristig Verantwortung übernehmen möchte.

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Wie eingangs geschrieben, alles soll heute von hoher, qualitativer Güte sein. Aber eine Professur ist nicht wie ein Smartphone, das alle drei, vier, fünf Jahre ausgetauscht wird. Wissenschaft verkommt zur schnelllebigen Ware, auch wenn zu einer qualitativen Ware. Selbstverständlich kann man diese Förderung der Universität Regensburg nur gut heißen. Aber was ist das für eine Bildungslandschaft, wenn Universitäten wie Unternehmen gegeneinander konkurrieren müssen, um Gelder zu erhalten, um Stellen zu schaffen, die bitter nötig sind?

Eine vernünftige Ausbildung von Lehrkräften sollte nicht von solchen Faktoren abhängig sein, da die Ressource Bildung die einzige ist, die Deutschland wirklich noch besitzt. Und gute Lehrkräfte werden gebraucht in den nächsten Jahren wie die Prognose des Bayerisches Kultusministerium zeigt.

Wer sich mehr über den Qualitätspakt Lehre informieren möchte, kann dies auf der Seite des Qualitätspaktes tun, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung betrieben wird.

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Kommentare (2)

  • erich

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    ob es was nützt steht auf einem anderen Stern, denn kürzlich war zu lesen, im Jahr 2012 bekamen über 600.000 Akademiker nur Mindestlöhne bezahlt, von denjenigen die als Freiberufler an der Armutsgrenze leben, als Praktikanten für Lau arbeiten oder als arbeitslose Absolventen in keiner Statistik erscheinen ganz zu schweigen.

  • QC-law

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    Welch qualitätsarme Argumentation! Welcher Zusammenhang besteht aus hohen Lehrniveau und Langzeitvertrag?
    Ist ein hohes Niveau (Qulität) etwa durch jährliches jahrzehntelanges Wiederholen des alten Wissens durch immer die selbe Person sicherstellbar?

    Zustimmung allerdings beim opfern des Humanitären zu Gunsten des Ökonomischen. Gleicht einer gesellschaftlichen Neutronenbombe.

    Weisheit wird ersetzt durch Wissen, Wissen wird ersetzt durch Daten.
    Eine Struktur ausgeglichener Individuen wird da schwierig.

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