Regensburger Brückenstreit: UNESCO tagt im Juni über Ersatztrasse

montage-westtrasse Vor Juni wird es keine weiteren Beschlüsse in Sachen Ersatztrasse für die Steinerne Brücke geben. Wie Oberbürgermeister Hans Schaidinger am heutigen Donnerstag verlauten ließ, wurde die UNESCO am 21. Januar von den städtischen Brückenplänen informiert. Zum ersten Mal auch offiziell. Bislang hatte es zu dem Thema nur informelle Gespräche mit Spitzenvertretern der UNESCO gegeben. Jetzt wird der formelle Dienstweg eingehalten. Die UNESCO erhielt einen „umfassenden Bericht der Stadtverwaltung“ zum Thema Ersatztrasse, den anschließend das Welterbekomitee behandeln wird. „Ich habe mich zu diesem Schritt entschieden, auch wenn wir nicht dazu verpflichtet sind“, sagt Schaidinger. Er wolle eine „formelle Äußerung der UNESCO, damit diese spekulativen Auseinandersetzungen aufhören“. Diese „spekulativen Auseinandersetzungen“ gibt es vor allem in Bezug auf die Westtrasse – vom Schopperplatz in Richtung Weißgerbergraben. Die Diskussion zwischen Denkmalexperten hatte zuletzt vergangenen November hohe Wellen geschlagen. Schon länger bekannt ist die ablehnende Haltung des bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege. Anfang November hatte aber auch Professor Achim Hubel, Denkmalexperte für Regensburg und Mitglied beim Fachberatergremium ICOMO im Rahmen eines Gesprächs mit unserer Redaktion persönliche Bedenken gegen die Trasse geäußert. Weitere Medien griffen das Thema auf. Es gab ein überregionales Echo, selbst der Vergleich mit dem Streit um die Dresdner Waldschlösschenbrücke wurde dabei gezogen. Vor allem die Stadt Regensburg machte daraufhin Druck. Hubel legte, nachdem seine Äußerungen heftige Wellen geschlagen hatten, sein Amt als Berichterstatter für Regensburg nieder. Offenbar insbesondere auf Druck von Professor Michael Petzet, Präsident des ICOMOS-Nationalkomitees. Der bezeichnete die Brückenpläne als „vergleichsweise harmlose Angelegenheit“. Die Stadt habe ICOMOS und die UNESCO stets ausreichend informiert (Mehr dazu). Dann wurde es stiller um das Thema, abgesehen von der einen oder anderen gehäßigen Bemerkung des Oberbürgermeisters in Richtung Achim Hubel. Sei es wie es will. Nun geht die Stadt also erstmals den offiziellen Weg und muss damit die Entscheidung des Welterbekomitees der UNESCO abwarten. Das Gremium tagt voraussichtlich Ende Juni. So lange soll es laut Schaidinger auch keine weiteren Entscheidungen zum Thema Ersatztrasse gegeben. Bislang gilt ein Beschluss vom 14. Oktober vergangenen Jahres, mit dem die Verwaltung beauftragt wurde, einen zweistufigen Wettbewerb vorzubereiten. Zunächst sollen Brückenplänen – sowohl für die West- wie auch die Osttrasse – ausgearbeitet werden. Dann folgt ein Realisierungswettbewerb. In der nächsten Sitzung des Planungsausschusses im März soll das Wettbewerbsverfahren vorgestellt werden. Die SPD hat für sich die Westtrasse offiziell als Favoriten ausgegeben hat. Sollte diese Variante scheitern, bleibt die Osttrasse durch das Naherholungsgebiet Grieser Spitz im Rennen. Dazu SPD-Bürgermeister Joachim Wolbergs: „Es gilt der Koalitionsvertrag, den alle unterschrieben haben. Wenn die Westtrasse nicht geht, wird die Osttrasse geprüft.“ Im Bild oben: Montage einer möglichen Westtrasse.

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Kommentare (2)

  • Kurt

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    Schon wieder ein Recherchefehler: Hubel war nie Berichterstatter für Regensburg, weil die Berichterstatter immer einer anderen Nationalität angehören. Das ist bei allen Welterbestätten so.

    Herr Aigner fangen Sie an zu schludern, oder sollte dieser Fehler mit Hintergedanken hier hingekommen sein?
    Erst neulich wurde Ihnen bei einem Artikel gegen die Stadt ein Recherchefehler aufgezeigt.
    Auffällig ist, dass die Recherchefehler (vgl. Sitzungprotokolle Straubing) immer im positiven Einklang mit der Meinung des Artikelautoren zu stehen scheinen.

    Anmerkung der Redaktion

    Wir verweisen auf den von Professor Hubel veröffentlichten Lebenslauf.

    Unter „Funktionen und Mitgliedschaften“ ist zu lesen:

    „Seit 2000 Mitglied der ICOMOS Expertengruppe für das Monitoring der Welterbestätten in Deutschland (Berichterstatter für Bamberg und Regensburg)“.

    Genau dieses Amt hat Hubel als Reaktion auf die Kritik der Stadt Regensburg und von Professor Michael Petzet niedergelegt. Uns liegt auch eine entsprechende Aussage von Herrn Petzet vor.

    Ein offizielles Monitoring (=Prüfung) bei Strittigkeit eines Bauvorhabens in einer Welterbestätte wird dagegen nicht von Berichterstattern der betroffenen Nation durchgeführt.

  • Dr. Lutz Tittel

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    Nach meiner Einschätzung wird die UNESCO sich leider nicht im Juni 2009 auf ihrer turnusmäßigen Welterbekommission mit den Ersatztrassen für die Steinerne Brücke befassen.

    Die UNESCO geht nicht auf Informationen über städttische Brückenplanungen ein. Sie wird wohl die Empfehlung abgeben, eine konkrete Planung vorzulegen, die dann auf ihre Vereinbarkeit mit dem Welterbestatus überprüft werden muss.
    Dies wäre jedenfalls der korrekte Weg entsprechend der Welterbekonvention.

    Das Vorgehen von OB Schaidinger ist ein leicht zu durchschauendes politisches Spielchen. Die oberste bayerische Denkmalpflegebehörde führt schon seit Jahren aus, dass die Westtrasse der geplanten Ersatztrasse aus Denkmalschutzgründen nicht machbar sei. Dies wird nun versucht, via UNESCO auszuhebeln. Auch die SPD spielt in diesem Zusammenhang ein falsches Spiel, denn mit ihrem Votum für die Westtrasse nimmt sie die klare Stellungnahme der obersten bayerischen Denkmalpflegefachbehörde nicht ernst. So sieht kein verantwortlicher Umgang mit dem Welterbegedanken aus, bei dem der „Schutz des Kultur- u. Naturerbes der Welt“ an oberster Stelle steht.

    Als „Scherz“ sei noch einmal auf das sogenannte Steering Comittee verwiesen, welches die Stadt Regensburg seit 2006 angeboten hat einzurichten.

    Die UNESCO teilte dem Verfasser dieser Zeilen mit, dass es erstmals vor Weihnachten 2008 tagen würde.
    Bis heute ist dieses Steering Comittee, dessen Aufgabe die kritische Überprüfung städtischer Projekte wäre, die das Kulturerbe betreffen, nicht installiert.

    Dr. Lutz Tittel

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