Ferienausschuss

Scharfe Kritik an Umbauplänen für DEZ-Kreuzung

Gegen die Stimmen von ÖDP, Grünen und Partei bringt der Ferienausschuss die Umbaupläne für die DEZ-Kreuzung auf den Weg.

Die Umbaupläne für die DEZ-Kreuzung in der Beschlussvorlage.

Allzu große Begeisterung löst sie bei Grünen und ÖDP nicht aus – die Vorlage zur Erhöhung der Verkehrssicherheit für Radler, die am Donnerstag im Ferienausschuss des Regensburger Stadtrats diskutiert wurde. Wie berichtet, sollen geradeaus fahrende Radler eigene Grünphasen erhalten, um künftig die Abbiegeunfälle zu vermeiden, bei denen es zwischen 2016 und 2018 75 Verletzte und einen Toten gab. Seit 2020 liegt der Stadt ein entsprechendes Gutachten vor, dass sie zum Handeln verpflichtet.

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Planungsamtschefin verweis auf Dringlichkeit des Themas

Doch die Kritik beginnt schon bei der Terminierung der Beschlussvorlage: Warum man das Thema im Ferienausschuss beraten müsse und nicht im Planungsausschuss, will Grünen-Fraktionschef Stefan Christoph nicht einleuchten. Eine vernünftige Debatte sei doch im zuständigen Fachausschuss weitaus besser aufgehoben, moniert er.

Das hätte schon längst im Planungsausschuss debattiert werden müssen, kontert Planungsamtschefin Tanja Flemmig. Schließlich handle es sich, wie berichtet, um einen Unfallschwerpunkt. Die Stadt sei zum Handeln verpflichtet. Damit sei der Antrag dringlich. Nun, wenn ein Antrag schon so lange dringlich sei, dann komme es wohl auf ein paar Wochen mehr auch nicht mehr an, gibt Christoph zurück. Doch darauf wird nicht mehr weiter eingegangen.

Klimavorbehalt: „So kann man sich das auch sparen.“

Verärgert zeigt er sich auch über das flankierende Formblatt zum Klimavorbehalt. Seit dem vergangenen Jahr müssen die jeweiligen Auswirkungen eines Beschlusses aufs Klima von der Verwaltung jeweils flankierend dargestellt werden – das zeitigt bislang eher mäßigen Erfolg (unser Bericht vom Januar). Und so auch beim Beschluss zur Entschärfung der Verkehrssituation an der DEZ-Kreuzung.

„Der Beschluss betrifft die Planung eines verkehrlichen Knotenpunktes sowie eine Verkehrsuntersuchung und hat keine Auswirkungen auf das Klima“, heißt hier lapidar in der Vorlage. Das sei schon „relativ dreist“, meint Christoph. Schließlich seien hier mehrere bauliche Maßnahmen notwendig. Und auch wenn es grundsätzlich zu begrüßen sei, dass man die Verkehrssicherheit für Radfahrerinnen und Radfahrer erhöhe, sei es auch „eine Frage der Ehrlichkeit“, die Informationen zum Klimavorbehalt auch ordentlich mitzuteilen. „Sonst kann man sich das auch sparen. Andere Ämter schaffen das ja auch.“

Wird das Fahrrad als Verkehrsmittel für voll genommen?

Deutlich grundsätzlicher wird die Kritik von Christoph und ÖDP-Fraktionschefin Astrid Lamby aber an der Ausrichtung des Beschlusses an sich. Einerseits solle die Verkehrssicherheit für Radler erhöht werden, was „super“ sei, aber andererseits gehe es dann auch sofort darum, die Leistungsfähigkeit des Knotenpunkts für den motorisierten Individualverkehr zu erhöhen.

Was denn mit der Leistungsfähigkeit der Kreuzung für Radfahrer sei, will Lamby wissen. Die sei, so sagt sie aus eigener Erfahrung sehr schlecht, mit langen Wartezeiten und vielen Kreuzungsüberquerungen, je nachdem, wohin man wolle. Auch dass die Aufstellflächen für Radfahrer reduziert werden, um zusätzliche Abbiegespuren für den Autoverkehr zu ermöglichen, hält sie für ein Manko.

„Ich habe hier wieder einmal das Gefühl, das Fahrrad ist zwar auch etwas, dass sich bewegen soll im Straßenverkehr und was auch seinen Platz haben soll, aber dass das Fahrrad auch ein Verkehrsmittel ist, mit dem man flott durch den Stadtverkehr kommen soll, das fehlt mir wieder einmal in dieser Vorlage“, so Lamby.

Verschiebung abgelehnt

Auch das will Tanja Flemmig so nicht stehen lassen. Dem Fahrradverkehr werde hier nichts weggenommen und der werde auch nicht stiefmütterlich behandelt. Schließlich werde es künftig eine eigene Grünphase für Radfahrer geben, um tödliche Abbiegeunfälle, wie geschehen im November 2017, auszuschließen. Der Fahrradweg werde nicht schmäler, sondern lediglich verschränkt. Die Kreuzung bleibe sowohl für Auto- wie auch für Radfahrer leistungsfähig.

Christoph und Lamby vermag das nicht zu überzeugen. „Es ist nicht attraktiv für Radfahrer, wenn die Radwege verschränkt werden“, beharrt Lamby. Das werde die Leistungsfähigkeit verschlechtern. Die Oberbürgermeisterin interveniert: „Uns ging es hier in erster Linie um die Sicherheit unter Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit. Das ist gelungen.“ Christoph schlägt vor, eine Kreuzung nach holländischem Muster zu prüfen. Man könne das doch noch auf den nächsten Planungsausschuss verschieben, so sein Antrag.

Nicht alles so negativ sehen…

Der wird am Ende abgelehnt. SPD-Fraktionschef Thomas Burger merkt noch an, dass ihm der Zungenschlag in der Debatte „ein bisschen zu negativ“ sei. Es gehe doch vorrangig um die Verkehrssicherheit. Und wenn man dabei noch die Leistungsfähigkeit einer Kreuzung erhalten könne, „dann wären wir doch mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn wir es nicht machen würden“.

Auch solle man den Ferienausschuss nicht immer so abwerten, so Burger. Das sei doch ein vollwertiger Ausschuss, der am Ende – gegen die Stimmen von ÖDP, Grünen und Stadtrat Ingo Frank (Die Partei) die weiteren Planungen zum Umbau der DEZ-Kreuzung auf den Weg bringt.

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Kommentare (8)

  • Mr. T.

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    Ich finde es gut, dass solche kontroversen Entscheidungen im Ferienausschuss abgefrühstückt werden. Dann müssen sich wenigstens nicht alle Stadträt*innen hinterher die Kritik dafür um die Ohren hauen lassen.

  • Gscheidhaferl

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    Ja, nehmen wir uns die Worte von Herrn Burger zu Herzen und seien wir nicht immer so negativ. Gibt ja auch Grund dafür. Bislang hab ich z.B. es immer gern vermieden, an besagter Kreuzung von Westen auf der Frankenstraße kommend nach Norden/links in die Nordgaustraße abzubiegen. Mit der einen, relativ kurzgetakteten Abbiegespur war das immer recht nervig. Jetzt brauch ich dieses Vermeidungsverhalten wohl nicht mehr, weil es ja künftig zwei Linksabbiegerspuren geben wird. Toll!

    Auch schön, dass sich diese Aufwertung der Kreuzung für den MIV (motorisierter Individualverkehr) den Fahrradfahrern als Schutzmaßnahme unterschieben lässt, ohne, dass Autofahrer eingeschränkt würden. Ganz im Gegenteil: Weil die Radler eine eigene Grünphase bekommen, nerven sie beim Abbiegen weniger. Darüber, dass die deswegen jetzt noch länger dem MIV beim Vorbeifahren zusehen können, tröstet ja jetzt hinweg, dass sie dann eine Spur weniger überqueren müssen, wenn sie die Frankenstraße nach Norden queren wollen. Auch hier stören sie den Verbrenner-Verkehr, um den es primär geht, also weniger.

    Ich warte ungeduldig auf den Tag, an dem diese Art des Fahrradfahrerschutzes konsequent zu Ende gedacht wird, und an der Kreuzung das Fahrradfahren komplett verboten wird. Und darauf, dass dann wieder irgendein Schönredner mir dann wieder erklärt, dass das doch alles positiv zu sehen sei.

    Gibt’s aktuell in der SPD eigentlich noch irgendwelche ernstzunehmende Persönlichkeiten? Als Wolbergs seinerzeit seinen Hut nahm, habe ich darin durchaus eine Chance zum Neuanfang für die Genoss_innen gesehen. Aber irgendwie scheint da wirklich nichts und niemand mehr zu sein.

    Ach ja, und vielen Dank an die Verwaltung für die hervorragende und nicht im geringsten positiv überraschende Vorbereitung.

  • Wuzzi

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    Der MIV muss dringen durch den Ausbau der Kreuzungen beschleunigt werden, er muss ja möglichst schnell zur Mobilitätsdrehscheibe am Unteren Wöhrd gelangen. Radfahrer stören da nur.
    @ Gscheidhaferl
    Übrigens, die Verwaltung hat einen Namen. Es ist die immer wieder gern gewählte Planungsreferentin Schimpfermann.

  • Rita Lell

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    Denkt hier auch jemand darüber nach, dass der gesamte Verkehr über die Nibelungenbrücke geleitet wird. Regensburg braucht eine Donauquerung im Westen um das Verkehrsaufkommen hier zu verringern.

  • Radler33

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    @G.Haferl danke für den wahren und erheiternden Kommentar.

    “Sicherheit für Radfahrer” bedeutet nach wie vor: Den Radfahrer einfach zur Seite, an den Rand, oder durch Unattraktivität der Wege verdrängen.

    Das selbe Spiel treibt man ja seit Jahrzehnten mit Radwegen. Nein, Radwege (so wie wir sie haben) sind KEINE Sicherheitsmaßnahme, im Gegenteil. Es gibt dort Gefahren, die auf der Fahrbahn erst gar nicht existieren.

    Nachdem der autofahrende Mob keine Radfaher auf Fahrbahnen dulded (auch da, wo’s gar keine Radwege gibt) und das durch Drängeln, dichtes Überholen, Hupen auch Kund tut, funktoiniert die Täuschung und Radfahrer fühlen sich in ihren minderwertigern Ghettos, den Radwegen, Streifen, tatächlich dort sicherer.

  • da_Moartl

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    Man muss sich den dankenswerterweise abgedruckten Plan der Stadt”planung” erst einmal herunterladen und am Bildschirm vergrößern, um in aller Klarheit zu sehen, das da wieder einmal für ein Schmarrn verzapft wird. Nichts, aber auch gar nichts verbessert sich wirklich. Eine veränderte Ampelschaltung braucht keinen Umbau. Das kann man auch gleich haben. Aber eine Stadtverwaltung, die es nicht einmal schafft, auf ihren Magistralen wie Frankenstraße oder Friedensstraße eine “grüne Welle” zu schalten, wird mit einer solchen Programmierung ohnehin überfordert sein. Ein feines Detail geht in dem Plan fast unter: Es sind die typischen roten Markierungen von Radübergängen, die gerade mal bis zur Verkehrsinsel in der Fahrbahnmitte reichen. Spätestens da wird deutlich, dass man in Regenburg noch immer keinen blassen Schimmer von psychologisch geschickter Radwegeplanung hat.

  • Florian

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    Die gestrichelte Kreuzungsmitte wird sicherlich als Kunst am Bau in die Geschichte eingehen. Ein 3fach hoch, an die taffen Jungs und Mädels von der Kreativabteilung.

  • JJ

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    @Rita Lell.
    Es gibt zwei gertrennte, parallele Donauquerungen im Westen für PKW, LKW und Rad- und Fußweg. Finde die super da kein Konflikt zwischen Rad und PKW/LKW besteht.

Kommentare sind deaktiviert

drin