Scheinheilige, Heuchler und Demokraten

Tusch! Das Blasorchester St. Konrad legt sich mächtig ins Zeug. Jubelmarsch folgt auf Jubelmarsch, während sich die Delegierten auf der Treppe drängeln.Wie Orgelpfeifen aufgereiht stehen die Prosecco-Flaschen im Eingangsbereich des Kolpinghauses. Es wird „Sprizz“ gereicht. Der Tag, den CSU-Chef Armin Gugau unter das Motto „Aufbruch“ gestellt hat, soll glorreich werden. Die Regensburger CSU wählt ihren Kreisvorstand neu. „Ob es ein triumphaler Tag wird, weiß ich nicht, aber ich habe ein gutes Gefühl“, sagt der Landtagsabgeordnete Franz Rieger im Hochgehen und lacht. Wer heute die Nase vorn hat, ist schon lange klar. Die Frage ist eigentlich nur, wie groß die Mehrheit nun tatsächlich sein wird, die Gugau und Rieger um sich scharen konnten. Am Ende werden es knapp 75 Prozent der Delegierten sein.

Das übliche Schmierentheater

Hans Schaidinger und CSU-Fraktionschef Christian Schlegl haben so etwas wohl schon geahnt, sich haben sich am Freitag entschuldigen lassen. Vielleicht wollten sie sich eine Demütigung ersparen, vielleicht haben sich auch die Nase voll von dem Schmierentheater, bei dem die beiden vier Jahre lang exponierte Rollen eingenommen haben, das auch heute wieder beide Seiten aufführen und in dem es vorgeblich darum geht geht, wer den nun der bessere Demokrat ist oder wer es denn eigentlich ernst gemeint hat mit der Befriedung der Partei. Der bayerische Grundsatz „Mit ‚m Reden kommen d‘ Leut zam“ gilt für die Regensburger CSU schon lange nicht mehr, vielmehr ist das Gegenteil der Fall. Je mehr geredet wird, desto offenkundiger wird die politische, aber auch persönliche Abneigung, mit der sich die Vertreter der beiden Lager gegenübertreten, in einem bald fünf Jahre währenden Streit, den Oberbürgermeister Hans Schaidinger mit ausgelöst hat, dessen Ursprünge aber mittlerweile kaum noch eine Rolle spielen. Scheinheiligkeit, Unverschämtheit und Lügen werfen sich beiden Seiten auch heute wieder vor. Auch heute haben beide Seiten recht.

Eigen- und sonstige Tore

Fußballmetaphern sind in diesem Jahr das rhetorische Mittel, mit dem die Metaphern-Schleuder geladen wird. „Bei uns ist die Mannschaft der Star, nicht der Stürmer“, meint Armin Gugau mit einem deutlichen Seitenhieb auf Hans Schaidinger. Entgegen seiner sonstigen Gewohnheit räumt Gugau ein, dass die CSU tatsächlich „ein Problem“ habe: „Einige spielen aufs falsche Tor. Denen muss man die rote Karte zeigen und sie auf die Ersatzbank schicken.“ Es folgt Applaus, der die Mehrheitsverhältnisse deutlich markiert. Doch während Schlegl und Schaidinger, um im Bild zu bleiben, nicht einmal ins Stadion gekommen sind, wollen jene, die nun auf die Ersatzbank sollen, das nicht klaglos hinnehmen. Mit Bernhard Mitko und Konrad Brenninger sind es die altbekannten Kritiker, die nun ans Rednerpult gehen und ihre Fußballphilosophie zum Besten geben.
Demokratischer Disput: Armin Gugau, JU-Chef Michael Lehner und Bürgermeister Gerhard Weber. Fotos: Staudinger
Ein gutes Stündchen feindet man sich so mal oberhalb, mal unterhalb der Gürtellinie an, redet über Eigen-, richtige und falsche Tore. Als schließlich ein Delegierter den Antrag stellt, die Redner-Liste zu schließen, platzt Bürgermeister Gerhard Weber der Kragen.

Und täglich grüßt der Fürst

Es sei bodenlos, wenn den Delegierten die Möglichkeit zur Aussprache abgeschnitten werde. Das sei „keine Demokratie, sondern Verknechtung der Anwesenden“. Das sei Ausdruck des Demokratieverständnisses des derzeit amtierenden Vorstands. Und überhaupt, so Weber, habe dieser Vorstand nur die Mehrheit dank einer übergroßen Gruppe, die „am Bandl von Thomas Fürst“ hänge. Tumulte und Gelächter im Raum, als es wieder einmal um den „Fürst der Finsternis“ geht, den Rechtslastigen, der im Hintergrund die Fäden ziehen soll. Postwendend tritt Gugau ans Mikro, wirft Weber „Unverschämtheit“ und „Scheinheiligkeit“ vor.

75 Prozent für Gugau

Schließlich wird die Rednerliste auf Beschluss der übergroßen Mehrheit der Anwesenden geschlossen und die Wahl beginnt. Deren Ergebnis ist eindeutig: Armin Gugau erhält 89 von 119 abgegebenen Stimmen. Ähnlich fallen die Ergebnisse der übrigen Mitglieder des 24köpfigen Kreisvorstands aus, in den drei Frauen gewählt werden. Die „Quertreiber und Krawallos“ (Gugau) sind aber noch weniger. Ihre Zahl hat man auf Null reduziert: Von den Anhängern von Oberbürgermeister Hans Schaidinger und Fraktionschef Christian Schlegl befindet sich am Ende niemand mehr im Kreisvorstand. Thomas Fürst dürfte das auch freuen. Tusch!

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Kommentare (15)

  • Joachim Datko

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    Jetzt kann ich nur noch hoffen, dass die Wähler die CSU noch weiter nach unten rutschen lassen. Die CSU hat zu lange in Bayern die Fäden gezogen. Es tut nicht gut, wenn eine Partei so dominiert, wie es die CSU in Bayern gemacht hat. Mein Wunsch ist, dass dem Tandem r.-k. Kirche und CSU bei der Bayern Rundfahrt die Luft ausgeht.

  • Jochen Schweizer

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    Ja der „Fürst der Finternis“ kontrolliert alle CSU-Mitglieder in Regensburg indem er diese am „Bandl“ führt. so Herr Bürgermeister Weber am Samstag, den 14. Mai 2011. Er und die Seinen sollten die Psychiatrie eines Krankenhauses aufsuchen, den diese medizinische Fachdisziplin, beschäftigt sich mit der Prävention, Diagnostik und Therapie seelischer Erkrankungen, hier Paranoia.

    Das Spektrum paranoider Reaktionen reicht von neurotischen Formen einer paranoiden Neigung bis zu schweren psychotischen Ausprägungen. Die neurotische paranoide Persönlichkeit ist durch übertriebene Empfindlichkeit gegenüber Zurückweisung, besondere Kränkbarkeit, sowie Misstrauen gekennzeichnet, hier Nichtberücksichtigung durch die Deligierten durch deren Nichtberücksichtigung im CSU-Kresivorstand.

    Sie neigt dazu, neutrale oder freundliche Handlungen anderer als feindlich oder verächtlich zu interpretieren.

    Weiter Gute Besserung

    Jochen Schweizer

  • wutbuerger

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    Ohne Parteiamt und -würden kann Schaidinger sich endlich mehr auf die Beschimpfung der Wutbürger konzentrieren.

  • schwarzmeertanker

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    Die Gesellschaft hat sich die letzten Jahre geändert. Diese Änderungen haben sich auch in der CSU in ihrer Mitgliederstruktur durchgeschlagen. Die Mandatsträger in der CSU-Stadtratsfraktion vertreten in ihrer Mehrheit aber nicht mehr die CSU als Partei. Dies hat Schaidinger 2007 aus eigenem Machtkalkül gegen diese Mitgliederstruktur nur ihm genehme Leute auf der CSU-Stadtratsliste durchgesetzt. Jetzt wo er und seine Anhänger von den Entwicklungen überrollt werden, schreit man „Undemokraten“ und holt aus der Mottenkiste die nie bewiesenen Vorwürfe der „Rechtslastigkeit“ heraus. Zu letzterem empfehle ich auch http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,762703,00.html zu lesen.
    „Der letzte macht das Licht aus“ kann ich den Ewiggestrigen nur noch empfehlen. Und in der Demokratie gilt: Mehrheit ist Mehrheit. Man kann darin mitgestalten oder sich abspalten. Und dann sollen bitte die Querulaten bitte still und leise gehen und nicht noch eine Partei mit ihrem auf der zweiten Freudschen Entwicklungsstufe anzusiedelnden Verhalten kaputtmachen. Sonst muss muss man dieses Verhalten auch noch als Kernspaltung bezeichnen. Und dann gehören diese Leute besser ins Endlager.

    Als Christ betet man am besten:“Herrgott, schmeiss Hirn vom Himmel und triff auch die richtigen.“

  • domiNO

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    Was die CSU in Regensburg insbesondere verschlafen hat, ist doch, auch die Frauen an de rPolitik mitwirken zu lassen. Der Frauenanteil im Vorstand ist jetz gerade mal bei 12% und spiegelt weder Mitgliedsanteil noch Gesellschaftsanteil dar. Übrigens waren auf der letzten Stadtratsliste die Lager einigermaßen ausgewogen vertreten, dass sich die Mandatsträger überwiegend im einen Lager wiederfinden, ist allerdings offensichtlich.

  • Poiltiker

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    Der OB hat dafür im Rathaus schon das Feld bestellt, wie wir im letzten Wochenblatt erfahren haben.
    Sein persönlicher Mitarbeiter sitzt künftig bis zu seiner Pensionierung an der Schaltstelle in derStadtverwaltung und gleich wie der OB 2014 heißen wird, Schaidinger wird weiterhin uneingeschränkten Zugang zu allen Informationen haben. Wissen ist Macht. Die Stelle Leiter Steuerung und Koordination ist übrigens nicht deutschlandweit ausgeschrieben worden. Weder die MZ noch die Bayerische Staatszeitung sind so bedeutungsvoll.

    Die künftige Persönliche Referentin gelangt wie ihr Vorgänger übrigens auch ganz ohne Ausschreibung in ihre Position, ganz im Sinne des Art. 33 Abs. Grundgesetz, der sagt: „Jeder Deutsche hat nach seiner Eignung, Befähigung und fachlichen Leistung gleichen Zugang zu jedem öffentlichen Amte.“ Warum wohl? Finden wir bei Google die Antwort?

    “ Schatzmeisterin Kristina Neumaier legte im Anschluss einen einwandfreien Kassenbericht vor und die Vorstandschaft wurde daraufhin einstimmig entlastet.
    http://www.ju-landshut-land.de/presseberichte.php/year/2007/Presseberichte/2007).“

    Der Kreis der bedingungslosen und schenckelklatschenden Bewunderer des Oberbürgermeisters wird damit konstant bleiben. Nachdem lt. Städtischer Pressemitteilung einstimmig diese Personalie entschieden wurde, muss sich der Unmut der SPD und der anderen Fraktionen in Grenzen halten. Es zeigt wieder einmal dass der OB alle in die Tasche steckt. Er schafft Tatsachen und alle anderen jammern: Wir können nichts tun!“ Die CSU als Opposition hätte sich das nicht gefallen lassen. Ist das bereits der Preis dafür, dass die SPD und ihr designierter OB-Kandidat darauf hoffen die Koalition nach 2014 fortsetzen zu dürfen? Lt. MZ käme die SPD aktuell auf 20 % und die CSU auf 30 %. Nur die CSU der Umfrage ist nicht die Schaidinger CSU. Warum sollte die mit Zöglingen des OB Schaidinger arbeiten wollen? Hat sich das die SPD-Führung bei ihrer Zustimmung zu den Stellenbesetzungen überlegt?

    Der OB Schaidinger hat der künftigen Stadtregierung zwei Eier ins Nest gelegt, über deren Sprengkraft sie sich noch nicht im Klaren ist, womit sie aber zurecht kommen wird müssen.

  • habemusmamam

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    Wer ist denn eigentlich der hübsche Bub auf dem letzten Foto?
    Verträumter Blick, aber nicht wegen den Mädels!
    Kurz, Ein Schnappschuss, wie man ihn nur hier findet!

    Allgemein ist halt der Kreisvorstand jetzt wie schon bis vor 2 Jahren mit 100% Rieger-Leuten besetzt, und das hat sich nicht auf die Stadtratsliste niedergeschlagen. In den zurückliegenden zwei Jahren war dann eine Handvoll Schaidinger-Lager als Beisitzer im Kreisvorstand dabei, und jetzt wieder nicht – erkennbare Folgen wird man lange suchen müssen.

  • RuhigBlut

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    Ich verstehe bei bestem Willen diese Bildinterpretation nicht… Was wollen Sie uns egtl damit sagen?

  • Dubh

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    Wieso?
    Das mit den Frauen hat doch seine volle Richtigkeit.
    Oder meinen sie Schwarze hätten im Kukluxklan etwas zu sagen, wenn man sie plötzlich aus „Modernitätsgründen“ aufnähme?

  • JaneDoe

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    Diese Ansicht entspricht offensichtlich dem Zeitalter der Gründung des Ku-Klux-Klans und ist somit auf keinen Fall mehr up-to-date.

    Es ist wohl nur noch bezeichnend, wenn Sie die Regensburger CSU mit dem Ku-Klux-Klan vergleichen.

  • Dubh

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    Kirche – Kinder – Küche – KKK für Frauen – wie soll man erzreaktionäre Mämnnerbünde mit erzreaktionärem fundichristlichen Frauenbild denn sonst bezeichnen?
    Über das Bewusstsein der Zeit zur KKK Gründung in punkto Rassismus und Sexismus ist die CSU ja nie hinausgekommen, da ist der Zeitpunkt der Gründung ziemlich irrelevant.

    Und – sie ist sich immer „treu“ geblieben – da gab es keine gelegentlichen up-to-date Schlenker wie in anderen Parteien, so hat sie nun wirklich nicht ohne Grund den geringsten Frauenmitgliederanteil aller Parteien.

  • Matthias Beth

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    Hoffentlich retten die CSU-Mitglieder um die CSU-Stadtratsfraktion Regensburg! Mit den derzeitigen destruktiven Elementen im jetztigen Kreisvorstand kann man keine Wahlen gewinnen und eine verlässliche Politik für den Bürger machen!

  • RuhigBlut

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    Sie werden das Gegenteil erleben!

  • domiNO

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    Bezieht sich das auf Beths Einlassung, so muss ich Sie enttäuschen, denn sein plötzlicher Meinungsumschwung pro Fraktion ist -soweit ernst gemeint- nur eine Trotzreaktion auf die Nichtberücksichtigung seiner Person als wenigstens Beisitzer im Kreisvorstand.
    Seinen ersten Satz können Sie getrost streichen, für den zweiten allerdings erhält er meine Zustimmung.

  • CSU-Mitglied

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    Eventuell ist Herr OB Schaidinger, wegen der Vorkomnisse bei der LB-Bayern, in der er noch im Verwaltungsrat sitzt nicht gekommen. Denn der Spiegel meldet, dass frühere BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky beim Verkauf eines Knapp-50- Prozent-Pakets seiner Bank an der Rennsportserie Formel 1 im Jahr 2006 offenbar mehr Geld herausgeholt als die bislang bekannte Summe von 837 Millionen Dollar. Das geht aus internen Unterlagen des Instituts hervor, berichtet das Magazin Der Spiegel in seiner Montags-Ausgabe.

    Die BayernLB hatte ihre Beteiligung damals zusammen mit der von Bernie Ecclestones Familienholding Bambino an den Finanzinvestor CVC veräußert. Der konnte sich dadurch die Mehrheit an der Motorsportgruppe sichern und zeigte sich entsprechend großzügig. Das Nachsehen hatten zwei US-Investmentbanken, die ihre Beteiligungen erst später an CVC veräußerten.

    Weil CVC auch ohne sie bereits das Sagen bei der Formel 1 hatte, bekamen sie offenbar weniger pro Anteilsschein als BayernLB und Bambino. Ein Teil der von CVC so eingesparten Summe floss im Rahmen einer vertraulichen Zusatzvereinbarung („profit sharing agreement“) nachträglich an die BayernLB und Bambino – offenbar als eine Art Prämie. Laut einem Aufsichtsratspapier handelte es sich allein bei der BayernLB um einen Betrag „in einstelliger Millionenhöhe“. Hintergrund: Hätten die Bayern und Ecclestone die beiden Investmentbanken frühzeitig in ihre eigenen Verkaufspläne eingeweiht, wären alle Anteile wohl zum gleichen, entsprechend höheren Preis an CVC gegangen. Der Finanz investor wollte sich zu dem Vorgang nicht äußern.

    Auch ein BayernLB-Sprecher lehnte mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft jeden Kommentar ab.

    Alle unter den Augen des Verwaltungsrates Herr OB Schaidinger!

    Warum trennt sich dei CSU nicht von diesem Mitglied?

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