Schulleiter contra Schulbürgermeister

Als „Panikmache“ hat Schulbürgermeister Gerhard Weber die Befürchtungen FOS/BOS-Schulleiter Karl-Heinz Kirchberger zurückgewiesen. Kirchberger hatte angesichts der Raumnot angedeutet, dass für das kommende Schuljahr Schichtbetrieb nötig werden könnte, um alle Schüler unterrichten zu können. Im Gespräch mit unserer Redaktion verwahrt sich Kirchberger nun gegen Webers Vorwurf der Panikmache. Auf den erste Blick hört sich Webers Argumentation ganz vernünftig an: Im vergangenen Jahr wurden 1.550 Schülerinnen und Schüler an der Regensburger FOS/BOS im Ziegelweg und an der Landshuter Straße unterrichtet, für dieses Schuljahr gibt es 1.580 Anmeldungen. Angesichts dessen könne man nicht von einer unlösbaren Raumproblematik sprechen, so Weber. Im Gegenteil: Angesichts der Tatsache, dass Schülerinnen und Schüler der BOS im Rahmen der „Dualen Berufsausbildung mit Fachhochschulreife“ in einer städtischen Berufsschule untergebracht würden, benötige die FOS/BOS in diesem Jahr nur noch Räume für 47 statt bisher 48 Klassen. Alles in Butter also? Von wegen, kontert jetzt Schulleiter Kirchberger. Die Argumentation von Weber laufe auf das Motto „Bis jetzt haben sie es immer noch hingekriegt“ hinaus. „Das ist wieder einmal typisch.“ Bereits im vergangenen Schuljahr sei die Situation untragbar gewesen. „Wir haben 48 Klassen unterrichtet und laut Raumprogramm inklusive Container eigentlich nur 43 Räume zur Verfügung.“ Die Lösung: Zwei Klassenräume wurden durch Faltwände abgetrennt, um daraus vier zu machen, entsprechend hoch war der Lärmpegel. Fachräume wurden in normale Klassenzimmer umfunktioniert oder mittels mobiler Tischplatten mal als Chemie- mal als Kunstraum genutzt. „Wir haben das alles als Notlösung mitgetragen, weil uns damals noch ein früherer Baubeginn versprochen worden war. Das wollen und können wir nicht mehr.“ Realistisch betrachtet benötige man 50 Räume. Das bedeutet: Will man die bisherigen Notlösungen abschaffen, braucht die FOS/BOS sieben weitere Zimmer. Von Lehrkräften wie Schülern gebe es zunehmend Beschwerden, erklärt Kirchberger weiter. Normaler Unterricht sei insbesondere in den notdürftig abgetrennten Klassenzimmern einfach nicht zu machen. „Ich kann das nicht mehr mittragen.“ Was Weber als „Panikmache“ bezeichne sieht Kirchberger als „Vorsorge, um auf das Raumproblem frühzeitig reagieren zu können“. Das hat die Stadt bis heute nicht getan. Am Dienstag ist Schulbeginn. Dann will der Schulleiter den eingeladenen Medienvertretern die Räumlichkeiten (wieder einmal) zeigen. Paradox: Im Gebäude an der Landshuter Straße 17 stehen freie Räumlichkeiten zur Verfügung. Das sei aber „für den Notfall“ gedacht, hatte Weber in der Vergangenheit geäußert. „Wenn es am Ziegelweg einen Unfall gibt, muss ich die Schule von heute auf morgen außer Betrieb nehmen.“ Dafür brauche er das Gebäude an der Landshuter Straße als Ausweichoption. „Zusätzlich geht nicht.“

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Kommentare (9)

  • Roswita Hallhuber

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    „„Wenn es am Ziegelweg einen Unfall gibt, muss ich die Schule von heute auf morgen außer Betrieb nehmen.““

    Unfall? Was für ein Unfall?

    Schwant dem Schulbürgermeister Böses? Hat er Vorahnungen? Schlaflose Nächte?

    Oder nur geistige Umnachtung?

  • grace

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    Am AMG z.B. waere das undenkbar.
    Sind BOS- und FOS-Schüler etwa Schüler zweiter Klasse?

    Immer schön das Geld für Protzbauten zum Fenster rausschmeissen,
    für Zeug das keiner will und keiner braucht. Mit dem man sich aber aufplustern kann wie ein Pfau.
    Wenns um die notwendige Bildung geht, da sind die Sparfüchse am Start.
    Wenns um elitären Kram wie den Musikschulen-Prunkpalais geht, gilt scheints aber: was kostet die Welt!!!

    Bildungsoffensive auf Regensburg-Art?

  • ein Vater

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    @ grace

    am AMG und anderen Gymnasien regt sich kein Schüler der 12ten oder 13ten Klasse auf über Nachmittagsunterrricht.

    Das ist dort Normalität, an mehreren Wochentagen, wobei die Vormittage durch zahlreiche Freistunden „zerfledert“ werden.

    Meine Tochter hatte letztes Jahr 8 Stunden an Nachmittagen (bis ca. 16.30 Uhr), z.B. sogar Freitags und in der Zeit zwischen 8 und 13 Uhr elf !!! Freistunden in der Woche.

    Etwas mehr Kreativiton bei der Sundenplangestaltung wäre sicherlich auch ein Thema, dass man überlegen könnte.
    Aber Herrn Kirchberger geht es nur noch um die Konfrontation mit der Stadt.
    PS: nicht das ganze Lehrerkollegium steht hinter dieser Konfrantationspolitik des Schulleiters.

    Es wird interessant sein nach der Stellungnahme des Ministerialbeauftragten zu sehen, wie sich der Freistaat bei der Zuschussbeantragung der neuenn FOS/BOS nastellen wird, ob der Freistaat dabei die Zahl der Klassenräume für förderfähig erachten wird die sich Herr Kirchberger einbildet.
    Die bisherigen Plaung sehen im Neubau nach meinen Kenntnissen aus den Medien weniger Klassenräume vor als sie Herr Kirchberger ab kommender Woche haben will.

  • ehemaliger AMGler

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    @ein Vater

    Erst mal, Vati, herzlichen Glückwunsch, dass Sie so eine wohl geratene Tochter haben!

    Sie selbst waren wohl nicht am AMG, sonst hätten Sie dort sicherlich schon im Vormittagsunterricht der Unterstufe gelernt, dass Äpfel nicht mit Birnen verglichen werden sollten, weil´s sonst im Gemüsegarten bald zugeht wie in der Regensburger Stadtverwaltung.

    mfG

  • Anna

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    Naja, rechnen kann Herr Weber, 1580 sind 30 mehr als 1550. Also eine Klasse. Weiß er nicht, dass sich die SchülerInnen auf FOS und BOS, die Klassen 11-13 und unterschiedliche Fachrichtungen verteilen?
    Bei mir an der Schule (auch FOSBOS) sind es genauso viele Schüler wie letzes Jahr und zwei Klassen mehr.

    Jedes Gymnasium hat Fachräume ohne Ende, aber an der FOSBOS muss permanent improvisiert werden. Die schreiben (zum Großteil) ja „nur“ ein Fachabitur, die Eltern sind nicht fast durchgehend Ärzte, Rechtsanwälte etc. wie z.B. am AAG.
    Und an den Herrn Vater:
    An FOSBOS gibt es sehr wohl Nachmittagsunterricht, sofern die Stundentafel voll unterrichtet wird (das geht aber zwecks Budgetierung – Ihnen sagt das sicher was- meist nicht (das ist der noch größere Skandal). Regulär haben alle Klassen und Fachrichtungen mindestens vier Stunden nachmittags, also geht die zweite Schicht dann bis abends um zehn? Warum nicht gleich in drei Schichten unterrichten? Was würde der Staat da nicht an Räumen sparen! Wenn da mal nicht McKinsey oder sonst eine der menschenfreundlichen Beraterfirmen drauf kommt! Und der Staat muss ja sparen …

    Es wird spannend am ersten Schultag!

  • FOS SCHÜLER

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    FOS/BOS: Rektor schickt Schüler nach Hause

    und zwar um 9 uhr…so war der erste tag…es waren einfach zu wenig räume da…und ich kann alles bestätigen, was Anna geschrieben hat…

    ich habe ca 3 mal die Woche NAchmittag und an allen Tagen von 8 bis 13 Uhr NAchmittag, so wie es jetzt ausschaut….

    es sei ich muss von 13 bis 18 zhr, plus nachmittag, wären wir bei 20 uhr…achja…dann kommt noch lernen dazu und hausaufgaben, bin dann so um 24 uhr im bett, weil essen musste ich dazwischen auch noch, es sei, dass ich überhaupt zur schule komme oder heim, da die Busse an die normalen Schulzeiten angepasst sind…

    aber ich versteh den Schaidinger ja schon…hinter der Schule steht ja keine Lobby, die ihm Geldeinschieben kann

  • K.Manz

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    FOS und BOS waren früher die Möglichkeit der Realschüler auf dem gewählten 2. Bildungsweg
    noch das Abtiur zu machen. Leider ist dies jetzt auch zum Pool der gestrandeten Gymnasiasten
    geworden. Aber auch dies ist das Ergebniss unserer tollen Bildungspolitik.
    Aber dieses Versagen sollten wir doch nicht unsere Kindern ausbaden lassen.
    Das dies zum großen Platzproblem werden würde, wußte man doch schon Jahre vorher,
    aber diese Probleme behandelt man ja wie immer Milchmädchenrechnungsmäßig.
    Wenn die einzelen Firmen mit so einer Führungspolitik arbeiten würden, könnten sie schon
    lange Konkurs anmelden, wann lernen unsere Politiker, dass sie eine Verantwortung übernommen
    haben und diese im Sinne aller zu leisten haben, auch wenn sie selbst davon nicht betroffen sind,
    selbst keine Kinder haben.
    Lernt doch endlich vorauschauend zu arbeiten

  • Lang

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    Sehr geehrte Bürgermeister,

    könnte Schichtuntericht „von heute auf morgen“ auch erst eingeführt werden, „wenn es am Ziegelweg einen Unfall gibt“, aber jetzt schon Notuntericht mit weniger Schicht und Raumteilern im Gebäude an der Landshuter Straße 17?
    Bin ich unvorstellbar dumm, wenn ich Ihren Grund nicht kenne für „Zusätzlich geht nicht.“? Haben Sie den schon so oft veröffentlicht?

    Was ist jeweils die „Ausweichoption“, die „für den Notfall“ freizuhalten ist,
    für die Kindergärten,
    für städtische Kliniken,
    für Feuerwehrwachen,
    usw. ?

    Untertänigst

    Lang

  • Fritz the Cat

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    @ Lang, Sie, Du sprichst mir aus der Seele. In der Reihenfolge würden den Notfall, wie auch immer dieser geartet ist, von allen sozial eingestuft werden. Auch die BOS/FOSler würden dies sicherlich so einstufen und vernunftsbezogen handeln. Nur der Bürgermeister Weber mit seinem diesbezüglichen Stadtratskollegen, samt seinen SPD Kollegen und gipfelnd beim OB vertritt andere Positionen. Tja …

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